Jugendschutz heute - wie ist die Realität?

mschrak

Commander
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Hallo zusammen,

im Zusammenhang mit dem PC-Spielkauf habe ich mir die Frage gestellt, wie heute bei den Kindern und Jugendlichen der Jugendschutz "gelebt" wird. Ganz konkret würde mich interessieren, ob jemand hier mir mal sagen kann, was an unseren Schulen so im Schnitt bei den Kiddies üblich und bekannt ist.

Aus dem Fernsehen hört man ja immer Horrorgeschichten von 12jährigen, die auf ihrem Handy Gewaltpornos und blutige ab18-Games haben, neben den selbstgedrehten Slapping-, Mobbing- und Vergewaltigungsvideos vom eigenen Schulhof.

Was ist aus Eurer Erfahrung davon wahr und wann beginnt derzeit was? Mir würden Beispiele aus Eurer eigenen Erfahrung helfen, optimal mit Angabe von Alter des Kindes, in welcher Klasse das Kind ist, ob auf Gymnasium, Real-, Haupt- oder Gesamtschule und ob in einer Großstadt oder auf dem Dorf.

Danke schon mal,

Martin
 
Ich bin 17, besuche ein Gymnasium in der Qualifikationsphase I (Stufe 12 nach G9) in einer mittelgroßen Stadt (~60.000 Einwohner). Ich kann dir versichern, dass die von dir genannten Sachen bis auf die "blutigen" USK18 Spiele an den örtlichen Gymnasien, Realschulen und der Gesamtschule nicht zutreffen (wie es auf Hauptschulen hier ausschaut weiß ich nicht, ich habe keinen Kontakt zu Hauptschülern). Und ich behaupte einfach mal, dass man den ganzen Quatsch, der im TV läuft, auch nicht immer glauben sollte. ;)

Zu den nicht jugendfreien Spielen: Der erste von unserer damaligen Truppe hat mit 13 oder 14 angefangen Call Of Duty zu spielen, der Rest folgte mit 15 bis 16 und lernte im folgenden viele weitere ab 18 Spiele kennen (Battlefield, Dead Space, Bioshock, Haze, Fear, Dead Space, Bulletstorm, Borderlands, Medal Of Honor, Red Orchestra, um nur einen Teil zu nennen).
Ich denke, das ist vollkommen in Ordnung. Grund: Die Einstufungen sind in den meisten Fällen übertrieben und zum Teil auch im Verhältnis sinnfrei. Ein Skyrim, in dem man Leuten unter viel Blutvergießen den Kopf abhacken kann ist ab 16, aber ein dagegen eigentlich total harmloses Battlefield BF:BC2 ist ab 18. Häh?!
Ich spreche mir selbst die nötige Reife zu, um zu entscheiden, was gut für mich ist, und was nicht. Die Pauschalbegrenzungen (ist ja nicht so, dass sich jeder Jugendliche anders entwickelt) von USK oder PEGI interessieren mich dabei nicht weiter.
 
Ich habe zwei Gymnasien besucht, davon eines in einer 90.000-Einwohnerstadt. Zwei Handyvideos haben sich bei mir eingebrannt, da es mir von diesen übel wurde. Das von einem gefangenen Soldaten, dem man mit einem Messer in den Hals stach sowie das, in dem eine Frau einem Kerl in den Mund kackt. Gewaltspiele waren nichts Besonderes. Pornos ebenfalls. Mobbing gab es dagegen nur im Real Life. Alles im Alter von 12 Jahren. Hat mich angekotzt. Später, in einem ländlich gelegenem Gymnasium gab es nichts davon. Gut, Spiele und Pornos schon, aber das ist harmlos und dem Alter entsprechend.
 
Gymnasium 120.000 Einwohner-Stadt:

Es gab mal das Gerücht, dass ein Gewaltvideo kursieren würde, hatten dann gleich noch ne Infostunde zum Thema mobbing, gesehen hab ichs nie.

