Kann eine Regierung Armut bekämpfen?

Naja. Da verallgemeinerst du jetzt natürlich viel zu sehr (in mehreren Bereichen).

Aber das war auch nicht das Thema. Das eigentliche Thema war ja die Frage, wie/ob eine Hilfe wirken kann.
Selbstbestimmungrecht hin oder her..
 
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Das Selbstbestimmungsrecht darf aber nicht hin oder her gehen. Es muss über allem stehen, weil es direkt mit der Würde des Menschen in Verbindung steht. Deswegen verteilen wir ja auch keine Essensmarken, weil damit indirekt andeuten würde, dass die Armen nicht mit Geld umgehen können.
 
Ja, das seh ich ja auch so.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar."
Ich hab mich nur so ausgedrückt, weil die Frage gerade hier in der Diskussion nebensächlich gewesen ist.


P.S.: Ich will die Frage aber dann hier nochmal aufgreifen.
Wenn du sie schon angesprochen hast. Mir ist die Angelegenheit nämlich auch wichtig.
Gerade in der von mir oben schon angedeuteten Drogenpolitik wird ja zu hauf gegen das Grundgesetz verstoßen. Und die Politk widerspricht sich da in einem solch erheblichen Maße selbst.
Mir ist das völlig unverständlich, warum das jetzt schon über Jahrzehnte nahezu unverändert abläuft.

Auf der einen Seite wird Heroinsucht als Krankheit definiert.
Auf der anderen Seite aber werden heroinsüchtige Leute durch die Gesellschaft hochgradig diskriminiert und durch unsere Gesetzgebung kriminalisiert.
Das passt überhaupt nicht zusammen.
Und mit der Aussage des Grundgesetzes über die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist das überhaupt nicht vereinbar.
 
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Hmm.
Also ich verstehe diese Diskriminierung irgendwie schon.
Heroinsucht ist eben keine klassische Krankheit, es ist eine selbstverschuldete Sucht.
Jemand der plötzlich ne schwere Krankheit erleidet hat dies in der Regel nicht selbst verschuldet aber bei Drogen weiß jedes Kind - Finger weg.
Und wenn ein Heroinsüchtiger dann kriminell wird, dann greift richtigerweise das Strafgesetz wie von Mustis beschrieben.
Ich versteh nicht so ganz auf was du hinaus willst?;)
 
@andiac
Du musst Dir die Doppelpostings abgewöhnen (Beiträge 267 und 268 sowie 282 und 283), sonst hauen Dir die Moderatoren auf die Finger. Über den Button „Ändern“ kann man seinen vorherigen Beitrag wunderbar erweitern.

Ich schließe mich hier Odium an, wenn er schreibt, dass Psychotiker, Obdachlose und Drogenabhängige hier gar nicht das Kernthema bilden. Das sind nominell fast zu vernachlässigende Randgruppen, um die man sich wahrscheinlich mit speziellen Hilfsprogrammen kümmern sollte, ähnlich wie mobile Gesundheitsbusse für Mädels, die anschaffen gehen (und nebenher drogensüchtig sind).

Das ist aber nicht die Armutsdiskussion, denke ich. Der Drogenabhängige, der zugleich durch Beschaffungskriminalität auffällt, ist aus Sicht seiner Mitbürger ganz klar kriminell. Wollte man die Bürger schützen – und darauf haben sie meiner Meinung nach ein Recht –, dann müsste man die Junkies notfalls wegschließen, entweder in den Knast oder in eine Klinik.
 
In dem Punkt will ich auf die Einhaltung unseres Grundgesetzes hinaus.

