Unzufrieden mit Studium - und jetzt?

58er

Cadet 3rd Year
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Hallo Leute,

Ich stecke zur Zeit ein wenig in einer Orientierungskriese, aber vielleicht kann mir ja jemand bischen weiterhelfen.

Folgende Situation: Ich habe letztes Jahr begonnen Informatik zu studieren und habe bald mein erstes Semester hinter mir.
Den Stoff würde ich (noch) nicht als zu schwer beschreiben und auch die Richtung ist in Ordnung, trotzdem gefällt es mir nicht wirklich.
Das liegt, denke ich hauptsächlich an zwei Punkten. Erstens fehlt mir doch sehr der (elektro-)technische Aspekt und zweitens empfinde ich es als zu "praxisfern" und theoretisch.

Somit ergeben sich für mich zwei Möglichkeiten, entweder Arschbacken zusammenkneifen und darauf hoffen, dass es noch "besser" wird, oder nach was anderem schauen. Im Moment tendiere ich ehr zu letzterem.

Aber was? Studiengang und Uniwechsel? Eventuell würde sich auch FH anbieten, da es ja angeblich praxisnäher ist. Auch duales Studium wäre eventuell interessant, aber dafür bin ich wahrscheinlich schon viel zu spät dran.

Schwierig ist es natürlich auch jetzt zu wechseln, da die meisten Studiengänge und Ausbildungen zum Wintersemester anfangen, also müsste ich fast zwangsläufig doch noch das nächste Semester machen, was mich in Bayern aber auch wieder einiges Studiengebühren kosten würde für ein quasi "verschwendetes" Semester.

Ihr seht schon, ich bin zur Zeit etwas planlos, aber wenn ihr ein paar Tips oder gute Ratschläge für mich hättet wäre ich euch sehr dankbar.
 
Die Pflichtmodule in Informatik sind in der Regel eher nicht technisch (Ist ja auch an sich kein technisches Fach).
An deiner Stelle wäre mein erster Schritt mal zur Fachschaft zu gehen.

Die Jungs (und evtl Mädels :D) die da sitzen, kennen sich mit dem weiteren Verlauf bestens aus und können dir auch sicher sagen welche Module du dazu nehmen kannst die eher für dich interessant sein können.

Durch Bachelor und Master musst du ja auch "nur" 3 Jahre aushalten...musst du selber wissen, ob das für dich machbar ist. Im Master bist du ja dann etwas flexibler.

Den Gedanken das Studium abzubrechen würde ich erst nach einem Gespräch mit Fachschaftsmitgliedern fassen.
 
Hmm, ich bin nicht sicher, ob du Praxisnähe und Elektrotechnik unter einen Hut bringen kannst. Vielleicht mal nach nem Studiengang Nachrichtentechnik umschauen?
 
Naja gut, Grundlagenvorlesung am Anfang des Studiums sind wohl in recht vielen Studiengängen stinklangweilig und theoretisch. Du kannst dich natürlich auch nach was Anderem umsehen. Technische Informatik z.B. hat bei einigen Hochschulen einen recht hohen e-Technik Anteil, musst du dich mal umgucken. Evtl kannst du beim Wechsel auch bestandene Module mitnehmen, das musst du allerdings selbst mit den Prüfungsämtern abklären.
 
Ich studier momentan noch im 1. Semester technische Informatik in Richtung Automatisierungstechnik an einer Hochschule. Wir haben hier ungefähr gleich viel Informatik und E-technik am Anfang, später wird sich das aber noch zugunsten E-technik verschieben. Grundlagen hat man natürlich überall, da muss man durch. Nächstes Semester haben wir E-technik im Labor, also an irgendwelchen Schaltkreisen rumfriemeln, und ein Programmieren-Projekt wo man ein kleines Spiel entwerfen soll. Praxisbezug ist also da! Später wird das auch noch mehr. Das sollte also schon eher dein Ding sein.
 
