Was tun gegen Firmen die Millionen an ihre Vorstände zahlen?

@BessenOlli
Mein Vater war im Management bei Continental. Der hat weit mehr an Steuern bezahlt, als ich den Staat gekostet habe.
Überleg mal, wenn jeder so denken würde und seine Steuern ggü. der zurückerhaltenen persönlichen Leistung aufrechnet. Ist schon sehr egoistisch. Dann könnten wir eigentlich gleich den Staat komplett abschaffen, nicht nur den Sozialstaat.
Wir haben aber nunmal den gesamtgesellschaftlichen sozialen Gedanken und betrachten das als Errungenschaft und Fortschritt.
Dann sei froh, wenn Dein Vater einen guten Job hatte und seine Familie davon ernähren konnte und ganz nebenbei auch noch Deine Ausbildung über seine "Abgaben" quasi mitfinanzieren konnte. Aber nicht jeder hat das Glück wie ihr.

Jeder zahlt in diesem System nunmal anteilsmäßig Steuern und auch nicht jeder bekommt diese 1:1 zurück. Auch nicht in den USA.
Die Frage ist aber, was am Ende noch für jeden einzelnen übrig bleibt. ein Millionär, der 40% Steuern zahlt (in der Praxis eher unrealistisch ^^), hat noch 600000.
Ein 1000 Euro Verdiener mit 20% Steuern, arbeitet auch teils schon 60 Stunden und mehr, auch hart, hat aber trotzdem nur 800 Euro zum Leben. Zwei krasse Beispiele, aber wer lebt wohl trotzallem immernoch besser?

Wenn Du aus persönlichem Schicksal den (Sozial-?) Staat verdammst, heisst es doch nicht automatisch, dass das Grundprinzip falsch ist. Das die Realität und Praxis sich leider von der Theorie und Grundidee unterscheiden, darüber brauchen wir nicht reden. Missbrauch und Korruption gibt es genauso wie Egoismus, Gier und Neid.
Das sind eben übriggebliebene Urtriebe des Menschen, wo die Evolution halt langsamer ist, als die Zivilisation. ;)
Kapitalismus kommt klar bislang diesen Trieben noch am nächsten. Aber das heisst nicht, das wir uns diesen auch bedingungslos unterwerfen und sie weiter "pflegen" oder gar steigern müssen.

Freiheit und Unabhängigkeit hat nicht wirklich was mit Nichtinanspruchnahme von bestimmten Sozialleistungen zu tun, oder anderherum mit Geldscheffeln.
Nun, wir alle unterwerfen uns gnadenlos diesem System, wo nunmal ohne Geld eigentlich kaum noch was vernünftig geht, ausser man lebt strikt abseits jeglicher Zivilisation, wir sind also alle nur Gefangene. :)

Tagelöhnerjobs stehen übrigens auch hier und jetzt bei uns jedem frei. Auch niemand MUSS Sozialleistungen beziehen, aber kann, sogar mit einem Rechtsanspruch. DAS ist der Unterschied zur USA und ähnlichen Systemen. Höhere Schulausbildung für die Sprösslinge kostet dort übrigens auch richtig Geld.
Leider geht aber auch bei uns der Trend eher in diese Richtung, wie wir eben vieles von drüben willkürlich oder unwillkürlich nachäffen und das auch noch "cool" finden.

So und wie es Dir oder Deinem Vater da drüben ergangen wäre kann man so wohl nicht wirklich beurteilen. Dann wäre eh ALLES von vornherein völlig anders gekommen, Du in Deiner jetzigen Form auch nicht da. ^^ Und ich glaube kaum, dass sich das so sehr positiv unterschieden hätte. Könnte genauso auch schwerer gewesen sein, selbes zu erreichen und das ganz ohne soziales "Auffangbecken" .
 
Relict schrieb:
Der Turbokapitalismus ist nur eine Steigerungsform bzw. Entartung des Kapitalismus, welcher wiederum eine Entartung der Marktwirtschaft ist.

Als Kapitalismus bezeichne ich eine Marktwirtschaft, in der es zusätzlich Privateigentum an Produktionsmitteln gibt. Also ganz unspektakulär. Der Begriff Entartung klingt in meinen Ohren etwas zu ideologisch angehaucht.