[BAlso ich verstehe diese Diskriminierung irgendwie schon.
Heroinsucht ist eben keine klassische Krankheit, es ist eine selbstverschuldete Sucht.
Jemand der plötzlich ne schwere Krankheit erleidet hat dies in der Regel nicht selbst verschuldet aber bei Drogen weiß jedes Kind - Finger weg.
Und wenn ein Heroinsüchtiger dann kriminell wird, dann greift richtigerweise das Strafgesetz wie von Mustis beschrieben.[/B]


Ja. Da denkst du eben wie die meisten unserer Politiker, die sich aber in dem Bereich viel zu wenig auskennen.
Sucht ist erstmal grundsätzlich etwas, wofür man so gut wie garnichts kann.
Welche Stoffe man dann wählt, das hängt auch von den Bedürftigkeiten ab, die gestillt werden wollen.
Heroin z.B. ist ja ein sehr starkes Beruhigungs- und Schmerzmittel. Das wird dann eben von Menschen bevorzugt, die wirklich schwere seelische Probleme haben.
Man kann da einem Heroinabhängigen auch nicht einfach vorwerfen "Du bist selber schuld. Jeder weiß, dass Heroin verboten ist. Jetzt musst du auch damit leben, dass du gesellschaftlich geächtet wirst und auf kurz oder lang wegen deiner Beschaffungskriminalität mit einer Freiheitsstrafe belegt wirst."
Sagen kann man das.
Aber die Wirklichkeit eines Betroffenen sieht natürlich viel komplizierter aus.
Da machen es sich die verantwortlichen Politiker, Richter und Staatsanwälte viel zu leicht.
Solch hochgradig suchtkranke Menschen leiden auch in der Regel unter selbstzerstörerischen Persönlichkeitsstrukturen.
Das heißt, die können nicht wie ein gesunder Mensch für sich sorgen und selbstverantwortlich handeln wie du das z.B. kannst.
Diese Menschen bestrafen sich Tag für Tag selbst für Dinge, die sie nicht zu verantworten haben,
so z.B. für einen erlittenen sexuellen Missbrauch in der Kindheit.

Wenn dann das Gesetz hingeht, und den Menschen noch zusätzlich kriminalisiert und bestraft, dann ist das meines Erachtens ziemlich daneben.
Das verstößt für mich dann eindeutig gegen "die Würde des Menschen ist unantastbar."
Man müsste die Geschichte meiner Meinung nach ganz klar erleichtern, indem man Heroin an wirklich Bedürftige genauso verschreibt, wie andere Medikamente für andere Krankheiten auch.


@ keshkau

Ja, Dank dir für den Hinweis. Ist mir gestern auch aufgefallen.

Das ist aber nicht die Armutsdiskussion, denke ich.

Für mich gehört es dazu. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb sind die Bereiche aber natürlich erwähnenswert und diskussionswürdig.
Gerade Krankenheiten an sich spielen bei dem Thema Armut aus meiner Sicht eine bedeutende Rolle.
Oft sind es auch ganz "unscheinbare" Depressionen oder Mobbinggeschichten, die dafür sorgen, das sich jemand nicht mehr arbeitsfähig fühlt. Und spätestens bei der Arbeitslosigkeit fängt Armut für mich an.
Wir wollen ja herausfinden, was der Staat tun kann. Und ich bin mir sicher, da eben einen entscheidenden Punkt genannt zu haben.

Mich würde mal interessieren, ob das jemand logisch einigermaßen nachvollziehen kann?
 
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@ andiac

Sucht ist erstmal grundsätzlich etwas, wofür man so gut wie garnichts kann.
So wie du schreibst, stellst du jedem Abhängigen (egal ob von Alkohol, Nikotin, Drogen, Medikamente, Computerspiele,...) einen Freifahrtschein aus und entziehst im jegliche Verantwortung für sein Leben.
Natürlich kann niemand etwas für das Erlittene. Jeder kann aber etwas dafür tun, wie er mit diesem umgeht! Und es gibt genügend Beispiele, die trotz wirklich schwerer Kindheit, etwas aus ihrem Leben gemacht haben. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es jemanden, dessen Kindheit man nichteinmal seinem schlimmsten Feind wünschen würde. Aber der hat das Erlittene zum Anlass genommen, seinen Kindern genau diese Erfahrungen zu ersparen und ist jetzt ein wirklich toller Vater. Das soll jetzt nur mal ein Beispiel sein, dass man eben doch etwas tun kann und nicht alles mit einer schlechten Kindheit oder Erlebten rechtfertigen kann!
 
