Vorwort
Ich betreibe schon viele Jahre eine Variante lokalen Speichers in meinem Heimnetzwerk.
Der dafür genutzte Rechner bestand grundsätzlich aus Consumer-Hardware-Resten.
Angefangen hat alles mit einem Pentium II 350MHz und #fli4l Router Software mit SMB Plugin und einer ~15GB IDE Festplatte.
Heute möchte ich meinen aktuellen Rechner bzw. das aktuellste Upgrade für diesen Einsatzbereich vorstellen, für den ich u.a. auch den Gebrauchtmarkt und teilweise auch Neuware genutzt habe, um das Projekt abzurunden. Der Fokus soll hier auf Hardware liegen.
Alles in allem bin ich mit dem Endergebnis zufrieden genug, dass mich der Rechner sicherlich ein paar Jahre begleiten wird, wie er jetzt geworden ist.
Der Artikel dient aber vor allem dazu, dass ihr ein paar bessere Entscheidungen trefft, als ich 😉
Ausgangslage und Ziele
Ausgangsbasis war ein:
Damit war für mich die Entscheidung getroffen das System auf AM4 Basis aufzubauen.
Problemstellungen, Kompromisse und Umsetzung
Das Gehäuse meiner Wahl war ein günstiger Kleinanzeigen Griff zu einem Silverstone DS380, das mit 8x 3,5" Wechselrahmen und weiteren 4 internen 2,5" auf dem Zettel gut ausgestattet schien. Ein BeQuiet! 400W SFX Netzteil war auf Kleinanzeigen ebenfalls einfach zu finden. Komplizierter würde es werden die Anschlussmöglichkeiten für alle potentielle SATA Anschlüsse möglich zu machen.
Der Kompromiss war also mit Adaptern, die relativ günstig bei Aliexpress zu haben waren, den x16 Slot mittels Bifurcation auf einem B550 Board möglichst vielseitig zu verwenden.
Das Kompromiss-Monster ist also eine x4x4x4x4 PCIe Karte mit 4 M.2 Slots geworden auf einem Gigabyte B550i Pro AX, welches selbst auch noch mal zwei native M.2 Ports und einen 2.5Gbit LAN Anschluss besitzt.
Mit dazu gibt es einen M.2 zu 8x SATA Adapter (4 native Ports + 4 durch einen Port Extender) an zwei MiniSAS Anschlüssen und einen M.2 zu PCIe x4 Adapter, um an einem dieser M.2 Anschlüsse wiederum eine dGPU anschließen zu können. Das Gehäuse bietet mit der Unterstützung des eITX Standards (kannte ich vorher gar nicht) nämlich Platz für einen PCIe Slot mehr, so dass für die dGPU eine weitere Gehäuseblende vorhanden war. Die zwei freien M.2 Anschlüsse auf der Adapterkarte könnten in Zukunft auch noch mit M.2 SSDs befüllt werden, so dass inkl. der beiden M.2 Anschlüsse auf dem Board auch ganze 4x M.2 SSDs (davon 3x PCIe 4.0 Support) Platz im System finden.


Das Silverstone DS380 habe ich über die Zeit und Bastelei lieben und hassen gelernt. Ich werde mir nie wieder ein Gehäuse zulegen, das so umständlich beim Verbau von Hardware ist. Die Wechselrahmen sind alle in einem internen Blechtower geparkt, den man erst komplett aus dem Gehäuse bauen muss, um an die Hardware dahinter zu kommen. Ebenfalls fällt der 3. Wechselrahmen weg, wenn man eine zu lange PCIe Karte verwendet, da das Gehäuse auch potentiell Platz für eine etwas größere GPU bietet, indem man den Platz eines Wechselrahmens dafür opfert. Mit einem eigenen Mod am Schlitten würden man dort immerhin eine 2,5" HDD / SSD rein geschoben kriegen (rechts im Bild der Slot mit Aussparung und weicher Ablage für die PCIe Karte).

