Silica schrieb:
Aber sicher ist das mein Ernst.
Ich bezog mich aber mit meiner Aussage - siehe mein Beitrag weiter oben - nicht auf irgendwelche PS-Boliden, sondern gab für Fahranfänger ein Optimum zwischen 75 und 90 PS an.
Meine Aussage, mehr PS helfe Fahranfängern insbesondere in Landstrassen-Situationen, bezog sich also auf diese PS-Spanne.
Ich pflichte jedem bei, der ein 200 PS-Geschütz nicht als geeignetes Anfängerauto bezeichnet... .
Dann schau dir mal an welche Autos auf Landstraßen sich regelmäßig um die Bäume wickeln!!!
Praktisch nie ist da ein 50PS Polo zu sehen
Quelle?
Dort sind ebensoviele 50 PS-Polos wie 200 PS-Flitzer zu finden.
Es kommt entscheidend auf den Fahrer und dessen Risikobereitschaft an. Es gibt vernünftige junge Fahrer, ebenso wie unvernünftige.
Mir geht es darum, dass ein wenig mehr Leistung im Zweifel auch Leben retten kann, indem eine nun einmal getroffene Fehlentscheidung zumindest noch ausgeglichen werden kann. Die Fehleinschätzungen von Fahranfängern sind zum Teil gravierend.
Richtig!
Aber dagegen hilft Fahrpraxis und Erfahrung, nicht aber mehr PS!
Siehe oben, mir geht es darum, einen Fahranfänger nicht mit einem eklatant durchzugsschwachen Fahrzeug auszustatten. Nicht mit einer Rakete.
Durchzugsleistung bringt ein gewisses Maß an Sicherheit, zuviel Durchzugsleistung aber animiert zur Selbstüberschätzung.
Völlig pauschale Aussagen lassen sich hinsichtlich der PS-Leistung natürlich nicht treffen:
Ein 90 PS-Polo ist recht durchzugsstark, während ein 90 PS-Passat dies natürlich eher nicht ist (-> Gewicht).
Nicht der Preis ist Maßgeblich ob ein Auto etwas taugt oder nicht, sondern das Auto selbst ist Maßgeblich.
Man kann sehr wohl für 500 Euro ein Top Auto bekommen. Man kann auch für 5000 Euro Top Schrott bekommen.
Wenn man Ahnung oder eben keine Ahnung hat ist alles möglich.
Ich selbst habe 7 Jahre (70.000KM) lang ein Polo gefahren, ganze 300 Euro hat er gekostet und Reparaturkosten waren vieleicht 500 Euro über die ganze Zeit!!
Verkauft habe ich ihn dann für 400 Euro. Und er fuhr immer noch 1a
Da siehst Du, was ich meine:
Du selbst magst vielleicht Glück mit Deinem Auto gehabt haben, abgegeben hast Du aber definitiv "Schrott":
Wenn Du über die ganze Zeit 500 € investiert hast, hast Du nicht einmal die Servicewartungen eingehalten bzw. hast sie selbst erledigt oder "schwarz" erledigen lassen. Im Scheckheft stand also schonmal nichts. (-> K.O. Kriterium). Die Reifen dürften Müll sein (porös oder runtergefahren). Die Bremsbeläge sind am Ende, die Bremsscheiben ebenfalls. Stabilisatoren sind ausgeschlagen, Querlenker ebenso. Auspuff Müll. Kopfdichtung, Ölwannendichtung, ohne Ölverlust? Wohl zu bezweifeln. Zahnriemen gewechselt? Fehlanzeige. Wasserpumpe und Spannrollen somit auch nicht. Kupplungsscheiben dürften runter sein. Zündkerzen müssen neu.
Ich könnte schier endlos so weiter machen.
Und dann wundern sich die Leute und lachen, wenn so ein Auto bei einem seriösen Händler plötzlich 3000 € kostet, obwohl es im Internet bereits für 300 zu haben ist. Genau das meinte ich in meinen vorherigen Beiträgen mit "nur durchreparierte Fahrzeuge kaufen".
Daaron schrieb:
Das möchte ich mal bezweifeln.
Der Passat sollte in diesem Falle die gesamte Energie der Kollision aufnehmen und sich massiv verformen. Wenn er das nicht tut, dann haben VW massiv gepfuscht. Der Passat sollte nach so einer Kollision aussehen wie ein 3 Jahre alter Spülschwamm, während der Smart nur n paar Risse in der Außenhülle haben dürfte.
Der Passat war vollständig zerstört. Absoluter Totalschaden, obwohl noch relativ neu. In die Fahrgastzelle war allerdings nicht ein einziges Teil eingedrungen.
Mit "durchgefahren" meinte ich, dass die Verformung des Smarts bis zu den Rückenlehnen der Vordersitze reichte. Die Insassen hatten keine Chance. Technik kapituliert, wenn physikalische Gesetze ihre Wirkung entfalten.
Nochmal: Der Smart ist für seine Größe genial konzipiert. Er bietet für das, was er aufgrund seiner Größe bieten kann, eine sehr gute Insassensicherheit. Das möchte ich in keiner Weise abstreiten. Bei schweren Gegnern wie etwa einem Passat muss er aber kapitulieren. Der Passat bietet - allein aufgrund seiner Größe/Gewicht und damit verbunden der physikalisch errechenbaren maximalen Kraftaufnahme durch Stauchen der Karosserie sowie aufgrund der Teile, die Kraftaufnahme gewährleisten können - ein Vielfaches an Insassensicherheit.
Und das gilt natürlich nicht nur für den Passat, sondern zunächst einmal für jedes größere und schwerere Auto.