Ich bin im 5. Semester Angewandte Informatik an einer FH. Bei uns waren die ersten 3 Semester eigentlich nur Programmierung & Mathematik. Darunter gab es im ersten Semester ein diskretes Mathe fach wo es um Logik, Beweistechniken, Mengenlehre usw ging. Betriebssysteme und Verteilte Systeme im dritten Semester war sehr praxis orientiert finde ich. Wir haben bestimmte Aspekte von BS und VS in der Programmiersprache C programmiert damit man sich mit diesen Grundprinzipien auskennt. Ab dem vierten Semester ging es teilweise bisschen mehr mit Theorie. Darunter befindet sich natürlich Automatentheorie und Formale Sprachen. Als Spezialisierungsfach habe ich auch Graphentheorie und Graphenalgorithmen gewählt. Es gibt aber auch Listenfächer, also Fächer wo man sich dann selbst entscheiden kann was man von den Angeboten nehmen kann, wo z. B. weiter auf Systemprogrammierung oder Webanwendungen eingegangen wird. Jedes Fach hat bei uns eigentlich eine Art Praktikum wo die Sachen durchgeführt werden (eigentlich meistens Programmierung).

Das fünfte Semester enthält bei uns natürlich auch Recht, allerdings nur als 5 CP Fach. Für die Vorbereitung auf die Thesis gibt es ein Fachseminar wo das wissenschaftliche Arbeiten geübt wird. Allerdings haben wir auch ein Wahlprojekt in dem die Kenntnisse von Softwaretechnik und Programmierung mal richtig angewendet werden.

Ich persönlich haben null Ahnung von Elektrotechnik. Informatik ist aber für mich das Richtige (denke ich zumindenst jetzt noch :D!). Universitäten bieten viel mehr Theorie an. Was erwartest du denn genau? Willst du mehr Praxis haben? Auf FH ist mehr Praxis als auf einer Universität das ist klar. Aber wenn dir Informatik gar nicht zusagst, bin ich nicht sicher ob ein Wechsel der Uni zu FH auch das wahre ist. Ich will dich nicht verunsichern, aber ein mal Wechseln ist immer noch besser als zwei mal ;)
 
Nach einem Semester kommt bei fast allen Studenten der Zweifel am Weg.

Zur Uni/vermeintliche praxisferne:
Es ist vieles im Leben nicht so, wie man es sich vorstellt, aber man wächst und entwickelt sich ja mit den Aufgaben und Problemen. Gerade Theorie ist bittere Kost, die scheinbar später keine Rolle mehr spielt. Aber wenn man sie dann doch drauf hat, ergeben sich dadurch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, dass für das Universitäten stehen. Menschen, die die Materie bis zur Wurzel durchdrungen haben, haben ganz andere Voraussetzungen kreativ und fundiert zu schaffen, als jene, die nur so "durchgeschlittert" sind.
Das soll keine andere Ausbildung abwerten, sondern nur die Verschiedenheit betonen, vgl. die aktuelle FH<->Promotion Debatte.

Fachlich:
Ausbildung und Profession können durchaus unterschiedlich sein, nur wenn es zu weit geht, wird es brenzlich.Die Grundlagen sollten in Informatik/Informationstechnik/Elektrotechnik doch recht ähnlich sein, gerade wenn man sich irgendwo zwischen den einzelnen Disziplinen bewegen möchte. Später wird es immer spezieller und interessanter, aber trotzdem wird es immer Gebiete geben, mit denen man eher wenig anfangen kann. Du kannst wahrscheinlich im späteren Studienverlauf gewisse Spezialisierungen wählen, die dann eher deinen Vorstellungen entsprechen. Die bleibenden, unangenehmen Fächer kann man auch als Horizonterweiterung ansehen. Man weiß nie, wozu man sie später brauchen kann.

Ein duales Studium verlangt recht viel von einem. Du hast mehr zu tun und bist noch weniger frei. Das ist mMn nur etwas für Leute, die wirklich genau wissen, was sie wollen und darin aufgehen.
 
Hallo,

vielen Dank an alle, die sich gemeldet haben.