Hier war der M.2 zu 8x SATA Adapter noch nicht installiert, der natürlich auch noch mal für viele extra Kabel sorgt. Kabelmanagement auf dem engen Raum ist die Hölle. Wenn dann auch noch im Minikäfig oben rechts im Bild weitere SATA Laufwerke hängen und die Kabel sich in der Mitte treffen ist die Not groß das alles knotenfrei oder ohne zu starkes Abknicken zu verkabeln. Kabelbinder lohnen sich nicht, denn bei Wartung muss man ja auch wieder alles komplett abstecken, um den Käfig ausbauen zu können 🙈. Die Kabel des BeQuiet! Netzteils hätte ich teilweise auch gerne abgeschnitten und isoliert, aber wer weiß wofür man das in Zukunft vielleicht doch noch mal brauchen kann.

Ebenfalls haben viele User mit dem Gehäuse die Erfahrung gemacht, dass die HDDs im Dauerbetrieb und vor allem unter Last zu warm werden. Dem kann man ein wenig Abhilfe per 3D Print Blockaden schaffen, die den Luftstrom der seitlichen Gehäuselüfter etwas mehr durch die HDDs im Käfig forcieren, indem sie recht bündig zu dem HDD Käfig abschließen. Angedeutet rechts im Bild sieht man nun auch den M.2 zu SATA Adapter und die verbaute Radeon GPU. Es wurde eng.

Zwischen-Ergebnis
Nachdem alles verbaut war lief die Kiste dann auch wie erwartet gut. Das Gehäuse ist kompakt und von außen wirklich schlicht gehalten, passt perfekt ins Regal und verrichtet leise seinen Dienst. Beim Video Encoding ist der kleine 3700X Hitzkopf direkt bei ~90°C unterwegs, aber das ist ja mit einem Low Profile Kühler bei dieser CPU zu erwarten gewesen.
Mehr Komfort und Leistung
Nachdem ich mein Hauptsystem dann doch wegen drohender Speicherkrise auf AM5 aufgerüstet habe (der RAM ist jetzt schon 100€ teurer geworden als ich ihn eingekauft habe) hat es der 5950X jetzt in den Home Server geschafft. Da ich diesen schon vorher pro Core mit dem Curve Optimizer optimiert hatte wusste ich direkt welche Werte ich auch hier einstellen kann. Zudem habe ich den Eco Mode 65W aktiviert und den RAM gegen 2x 16GB Riegel ausgetauscht, die ebenfalls frei wurden.
Da sich die Energie auf mehr Fläche verteilt (zwei Chiplets) und Zen3 auch ein paar Fortschritte gemacht hat, erreicht die CPU jetzt beim All-Core Video Export ~68°C, ohne dass der Kühler auf Fullspeed laufen muss.
Zudem habe ich 2x 4TB SATA SSDs nachgerüstet, die als RAID0 Verbund das 8TB RAID1 HDD Laufwerk als Netzwerkspeicher abgelöst haben. Die Reaktionsfähigkeit für kleine Dateioperationen, die bei uns auch öfter vorkommen, ist damit drastisch gestiegen und das HDD RAID1 hat jetzt Backup-Funktionalität für den SSD Netzwerkspeicher. Nun können auch alle HDDs im System schlafen gehen, da im Alltag nur die SSDs aktiv genutzt werden.

2x 1TB 2.5" HDDs haben ebenfalls als RAID0 Netzwerkspeicher für temporäre Dateien ins System gefunden wie z.B. Video Encoding, ohne dass man die SSDs dafür verschleißen muss. RAID0 wurde hier gewählt, um das 2.5Gbit Netzwerk nicht so stark auszubremsen beim Filetransfer der Video Quelldateien.
Probleme am Ende
Beim letzten Umbau mit dem 5950X inkl. BIOS Update ist mir der Port-Multiplikator-Chip auf dem M.2 to SATA Adapter wohl kaputt gegangen. Zumindest wird er in Ubuntu nicht mehr erkannt und damit auch kein dort angeschlossenes Laufwerk. Da ich 8 SATA Laufwerke betreibe bleiben mir inkl. Mainboard genau 8 funktionierende Ports über, was also für den weiteren Betrieb reicht. Ob der Adapter wirklich defekt ist oder die BIOS Version oder ein BIOS Setting dafür verantwortlich ist, konnte ich noch nicht final testen 🤷♂️
Die gängigen Tipps bin ich durch gegangen (CSM enable, Link ASPM off/on, CPU SVM on/off), davon hat aber nichts geholfen. Die Platine blinkt mit ihren LEDs allerdings normal freudig sobald ich SATA an den vermeintlich defekten Ports anschließe, dem System wird aber nichts gemeldet.
Meine Lösung hierfür ist noch mal einen (damals noch nicht erhältlichen) M.2 zu 9x SATA Adapter zu holen, der deutlich weniger komplex aufgebaut ist, da es nur einen einzigen Controller-Chip gibt, der die Anschlüsse direkt bereit stellt, anstatt dass ein 5x SATA Chip mit einem SATA Multiplikator Chip zusammen genutzt wird.