Spiele: Ab 18-er ja viel, hat keinen gekümmert. Aber beliebt waren auch so Dinge wie Zombiefarm...
Mobbingsachen: Eher nicht (hab nichts mitbekommen)
 
Zwei (kirchliche) Gymnasien, einmal 35k und einmal 200k Einwohner Stadt, von Gewalt oder Porno-Videos auf Handys eigentlich selten (nie) was gesehen. Gewaltspiele ja, aber wer macht das nicht? Pornos geschaut wurden auch, aber eher zuhause und heimlich.

Hängt aber auch evtl mit dem Vermerk kirchliches Gymnasium zusammen schlicht und ergreifend weil diese Schulen sich die Schüler aussuchen können, entsprechend hoch die Leistung und die "Klasse" der Leute da.

gruß
g.
 
OK, danke erst mal für die interessanten Erfahrungen.

Hintergrund ist, dass ich einem Kind (6. oder 7. Klasse) zum Geburtstag ein PC Spiel kaufen wollte und nunmehr mich für Lego-Star Wars entschieden habe, was ich aufgrund der Altersfreigabe ab 6 für harmlos gehalten habe. Sicherheitshalber habe ich das mit den Eltern abstimmen wollen und musste mir anhören, dass in dem Spiel zu viel geschossen wird und wie könnte ich nur sowas brutales schenken wollen, bla bla.

Da ich selbst Kind war, weiss ich aber, wie es ist, als 13-jähriger zusammen mit einer Gruppe älterer "Tanz der Teufel uncut" gesehen zu haben. Einerseits ist man schockiert von dem Streifen und hat den Heimweg in der Dunkelheit nicht wirklich genossen. Andererseits muss ich aber sagen, habe ich nicht das Gefühl, dass ich davon irgendeinen Schaden genommen hätte. Ich habe keine Traumata, wache nachts quasi von gar nichts auf (ausser dem besch... Wecker) und schaue immer noch ab und zu gerne gute Horrorstreifen.

In der Schule aber war ich der King und megacool.

Andere, die zu der Zeit noch bei Benjamin Blümchen waren, waren natürlich arm dran, und das möchte ich für das beschenkte Kind natürlich auch nicht. Ich glaube, das kann viel schlimmer sein, als halt recht früh einen Shooter zu spielen.
 
in den letzten jahren dürfte sich an den grundlagen wenig geändert haben. lediglich die verbreitung hat zugenommen, weils mehr möglichkeiten gibt.

früher musste man videos noch mühselig mit 2 vcr kopieren, um sie verteilen zu können - heute gehts per mausklick.

pornos wurden auch in den 80ern und 90ern von 12jährigen geschaut, ebenso wie horrorfilme... wenn man das will, kommt man dran, egal wie der jugendschutz aufgebaut ist.

wie gesagt: heute ists populärer, weil man etwas leichter drankommt und mehr drüber berichtet wird. früher hat das nicht so interessiert und war demzufolge nicht so präsent in der öffentlichkeit.
 
mschrak schrieb:
Sicherheitshalber habe ich das mit den Eltern abstimmen wollen und musste mir anhören, dass in dem Spiel zu viel geschossen wird und wie könnte ich nur sowas brutales schenken wollen, bla bla.
Sie sind die Eltern und sie entscheiden, was für ihr Kind gut ist.
Damit musst du dich leider abfinden.

Deine eigenen Erfahrungen mögen dir nicht geschadet haben. Aber vllt. haben die Eltern des zu beschenkenden Kindes andere Erfahrungen gemacht?
Wer weiß das schon.

Ich selbst bin nun schon zu lange aus der Schule raus, um beurteilen zu können, was da abgeht.
Bin jedoch der Meinung, dass die mediale Präsenz solcher Meldungen (wie die oben erwähnten Gewaltpornos, FSK18 Spiele, Slapping-, Mobbing- Videos etc.)
der Realität nicht ganz entspricht.
Eher gehe ich von einer Überspitzung der Medien aus, die auf ihre Schlagzeilen aus ist.
 