Die genannten Studiengänge werde ich mir auf jeden Fall einmal anschauen.

Eine Spezialisierung über den Master schließe ich erstmal aus, da ich bis jetzt nicht vorhatte überhaupt einen zu machen.

FH oder Uni ist natürlich so eine Sache, bei der ich mir noch nicht ganz schlüssig bin, da es doch auch sehr von der eigentlichen Einrichtung abhängt.

Da ich ja zwangsläufig noch ein Semester machen muss bevor ich wechseln kann stellt sich für mich auch noch die Frage, ob ich bereits bestandene Module dann übernehmen kann.

@tao te
Was meinst du mit "Die Grundlagen sollten in Informatik/Informationstechnik/Elektrotechnik doch recht ähnlich sein" ?
Das stimmt doch überhaupt nicht.
 
58er schrieb:
@tao te
Was meinst du mit "Die Grundlagen sollten in Informatik/Informationstechnik/Elektrotechnik doch recht ähnlich sein" ?
Das stimmt doch überhaupt nicht.

Grundlagen sind Scheine die du in Physik, Mathe o.ä. machen musst. Das sind die unbeliebten Scheine die jeder im 1./2. Semester machen muss.
Ich musste sogar in Medizin im 2. Semester einen Physik Schein machen :D.

Grundlagen sind eben Bereiche, die mit dem eigentlichen Fach wenig zu tun haben, aber in den entsprechenden "spezielleren" Fächern gebraucht werden. Denn wenn du E-technik lernst, aber keine Ahnung hast, was Ionen sind, bist du auch nicht hilfreicher als irgendein "Lehrling", der nur Befehle ausführt.
 
Also bei mir in Informatik ist nichts von Physik oder so....Mathematik beinhaltet Diskrete Strukturen, Numerische Verfahren und Analysisgrundlagen, Lineare Algebra und Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.
 
das informatikstudium hat sich historisch aus der mathematik entwickelt. Dementsprechend hoch ist eben auch der theoretische Anteil.
Und da muss man sich auch nichts vormachen, mit der Theorie wird das später im Studium auch nicht signifikant weniger.

Einen höheren Technik-/ Programmieranteil hat man beispielsweise bei E-TEchnik - wurde ja auch schon genannt und auch bei Mechatronik. Insbesondere ist der Praxisanteil an Fachhochschulen höher als an Unis.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,
Ich studiere selbst Info im Hauptstudium und kann dir da vllt weiterhelfen.
zu FH Studium: davon würde ich dir generell abraten, wenn du dich an der Uni nicht überfordert fühlst. Mit einem Uni Abschluss hast du einfach eine breitere Palette an Möglichkeiten.

Dann ist die Frage was du genau willst. Du schreibst dir fehlt die Elektrotechnik. Je nach Uni kann man sich in Informatik auf "technische Informatik" spezialisieren. Das bedeutet Entwurf von Schaltungen und programmieren von FPGA bausteinen etc. Dann gibts da noch Steuerungselektronik und Automatisierungstechnik/Regelungstechnik. Als Informatiker würdest du dich aber nicht annäherend so tief mit der Elektronik auseinandersetzen wie ein ETler.

Wenn du vor vielen Differentielgleichungen nicht zurückschreckst und du vor allem Elektrotechnik haben willst ist ein ET Studium vllt das Richtige für dich. Ansonsten, wenn du auch gerne programmierst und beides machen möchtest empfiehlt sich vllt was Interdisziplinäres wie Informationssytemtechnik. Hier ein paar Infos von dem IST Studiengang in Dresden:
http://tu-dresden.de/studium/angebot/studienmoeglichkeiten/sins_studiengang?autoid=285

Das das Studium trocken ist.... das wird bei den meisten technischen Studiengängen in den ersten 4-5 Semestern so sein. Danach hast du die notwendigen Grundlagen um in der Vertiefungsrichtung deiner Wahl weiterzulernen. Überleg dir doch einfach mal was du beruflich gerne machen würdest. Findest du Roboter programmieren spannend? Was würdest du daran spannend finden? etc. Dann kannst du vom Beruf auf die notwendige Ausbildung schließen und bist vllt was das dazu gehörige Studium angeht motivierter.