Die M.2 Lösung hat natürlich generell Bandbreiten-Mängel, da sie nur x2 PCIe 3.0 nutzt. In meinem Use-Case ist das allerdings völlig ausreichend, da die angeschlossenen Laufwerke das in keinem Szenario ausreizen und nicht gleichzeitig genutzt werden.
Mein Fazit
Hat es sich gelohnt? Jain. Ich spüre den Pain bei jedem Umbau durch meine Plattform- und Gehäusewahl.
AM4 ist keine optimale Wahl für einen kompakten Home Server / NAS weshalb ich hier lieber doch entweder zu Intel oder einer AM5 Plattform hätte greifen sollen, trotz finanziellem Mehraufwand:
Ich mag allerdings auch Preis/Leistung total gerne und mit einem 5950X + 32GB RAM als Basis habe ich die Rechenpower für meine Remote Video Encodes. Ähnlich viel Rechenleistung neu einzukaufen wäre sicherlich teurer gewesen als nur ein ITX Board dafür zu brauchen + 2-3 AliExpress Adapter für die SATA und GPU Problematik.
Das Gehäuse war wirklich günstig und sobald die Klappe zu ist und alles läuft und erkannt wird, bin ich happy, dass es klein im Regal neben dem Schrank seinen Dienst unauffällig verrichtet. Die Staubfilter für die seitlichen Lüfter sowie on top für das Netzteil sind magnetisch und superleicht zu entfernen und zu reinigen. Alles in allem bietet der aktuelle Build auf kleinem Raum nutzbaren Platz für 8x 3,5" SATA, 4x 3,5" SATA und 4x M.2 SSDs.
So umständlich manches ist würde ich den AM4 Kompromiss noch mal eingehen, für das Gehäuse würde ich aber auf keinen Fall noch mal entscheiden. Der Wartungsaufwand bei einem Umbau, oder wenn in Zukunft mal was kaputt ist, ist so immens doch, da man ständig alle Kabel und den Festplattenkäfig komplett aus dem Gehäuse holen muss. Damit ist man immer eine ganze Weile unnötig lange beschäftigt, das will man also nicht gegen den eigenen Stundenlohn und die Nerven rechnen.
Ich trage noch mal ein finales Bild von dem Kabelsalat nach, sobald der neue M.2 Adapter da ist, für einen authentischen Gesamteindruck.
EDIT: Da ist es... deutlich schöner mit dem 9x SATA M.2 Controller. Keine Verzögerung mehr beim Boot durch den Port Multiplier (als er noch gefunzt hat). Zudem hab ich noch ein Stück von der Plastikschiene abgesägt (die äußerste Schraubenhalterung vom Plattenkäfig, siehe grob Bild 3), damit auch wirklich nichts seitlich gegen die SATA Controller Platine/Stecker drückt.

