Sinn und Unsinn vieler Distributionen

moonwalker99

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Linux ist vielseitig, das ist toll. Und jeder kann sich die Distribution aussuchen, die am besten zu ihm passt. Manchmal gibt es sehr spezielle Einsatzzwecke, z.B. bei sehr alten Rechnern. Oder bei nur etwas älteren. Ubuntu will keine 32-Bit CPUs mehr unterstützen.

Wenn ich auf http://distrowatch.org/ schaue, sehe ich eine schier unendliche Menge an Distributionen. Ich glaube, die Liste wird von Monat zu Monat größer. Jede Distribution braucht ihre eigenen Website, Anleitungen in mehreren Sprachen, Foren, die betreut werden wollen, und Server-Infrastruktur zur Bereitstellung der iso-Images.

Das kann jedes Projekt so handhaben, wie es die Leute wollen. Bei der großen Menge frage ich mich, ob es nicht besser wäre, die Kräfte zu bündeln.

Die Frage mag etwas allgemein wirken. Mich würde interessieren, ob es zwischen den einzelnen Distributionen auch Gespräche über eine Zusammenarbeit gibt o.ä.
 
moonwalker99 schrieb:
Bei der großen Menge frage ich mich, ob es nicht besser wäre, die Kräfte zu bündeln
"Kräfte" sind hier etwas überbewertet. Um Debian oder einer anderen Basis ein neues Theme zu verpassen, einen hübschen Installer zu entwerfen, ein paar Configs umzuschreiben und eine eigene Softwarepaket zu schnüren bedarf es keine Kenntnisse, die in gebündelter Form nützlicher wären als in ungebündelter.

Warum sollte zb. Mint mit Ubuntu Gespräche über einen Merge aufnehmen? Beide haben ihre eigene Vorstellung davon wie Linux auszusehen hat und der eine bedient sich beim anderen. Wenn Entwickler bei solchen Distributionen allerdings was sinnvolles zu Kernkomponenten beitragen, wandern die natürlich nach oben, und von dort aus evtl in alle Distributionen die sie Nutzen. Redhat als Beispiel ist da sehr fleißig.
 
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moonwalker99 schrieb:
Manchmal gibt es sehr spezielle Einsatzzwecke, z.B. bei sehr alten Rechnern. Oder bei nur etwas älteren.
...wobei dann viele den Denkfehler machen, zu glauben, dass das moderne Web dann plötzlich benutzbar wird.
Noch schlimmer wird's wenn einige die Linux-Erfahrungen von dem Uralt-Schrott mit einem Windows auf moderner Hardware vergleichen.

moonwalker99 schrieb:
Ubuntu will keine 32-Bit CPUs mehr unterstützen.
Äußerst logisch, warum dafür noch Zeit verschwenden? Für Uralt-Schrott (also ca 15Jahre und älter), der 64Bit nicht unterstützt, ist Ubuntu eh nichts mehr.

moonwalker99 schrieb:
Jede Distribution braucht ihre eigenen Website, Anleitungen in mehreren Sprachen, Foren, die betreut werden wollen, und Server-Infrastruktur zur Bereitstellung der iso-Images.
Viele davon machen die kleinen Distros nicht, nutzen Paketquellen von der Mutter-Distro und ne Downloadseite kann auch ein engagierter Schüler erstellen, sogar kostenlos.

moonwalker99 schrieb:
Bei der großen Menge frage ich mich, ob es nicht besser wäre, die Kräfte zu bündeln.
Viele kleine Distros sind entweder zu spezialisiert für die großen Distros oder haben eine zu schlechte Qualität.
 
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Ah ja, die Frage, die in jeder der neuerdings zahlreichen Linux-News aufgetaucht ist. :)

Wie ich in einem dieser Threads schon geschrieben habe: Beim Erstellen einer Distribution müssen viele Entscheidungen getroffen werden, für die es keine Richtig oder Falsch gibt. Welches Update-Modell (rolling oder point release) soll genutzt werden? Welcher Desktop soll als Standard angeboten werden? Welche Anwendungen sollen standardmäßig vorinstalliert werden? Wie soll das Artwork aussehen?

Wenn also all die Entwickler der verschiedenen Distros sich an einen Tisch setzen würden und DIE EINE Distro gemeinsam entwickeln würden, die all die Manpower bündelt, dann würde das nicht klappen, denn wie auch immer man die strategischen Fragen beantworten würde, es wäre nur eine Option unter vielen möglichen und viele Nutzer würden sich etwas anderes wünschen.

Ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass die aktuellen Entwicklerteams so sehr an fehlender Manpower leiden. Es gibt Distros, die von 2-3 Entwicklern am Laufen gehalten werden und die genauso gut sind wie Distros, hinter denen eine ganze Firma steht. Zu große Entwicklerteams haben auch ihre Schattenseiten (vergleiche die Zustände in einer typischen Behörde).
 