Relict schrieb:
Es geht um Kapitalprofite, um die Relation zum tatsächlichen Arbeitseinkommen, die tatsächliche Wertschöpfung

Da bei Dir auch die Sportler erwähnt werden: Sie profitieren von ihrem Multiplikator-Effekt, den ich bereits erwähnt habe. Dafür ist David Beckham das beste Beispiel. Real Madrid hat Ende 2003 in nur vier Monaten 78 Mio. Euro Umsatz mit Beckham-Shirts gemacht. Da haben sich die 35 Mio. Euro Ablöse an ManU bereits bezahlt gemacht (Quelle: http://www.castelligasse.at/Werbetechnik/merchandising/merchandising.htm). Auf welcher Grundlage will man nun argumentieren, dass Beckham bei Real Madrid zu viel verdient hat?

Ein Negativbeispiel, so wie Du es gemeint haben dürftest, ist vielleicht Porsche. Die satte Erhöhung der Vorstandsbezüge Ende 2006 von 26 Mio. Euro auf 45,2 Mio. Euro spiegelt sicher nicht die verbesserte Arbeitsleistung wider. Wenn nämlich jemand nach Leistung bezahlt wird und vorgibt, er wäre gegenüber dem Vorjahr 73 % mehr wert, dann frage ich mich doch, ob er im letzten Jahr nicht im Leerlauf gearbeitet hat, wenn er jetzt so eine Leistungssteigerung hinlegen kann. Da ist dann wirklich etwas aus dem Ruder gelaufen (http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-12/artikel-7417641.asp).

Womit ich nicht so richtig einverstanden bin, ist Deine allzu strikte Abgrenzung der Güterwirtschaft vom Finanzmarkt. Aber das werde ich hier nicht im Detail aufbröseln, weil es off topic wäre.
 
@ Relict

Das muss aber alles in einem sinnvollen Rahmen bleiben. Du hast natürlich Recht, ein Millionär kann viel mehr Steuern zahlen, ohne dadurch zu verarmen. Aber deshalb ist es noch lange nicht richtig, es da zu übertreiben. Kommunismus funktioniert nämlich nicht. Dann sind nämlich alle arm.

So wie ich es sehe geht es selbst den ärmsten Menschen im Kapitalismus viel besser, als den ärmsten Menschen in sozialistischen Systemen. Denk mal drüber nach. Vermutlich geht es denen sogar besser, als dem Durchschnitt im Sozialismus.

Und dass man ja nicht gezwungen würde, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen, dass kann ja wohl nicht dein Ernst sein. Oder kann man sich dann etwa auch von den Steuern befreien? Bekomme ich Benzin an der Tanke für 60 Cent, wenn ich selber für meine Rente usw. sorge? Wo muss ich unterschreiben?

Sozialismus und Freiheit schließen einander definitionsgemäß aus.
(Friedrich August von Hayek)

Wo das Bedürfnis nach Gleichheit zunimmt, wächst die Macht des Staates, der die Gesellschaft kontrollliert und dem Individuum Freiheit nimmt.
(Ulrich Wickert)
 
keshkau schrieb:
Als Kapitalismus bezeichne ich eine Marktwirtschaft, in der es zusätzlich Privateigentum an Produktionsmitteln gibt. Also ganz unspektakulär.

Ich weiß ja nicht, aber für mich ist es schon ziemlich spektakulär, wenn eben das gesetzlich geschützte Privateigentum der Produktionsmittel in den Händen weniger Menschen zusammengeballt ist und deshalb diese wenigen Menschen Macht über die Arbeitskraft anderer Menschen besitzen und sie nach einem Schema entlohnen als ob sie nur Werkzeuge wären. Stichworte: "entfremdete Arbeit", "Vergegenständlichung des Menschen", "Entäußerung des Menschen".

Ob es anders, besser, gerechter geht sei vorerst dahingestellt. Aber wer behauptet, dass das Obige human und menschenfreundlich sei, demjenigen wurde bereits systematisch das kritische Denken ausgetrieben.
 