Bis dahin an euch: Trefft bessere Entscheidungen für euren Build 😁
P.S. Nice to know / Tipps
Software
Um Software sollte der Artikel sich gar nicht groß drehen, daher nur in kurz, ich bin recht oldschool unterwegs:
Ich betreibe schon viele Jahre eine Variante lokalen Speichers in meinem Heimnetzwerk.
Der dafür genutzte Rechner bestand grundsätzlich aus Consumer-Hardware-Resten.
Angefangen hat alles mit einem Pentium II 350MHz und #fli4l Router Software mit SMB Plugin und einer ~15GB IDE Festplatte.
Heute möchte ich meinen aktuellen Rechner bzw. das aktuellste Upgrade für diesen Einsatzbereich vorstellen, für den ich u.a. auch den Gebrauchtmarkt und teilweise auch Neuware genutzt habe, um das Projekt abzurunden. Der Fokus soll hier auf Hardware liegen.
Alles in allem bin ich mit dem Endergebnis zufrieden genug, dass mich der Rechner sicherlich ein paar Jahre begleiten wird, wie er jetzt geworden ist.
Der Artikel dient aber vor allem dazu, dass ihr ein paar bessere Entscheidungen trefft, als ich 😉
Ausgangslage und Ziele
Ausgangsbasis war ein:
- Core i3 4130T
- 16GB DDR3 RAM
- ITX ASRock H81M-ITX
- Eolize SVD-NC11-4 Gehäuse (4x Wechselrahmen 3,5")
- 3x 8TB HDD (1x Raid1 als SMB Share im Netzwerk, 1x lokales rsync Backup, HDDs geschlachtet aus externen USB 3.0 Datenträgern, damals 30% günstiger als einzeln neu kaufen, leider SMR)
- 1x 3TB HDD (Überbleibsel von einem alten PC, CMR)
- Boot von externer M-SATA SSD mit Ubuntu Server
- USV mit USB zur Kommunikation
- Ubuntu Server
- encrypted 8TB HDD als externes Off-Site Backup
- mehr Platz für HDDs/SSDs
- weiterhin kompakt
- schnellerer Netzwerkport
- mehr Rechenleistung (Video encoding mit "melt", siehe Shotcut)
- M.2 NVMe ready
- genug Ressourcen für vllt. noch kommende Projekte
- Ryzen 7 3700X
- 16GB DDR4 3200MHz RAM
- Radeon HD6450 passive
- 240GB Kingston NV1 M.2 SSD
Damit war für mich die Entscheidung getroffen das System auf AM4 Basis aufzubauen.
Problemstellungen, Kompromisse und Umsetzung
Das Gehäuse meiner Wahl war ein günstiger Kleinanzeigen Griff zu einem Silverstone DS380, das mit 8x 3,5" Wechselrahmen und weiteren 4 internen 2,5" auf dem Zettel gut ausgestattet schien. Ein BeQuiet! 400W SFX Netzteil war auf Kleinanzeigen ebenfalls einfach zu finden. Komplizierter würde es werden die Anschlussmöglichkeiten für alle potentielle SATA Anschlüsse möglich zu machen.
Der Kompromiss war also mit Adaptern, die relativ günstig bei Aliexpress zu haben waren, den x16 Slot mittels Bifurcation auf einem B550 Board möglichst vielseitig zu verwenden.
Das Kompromiss-Monster ist also eine x4x4x4x4 PCIe Karte mit 4 M.2 Slots geworden auf einem Gigabyte B550i Pro AX, welches selbst auch noch mal zwei native M.2 Ports und einen 2.5Gbit LAN Anschluss besitzt.
Mit dazu gibt es einen M.2 zu 8x SATA Adapter (4 native Ports + 4 durch einen Port Extender) an zwei MiniSAS Anschlüssen und einen M.2 zu PCIe x4 Adapter, um an einem dieser M.2 Anschlüsse wiederum eine dGPU anschließen zu können. Das Gehäuse bietet mit der Unterstützung des eITX Standards (kannte ich vorher gar nicht) nämlich Platz für einen PCIe Slot mehr, so dass für die dGPU eine weitere Gehäuseblende vorhanden war. Die zwei freien M.2 Anschlüsse auf der Adapterkarte könnten in Zukunft auch noch mit M.2 SSDs befüllt werden, so dass inkl. der beiden M.2 Anschlüsse auf dem Board auch ganze 4x M.2 SSDs (davon 3x PCIe 4.0 Support) Platz im System finden.