Ich fahr seit ich n Führerschein hab Landstraße (inkl. einer Todeskurve mit nem Dutzend Kreuze). Ich hab da nie Probleme mit nem 1.6er Astra F (73PS) gehabt.
Die, die laufend in selbiger Kurve klebten, war die GTI - Liga mit 90PS und mehr. Die dachten nur an GIB IHHHHMMM! Dagegen ist in der Kurve (und in anderen Todesecken hier) nie ein 60PS-Polo rausgeflogen.
Ich bin absoluter Vielfahrer (mehr als 40.000 km / Jahr), dazu spezialausgebildet (viele ADAC-Sicherheitstrainings, Schleudertrainings, Aquaplaningtraining, Glatteistrainings, Fahrlehrertraining), habe das Autofahren mit 8 Jahren gelernt (auf einem abgesicherten Gelände). Seit 2007 leite ich geschäftsführend ein Kfz-Unternehmen (dual zu meiner juristischen Ausbildung) und verfüge zudem über eine Rennfahrer-Ausbildung.
Ich bin also qualifiziert, in diesem Gebiet Aussagen zu treffen.
Ich möchte nicht bestreiten, dass Du mit Deinem Astra nie Probleme im Straßenverkehr hattest. Dieser fällt ja auch unter meine Definition von einem geeigneten Anfängerauto (jetzt komm mir nicht mit der hat 2 PS weniger

). Der Astra ist groß genug, potent genug und sicher genug um alle Kriterien für ein geeignetes Anfängerauto zu erfüllen.
Ich schlage mich tagtäglich mit Eltern herum, die ein geeignetes Anfängerauto für den Sprössling wollen. Als allererstes wird genannt: Aber nicht mehr als 50 PS. Und das ist ein Fehler. Und um diese Erkenntnis geht es mir.
Wenn ich nicht weiß, ob die Lücke reicht, dann FAHR ICH NICHT. Was du empfiehlst ist: Zieh raus, im Notfall gibste einfach mehr Gas...
Auf keinen Fall empfehle ich das!
Fehler in der Einschätzung werden bei Fahranfängern einfach gemacht. Ganz besonders gilt das für unüberschaubare Situationen. Ein Fahranfänger schätzt womöglich falsch ein, wann eine Situation unüberschaubar ist und riskiert ein Überholmanöver. Einmal angefangen, ist es meistens zu spät. Der Hintermann schließt auf, macht die Lücke dicht, es gibt keine Chance für einen Abbruch des Überholmanövers. Zumeist ist der Hintermann sogar zu dumm, um zu erkennen, dass er selbst nun eine Lücke freigeben muss und denjenigen, der ein missglücktes Überholmanöver abbrechen muss, wieder vor ihm einscheren lässt. Diese Leute hupen, fühlen sich aber nicht verpflichtet, selbst deutlich auf die Bremse zu steigen. Der mit der Situation ohnehin überforderte Fahranfänger hat keine Chance, sein Manöver abzubrechen und wieder einzuscheren. Er bremst entweder zu stark, sodass der Hintermann sogleich neben ihm ist, oder er tritt aufs Gas, was ihm aber bei einem durchzugsschwachen Auto nichts bringt.
Je nach Gewichtsklasse des Autos ist also ein Fahrzeug in Polo / Golf - Klasse mit 75 - 90 PS oder wenn größer/schwerer sogar mit 115 PS genau das richtige für einen Fahranfänger.
Was Du aber nicht auf Fahranfänger beziehen kannst, ist Deine Aussage:
Wenn ich nicht weiß, ob die Lücke reicht, dann FAHR ICH NICHT.
Wenn ein Fahranfänger keine Erfahrung damit hat, ob eine Lücke reicht oder nicht, kann er mitunter eine folgenschwere Fehleinschätzung treffen. Eben aufgrund seiner Unerfahrenheit. "Lass es einfach" ist hier keine genügende Antwort. Der Fahranfänger glaubt, es würde sogar auf jeden Fall reichen. Er sieht gar kein Risiko. Also handelt er. Es reicht aber nicht. Ein mehr als lahmes Auto gefährdet bei einer solchen Fehleinschätzung nicht nur ihn, sondern auch den Entgegenkommenden.
Und natürlich stimme ich zu, dass ein Fahranfänger im Gegenzug nicht dadurch zu Fehleinschätzungen verleitet werden darf, indem er glaubt, sein schnelles Auto würde das ganz sicher schaffen. Sonst könnte ich auch für 200-PS-Boliden für Fahranfänger plädieren. Meine Auswahl war ganz bewusst gewählt.
Von Fall zu Fall.
Kumpel von mir wollt sich nur ne Printe für 1-2 Winter kaufen, damit er seinen aufgebauten Calibra nicht mit Streusalz füttern muss. Am Ende fuhr er den 500€-Colt dann 6-8 Jahre, obwohl der Calibra schon längst weg musste.
Sicher gibt es solche Fälle. Gar keine Frage.
Doch bei einem Auto in der Preislage muss man immer mit gravierenden Mängeln, mit Reparaturstau und letztendlich - mit Schrott rechnen. Selbst bei Händlern, die Gewährleistung geben müssen.
Und die eigene Sicherheit bleibt auf der Strecke. Finger weg von solchen Angeboten. Natürlich kann man auch Glück haben. Aber mal ehrlich: Niemand, der in den letzten zwei Jahren 3000 € in ein Auto investiert hat, wird es freiwillig für 500 € abgeben. Es sei denn, er gehört zur Familie (und auch dann...).
MfG,
Dominion.