Relict schrieb:
@Schön, schön. Und wer hat Deine Ausbildung/ Weiterbildung hier in Deutschland finanziert oder bezuschusst? DU, Deine Eltern oder der (Sozial-) Staat? Wir zahlen, Auslandsfirmen profitieren davon. Und unsere Qualifikationen sind dort ziemlich gefragt.
Genauso im Gesundheitssystem innerhalb Deines Lebens/ auch Deiner Jugend konntest Du schon vom Sozialstaat profitieren.
Du siehst also, Sozialstaat beginnt bereits mit der Geburt und nicht erst mit dem Arbeitsamt oder der Rente.

Und was sagt uns das? Der kleine Mann der weniger Steuern zahlt als der Reiche profitiert mehr vom Sozialstaat. Ich kenne einige die jetzt nicht super Reich sind, aber NIEMALS das raus kriegen werden was sie eingezahlt haben........
Der Staat zahlt die Ausbildung und schafft die Rahmenbedingungen unter normalen Voraussetzungen zahlt jemand mit einer besseren Ausbildung auch später mehr Steuern, also ist der Staat ja interessiert das eine gute Ausbildung vorhanden ist......
Der weggang von guten Fachkräften ist nicht das optimale, aber auch in Deutschland arbeiten Fachkräfte aus anderen Nationen die dem deutschen Staat keine Kosten während der Ausbildung verursacht haben, wo ist also das Problem?
Es gibt Leute die nie Krank werden und jedes Monat die Beiträge in die Krankenversicherung zahlen, da aber jeder nach dem Einkommen veranlagt wird sehe ich das auch nicht als Problem (Reich zahlt mehr, Arm zahlt weniger)
In der Haftpflichtversicherung zahlen auch viele für die Schäden von Einzelnen und kein Mensch regt sich darüber auf.

Die Gleichmacherei, bzw. das Einheitssystem hatten wir ja bereits......nachdem die Mauer weg gewesen ist hat man aber durchaus gesehen das nicht alles so genial gelaufen ist.

Es wird sicher irgendwann einmal ein besseres System geben, doch bis dahin kann ich mit dem Kapitalismus gut leben.

Risiko Kapital bedeutet nicht zwangsweise hohe Zinsen oder Kredithai, es gibt Geldgeber die Geschäftsideen fördern mit Risikokapital (Hier liegt das Risiko beim GELDGEBER) es geht nur darum die jeweiligen Geldgeber zu finden, suchen werden die dich nicht. Der Staat fördert auch Selbständigkeit, das beginnt beim Überbrückungsgeld in Höhe von 175% des Arbeitslosen 1 Geldes bis zu Förderbanken für den Mittelstand. Nur in ist hier Initative gefragt und man muß evtl. auch Klinkenputzen, doch ist das ZUVIEL verlangt? Nachtragen tut einem keiner was, doch mit etwas Ehrgeiz sollte man auch an das nötige Kapital kommen.
 
@th3o
Doch, es ist unspektakulär. Sobald ich private Rentenvorsorge betreibe und monatlich in einen Aktienfond investiere, bin ich Kapitalist, weil ich dadurch Miteigentümer an Produktionsmitteln werde. Das kann sich rechnen oder in die Hose gehen, je nachdem.

Ich brauche ja nicht unbedingt ein Angestelltendasein zu fristen, sondern kann mich ebenso gut dazu entscheiden, mir eine Bürste zu kaufen und in der Innenstadt Schuhe zu putzen. Dann ist die Bürste mein Produktionskapital. Nur hat nicht jeder den Schneid zur Selbstständigkeit und mancher ist ganz froh, am Monatsende ein gesichertes Einkommen zu haben.

Dem Argument der Inhumanität und kann ich auch nichts abgewinnen. Man vergleiche nur die Situation der abhängig Beschäftigten zu Zeiten von Marx mit denen von heute. Die Deutschen hatten nie so viel Urlaub wie heute, sie haben für ihr Geld noch nie so wenige Stunden pro Woche gearbeitet, waren lange Jahre nicht so gut versichert und konnten sich niemals den Luxus leisten, der für uns heute selbstverständlich ist. Den Luxus beziehe ich auf die Durchlässigkeit im sozialen System, auf die Größe der Wohnungen, auf das Auto, den Urlaub und die angesparten Vermögen.
 