Das Silverstone DS380 habe ich über die Zeit und Bastelei lieben und hassen gelernt. Ich werde mir nie wieder ein Gehäuse zulegen, das so umständlich beim Verbau von Hardware ist. Die Wechselrahmen sind alle in einem internen Blechtower geparkt, den man erst komplett aus dem Gehäuse bauen muss, um an die Hardware dahinter zu kommen. Ebenfalls fällt der 3. Wechselrahmen weg, wenn man eine zu lange PCIe Karte verwendet, da das Gehäuse auch potentiell Platz für eine etwas größere GPU bietet, indem man den Platz eines Wechselrahmens dafür opfert. Mit einem eigenen Mod am Schlitten würden man dort immerhin eine 2,5" HDD / SSD rein geschoben kriegen (rechts im Bild der Slot mit Aussparung und weicher Ablage für die PCIe Karte).

Hier war der M.2 zu 8x SATA Adapter noch nicht installiert, der natürlich auch noch mal für viele extra Kabel sorgt. Kabelmanagement auf dem engen Raum ist die Hölle. Wenn dann auch noch im Minikäfig oben rechts im Bild weitere SATA Laufwerke hängen und die Kabel sich in der Mitte treffen ist die Not groß das alles knotenfrei oder ohne zu starkes Abknicken zu verkabeln. Kabelbinder lohnen sich nicht, denn bei Wartung muss man ja auch wieder alles komplett abstecken, um den Käfig ausbauen zu können 🙈. Die Kabel des BeQuiet! Netzteils hätte ich teilweise auch gerne abgeschnitten und isoliert, aber wer weiß wofür man das in Zukunft vielleicht doch noch mal brauchen kann.

Ebenfalls haben viele User mit dem Gehäuse die Erfahrung gemacht, dass die HDDs im Dauerbetrieb und vor allem unter Last zu warm werden. Dem kann man ein wenig Abhilfe per 3D Print Blockaden schaffen, die den Luftstrom der seitlichen Gehäuselüfter etwas mehr durch die HDDs im Käfig forcieren, indem sie recht bündig zu dem HDD Käfig abschließen. Angedeutet rechts im Bild sieht man nun auch den M.2 zu SATA Adapter und die verbaute Radeon GPU. Es wurde eng.

Zwischen-Ergebnis
Nachdem alles verbaut war lief die Kiste dann auch wie erwartet gut. Das Gehäuse ist kompakt und von außen wirklich schlicht gehalten, passt perfekt ins Regal und verrichtet leise seinen Dienst. Beim Video Encoding ist der kleine 3700X Hitzkopf direkt bei ~90°C unterwegs, aber das ist ja mit einem Low Profile Kühler bei dieser CPU zu erwarten gewesen.
Mehr Komfort und Leistung
Nachdem ich mein Hauptsystem dann doch wegen drohender Speicherkrise auf AM5 aufgerüstet habe (der RAM ist jetzt schon 100€ teurer geworden als ich ihn eingekauft habe) hat es der 5950X jetzt in den Home Server geschafft. Da ich diesen schon vorher pro Core mit dem Curve Optimizer optimiert hatte wusste ich direkt welche Werte ich auch hier einstellen kann. Zudem habe ich den Eco Mode 65W aktiviert und den RAM gegen 2x 16GB Riegel ausgetauscht, die ebenfalls frei wurden.
Da sich die Energie auf mehr Fläche verteilt (zwei Chiplets) und Zen3 auch ein paar Fortschritte gemacht hat, erreicht die CPU jetzt beim All-Core Video Export ~68°C, ohne dass der Kühler auf Fullspeed laufen muss.
Zudem habe ich 2x 4TB SATA SSDs nachgerüstet, die als RAID0 Verbund das 8TB RAID1 HDD Laufwerk als Netzwerkspeicher abgelöst haben. Die Reaktionsfähigkeit für kleine Dateioperationen, die bei uns auch öfter vorkommen, ist damit drastisch gestiegen und das HDD RAID1 hat jetzt Backup-Funktionalität für den SSD Netzwerkspeicher. Nun können auch alle HDDs im System schlafen gehen, da im Alltag nur die SSDs aktiv genutzt werden.