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Sehr viele Distributionen haben die selbe Basis, z.B. Ubuntu/Debian oder Arch. So lange alle Verbesserungen an der Basis auch wieder dorthin zurückgeführt werden, so dass alle profitieren können, ist es meiner Meinung nach schon genug Zusammenarbeit. Im Endeffekt hat man nur verschiedene Installer mit anderen von Haus aus gebündelten Paketen, aber sonst das selbe System.

moonwalker99 schrieb:
Oder bei nur etwas älteren. Ubuntu will keine 32-Bit CPUs mehr unterstützen.
Das ist mittlerweile auch echt über. Pure 32bit x86 CPUs, die jetzt noch in Betrieb sind, sollten durch etwas Stromsparenderes wie nen Raspberry Pi ersetzt werden.
 
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Um meinen Text fortsetzen:
Sogar bei stark verwandten Distros
Code:
Debian -> Ubuntu -> Linux Mint
                 -> Ubuntu Mate

will ich schon für mich selbst nicht auf eine verzichten, weil ich alle 4 genannten betreibe, da alle 4 an verschiedenen Stellen mehr oder weniger Sinn ergeben. Unter Windows müsste ich jetzt "die eine Distro" jedes mal stärker anpassen, was mehr Zeit kostet.
 
Den Wunsch nach dem "Bündeln der Kräfte" lese ich jedes mal, wenn es um die Vielfältigkeit von Linux-Distributionen geht. Ganz besonders, da hier auf CB derzeit häufig Distros vorgestellt werden.

Ich verstehe diesen Wunsch durchaus! Er wäre quasi das Mittelding zwischen dem "gar keine Wahl" durch Microsoft und "wohl zu viel Wahl" in der Linux-Welt.

Es scheinen aber die meisten nicht zu begreifen, daß ein Bündeln der Kräfte gar nicht nötig ist, da hier kein Konkurrenzkampf gegen Microsoft stattfindet (auch wenn es manche wohl so sehen). Die Vielfalt der Auswahl ist das, was Linux' Stärke ist, nicht seine Schwäche. Will jemand diese vielfältige Auswahl nicht, dann will er anscheinend auch nicht frei entscheiden, sondern etwas vorgesetzt bekommen. So sehe ich das.🤷‍♂️
 
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ghecko schrieb:
Ich erinnere mich noch zu gut an das Drama bei Debian als es darum ging, systemd zu verwenden.
Ja genau, und die Lösung war dann die Entstehung von Devuan. Zu große Entwicklerteams tendieren also an schwierigen strategischen Fragen in kleinere Teams zu zerfallen und so kommt es dann zu den vielen Distros.
 
@ghecko
Ach ja, das pöse systemd...

Das einzige, wovon ich als Linux-Nutzer großartig etwas mitbekommen habe, sind diese riesigen Diskussionen.
 
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Die Problematik von Systemd bestand meines Wissens darin, daß es in den Augen vieler mit einer der fundamentalsten Linux-(oder UNIX-)Ideen brach: "Genau ein Programm für genau eine Aufgabe".
 
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naja wenn man sich erstmal ein bisschen eingearbeitet hat und ein wenig ahnung hat, worin sich die distros unterscheiden kann man auch distro-fremde wikis verwenden.

ich bin fedora-anhänger, nutze aber oft ubuntuwiki.
umso einfacher wirds, je näher eine distro an den großen ist. anleitungen zu debian, ubuntu, linuxmint kann man bspw. fast untereinander austauschen.
 
@Mickey Cohen
Das Arch-Wiki ist oft auch sehr gut, verwendet habe ich Arch selbst nie.
 
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Viele Projekte oder Software und auch Upstream Änderungen am Kernel, die heute in vielen Distros verfügbar sind, wurden für eine, bzw im Kreise einer bestimmten Distribution entwickelt, weil sich dort eben auf eine spezielle Sache konzentriert wurde.

Die Arbeit einer bestimmten Distribution kann also auch vielen anderen zugute kommen.

Es gibt zwar immer wieder Punkte, an denen die Meinungen/Ansätze auseinander gehen aber es gibt schon sehr viele gemeinsame Projekte.

Man siehe allein die Arbeit des Freedesktop Projekt.
 
Warum wünscht man sich bei Linux-Distributionen immer Einheitsbrei?

