Gemini:
Das ist ein echtes Relikt der Technikgeschichte! Du hast hier mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine
WMV-HD DVD vor dir. Microsoft hat dieses Format (ca. 2003-2005) als Vorläufer und Konkurrenten zu Blu-ray und HD DVD gepusht. Filme wie
Terminator 2: Extreme Edition oder diverse Dokus kamen so in 720p oder 1080p auf Standard-DVDs (DVD9) in den Handel.
Und du hast völlig recht: Bestimmte alte Toshiba-Standalone-Player (und später deren HD-DVD-Player) gehörten zu den wenigen Geräten, die den WMV-Codec nativ in Hardware decodieren konnten.
Dass ein normales PC-DVD-Laufwerk die Disc überhaupt nicht erkennt, ist allerdings ungewöhnlich. Hier müssen wir ansetzen.
Warum streikt das Laufwerk?
Ganz nüchtern betrachtet: Das Dateisystem auf diesen Discs ist
kein exotisches HD-Dateisystem, sondern schlichtes
UDF (Universal Disk Format) oder
ISO 9660. Auf der Disc liegen buchstäblich nur große .wmv Dateien. Wenn das Laufwerk sie nicht lesen kann, liegt es meist an einem dieser Punkte:
- Automount-Probleme mit UDF: Manche Betriebssysteme verschlucken sich an der spezifischen UDF-Version (oft UDF 2.01 oder leicht fehlerhafte Masterings), die für diese Discs verwendet wurde.
- Layer-Break-Probleme (DVD9): Ältere Dual-Layer-DVDs neigen stark zu physikalischem Verschleiß ("Disc Rot"). PC-Laufwerke sind oft zickiger und scheitern am physikalischen Übergang zwischen den Schichten (Layer-Break), während dedizierte Player das mit toleranterer Hardware überspielen.
- Versteckte HD DVD: Einige dieser Filme wurden als "Combo-Discs" gepresst (eine Seite normale DVD, die andere HD DVD). Ein PC-Laufwerk kann mit seinem roten Laser eine echte HD-DVD-Schicht physikalisch nicht abtasten.
Möglichkeiten zum Auslesen
Da sich Laufwerke bei Dateisystem-Fehlern oft aufhängen, ist es am besten, direkt auf tiefere Hardware-Ebenen zu gehen:
- Kernel-Log prüfen: Leg die Disc ein und schau direkt mit dmesg -w, was das Laufwerk meldet. Wenn Hardware-I/O-Fehler (Sector Errors) auftauchen, hat die Disc physikalisch gelitten.
- Manueller Mount: Verlass dich nicht auf das automatische Einhängen. Versuch, die Disc explizit als UDF zu mounten:
sudo mount -t udf /dev/sr0 /mnt
- Image erzwingen (ddrescue): Wenn das Dateisystem korrupt ist, aber die Hardware noch liest, zieh ein rohes Image. Das Tool ignoriert das Dateisystem und liest stur Block für Block, inklusive Fehlerprotokoll:
ddrescue -n -b 2048 /dev/sr0 film.iso mapfile
- MakeMKV nutzen: Dieses Tool ist fantastisch darin, defekte Dateisysteme zu ignorieren. Es greift direkt auf das Block-Device zu, sucht nach Video-Headern und extrahiert die Files, selbst wenn der Rest der Disc unlesbar scheint.
Der Endboss: Microsoft DRM
Falls du die .wmv-Datei erfolgreich von der Disc kratzen kannst, gibt es noch eine massive Hürde.
Fast alle kommerziellen WMV-HD Filme wurden mit
Windows Media DRM ausgeliefert. Die Idee war, dass der PC beim ersten Abspielen online eine Lizenz von einem Microsoft-Server abruft. Diese Lizenz-Server sind seit weit über einem Jahrzehnt offline.
Selbst wenn du die intakte Datei hast, wird ein moderner Player sie nicht abspielen, weil der DRM-Header den Stream blockiert. Um das heute noch ans Laufen zu bekommen, bedarf es meistens einer virtuellen Windows XP-Umgebung und historischer DRM-Entfernungs-Tools (wie FairUse4WM oder freeme2). Ohne den damals abgerufenen, gerätespezifischen Lizenz-Key stößt man da heute aber oft an harte kryptographische Grenzen. (Bei DRM-freien Dokus oder Promo-Discs reicht nach der Rettung hingegen ein normaler VLC-Player).
Gibt dmesg beim Einlegen der Disc irgendwelche Lesefehler aus, oder wird die Disc als Blockgerät (/dev/sr0) zumindest fehlerfrei im System registriert?