2x 1TB 2.5" HDDs haben ebenfalls als RAID0 Netzwerkspeicher für temporäre Dateien ins System gefunden wie z.B. Video Encoding, ohne dass man die SSDs dafür verschleißen muss. RAID0 wurde hier gewählt, um das 2.5Gbit Netzwerk nicht so stark auszubremsen beim Filetransfer der Video Quelldateien.
Probleme am Ende
Beim letzten Umbau mit dem 5950X inkl. BIOS Update ist mir der Port-Multiplikator-Chip auf dem M.2 to SATA Adapter wohl kaputt gegangen. Zumindest wird er in Ubuntu nicht mehr erkannt und damit auch kein dort angeschlossenes Laufwerk. Da ich 8 SATA Laufwerke betreibe bleiben mir inkl. Mainboard genau 8 funktionierende Ports über, was also für den weiteren Betrieb reicht. Ob der Adapter wirklich defekt ist oder die BIOS Version oder ein BIOS Setting dafür verantwortlich ist, konnte ich noch nicht final testen 🤷♂️
Die gängigen Tipps bin ich durch gegangen (CSM enable, Link ASPM off/on, CPU SVM on/off), davon hat aber nichts geholfen. Die Platine blinkt mit ihren LEDs allerdings normal freudig sobald ich SATA an den vermeintlich defekten Ports anschließe, dem System wird aber nichts gemeldet.
Meine Lösung hierfür ist noch mal einen (damals noch nicht erhältlichen) M.2 zu 9x SATA Adapter zu holen, der deutlich weniger komplex aufgebaut ist, da es nur einen einzigen Controller-Chip gibt, der die Anschlüsse direkt bereit stellt, anstatt dass ein 5x SATA Chip mit einem SATA Multiplikator Chip zusammen genutzt wird.

Die M.2 Lösung hat natürlich generell Bandbreiten-Mängel, da sie nur x2 PCIe 3.0 nutzt. In meinem Use-Case ist das allerdings völlig ausreichend, da die angeschlossenen Laufwerke das in keinem Szenario ausreizen und nicht gleichzeitig genutzt werden.
Mein Fazit
Hat es sich gelohnt? Jain. Ich spüre den Pain bei jedem Umbau durch meine Plattform- und Gehäusewahl.
AM4 ist keine optimale Wahl für einen kompakten Home Server / NAS weshalb ich hier lieber doch entweder zu Intel oder einer AM5 Plattform hätte greifen sollen, trotz finanziellem Mehraufwand:
- AM4 CPUs
- verfügen nicht über ein iGPU und machen Wartung umständlich im ITX Bereich, wenn man nur einen Port für andere Erweiterungskarten nutzen kann (vllt. bei einem Server-Board mit Wartungs-Port)
- verbrauchen durch ihr Chiplet-Design recht viel Strom im Leerlauf
- AM4 APUs
- haben zwar eine iGPU, sind aber bzgl. der PCIe Lanes im primären x16 Slot auf x8 bei den first gen APUs oder x8x4x4 beschränkt, was 1-2 M.2 SSD Anschlussmöglichkeiten kostet
- man kommt nicht auf über 8 Kerne
- sind monolithisch aufgebaut und sind dadurch deutlich sparsamer im Leerlauf als die AM4 CPU
- PCIe 4.0 wird nicht unterstützt
- die perfekte Kombi gibt es hier also nicht, sondern nur Kompromisslösungen
Ich mag allerdings auch Preis/Leistung total gerne und mit einem 5950X + 32GB RAM als Basis habe ich die Rechenpower für meine Remote Video Encodes. Ähnlich viel Rechenleistung neu einzukaufen wäre sicherlich teurer gewesen als nur ein ITX Board dafür zu brauchen + 2-3 AliExpress Adapter für die SATA und GPU Problematik.
Das Gehäuse war wirklich günstig und sobald die Klappe zu ist und alles läuft und erkannt wird, bin ich happy, dass es klein im Regal neben dem Schrank seinen Dienst unauffällig verrichtet. Die Staubfilter für die seitlichen Lüfter sowie on top für das Netzteil sind magnetisch und superleicht zu entfernen und zu reinigen. Alles in allem bietet der aktuelle Build auf kleinem Raum nutzbaren Platz für 8x 3,5" SATA, 4x 3,5" SATA und 4x M.2 SSDs.
So umständlich manches ist würde ich den AM4 Kompromiss noch mal eingehen, für das Gehäuse würde ich aber auf keinen Fall noch mal entscheiden. Der Wartungsaufwand bei einem Umbau, oder wenn in Zukunft mal was kaputt ist, ist so immens doch, da man ständig alle Kabel und den Festplattenkäfig komplett aus dem Gehäuse holen muss. Damit ist man immer eine ganze Weile unnötig lange beschäftigt, das will man also nicht gegen den eigenen Stundenlohn und die Nerven rechnen.
Ich trage noch mal ein finales Bild von dem Kabelsalat nach, sobald der neue M.2 Adapter da ist, für einen authentischen Gesamteindruck.
EDIT: Da ist es... deutlich schöner mit dem 9x SATA M.2 Controller. Keine Verzögerung mehr beim Boot durch den Port Multiplier (als er noch gefunzt hat). Zudem hab ich noch ein Stück von der Plastikschiene abgesägt (die äußerste Schraubenhalterung vom Plattenkäfig, siehe grob Bild 3), damit auch wirklich nichts seitlich gegen die SATA Controller Platine/Stecker drückt.

