Original erstellt von [UTC]VADER
Der Bundesinnenminister hat für den Fall einer hohen Abschlusses ja schon Entlassungen angekündigt, da sollte man sich schon fragen, was einem bei der aktuellen Kassenlage und dem aktuellen Arbeitsmarkt lieber ist - ein sicherer Job oder mehr Geld, dafür aber das Risiko entlassen zu werden.
Wobei dieser Aspekt der Geschichte schon wieder deutlich komische und satirische Züge trägt: Der Bundesinnenminister, der u.a. aufgrund der eindeutigen Wahlkampfhilfe seitens der Gewerkschaften seinen Job behalten konnte, verhält sich auf einmal wie der vielgescholtene Buhmann-Unternehmer, wenn Bsirske & Co. nun den Preis für ihre Unterstützung einfordern wollen.
Aber er kann nicht anders, gewisse wirtschaftliche Grundregeln und Notwendigkeiten gelten nun einmal für jeglichen Arbeitgeber, sei es im öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft. Und eines der wichtigsten Gesetze ist nunmal, daß Lohnerhöhungen nur dann keine Auswirkungen auf die Beschäftigungslage haben, wenn sie dem Produktivitätszuwachs entsprechen. Daraus abgeleitet: Höhere Lohnsteigerungen kosten Arbeitsplätze, geringere Zuwächse hingegen tragen zur Arbeitsplatzschaffung bei.
Hinzu kommt, daß insgesamt gesehen die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen tendenziell teurer und ineffektiver ist als ein vergleichbares Angebot privatwirtschaftlicher Anbieter. @Das Kriterium: Warum hat denn die Rheinbahn vor einigen Jahren nichts besseres zu tun gehabt, als einen privaten ÖPNV-Anbieter, der zu geringeren Kosten besseren Service bieten konnte, mit allerlei Tricks und juristischen Finessen aus dem Markt zu drängen?
Ich will hier keineswegs diejenigen angreifen, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, sicherlich zu Recht über eine hohe Arbeitsbelastung klagen und ihre Jobs verantwortungsvoll und gut erledigen. Nur leider hat das subjektive Empfinden des einzelnen Mitarbeiters nicht zwangsläufig etwas mit der Gesamtsituation zu tun. Die Frage muß aus Eurer Sicht dann doch eigentlich lauten: Warum ist trotz Eurer effektiven Arbeit das Gesamtsystem ineffektiv? Ansatzpunkte für die Beantwortung dieser Frage habt Ihr ja bereits gegeben, z.B. indem zu viel Verwaltungsaufwand betrieben wird bzw. zu viele "Sesselpfurzer" mit durchgezogen werden müssen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist sicherlich auch, daß sich unter konkurrenzfreien Bedingungen zahlreiche ineffiziente Arbeitsabläufe halten konnten. Wie gesagt, mit dem subjektiven Arbeitsempfinden hat das nichts zu tun!
Nehmen wir doch als Beispiel mal den Polizisten, der seinen überbordenden Papierkram noch mit einer alten, klapprigen Schreibmaschine erledigen muß, weil in seiner Dienststelle das PC-Zeitalter noch nicht eingezogen ist oder bestenfalls der vorhandene PC nicht kompatibel zu den Systemen anderer Dienststellen ist. Dieser Polizist kann letztlich gar nicht effektiv arbeiten, auch wenn er persönlich noch so schuftet.
An dieser Stelle kommen dann auch die Gewerkschaften in´s Spiel, die sich die letzten Jahre und Jahrzehnte vor allem als Besitzstandswahrer und damit als Modernisierungsverhinderer profiliert haben. Das alles unter den absolut falschen Grundannahmen, daß die Gesamtmenge an Arbeit und Beschäftigung konstant ist und sich Arbeitslosigkeit damit auf eine ungelöste Verteilungsproblematik reduzieren läßt, und daß Lohnkosten keine Kosten sind, die sich substituieren (z.B. durch Rationalisierung) oder außerhalb des deutschen Arbeits-"Markts" verringern (z.B. durch Verlagerung in das Ausland) lassen. Die historischen Verdienste der Gewerkschaften stelle ich in keiner Weise in Abrede, allerdings wäre es für die Gewerkschaften dringend notwendig, sich aus dem frühkapitalistischen, klassenkämpferischen Gedankenmodell aus der Zeit, aus der diese Verdienste stammen, zu verabschieden. Die aktuelle Entwicklung mit beständig sinkenden Mitgliederzahlen spricht doch hier eine deutliche Sprache, offensichtlich ist die Mehrheit der Arbeitnehmer hier schon wesentlich weiter als ihre eigentliche Interessenvertretung.
Besonders paradox wird die Rolle der Gewerkschaften, wenn man sich die Gewerkschaften als Arbeitgeber ansieht. Auf einmal gibt es dann Dinge wie Kostendruck, betriebsbedingte Kündigungen etc., und den eigenen Beschäftigten werden teilweise die Mindeststandards verweigert, die auf der anderen Seite von anderen Arbeitgebern gefordert werden. Willkommen in Absurdistan!
Auch wenn ich jetzt in die Gefahr gerate, genau wie Daria, Vader oder Golfproll verbal ein wenig niedergeknüppelt zu werden, so ist genau das ein gutes Spiegelbild unserer Situation in Deutschland: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden sämtliche Denkansätze erst einmal einer ideologischen Kontrolle unterworfen, ob sie denn auch dem spezialdemokratischen Weltbild z.B. eines Herrn Müntefering entstprechen oder sich mit der Beharrungsperspektive der Gewerkschaften vereinbaren lassen. So ist es Herrn Hartz ergangen, dessen Vorschläge bis zur Wirkungslosigkeit weichgespült wurden. Bei Herrn Rürup geht man sicherheitshalber noch weiter, seiner vermeintlich unabhängigen Reformkommission wurden aktuell gleich im Voraus entsprechende Denkverbote verpaßt. Oder nehmt Herrn Gerster, der als neuer Chef der Bundesanstalt für Arbeit den Finger in einige Wunden legte, was ihn den Job auch gleich fast wieder gekostet hat.
Weiter so, Deutschland, mit Vollgas gegen die Wand!
Ciao, Tiguar
P.S.: Welcome back, Kwuteg!
