Gobble-G schrieb:
Das interessiert mich. Was hat das für Nachteile, wenn der Arbeitspunkt verschoben ist? Oder ist das ein Effekt der da ist aber nicht weiter stört?
Die Aufhängung einer Membran hat keine lineare Kennlinie, sondern ist irgendwas der Form:
y=ax+bx²+cx³+...
Das ist der Grund für den Klirrfaktor, das x² sorgt für eine Oberwelle 2. Ordnung, das x² für eine 3. Ordnung usw.
Bei x=0 (und ein wenig drumherum) ist die Kennlinie praktisch linear, dort habe ich keinen Klirrfaktor. Das ist bei niedriger Lautstärke der Fall.
Wenn sich der Arbeitspunkt aber verschiebt, z. B. auf x=1mm, und das bei der gleichen Lautstärke, dann sieht die Membran keine lineare Kennlinie mehr und der Klirrfaktor ist sehr viel höher. Bei einer Resonanzfrequenz von 50Hz hat man eine maximale Verschiebung bei 100Hz, die Oberwelle 2. Ordnung liegt damit schon bei 200Hz, diejeniger 3. Ordnung bei 300Hz. Da kann es durchaus sein, dass die Hörschwellen für den Klirrfaktor selbst bei niedrigen Pegeln überschritten werden (im Bass selber ist das eher selten, dort liegt die Hörschwelle durchschnittlich bei 10%).
Zusätzlich kommt noch hinzu, dass die Kennlinie nicht mehr symmetrisch ist. Das heißt, in der einen Richtung ist der Einfluss von x² und x³ höher als in der anderen. Wie genau sich das auf den Klang auswirkt, mag ich aber nicht sagen. Gut ist es bestimmt nicht.
Und: die Belastbarkeit verringert sich. Nehmen wir ein Chassis, dass eine maximale Auslenkung von 2mm zulässt, dann ist eine Arbeitspunktverschiebung von 1mm (das ist durchaus üblich, sonst wäre das kaum sichtbar) schon eine mittlere Katatstrophe und verringert den Maximalpegel um 6dB.
Achja, und die Kompression habe ich ganz vergessen. Weil die Kennlinie bei x=0 ihre maximale Steigung hat, verläuft sie ober- und unterhalb flacher. Damit wird der Wirkungsgrad verringert, der Lautsprecher spielt also leiser als wenn die Kennlinie linear wäre. Definitiv hörbar, und das ganze verändert sich auch noch zeitlich.
Sherman123 schrieb:
Wir können nur sehen, wie sich die Tonlage verändert. Wenn du dir ein Lied anhörst, dann siehst du, wie der Membran springt.
Nein, die Tonlage ändert sich nicht. Es verschiebt sich nur der Punkt, um den die Membran schwingt.
Gruß
Morgoth