Sollen sich auch alle Hosenhersteller zusammentun um die perfekte Hose herzustellen? Ich bekomme jedenfalls immer die Krise, wenn ich in Einkaufszentren gehe. Spätestens, wenn ich im Freibad bin, freue ich mich aber, meine 501 gegen etwas kurzes zu tauschen. ;-)
 
Trotz oder gerade wegen der vielen Distros ist Linux eigentlich wieder ganz gut aufgestellt. Ich habe so gegen 2003 mit Linux angefangen und bin dann wegen der Desktopprobleme und ständig wechselnden Abhängigkeiten dann wegen der Sicherheitstechnik freiwillig zu Vista(!) gewechselt. Bin dann bei Erscheinen von W10 dann wieder auf die Suche gegangen in der Linuxwelt und nach mehrere Monaten dann glücklich bei Fedora gelandet (hatte aber die ganze Zeit Homeserver mit Ubuntu).
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste...#/media/Datei:Linux_Distribution_Timeline.svg

wie du hier siehst gibt es nur eine handvoll BASIS-distributionen

die am meist verbreitetsten basieren alle auf DEBIAN. also es sollte egal sein, ob man ubuntu, mint, zorin, popos, usw verwendet. sieht halt anders aus und hat ein paar andere programme, aber im kern sind sie gleich

natürlich wäre es wünschenswert, wenn man sich zumindest auf 1 paketverwaltung einigt

aber da muss man halt durch. es gibt ja auch zig dateisysteme. bei windows hat man NTFS und exFAT
bei linux verwenden die meisten EXT4... suse BTRFS... android F2FS... NAS ZFS.... xfs, reiser, etc etc etc

natürlich wäre es leichter, wenn man wie bei apple ein system vorgesetzt bekommt... aber bei linux wird eben jeder nach seinen bedürfnissen fündig
 
Hier scheinen einige Leute meinen Post missverstanden zu haben. Es geht nicht um das Einheitslinux, mir fallen spontan 10-15 große Distributionen ein, die ihren berechtigten Einsatzzweck haben. Unter https://distrowatch.com/dwres.php?resource=popularity werden aber knapp 280 Distributionen aufgelistet.

Auch wenn viele auf andere Distributionen basieren, sieht das für mich wie Ressourcenverschwendung aus. Mint habe ich genutzt, als Ubuntu auf Gnome 3 umgestiegen ist und Mint die einzige Distribution mit dem Mate-Desktop war. Seitdem Ubuntu auch einen Mate Flavor anbietet, sehe ich für Mint keinen Sinn mehr.

Wenn jemand ein Linux für Office und Internet braucht, würde ich *Ubuntu empfehlen. Dann gibt es noch Mageia, das optisch einen guten Eindruck macht. Aber jedes Projekt hat auch einen eigenen Overhead an Verwaltung, eigene Community-Treffen etc. Ob das alles so sinnvoll ist, weiß ich nicht.
 
moonwalker99 schrieb:
Wenn jemand ein Linux für Office und Internet braucht, würde ich *Ubuntu empfehlen. Dann gibt es noch Mageia, das optisch einen guten Eindruck macht.

Also ich würde sagen, *buntu braucht es nicht, mit Manjaro ist man viel besser bedient, da hat man nicht die blöden Systemupdates von einer LTS auf die nächste, wo immer irgendwas kaputt geht. Und man hat das AUR und muss nicht die ganze Zeit PPAs zusammensuchen. Ubuntu war früher mal gut, als es die einzige einsteigerfreundliche Distro mit einem einfachen grafischen Installer war, aber die Zeiten sind längst vorbei, was Ubuntu liefert, liefern die meisten anderen Distros auch.

Und Mageia betreffend, wenn ich mir die Screenshots unter https://www.osdisc.com/products/mageia-71-xfce-install-live-dvd-64bit.html anschaue, dann ist das in etwa die hässlichste Xfce-Implementierung, die ich bisher gesehen habe.

Also ich würde vorschlagen Mageia und *buntu einzustampfen und sich auf Manjaro und Arch zu konzentrieren, damit die richtig gut werden.

Wie du also merkst, haben alle relevanten Distros eine Nutzerbasis, die was dagegen hätte, wenn es die Distros nicht mehr gäbe. ;)
 
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Photon schrieb:
Also ich würde vorschlagen Mageia und *buntu einzustampfen und sich auf Manjaro und Arch zu konzentrieren, damit die richtig gut werden.


Nichts für Ungut, aber das macht keinen Sinn...

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tuen.

Debian und Arch könnten, was Linux angeht, nicht weiter auseinander liegen, und das ist auch gut so.

Canonical dürfte es ziemlich egal sein, was zwei Jungs aus Deutschland mit Manjaro anstellen...


Keine Uni, Behörde, Firma oder Schule will ein rolling release pflegen.

Ich habe es schon mehrmals erwähnt, die großen Zweige gibt es nicht ohne Grund.

Nur weil du manjaro gut findest, muss der nächste das nicht.

Einen stable debian Jünger kannst du mit einem Rolling Release jagen, das ist quasi der Teufel wenn es um 100% Stabilität geht.


Eine Distro auf Arch Basis ist so lange einsteigerfreundlicher bis die erste Software nur als Deb verfügbar ist, oder eine AUR Version alte dependencies hat, oder nicht alle mitbringt usw.

Debian ist der perfekte Einstieg.

Wer erst mal damit klar kommt, kann auch später flink Tutorials für andere distros auf die eigene anwenden.
 
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