Nach meinem Studium (BA - Mathe, MA - Päda), ist für mich eines ganz sonnenklar. Wer nur auswendig lernt, bekommt zwar den Abschluss, und vielleicht auch Bestnoten - hat den ganzen Kram aber ein paar Monate nach seiner Abschluss-Party wieder vergessen.
Dennoch habe ich nicht nur einen Studenten des Typs "Learning for the Test" gesehen - und seit der Umstellung auf BA/MA sind das ganz sicher mehr geworden.
Genau deswegen haben unsere Päda-Profs die Klausuren auch grundsätzlich so gestellt, dass sie durch bloß auswendig gelerntes Wissen nicht zu beantworten waren. Allesamt Verständnisfragen, und ein Script haben die Jungs fast prinzipiell nicht rausgegeben.
Bei Mathe wein ganz anderes Bild - ca 15% der Klausuren bestanden aus MC-Aufgaben. Die Profs und Tutporen gaben zu diesen Aufgaben allerdings immer eine Empfehlung:
"MC geht schnell, beantworten sie zunächst die Fragen, bei denen sie sich sicher sind. Und kreuzen sie bei allen übrigen Fragen die selbe Antwort an"
Standardmäßig gab es 3 Antwortvarianten - wusste man nich eine einzige sicher, so hatte man immerhin schon eine 33% Chance, zufällig die richtige Variante zu erswischen. Zum Bestehen der Klausur waren die MC's nicht notwendig, wenn man den Rest verstanden hatte.
Genau deswegen hielten die meisten Mathe-Profs MC für "eigentlich extrem ungeeignet zur Leistungskontrolle". Manchmal hatte ich das Gefühl, die hätten MC nur deswegen eingebaut, damit nicht ALLE Auswendiglerner ganz durchfallen.
Zum Thema:
Ich habe in meinem ganzen Studium nie etwas auswendig gelernt - nur angewandt/vertieft und wiederholt.
Eine gute Lernmethode ist übrigens der Spickzettel. Ich habe mal eine Untersuchung gelesen, die belegt hat, dass die Hälfte der Schüler die vor einer Klausur SELBST einen Spickzettel angelegt hatten, diesen in der Klausur dann nicht mehr brauchten. Wer sich seinen Spickzettel hatte schreiben lassen (z.B. vom großen Bruder), konnte von diesem Effekt allerdings nicht profitieren.
Die Notwendigkeit, auf wenig Platz (je kleiner, desto besser lässt sich der Spicker verstecken) möglichst viel Stoff in verständlicher Weise zu komprimieren, schafft in der einen Nacht vor der Klausur oft mehr Lernerfolg, als wochenlanges stumpfes Pauken.
Mein Tipp: Du kannst es ja mit Pauken probieren, aber du solltes zusätzlich auf jede nur erdenkliche "Rehearsal" - Methode zurückgreifen. Versuche das gerade eingepaukte Wissen mit deinen eigenen Worten wiederzugeben. Auch "Unwissende" sind mächtige Verbündete bei der Vorbereitung auf Klausuren. Einfach mal Mama oder Papa den Stoff erklären - dumme Nachfragen von Laien sind manchmal viel mehr Wert als der Rat von 10 Experten. Du verstehst dein Wissen durch's Erklären immer besser, und vergisst es auch nicht einfach wieder.
Aber das wichtigste: MACH MAL 'NE PAUSE.
Ein Hirn, das 24/7 von Vorlesunsscripten und Übungszetteln gepiesackt wird, kann irgendwann einfach nichts mehr aufnehmen. Es braucht ZEIT, das bereits Aufgenommene zu verarbeiten und in bestehende Gedächtnisstrukturen einzubetten. Letzteres ist nebenbei meine persönliche Definition von "Lernen". Aufnehmen - Verarbeiten - Verknüpfen mit anderen Gedächtnisinhalten - Wiederholen/Vertiefen - Abrufbar machen. Nur so entsteht mMn auch später noch nutzbares Wissen.
Es ist unter Umständen schwer, ganz abzuschalten (mir kommen gerade dann, wenn ich eigentlich nichts mehr machen möchte, oft die besten Ideen), aber es ist absolut notwendig, damit dein Hirn neue Infos auch verarbeiten kann - statt sie nur auf die "to do" - Liste zu setzen.