@andiac
Du beschreibst eine ganz bestimmte Gruppe von Abhängigen.
Es gibt aber mit Sicherheit auch Konsumenten die einfach des Rausches wegen Drogen konsumieren.
Mir ist nach wie vor nicht ganz klar worauf du im Bezug auf die Straftaten hinaus willst?
Straftaten von Süchtigen ignorieren?
 
Sucht an sich ist ja ein ewig weites Feld. Und ich möchte da in Bezug auf das "selbst verschuldet" noch unterscheiden. Alkohol ist frei erhältlich und es kann durchaus passieren, dass jemand den Gewöhnungseffekt unterschätzt (was wohl die Regel ist) und dann alkoholkrank wird. Das kann durch regelmäßigen Konsum geschehen oder durch äußere Einflüsse (Schicksalsschläge9, die jemand aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur durch Alkohol erträglich zu gestalten sucht.

Bei den harten Drogen sehe ich das ein wenig anders. Denn dort geschieht der Einstieg nicht auf legalem Wege. Wer sich Heroin besorgt bzw. andrehen lässt, der verstößt bereits gegen ein Gesetz, macht sich somit strafbar und ist sozusagen "kriminell", wenn man es hart ausdrückt.

Das ist ein qualitativer Unterschied. In der Folge scheint der Suff noch ganz gut finanzierbar zu sein. Die Leue essen dann einfach weniger. Aber bei Heroin usw. sieht es anders aus. Das kann ein Normalsterblicher nicht dauerhaft finanzieren, wenn er keine krummen Dinger dreht.

Im Endeffekt sind beide "Opfer" (der Alkoholiker und der Junkie) betreuungsbedürftig, keine Frage. Aber der Junkie richtet mehr gesellschaftlichen Schaden an, würde ich meinen. Und er trägt eine größere, persönliche Verantwortung durch seine Gesetzesüberschreitung beim Einstieg in die Drogenszene.
 
@ DugDanger

Mir ist nach wie vor nicht ganz klar worauf du im Bezug auf die Straftaten hinaus willst?

Umso schöner, dass du dich dennoch beteiligst.
Ich will, dass man dem Thema mit Würde und Respekt begegnet. Dann bekommt man die Probleme auch in den Griff.

Straftaten von Süchtigen ignorieren?

Wie kommst du darauf?
Würde man dem Thema so begegnen, wie ich oben am Ende beschrieben habe (Heroinverschreibung auf Rezept, wie bei allen anderen Medikamenten auch), hätte sich das mit den Straftaten ja weitgehend erledigt.

Es gibt aber mit Sicherheit auch Konsumenten die einfach des Rausches wegen Drogen konsumieren.

Es gibt immer solche und solche. Und es gibt auch Mischformen. Es gibt ja sogar beim Heroin die sogenannten "Gelegenheitskonsumenten"
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass unter den wirklich Abhängigen keiner dabei ist, der rein des Rausches wegen konsumiert. Ich glaube alle Schwerabhängigen haben noch mindestens eine weitere Motivation gemeinsam: die Flucht aus der Realität, bzw. das Abschalten können, was für die Leute nur mit der Droge möglich zu sein scheint.
 