Dope4you schrieb:
Risiko Kapital bedeutet nicht zwangsweise hohe Zinsen oder Kredithai, es gibt Geldgeber die Geschäftsideen fördern mit Risikokapital (Hier liegt das Risiko beim GELDGEBER) es geht nur darum die jeweiligen Geldgeber zu finden, suchen werden die dich nicht.

^^ So ist es bei Google auch gelaufen, wenn ich mich nicht irre.
 
Ich meine in so einer Doku bei Arte wäre von beidem die Rede gewesen. Wäre irgendwie über die Uni gelaufen aber da kam meine ich auch etwas von Risikokapital drin vor. Bin mir aber auch nicht sicher.
 
Ehemalige Absolventen unterstützen öfters Projekte bzw. Geschäftsvorhaben von Abgängern der jeweiligen Uni.
 
@keshkau
Das Beispiel mit der Bürste zieht nicht. Die Bürste wird erst dann zum Produktionsmittel nach Marx wenn du diese Bürste dazu benutzt jemand anders damit arbeiten zu lassen. Wenn nur du damit arbeitest, dann ist das ein ganz normales Arbeitswerkzeug.
Mir scheint, dass ohnehin zwei Sachen klargestellt werden müssen, die helfen Marx ein wenig besser zu verstehen.
Wenn er von der "Aufhebung der Arbeit" spricht, dann meint er damit nur die entfremdete Arbeit, das bedeutet die Arbeit die man zwangsläufig eingehen muss entgegen der eigenen menschlichen Möglichkeiten die bei besserer Ausnutzung der Ressourcen gefördert würden. Nicht Arbeit an sich soll abgeschafft werden, sondern ihr knechtischer Charakter. Der Mensch soll nach Marx arbeiten weil er wirklich Lust darauf hat und nicht weil er einfach muss. Dann nämlich würde der Begriff Arbeit gar nicht mehr existieren, weil die Arbeit in das Sein des Menschen übergegangen ist, also darin aufgehoben wurde. Das ist Punkt eins.
Punkt zwei ist der Terminus "Aufhebung des Privateigentums". Wer von Marx keine Ahnung hat wird denken, dass Marx gefordert hat, dass man nichts wirklich besitzen sollte. Zb, dass man heute keinen Fernseher haben sollte, bzw. dass die Staatsmacht beispielsweise befugt sein soll ihn einem einfach wegzunehmen weil es ja Privatbesitz ist. Das ist damit nicht gemeint. Mit der Aufhebung des Privateigentums ist nur die Enteignung der Produzenten gemeint, die ihre Prioduktionsmittel dazu benutzen andere Menschen unter sich arbeiten zu lassen. Soviel dazu.

Weiter ist es richtig, wenn du sagst, dass die Menschen heute mehr Vorzüge genießen als früher. Hier lag Marx tatsächlich falsch. Er ist von einer stetigen Verelendung des Arbeiters ausgegangen. An den Terminus Angestellte konnte er seinerzeit aber wiederum auch nicht denken. Unsere moderne Gesellschaft verelendet aber nicht den Arbeiter sondern hilft ihm zu einem scheinbar besseren Dasein.
Genau hier ist aber anzusetzen mit der Kritik an der Idologie der positivistischen Gesellschaft. Nämlich, dass der Reichtum an Gütern und sonstigen Möglichkeiten durchaus nicht unbedingt die Möglichkeiten des Menschen sein könnten sondern nur solche, die durch die Kulturindustrie extra für die Menschen geschaffenen wurden zwecks Profitmacherei und allgemeiner Geldgier. Das ist ein riesen Unterschied und der Umschlag einer Chance in einem Verhängnis, nämlich in die totale verwaltung des Menschen unter dem Deckmantel der Freiheit. Genau deshalb sind für mich solche Indizien wie du sie anführst, von wegen viel mehr von diesem und jenem etc, gar nicht von Belang, weil ich dahinter ständig die bewusste Manipulation des - durch die ständigen Arbeiteraufstände der Vergangenheit verbesserten - Herrschaftsapparates sehe.
 