Sehe ich ja genauso, aber trotz oder vielleicht gerade wegen der Nähe zu der Familie sehe ich mich ein wenig in der Pflicht den Kindern gegenüber, den ein oder anderen Stupser an die Eltern zu geben, wenn die aus meiner Sicht grobe Fehler machen. Hier ist es jetzt nicht so tragisch, aber wenn das Kind in der Oberstufe noch bei Bibi Blocksberg Angst bekommt, dann schreite ich ein.
 
mschrak schrieb:
Hintergrund ist, dass ich einem Kind (6. oder 7. Klasse) zum Geburtstag ein PC Spiel kaufen wollte und nunmehr mich für Lego-Star Wars entschieden habe, was ich aufgrund der Altersfreigabe ab 6 für harmlos gehalten habe. Sicherheitshalber habe ich das mit den Eltern abstimmen wollen und musste mir anhören, dass in dem Spiel zu viel geschossen wird und wie könnte ich nur sowas brutales schenken wollen, bla bla.

da würde mir nicht das spiel, sondern die eltern zu denken geben. generell halte ich usks für ne gute orientierungshilfe, aber mehr nicht, war selber bei altersfreigaben wenige jahre drunter und ich bin ganz normal.^^ und indizierungen halte ich zu einem gewissen grad sinnfrei, da man da einfach von reiz-reaktion ausgeht und das ist nicht gegeben§.

meine erfahrung, die noch halbfrisch ist, ist, dass die jugendlichen spiele spielen, die sie nicht spielen "dürften" und trotzdem sind sie ganz normal. die geschichte, dass auf den handys die schlimmsten dinge zu finden sind, kann ich nicht bestätigen, aber vllt liegts auch daran, dass ich in einer abi-schule war in einem dorf. :D
 
Ich halte es grundsätzlich für nicht sinnvoll, sich in die Medienerzeihung anderer Eltern einmischen zu wollen. Die einen sehen schon in der Sendung mit der Maus an Sonntag morgen eine ernsthafte Bedrohung ihres Sprößlings, die anderen haben kein Problem damit, das USK/FSK 18 im DVD- und Spieleregal die Regel sind.

Wenn man selbst was verschenkt, sollte man das nach den eigenen Ansprüchen tun. Wenn die Eltern bekanntermaßen etwas überempfindlich sind, tut es auch Amazongutschein.

Zur eigentlichen Frage: Die Realität ist imho sehr unterschiedlich. Ich sehe ein großes Stadt-Land- und vor allem Bildungsgefälle. Es ist wie mit allem anderen auch: Desto niedriger der Bildungsstand der Eltern und Kinder, desto miserabler die Medienerziehung, in Ballungsgebieten verstärkt sich diese Effekt oft. Aber was erzähl ich da groß, das war schon vor zwanzig Jahren so.
 
Also ich ich habe angefangen Cod 1 / Far Cry mit 12 zu spielen
mit 16 habe ich alle mögliche brutale Filme gesehn

bin aber immer noch normal :)
Außerdem je früher man mit sowas anfängt , desto früher erkennt man, das das Blödsinn ist
dann ist man halt nicht davon besseßen möglichst brutale Filme anzuschauen !


PS:

wenn die Eltern viel zu streng sind, dann wir das ganze auch schliemer


Zu gewalt Videos,
wer das sehen will wird es finden ( eher google wird das finden )
 
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@bitfunker
da hast du recht, hält mich aber nicht davon ab, was anderes zu denken. ;) es ist ihr hoheitsgebiet und sollte anerkannt werden, aber man muss bedenken, je restriktiver man vorgeht, desto höher ist die wahrscheinlichkeit, dass das kind diese grenzen umgeht. und das ist heute sogar noch einfacher als früher.
bildungsgefälle hinsichtlich stadt land muss nicht zwingend sein, heutzutage ist man sehr mobil und da können die grenzen etwas verwischt werden.
 
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Sie ist traurig - aber nicht immer!