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@ keshkau

Selbst wenn man den Gewöhnungseffekt von Alkohol unterschätzt, ist man doch zu 100% selbst dafür verantwortlich. Ich habe erlebt, was Alkohol auch innerhalb der Familie anrichten kann (wenn das auch kein extremer Fall war) und trinke deshalb so gut wie keinen Alkohol (und habe vermutlich zur Überraschung vieler trotzdem Spass). So werde ich niemals Gefahr laufen in irgendetwas hineinzurutschen.
Aber auch die Alkoholsucht führt bei einigen zur Armut. Weniger deswegen, weil die Beschaffung der Droge zu teuer ist, sonder weil in manchen Fällen, der Alkoholkonsum zu einer solchen Degeneration des Körpers und des Geistes führt, dass auf Grund dessen die Arbeitslosigkeit folgt.

Wer jetzt wirklich mehr Gesellschaftlichen Schaden anrichtet, kann ich nicht sagen. Denn die Masse an Alkoholikern (und dabei sind nicht nur die gemeint, denen man den Alkoholismus schon aus 50 Metern Entfernung ansieht) übertrifft die der Junkies bei weitem!
Und wie oben schon geschrieben: Für den Einstieg ist jeder zu 100% selbst verantworlich.
 
Da liegen wir gar nicht weit auseinander. Ich ging davon aus, dass der von mir betrachtete Alkoholiker bereits keinen Job mehr hat (auch wenn es Alkoholiker mit einem Arbeitsplatz gibt). Arm sind also beide, der Alkoholiker und der Junkie. Ich betrachte auch nicht die Summe aller Junkis und die der Alkoholiker, sondern den Einzelfall.

Wenn jemand meinetwegen von Hartz IV lebt, dann ist Alkoholismus vermutlich immer noch besser zu finanzieren als Heroinsucht. Das war mein Ansatz. Insofern braucht der Junkie mehr Geld und er wird sich entweder (illegal) prostituieren oder einbrechen, stehlen, rauben, betrügen usw. - Spätestens dann ist der Schaden pro Abhängigem größer als beim Alkoholabhängigen.

Den Betroffenen hilft diese Unterscheidung allerdings nicht weiter, weil sie so oder so am Ende sind. Die "Schuldfrage" ist ohnehin nebensächlich, wie ich meine. Wenn jemand erst einmal so weit ist, dann ist er in erster Linie hilfsbedürftig. Darin sind wir uns wohl einig.

Der Vorschlag, Heroin (oder Methadon) einfach so auf Rezept herauszugeben, ist nicht so einfach, wie es klingt, jedenfalls solange nicht, wie die Stoffe verboten sind. Daraus erwachsen zahlreiche rechtliche (und auch ethische) Probleme. Einen Heroinabhängigen mit Heroin helfen zu wollen, ist keine echte Hilfe. Das sollte jedem klar sein. Das ist nur Augenwischerei, bei der man die Leute ihrem Schicksal überlässt. Hauptsache, sie brechen dann keine Autos mehr auf und lassen die anderen Menschen in Ruhe. - Tolle Hilfe.
 
Hehe.

Nein, so war das mit dem Heroin auf Rezept auch nicht ganz gemeint.
Es gibt ja bereits eine sogenannte "Heroinstudie".
Hier in Frankfurt sind das 50 Plätze für Heroinsüchtige, die jeden Tag in die Ambulanz gehen, um ihr Heroin zu bekommen. Sie müssen dort auch konsumieren.
Und nebenbei werden sie sozial betreut.
Also das Ziel des Ganzen ist: Man will dem Heroinabhängigen ein menschenwürdigeres, gesünderes und kriminalitätsfreies Leben ermöglichen. Wenn möglich, dann kann natürlich auch das Ziel der Arbeitsfähigkeit erreicht werden.

Aber wie gesagt, das betrifft hier in Frankfurt zurzeit gerademal erst 50 Leute von geschätzten 10 bis 15.000 Abhängigen. Also das Projekt steckt noch völlig in den Kinderstiefeln.
Aber es ist wichtig, dass das Thema Beachtung und Unterstützung findet.
Wir kennen ja unsere Politiker. Obwohl das Projekt anscheinend sehr erfolgreich verläuft, mussten die nach der letzten Wahl schwer darum kämpfen, dass es überhaupt weiter geführt wurde.