Was Marx mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln gemeint hat, ist mir schon klar. Und trotzdem hat er in meinen Augen heute ausgedient. Über Knechtschaft kann man sich als Arbeitnehmer heutzutage in Deutschland kaum noch ernsthaft beschweren. Denn mit den entsprechenden Gesetzen im Rücken (Jugendschutz, Mutterschutz, Kündigungsschutz, Arbeitszeitgesetz) sowie dem Tarifrecht geht es der abhängig arbeitenden Bevölkerung so gut wie nie zuvor.

Zu Deinem letzten Absatz (@th3o). Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es Dir darum, dass der Mensch heute u. U. nur deshalb von bestimmten Annehmlichkeiten profitiert, weil diese ihm von pfiffigen Geschäftsleuten unter die Nase gehalten werden. Und diese Geschäftsleute haben nicht das Wohl der Kunden im Sinn, sondern nur ihren eigenen Gewinn (Profit ist im Englischen wertneutral als Gewinn zu verstehen, im Deutschen machen Unternehmen Gewinne. Profit macht man mit unlauteren Mitteln).

Hinter diesem Ansatz steckt ein klein wenig Verschwörungstheorie, könnte man meinen. Auf der einen Seite stehen die vernebelten Arbeitnehmer, auf der anderen Seite die alles kontrollierenden und mit allen Wassern gewaschenen Arbeitgeber, die zunächst einmal nur ihren eigenen Gewinn anstreben und dafür auch die Masse der Menschen in die Irre führen würde.

Aber das entspricht nicht dem, wie unsere Wirtschaft funktioniert. Praktisch jeder kann von heute auf morgen seinen eigenen Laden aufmachen, selbst zum Arbeitgeber werden und Geld verdienen. Er kann in zwei Jahren wieder pleite sein oder sein Haus abbezahlt haben. Unternehmerrisiko. Die Grenzen sind eben nicht so starr, sondern fließend.

Und die Marktmacht der Nachfrager darf nicht unterschätzt werden, denn die Kunden sind keine Lemminge. Wenn die Kunden nicht mitspielen, sehen die Unternehmen ganz schnell alt aus. Aber natürlich ist diese Einflussnahme wechselseitig. Wenn die Gewinne ausbleiben, sind auch ganz schnell die Jobs weg.
Wenn ich als Arbeitnehmer für meine Altersvorsoge spare und in Aktienfonds investiere, dann wünsche ich mir natürlich eine gute Rendite meiner Investition. Wenn ein guter Vorstand das leisten kann, ist er im Prinzip auch sein Geld wert. Wenn es die Vorstände übertreiben und meinen Job streichen, weil ich zufällig bei einer solchen AG arbeite, dann ist das natürlich nicht in meinem Sinn. Aber man erkennt doch, dass wir letztlich alle in eine Boot sitzen. Und dieses Boot heißt nicht Deutschland oder EU, sondern Weltwirtschaft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es geht doch den Unternehmern in erster Linie um den Gewinn. Wer etwas anderes behauptet ist blind. Natürlich müssen die Leute bei der Stange gehalten werden wenn das Unternehmen mit seinen Gütern oder Diensleistungen rentabel sein soll. Aber weil ja gerade der von dir beschworene Weltmarkt diese Gesetze des Gewinns vorschreibt wenn man als Unternehmer überleben will, so sind nun mal die Unternehmen gezwungen primär auf den Profit zu achten. Das ist Fakt und keine Verschwörungstheorie. Weiterhin ergibt sich daraus durchaus logisch, dass wenn nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen sondern der Gewinn die primäre Ebene ist, dass die Unternehmen Güter und Diensleistungen schlichtweg auch einfach mal erfinden müssen und dann schauen ob die Menschen das annehmen. Damit diese Güter und Diensleistungen angenommen werden muss das Bedürfnis danach da sein. Das passiert mittels Werbung, Propaganda etc. und schwupps ist ein neues Bedürfniss im Menschen verpflanzt den es als das eigene ansieht. Und das ist alles nix mit Verschwörung sondern einfach der rationale Wahnsinn des Kapitalismus.
 
