Ich habe Euch mal was eingescannt, ist im Anhang.
Leider ist genau das, was ich Euch zeigen wollte, nicht dabei, aber ich kann es mit dem Bild erklären.
Die linke Spalte ist die Übertragungsfunktion, die mittlere die Pol-Nullstellen-Verteilung und die rechte die sogenannte Sprungantwort.
Bei den meisten in der Natur vorkommenden Objekten handelt es sich um ein System 2. Ordnung (Masse-Feder), d. h. es bestitz 2 Polstellen und bis zu 2 Nullstellen.
Ein geübter Mathematiker oder Ingenieur wird sofort erkennen, dass die Polstellen (gekennzeichnet durch ein Kreuz) von dem Term im Nenner, der charakteristischen Gleichung, abhängen.
Diese Polstellen können einen komplexen und einen reellen Anteil haben. Aus diesen Polstellen kann man das Verhalten eines Systems ablesen.
Polstellen mit rein negativ reellem Anteil - z. B. das obere - sind aperiodisch, sie haben zwar eine Resonanzfrequenz, die ist aber so stark bedämpft, dass es gar nicht anfangen kann mit dieser zu schwingen. Man könnte auch sagen, dass System führt nur erzwungene Schwingungen aus.
Das System darunter hat Polstellen mit negativem Realteil und einem komplexen Anteil, man nennt es schwingungsfähig. Das sieht man sehr gut an der Sprungantwort, es schwingt langsam auf der Resonanzfrequenz aus. Allerdings ist auch dieses System stabil, wie alle deren Polstellen eien negativen Realteil haben. Man kann es also auch mit dieser Resonanzfrequenz anregen, und es wird sich nicht selber aufschwingen, nur hässlich schaukeln (ein falsch dimensioniertes Gebäude kann natürlich auch so zusammenbrechen).
Wäre der Realteil der Polstellen jetzt positiv (mit einem Faktor -2,1 statt +2,1 im Nenner; diesen Faktor nennt man 2D), dann wäre das System instabil und würde sich aufschwingen, vorrausgesetzt, es wird weiter Energie hinzugeführt oder es kann diese Energie woanders entnehmen. In elektrischen Systemen würde es z. B. bedeuten, dass die Ausgangsspannung bis zur Betriebsspannung aufschwingen würde, aber nicht darüber hinaus, denn das wäre unmöglich.
Soviel mal zur Theorie die dahinter steckt.
Und jetzt nochmal was praktisches zum Thema Lautsprecher:
auch ein LS-Chassis ist ein System 2. Ordnung (solange er nicht in irgendwas abartiges wie Bandpass oder Bassreflex eingebaut ist). Ein geschlossenes Gehäuse ist durch seine Güte Qtc und seine Resonanzfrequenz fs charakterisiert, Qtc entspricht 1/2D. Für Qtc<=0,5 ist das System aperiodisch, für Qtc>0,5 ist es schwingungsfähig. Gängige Abstimmungen für geschlossene Gehäuse haben eine Abstimmung von Qtc>0,707 (Butterworth bis Tchebychev). Die Folge ist ein leicht bis stark betonter Bass, auf Kosten der Präzision, denn es schwingt ja auf der Resonanzfrequenz lange aus.
Würde man stattdessen auf Qtc<=0,5 abstimmen (Linkwitz), dann hätte man die maximale Präzision, allerdings auch ein größeres Gehäuse und eine niedrigere untere Grenzfrequenz als wenn man das gleiche Chassis in ein Gehäuse größerer Güte einbauen würde.
In der Praxis baut man ein Chassis in ein eigentlich viel zu kleines Gehäuse (Qtc>1) und entzerrt das ganze elektronisch auf eine tiefere Resonanzfrequenz und ein Qtc<=0,5. Die untere Grenzfrequenz ist dabei nahezu beliebig und wird nur durch die mechanischen Fähigkeiten und der gewünschten Lautstärke limitiert.
Wer näheres dazu erfahren möchte:
http://www.linkwitzlab.com/filters.htm#9
Vorsicht, viel Mathematik.
Gruß
Morgoth