Methadon ist übrigens eine Schweinerei.
Das Zeug ist um ein vielfaches giftiger als Heroin.
Und es macht auch viel stärker abhängig.
Der körperliche Entzug vom Heroin dauert 2-3 Wochen. Der Entzug vom Methadon jedoch, der dauert 3-6 Monate. Wenn Heroin die Hölle sein soll, dann frag ich mich nach der passenden Terminologie für das Zeugs.


Wen´s interessiert: http://www.heroinstudie.de/
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielleicht liegt eine mögliche Lösung ja darin, dass sich der Staat darauf konzentriert, die meisten Menschen, die sich hervorragend um sich selbst kümmern können, einfach größtenteils in Ruhe zu lassen, und sich gleichzeitig um die wirklich Hilfsbedürftigen kümmert, um diesen Menschen auf den Weg zu helfen, dass sie sich ebenfalls wieder um ihre eigenen Interessen bemühen können?

Wobei ich unterstelle, dass die meisten Menschen sehr viel besser wissen, was gut für sie ist, als irgendeine anonyme Verwaltungsbehörde. ;)

Eventuell ist das ein Ausweg aus dem auch in diesem Thread beklagten Teufelskreis: Einerseits wird bemängelt, dass sich der Staat nicht ausreichend um die Menschen kümmert. Also Staatsversagen auf weiter Ebene. Andererseits wird verlangt, dass sich der Staat sehr weitgehend um die Bedürfnisse der Menschen zu kümmern habe. Also Staatsverantwortung auf weiter Ebene. Wie sich diese beiden Dinge unter einen Hut bringen lassen, ist mir ohnehin schleierhaft. Bei festgestelltem Staatsversagen völlig unkritisch eine Ausweitung der staatlichen Verantwortung zu fordern, erscheint mir jedenfalls reichlich paradox.

Viele Grüße, Tiguar
 
Normalerweis hast Du mit den Behörden gar nichts zu tun. Du zahlst Deine Steuern – in Eigenregie oder über Deinen Arbeitgeber – und damit hat es sich schon. Das Kindergeld gibt es automatisch, nur für Wohngeldanträge oder dergleichen musst Du überhaupt zum Amt. Man wird also in Ruhe gelassen, wenn man nichts vom Staat will.

Das Versagen des Staates ist dagegen nahezu unausweichlich. Denn es wird auch Gründen der Kapazität und des Geldes gar nicht so genau darauf geschaut, welche Hilfe jemand konkret braucht.

Da hat jemand z. B. kein Geld und beantragt Hartz IV bzw. Sozialhilfe. Das wird ihm laut Aktenlage dann auch gewährt. Ob derjenige nun ein Alkoholproblem hat oder psychisch gestört ist, interessiert zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Die Sachbearbeiter geben die Daten in ihre Bildschirm-Masken ein und fertig. Ein anderer entscheidet dann über den Antrag.

Bei offensichtlichen Problemfällen mag das anders sein. Wenn klar ist, dass jemand ein Drogenproblem hat, dann wird der Fallmanager ihn womöglich erst einmal zu entgiften versuchen, also Therapie vor Jobsuche.

Aber viele Missstände bleiben unerkannt und unausgesprochen. Der Staat kann auch nicht bei jedem an der Haustür klingeln und gucken, ob jemand unter dem Messi-Syndrom leidet, kaufsüchtig ist oder als Kind misshandelt wurde und noch heute darunter leidet.

Hier ist der Weg in die andere Richtung zu beschreiten. Die Hilfsbedürftigen müssen sich an die sozialen Hilfseinrichtungen wenden, die es gibt – sofern es sie gibt. Das fängt beim Arzt an, geht über Beratungsstellen bis hin zu Ämtern.