Zum einen darf ein Kind keine "Mon Cherry" mehr kaufen als Geschenk für die Mutter, zum anderen sehe ich es täglich wie minderjährige Nachbarn sich 18+ Spiele (oder gar indizierte titel) übers Web besorgen...
Ebenso sieht es mit Kinobesuchen aus, ein ab18 Titel in welchem niemand nach Alter kontrolliert wird - und die hälfte der Besucher war höchstens 14.
 
bei meinem Stiefsohn (12) habe ich letztens div. Spiele ab 16 und 18 auf seinem iPod gefunden, weil sein Vater nie drauf achtet
auch bei PC- oder PS3-Spielen schaut er so gut wie nach - das TV-Programm wird schon gar nicht überprüft, denn dazu müsste er ja entweder ständig die Treppe hochlaufen oder ihn nur unten TV gucken lassen
beim ersten mal haben wir ihn drauf angesprochen, beim 2. mal den Hinweis aufs Jugendamt gegeben und beim 3. mal das Jugendamt informiert
die haben dann einen Kontrollbesuch gemacht und Tacheles geredet
 
@Iwan: Hätte ich in dem Fall bestimmt auch gemacht, zumal das eigene Kind. Ich wäre bestimmt ausgeflippt.

Nun gut hier ist der Fall ja fast andersherum, die Kinder werden sehr konsequent von allem Übel dieser Welt ferngehalten, sind sonntags in der Bibelgruppe und haben auf der Kirmes Angst. Das halte ich für "überfürsorglich".
 
also in etwa so, wie ned flanders tod und rod beaufsichtigt. :D sind ja gleich zwei extremen hier, die da vorliegen.

ich hab ebenfalls den eindruck, dass die verkaufsstellen nur wenig auf das alter achten. hauptsache die ware geht weg. es gibt stellen, die darauf achten, aber dem grössten teil würd ich ein armutszeugnis ausstellen. zumindest mein onlineshop des vertrauens verlangt jetzt eine eingabe der id-nummer, um das alter zu verifizieren, sonst gibts keine 16 und 18 medien.
 
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@mschrak
ich bin nur der Stiefvater - der richtige Vater interessierte sich bisher nicht wirklich für FSK & Co.
seitdem das Jugendamt da war aber schon :)

zu deinem Fall:
da haben die Eltern bestimmt auch immer Desinfektionsmittel dabei, oder? ;)
Lego StarWars dürfen sie nicht spielen, weil da geballert wird, aber bestimmt Yugi-Oh und den ganzen anderen (in meinen Augen) verdummenden Schwachsinn in der Glotze gucken
da kann man als Außenstehender nur mit dem Kopf schütteln, aber nichts dran machen
 
ich mache gerade mein Abitur an einem Gymnasium in einer 20k Einwohner Stadt und einem Einzugsgebiet von knapp 50k Menschen. Unser gymnasium hat knapp 1.100 Schüler und ich habe während meiner Schullaufbahn nie ein Killervideo, oder Porno auf dem Handy gesehen. Allerdings habe ich auch schon mit 15 Jahren angefangen ballerspiele oder ähnliches zu spielen. Bin aber nie ein "Suchti" geworden.

Meine Mutter lebt in Düsseldorf und ist dort städtische Angestellte in einem Kindergarten, hat aber auch Kontakte zu verscheiden Schulen. Auch so hat bisher nicht viel davon mit bekommen, das dort viel mehr gemobbt wird als bei mir aufm Lande.

Insgesamt denke ich, dass die Medien, speziell die Privaten (Verdummungs TV!!!), einen viel zu großen Hype und Panikmache daraus machen und es nicht der realität entspricht. Wenn alles stimmen würde was die berichten, dann würde die Jugend von heute nur noch auf dem Schulhof stehen, sich prügeln, wichsen oder Kinderpornos gucken! Das es sicher Problemschulen in problemstädten gibt ist wahrscheinlich, diese Schulen müssen auch in besonderer Hinsicht gefördert und unterstützt werden, aber diese Verallgemeinerungen stören mich schon extrem!
 
Also ich habe in der 4. Klasse zum ersten mahl GTA gezockt und dan in der 6. BF2 . Wobei ich ersteres als nicht so gewalttätig einstufen würde da man die meiste Zeit nur sinnlos mit Autos vor Polizisten flieht ;).
 
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