@Sierra1505
"Urteil:
Schuld darf man gerne individuell beurteilen, wenn man Sie in seiner wichtigen Rolle im Gespräch korrekt einordnet. Und zwar in ein Urteil welches juristisch die organisatorische Schuld der SS in den Nürnberger Prozessen festgestellte."
Hat er nicht bezweifelt aber auch die Worte der Nürnberger Prozesse sind für uns nicht das, was der Koran für den Gläubigen Moslem darstellt.
"Opfer:
Krah ist nicht DAS Opfer. Wenn ein SPD-Politiker diese Aussage so losgelöst äußern würde bzw. diese Relativierung tätigen würde wäre das ebenfalls skandalös."
Richtig und genau das ist das Problem, ein Thema differenziert zu betrachten und dafür nur mit Dreck beworfen zu werfen ist eben nicht rational oder gerecht, das ist philosophisch betrachtet mittelalterliche Denke, Prä-Aufklärung.
"Provokation der AfD:
Die Provokationen der AfD sind nicht als Aufklärung sondern als kalkulierte Tabuüberschreitung zu bezeichnen."
Richtig, das sagte ich und das ist gut so, weil dieses Tabu nunmal abgeschafft gehört.
"68er und Sex vs. Aussagen der AfD:
Das relativieren nationalistischer verbrechen ist jedoch kein Akt der Freiheit (Rede über Sex)…"
Niemand relativiert. Es geht nur darum, dass man Dinge nüchtern ansprechen darf ohne gleich eins auf die Rübe zu bekommen.
"Schuldkult und Knoten in den Hirnen:
Diese Bewertung ist keine Analyse sondern Entwertung moralischer Verantwortung."
Ich hab mir das ja nicht aus dem Hut gezogen, dass ist womit man sich trotz der Denkverbote in der Politikwissenschaft und auch in der Philosophie sowie Psychologie auseinandersetzt, gerade auch durch die Impulse von außerhalb. Europa giert danach das wir endlich Verantwortung übernehmen aber wir sträuben uns, weil Verantwortung nunmal mit neuer Schuld einhergeht aber alles Handeln ist dem moralischen Imperativ untergeordnet. Oder um es anders auszudrücken, wenn morgen Nazis Frankreich übernehmen wären wir nicht dazu in der Lage sie wie einst die Allierten zu bekämpfen/diese Verantwortung anzunehmen.
Mal ein Auszug aus dieser Welt:
Deutschland versteht die Welt nicht. Nun haben wir Deutsche schon seit Jahrzehnten Abbitte geleistet und unsere Schuld eingestanden. Nun verweigern wir Deutschen uns schon dem sündigen, dreckigen Krieg und treten immer und überall brav, notfalls auch mit dem Scheckheft, für Frieden und Verständigung ein. Aber unsere Nachbarn mögen uns trotzdem nicht. Sie fordern Rüstung, die Übernahme von Verantwortung, nötigenfalls militärisch. Dabei ist das Militärische doch unsere historische Schuld.
Die Deutschen sind nie erwachsen geworden, können mit dieser Komplexität nicht umgehen. Jahrzehntelang wurde ein pawlowscher Reflex geübt, alles abzulehnen, was in irgendeiner Form den Nazis und deren Verbrechen ähnelt. Dieser Reflex hat sich verselbstständigt zu einer Ablehnung aller möglichen Schuld. Da jedoch in Deutschland alle Verantwortung – Israel, Europa, Frieden – mit Schuld begründet wird, kann er folglich auch keine Verantwortung übernehmen. Verantwortung ohne Schuld ist unmöglich.
Wer Verantwortung übernimmt, macht Fehler. Wer zum Guten interveniert, wird trotzdem hässliche Dinge tun müssen – wie die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Deutschland kann diese Ambivalenz, diese Zumutung, nicht aushalten. Die Vermeidung von Schuld ist das, worauf Land und Volk konditioniert sind. ... Deutschland täte sich also einen Gefallen, erwachsen zu werden und den Schuldkomplex zu überwinden. Das bedeutet nicht, die Verantwortung an den vergangenen Taten des Landes zu leugnen oder die Lehren aus der Geschichte wegzuwerfen, sondern sie anzunehmen. Es bedeutet, dass Deutschland sich auch wie ein normales Land verhält und nationale Interessen formuliert, statt sich auf moralische Imperative zu versteifen. Denn nur dann kann Deutschland eine Zukunft haben, die aus mehr als Abwehrreflexen der Vergangenheit und möglicher Schuld besteht. Nur dann kann Deutschland auch in der Wahrnehmung des Auslandes aus den Schatten seiner Vergangenheit herauswachsen.
Ein Anfang wäre getan, würden in der Schule und der weiteren Bildungsorganisation Ereignisse jenseits der Verbrechen der Nazis und der historische Schuld zu lehren. Insbesondere auch mit Blick auf die weltpolitische Lage und Ursachen des Aufstiegs der Nazis und des Krieges. Denn abseits der historischen Schuld bietet die (Vor-)geschichte der Weltkriege viele Lehren für die Gegenwart. Zudem könnte ein umfassenderer Blick peinliche bis schandhafte Vergleiche etwa von Impfgegnern mit der Judenverfolgung vorbeugen, die auch ein Resultat der sich immer weiter auf Stichworte und Schuld verkürzenden Erinnerungspolitik sind. Es geht nicht darum, die Geschichte, die Verantwortung und die Schuld der Täter auszulöschen. Es geht darum, dass Deutschland über diese Schuld hinauswachsen und eine Wiederholung der einstigen Fehler an anderer Stelle vermeiden kann. Und es geht darum, dass Deutschland lernen kann, vergangene Fehler zu verzeihen, um nicht in ihnen und ihrer wechselseitigen Bestrafung gefangen zu sein.
"Wir als Bundesrepublik haben uns deshalb zur Verantwortung gemacht vor uns ein Mantra zu tragen:
Nie wieder!"
Das ist kein Knoten, sondern eine eine Verantwortung die uns stark macht. Ein Bewusstsein was einen kann.
Es trägt. Moralisch, rechtlich, politisch und auch gesellschaftlich.
Der derzeitige Umgang damit macht uns eben nicht stark, sondern das Gegenteil.