Würden das alle Menschen machen, hätten wir natürlich wieder ein Problem. Man stelle sich vor, jeder Junkie stünde plötzlich auf der Matte: „Ich bin krank, ich brauche einen Therapieplatz. Bitte helft mir, es ist dringend.“ – Das wäre nicht zu stemmen und man kann so viele Plätze auch nicht vorhalten, obwohl man sagen muss, dass das Angebot derzeit wohl viel zu gering ist.
 
andiac schrieb:
Sucht ist erstmal grundsätzlich etwas, wofür man so gut wie garnichts kann.
Welche Stoffe man dann wählt, das hängt auch von den Bedürftigkeiten ab, die gestillt werden wollen.

:eek:

Diese Aussage schockiert mich zugegebener Maßen gerade etwas. Interessant finde ich allerdings die Tatsache, dass du aus diesem Weltbild darauf schließt, dass die übliche Kriminalisierung falsch sei. Ich komme nämlich zu einem recht ähnlichen Fazit. Aber nicht, weil ich die Leute für unschuldige Opfer halte, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass jeder das gute Recht hat, sich selbst zu Grunde zu richten, solange er dabei niemandem schadet. Ob jemand nun vor dem Hintergrund einer Sucht klaut oder aus einem anderen Grund, das sollte meiner Meinung nach Justizia egal sein. Denn diese solle blind sein. Wesentlich blinder, als sie derzeit praktisch ist.

Ich halte Eigenverantwortung für eine tolle Sache. Und ich finde es auch toll, dass ein Mitglied der Libertarian Party das auch in einer sehr guten TV-Serie sehr unterhaltsam darstellt.

Skoll schrieb:
Deswegen verteilen wir ja auch keine Essensmarken, weil damit indirekt andeuten würde, dass die Armen nicht mit Geld umgehen können.

Und es ist auch in 99% der Fälle so, wenn du mich fragst. Ich kenne selbst verschuldete Leute, die einen Flachbildfernseher im Wohnzimmer haben. Und letztens habe ich eine Doku im Internet gesehen, wo eine Frau ehrenamtlich Leuten hilft, die nicht klar kommen. Die alleinerziehende Mutter, die keiner Arbeit nachgeht, bestand gegenüber der Beraterin aber darauf, geschälte Kartoffeln im Glas zu kaufen. Ja, was soll ich dazu jetzt noch sagen? Ich will ja nicht ausfallend werden.
 
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Diese Aussage schockiert mich zugegebener Maßen gerade etwas. Interessant finde ich allerdings die Tatsache, dass du aus diesem Weltbild darauf schließt, dass die übliche Kriminalisierung falsch sei.

Was meinst du genauer mit "diese Aussage schockiert mich"?

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass jemand der unschuldig ist, auch nicht bestraft werden darf.

Ich mein, um das mal in dem Zusammenhang mit Heroinsucht etwas zu erläutern und auszuführen. Wenn ein Heroinsüchtiger nicht schuld ist an seiner Heroinsucht ist, dann ist es ein riesen Unding, ihn dafür zu bestrafen.
Klar, die meisten, die im Zusammenhang mit Drogen verurteilt werden, werden wg. Beschaffungsdelikten wie Ladendiebstahl etc. verurteilt.
Nur, was hat ein Junkie auch für eine Wahl, wenn Heroin nur auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen erhältlich ist?


Meinen Erkenntnissen zufolge kommt die gesamte Drogenpolitik einer Massendiskriminierung gleich.
Nichts anderes ist das.

Man könnte es auch so formulieren: Die Drogenpolitik ist eines der letzten Überbleibsel aus Zeiten der Nazi-Dikatatur.