Bis dahin an euch: Trefft bessere Entscheidungen für euren Build 😁
P.S. Nice to know / Tipps
- Gigabyte AM4 Boards booten auch ohne GPU, wenn man "Full Screen LOGO Show" im BIOS auf disabled setzt, ansonsten verhindert "missing gpu" den Bootvorgang
- bei Gigabyte AM4 Boards ohne Display Ausgänge aber mit USB-C kann man ggf. über USB-C einen iGPU Display Output kriegen, wenn eine APU verbaut ist
- beim Grafikoutput auf Bifurcation angewiesen zu sein ist nach einem BIOS Update sehr ungünstig, denn der Default "Auto" entscheidet selten richtig, was da wie angeschlossen ist (und wieder umbauen 🙈 )
- Gigabyte hat irgendwann auch für alte AM4 Boards nachgeflashed, was bei AM5 im BIOS immer dokumentiert ist: Mit F3 und F4 lassen sich in der Smart FAN BIOS Übersicht die FAN Profile einzeln speichern entweder auf USB Speicher oder reserved Speicher im BIOS, welcher einen BIOS Flash überlebt und nach dem Update wieder geladen werden kann (echt praktisch für komplexere Lüfterkurven bei vielen Lüftern)
- diese blauen dünnen Server-SATA-Kabel sind ein Segen für schmale Gehäuse und im Bunch auch sehr günstig zu besorgen
Software
Um Software sollte der Artikel sich gar nicht groß drehen, daher nur in kurz, ich bin recht oldschool unterwegs:
- Ubuntu Server, Terminal only, ich hatte vor Jahren mal Webmin getestet, war gut, aber zuviel Overhead
- vor allem Samba wird am häufigsten genutzt, da es die Dateiablage in unserem Heimnetzwerk ist
- alle Mounts (single drives, raid) sind luks-encrypted und werden über ein Script gemounted
- RAIDs sind classic mdadm, die meisten Partitionen ext4, LVM Spielereien haben mir nicht so zugesagt
- mumble Server for friends 😁
- ich editiere Videos mit Shotcut, denn der große Vorteil ist, dass man den export nachher ans Terminal übergeben kann (meistens 4k60fps GoPro Content nach h.265) und dass mein Hauptrechner dann bei mehreren Videos nicht alleine alles rechnet sondern sich zwei Knechte den Bulk teilen ist schon schön bzw. ein paar Sachen über Nacht laufen können auf dem 24/7 HomeServer ohne dass ich meinen Hauptrechner an lassen muss
- Nextcloud
- Plex Server
- paperless
- local LLMs (dafür muss dann ne bessere GPU her und dann wohl auch ein Gehäuse mit Platz)
- ...
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