2019 bewilligte die slowakische Regierung unter Peter Pellegrini Tachyum ein Darlehen über 15 Millionen Euro, mit 4 % Zinsen. Das Geld sollte in die Entwicklung des Prodigy-Prozessors fließen. (
Staatlicher Darlehensvertrag)
Interessant ist die Firmenstruktur: Empfänger war die slowakische Tachyum s.r.o., deren Muttergesellschaft Tachyum Inc. in den USA sitzt. Darüber steht wiederum Tachyum Ltd. auf den Cayman Islands. Gründer Radoslav Danilák kontrollierte 2019 über seine eigene Holding 82,36 % der Stammaktien dieser Dachgesellschaft. (
Offizielles Unternehmensregister)
2023 sollte die Rückzahlung beginnen. Passiert ist nichts. Trotz Aufforderungen wurden weder die fälligen Tilgungsraten noch die Zinsen gezahlt. 2024 wandelte das slowakische Finanzministerium seine Forderung deshalb in Vorzugsaktien der Cayman-Holding um. Aus der Rückzahlung wurde eine Unternehmensbeteiligung. (
Slowakischer Rechnungshof, S. 28)
Und wo blieb das Geld? Laut Recherchen von Denník E leitete Tachyum über längere Zeit Investorengelder an seine US-Gesellschaft weiter, während sich in der Slowakei und Tschechien Schulden, unbezahlte Gehälter und Mietrückstände anhäuften. Ob darunter auch staatliche Gelder waren, ist bisher nicht geklärt. (
Recherche Dennik E)
Am 22. Oktober 2026 beantragte die slowakische Tochter selbst Insolvenz. Gegen die Cayman-Holding läuft zudem ein von einem Investor angestoßenes Liquidationsverfahren. (
Bericht Zive.sk)
Und die EU? Die EU-Kommission genehmigte 2023 im Rahmen des IPCEI-Programms staatliche Beihilfen über 26,4 Millionen Euro für Tachyum. Ausgezahlt wurde davon allerdings kein einziger Euro, weil das Unternehmen die Förderbedingungen nicht erfüllte. Welche genau, blieb selbst auf journalistische Nachfrage unbeantwortet. (
Recherche Zive.sk)
Wer hat also profitiert? Die 15 Millionen flossen nachweislich an das Unternehmen. Wohin sie anschließend im Einzelnen gingen und ob sich jemand persönlich bereicherte, ist öffentlich nicht belegt.
Was bleibt: Eine Regierung bewilligt Millionen, der Gründer kontrolliert eine internationale Firmenstruktur, die Rückzahlung endet in Aktien einer Cayman-Holding und die slowakische Gesellschaft beantragt Insolvenz.
Die EU hat ihre genehmigten Millionen diesmal immerhin nicht ausgezahlt. Trotzdem stellt sich auch dort die Frage, nach welchen Kriterien solche Unternehmen überhaupt als europäische Technologiehoffnung ausgewählt werden.
Für die großen Ankündigungen gab es reichlich Pressemitteilungen. Für die Frage, wo die 15 Millionen geblieben sind und wer dafür Verantwortung trägt, bisher erstaunlich wenige Antworten.
Und einen fertigen Prodigy-Prozessor gab es ja auch nie.