Und um das ganze mal wieder auf unsere Thema hier "Kann eine Regierung Armut bekämpfen?" zurück zu führen.
Durch diese Drogenpolitik sorgt die Regierung geradezu dafür, dass einige Menschen in die Armut geraten und da nur sehr sehr schwer wieder raus kommen.
Und an der Stelle ist es demzufolge quasi ein leichtes für die Regierung, Armut zu verhindern und dafür Sorge zu tragen, dass es für viele Betroffene leichter (oder gar erst möglich) wird, sich wieder Boden unter den Füßen zu verschaffen.

Ich frag mich da, wie es möglich ist, dass eine solche Politk überhaupt erst zustande kommt.
Und da komme ich, wie ein paar andere hier auch, zu der Vermutung, dass viele Politiker die menschen in unserem Lande oft unterschätzen.
Denn ich halte es nicht für notwendig, ein Heroinverbot auszusprechen.
Denn ich denke, die allermeisten (potentiellen) Eltern wissen genug über dieses Thema (und wenn nicht, kann sich jeder die notwendigen Kenntnisse sehr leicht besorgen), um daraus vernünftige Schlüsse ziehen zu können.

Dieses Verbot sorgt in meinen Augen zum allergrößten Teil nur dafür, dass es den Betroffenen noch viel schwerer gemacht wird, als es ohnehin schon ist.

Ich glaube, auch in vielen anderen Bereichen nimmt "der Staat" viel zuviel Einfluss und sorgt dadurch für viel Unmut und für viele unschöne Entwicklungen.
Wie ich an anderer Stelle schon angedeutet habe, halte ich das deutsche Schulsystem für einen weiteren solchen Fall.
Hier wird durch viel zuviel Themenvorgabe dafür gesorgt, dass ein Schüler in unserem Land sich in der schönsten Zeit des Lebens mit vielen vielen unnützen Dingen auseinandersetzen muss.
 
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andiac schrieb:
Was meinst du genauer mit "diese Aussage schockiert mich"?

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass jemand der unschuldig ist, auch nicht bestraft werden darf.

Mich schockt die Ansicht, dass Süchtige selber nichts dafür können sollen, sondern dass die Verantwortung hier auf die Umwelt und aus dem eigenen Wirkungsbereich dieser Leute verschoben wird.

Ich gehe nicht davon aus, dass diese Leute unschuldig an ihrer Sucht sind. Aber ich finde man sollte niemanden bestrafen, nur weil er meint sich selbst zu Grunde richten zu müssen. Aber das macht man ja auch nicht wirklich.

Weiter will ich das Thema nicht vertiefen, da müsste ein eigener Thread her. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke auch, über 90% der Leute die Schulden haben und nicht damit klar kommen sind selbst für ihre Situation verantwortlich. Diese Leute sollten dann eben doch mit Lebensmittelmarken ausgestattet werden.
Der Versuch ihnen nebenher auch den richtigen Umgang mit Geld zu vermitteln kann ja nicht Schaden.

Für die Leute die wirklich unschuldig in die Schuldenfalle geraten, durch Insolvenzen Naturkatasthrophen usw, gibts ja immer noch die Privatinsolvenz. Dahingehend hat der Staat ja schon was getan.
 
Weiter will ich das Thema nicht vertiefen, da müsste ein eigener Thread her.

Ja. Das sehe ich genauso.

Ich will aber dennoch ganz kurz dazu Stellung nehmen. Danach würde ich das auch lieber in einem anderen Thread weiter führen. Vielleicht fällt jemandem ja ein angemessener erster Beitrag dafür ein.


Wenn ein Mensch drogensüchtig ist, dann ist das mit Sicherheit so, dass in seiner Kindheitsgeschichte so einiges mies gelaufen ist.
Mich wundert ein bisschen, dass du das nicht weißt.
Gleichzeitig finde ich das aber auch erschreckend. Denn wenn viele Menschen so denken wie du, sei es aus Unkenntnis, Borniertheit oder Desinteresse, dann haben es Drogenabhängige natürlich noch schwerer, sich aus ihrem Sumpf zu befreien und einen angemessenen Platz im Leben zu finden.
 
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