Ich finde das zu pauschalisierend, dass die Unternehmen ausschließlich den Menschen ein Bedürfnis einpflanzen. Auf was soll sich das beziehen, dass der Mensch nur seinen Trieben, nachgehen soll, dem Hunger und dem Fortpflanzungstrieb, da alles andere böse Manipulation ist?

Ich sehe auch nicht so das Problem mit Kapitalismus und Ausbeutung. Es steht jedem frei selber ein Unternehmen zu gründen, aufzubauen und es besser zu machen. Man muss auch nicht zwingend in einen Unternehmen bzw. in einen ausbeuterischen Unternehmen arbeiten um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. (Das soll nicht heißen, das es überhauptkeine Ausbeuter gibt und dagegen kann man sich wehren, wenn man bei ihnen arbeitet).

Ich habe vor, mich wieder selbstständig zu machen. Einmal wegen dem möglichen(!) besseren "Gewinnaussichten" und wegen der Unabhängigkeit. Ich will nicht in einen Unternehmen irgendwelche uninteressanten Projekte vorgesetzt bekommen oder in einer Masse an Angestellten untergehen oder meinen Kopf für etwas hinhalten, wo kein Gewinn für mich rausspringt.

Ich akzeptiere das System, das Angestellte und Arbeitnehmer nicht direkt am Gewinn beteiligt werden und auch nicht direkt am Verlust, da das Unternehmen in seinen ganzen beides einfährt. Wenn ich selbst das Risiko eingehe, dann kann ich auch erwarten das ich meinen Gewinn bekomme oder eben auch baden gehe.
 
@ th3o

Was ist denn daran falsch, wenn Unternehmen nach möglichst viel Gewinn streben? Das wollen doch auch die Aktionäre. Und wenn ein Unternehmen wirklich so böse wird, wie du es hier pauschal darstellst, dann sitzen die Menschen noch immer am längeren Hebel. Es sei denn es handelt sich um einen Monopolist, der etwas anbietet, ohne das niemand mehr auskommen kann. Und für sowas gelten spezielle Einschränkungen.

Und gerade bei den schlimmen "Turbokapitalisten" in den USA hat das gemeine Volk mächtige und effiziente Waffen in der Hand. Wieviel muss MS nochmal jedem Windows-Käufer rückwirkend erstatten? Glaube 18 Dollar pro Einheit. ;)

edit

Das Kapitalismus genausowenig vernünftig ist, wie die menschliche Natur, das ist übrigens nur logisch. Und das ist auch gut so...

http://www.youtube.com/watch?v=4exPauh5X_w
 
Zuletzt bearbeitet:
Diese Diskussion über erzeugte Bedürfnisse hatten wir an anderer Stelle schon sehr ausführlich ... Bitte jetzt nicht schon wieder ...

Nun Th3o du hast recht, dass es fast allen Unternehmen um den Profit geht. Ist auch durchaus legitim selbst wenn dabei von Unternehmen X die Rechte der Arbeitnehmer beschnitten werden oder Gehälter gekürzt um mehr Gewinn zu erwirtschaften:

DENN:

Wir sind selbst schuld daran! Nicht der Unternehmer trägt die Schuld daran, dass sich heute Gewinne nur noch durch Kostensenkung, also auch zwangsläufig Mitarbeiterentlassungen, erwirtschaften lassen.
Es ist der Markt, der dem Unternehmer dieses Verhalten aufzwingt.

In Deutschland ist noch immer "Geiz geil". Hauptsache billig lautet die Devise. Dann interessiert den Käufer eines Produktes X nicht mehr ob Firma Y in Deutschland produziert und seine Mitarbeiter gut behandelt so lange das Produkt X bei Firma Z günstiger ist (da in China unter Ausbeuterbedingungen hergestellt).

Wir definieren was der Markt macht. Das ist der Grundsatz des Kapitalismus und dieser würde, wenn alle Marktteilnehmer sich ernsthafte Gedanken machen würden, auch gut funktionieren.