Du kannst sicher auch an die FH gehen, aber das ist dann wirklich vor allem Schema lernen und anwenden meist. Es mag da auch andere Fälle geben, aber so ist mein Eindruck von Info FHs (2 Erfahrungsberichte+deren Klausuraufgaben angeschaut).

Also wenn du was spannendes am Horizont im Studium siehst: zieh das Grundstudium lieber durch, damit kannst du eine ganze Menge machen.

Gruß
Yogi
 
Von einem Wechsel an eine FH würde ich auch eher abraten. Es ist wirklich so dass Uniabschlüsse generell besser angesehen sind.
Ich denke jeder kann mit Teilen seines Studiums nicht unbedingt viel anfangen. Aber wenn du weißt das die Richtung stimmt, würde ich glaube ich wie du gesagt hast die "Arschbacken zusammenkneifen" und durchziehen. So ein Wechsel ist nur wieder mit Stress verbunden und wer weiß ob du dann vollends zufrieden bist
 
Ich hatte vor einigen Jahren ein Informatikstudium begonnen und wurde eigentlich von Anfang von dem unguten Gefühl begleitet, dass ich dort nicht richtig aufgehoben bin. Ich habe das ignoriert und wollte das Studium durchziehen, aber es wurde immer schlimmer: zuviele Nerds, kein echtes Interesse an den Inhalten, schwerfälliges Lernen, durchwachsene Noten, Stagnation, Frustration. Ich habe im vierten Semester abgebrochen und bin in einen sozialwissenschaftlichen Studiengang an einer anderen Hochschule gewechselt, also ein völliger Neuanfang in einem komplett anderen Bereich. Dieses Studium lief für mich von Anfang richtig gut. Interesse am Inhalt war sofort voll gegeben und ebenso ein spürbares Vertrauensgefühl, den richtigen Schritt getan zu haben. Ich habe später noch zeitweilig als Tutor gearbeitet und bin mit einem sehr guten Abschluss sofort in einen sehr ansprechenden Posten im öffentlichen Dienst gekommen, wo ich mich auch nach zwei Jahren noch pudelwohl fühle und einfach glücklich darüber bin, den Fehler bei der Wahl des Studiums noch korrigiert zu haben, wenn auch sehr spät.

Was ich dir sagen möchte ist, dass du dein "Bauchgefühl" nicht ignorieren solltest. Wenn du fühlst aufs "falsche Pferd" gesetzt zu haben, dann kann ich dir aus meiner eigenen Erfahrung heraus nur raten, Alternativen zu prüfen. Ich hatte mich leider dazu hinreißen lassen, viel Zeit zu verlieren, obwohl ich aufgrund meiner berechtigten Zweifel eigentlich nach dem ersten Semester schon die Reißleine hätte ziehen müssen. Solche Entscheidungen trifft man allzu gerne mit dem Kopf und ganz nüchtern betrachtet gibt es viele Argumente, die dafür sprechen, ein Studium trotz Zweifeln durchzuziehen. Aber deine Unzufriedenheit existiert real und dafür gibt es gute Gründe. Ignoriere die nicht!
 
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Prinzipiell: Lieber früher aufhören als später ;)
Die ersten semester eines studiums sind meistens "trocken".

Kann jetzt nur von Ö sprechen, aber ich kann FHs nur empfehlen.
Trockene Vorlesungen über Informatik gepaar mit Fallstudien zu "Kunde möchte dieses Programm - wir müssen programmieren".

Es gibt sicher studien die mehr auf elektrotechnik + informatik abzielen....aber ich würde mal sagen: eine gute solide informatik ausbildung reicht dir dann später um schnell sachen/dinge in der elektrontechnik zu programmieren bzw. dich dort zurecht zu finden.
Eventuell gibts dein gewünschtes Fach erst als Masterstudium?!
 
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