Beispiele:

Ryan Air beutet seine Arbeitnehmer aus. Aber ist günstig.
Lufthansa behandelt seine Arbeitnehmer durchaus gut. Ist aber teuer.
Und trotzdem ist fast jeder, der vielleicht nicht gerade auf Geschäftsreise ist, freudig gestimmt wenn er mit Ryan Air fliegt.

Aldi ist günstig, Edeka ist teuer.
Bei Edeka ist die Zahl Umsatz pro Angestellter sicher weitaus geringer als bei Aldi. Zudem sind die Arbeitsbedingungen für Edekamitarbeiter weitaus besser als für Aldi Mitarbeiter. Dennoch rennen gerade die, die ein "sozialeres" Deutschland fordern zu Aldi ...

Onlinehandel ist günstig, der Fachmarkt ist teurer.
Die Tendenz hin zum größeren Onlinehandel hat zur Folge, dass in Deutschland viele Jobs verloren gehen. Man benötigt einfach viel weniger Personal bei einer straff organisierten und nahezu komplett automatisierten Lagerhaltung. Ein paar Leute für die Hotline und ein paar wenige die das Lagersystem verwalten. Das reicht um ganz Deutschland zu beliefern ...

Wenn natürlich dem "Endkunden" des Marktes scheiß egal ist unter welchen Bedingungen für die Produzierenden seine Produkte hergestellt wurden, dann wird immer das Unternehmen gewinnen, welches auf teufel komm raus die Kosten senkt ...

Nur dann sollen gerade die, die diese Unternehmen fördern schön ruhig bleiben mit ihrer Kritik ... Ich erinnere mich daran wie du unlängst den "Markenwahn" kritisiert hast und sagtest, dass man auch bei billigen Klamottenläden (Kick, C&A) seine Kleidung kaufen kann. Das fällt genau da rein!
 
Und in welches Raster passen diejenigen, deren Lohnabrechnung in ihrer Höhe dem Bewilligungsbescheid eines Hartz IV Empfängers entsprechen? Schonmal auf den Gedanken gekommen, dass Geiz für einige nicht geil sondern notwendig ist?
Diese Menschen würden, wenn sie könnten, Markenklamotten kaufen und Lufthansa fliegen, können es sich aber nicht leisten. Und das lässt sich nicht allein damit begründen, dass der Markt dem Unternehmer Lohnkürzungen aufzwingt, damit schneidet er sich ins eigene Fleisch. Es werden hier Menschen vom Konsum ausgeschlossen, auf der anderen Seite sind aber noch genügend finanziell besser gestellte Konsumenten vorhanden, um um die Profitgeilheit der Unternehmen zu berfriedigen.
Deine oben konstruierte Spirale funktioniert so nicht.
 
BessenOlli schrieb:

Hörr Bessenolli, sie übetreiben.
Ab zurück zum Boden, sonst gibts ne Bruchlandung. Diese Commercial übertrifft selbst amerikanische Propagandavideos fürs Militär. ;)

@home/tool/:
Das liegt aber nicht nur an der bösen Unterbezahlung sondern auch daran, das nicht jeder Mensch in diesem Land für einen hochqualifizierten/hochbezahlten Job taugt. Aber bald gibt´s wohl auch Mindestlöhne. So wie ich Deutschland kenne jedoch Branchen-, Alters-, Größen-. Herkunfts-,Augenfarb- und Stimmlagenspezifisch. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
OK, das Beispiel war extrem. Hochbezahlte/Niedriglohnempfänger markieren hier jeweils die Grenzen. Dazwischen gibt es aber noch Berufe, ohne die diese Gesellschaft so nicht funktionieren würde. Frisöre, Kellner, Bauarbeiter, Arbeiter in der Industrie etc. Die sind mit ihren Lohnzetteln auch nicht gerade zufrieden und drehen -wenn auch nur jeden 2. oder 3.- Cent 2x um. Ich mag es einfach nicht, wenn den Konsumenten die alleinige Schuld an der "Geiz ist geil" Mentalität zugeschrieben wird. Günstig einzukaufen heißt in vielen Fällen eben, über die Runden zu kommen und auch noch Geld für Spareinlagen, Versicherungen etc. übrigzuhaben.
 
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