DarkInterceptor schrieb:
ich für meinen teil würde auch nur einschreiten wenn ich zeugen hätte die bezeugen das ich nur geholfen hab um jemanden zu schützen
Ich glaube du ziehst da einen falschen Vergleich heran. Der Fall das Frauen Gewalt duch Ehemann/Freund ausgesetzt sind, aber trotzdem keinen Beziehungsbruch sprich Hilfe wollen ist etwas ganz anderes. So eine Situation hatte ich auch schonmal erlebt und war dann total irritiert, als sich auf einmal das Blatt drehte. Ich glaube heute würde ich vorher einmal ganz bestimmt nachfragen.
In dem aktuellen Fall ist so eine Entwicklung aber ganz sicher nicht zu erwarten gewesen, zumal es auch noch mehrere Beobachter gegeben haben soll. Und wer in so einer Situation zuerst einmal an seine juristische Sicherheit denkt, naja, immerhin geht es im Falle des Falles um Menschenleben.
FlauschigesPony schrieb:
Ich glaube nicht, dass dies ein Problem einer bestimmten Gesellschaft sondern eher der Spezies Mensch ist; soetwas wird man überall und immer wieder beobachten können.
Mir fällt dazu das Video eines angefahrenen Rentners, das mit einer Überwachungskamera aufgenommen worden ist, in den USA ein, der nach einer doppelten Fahrerflucht bewusstlos auf der Strasse lag und ~~50 Passanten und Autofahrer kamen an den bewusstlosen Mann vorbei, ohne dass auch nur einer reagiert hätte. Auch könnte man das dritte Reich hier als Beispiel erwähnen, wo extrem viele Leute bekanntermassen weggeschaut haben.
Also ich würde hier schon ganz klar differenzieren. Auch wenn ich nicht zu den Älteren hier gehören werde, aber zumindest zu meiner frühen Jugendzeit war das doch rein gefühlt anders. Wer gerne mal abends weg geht wird wohl unweigerlich bemerken, dass er einmal häufiger in Konfliktsituationen und in solche mit höherer Intensität gerät. So empfinde ich es zumindest und gewöhnt habe ich mich nie daran.
Robert. schrieb:
Das mit dem Studenten ist in der Tat eine Art Paradefall. Wer die Kollegen auf Täterseite kennt wird wissen wie weit die in so einem Fall gehen. Entweder man setzt sich entschiedenst zu Wehr oder man beißt nachher selbst ins Grass. In diesem Fall wurde der Angreifer dabei schwerst verletzt. Auch wenn ich ganz sicher nicht zu einem Messer gegriffen hätte, auch bei waffenloser Verteidigung kann der Täter im ungünstigen Fall schwer verletzt werden.
Hier muss die Justiz in Zukunft genauer die Verhältnismäßigkeit abschätzen, wenn dem Opfer im schlimmsten Fall der Totschlag droht.
Es gibt genug andere wesentlich offensichtlichere Körperteile (Hand, Arme, Beine...), die durch eine Messerattacke solche Schmerzen hervorrufen, dass der gegenüber sofort handlungsunfähig wird
Das wäre mir neu. Wenn viel Adrenalin im Spiel ist zeigen selbst mittelfristig tödliche organische Verletzung durch Messerangriffe zum Teil erst nach Minuten eine Wirkung. Bei periphären Verletzungen gilt das ganz besonders. Ich kannte ein Opfer das die Veretzungen, wohl unter der Kleidung, zuerst nicht einmal bemerkt hat und dann per Not-OP mit Glück überlebt hat.
surfix schrieb:
Ich würde in solchen fällen sogar die Anwendung der Todesstrfe in betracht ziehn. Denn wer garantiert das wenn die wieder rauskommen es nicht wieder tun ?
Jetzt fordern ja viele Seiten eine Verschärfung des Strafrechts. Dass dies die Täter nicht interessiert dürfte ja allgemein bekannt sein.
Wichtiger wäre mir persönlich das unser bestehendes Strafrecht auch angewandt wird. Laut Polizeibericht waren diesmal alle Täter polizeibekannt und auch die Erfahrung zeigt, dass selten jemand mit einem Tötungsdelikt in die Szene einsteigt. Vielfach handelt es sich um Intensivtäter die ganze Akten füllen. Wie kann es sein das jemand drei Dutzend Strafverfahren am Hals hat und ungehindert weitermachen kann. Irgendwann müssten doch längst das gehobene Strafmaß, Erziehungsmaßnachmen und schließlich Haft gegriffen haben.
Die Täter halten das System so zum Narren. Und verlieren spätestens nach den ersten paar ungeahndeten Aktionen auch noch den letzten Respekt vor dem Gesetz, den Sie vor dem Menschen anscheinend schon verloren haben. So kann man dem Problem nicht beikommen
Turbostaat schrieb:
diejenigen die in der Lage waren in irgendeiner Form zu helfen und es verweigert haben, sollten zur Rechenschaft gezogen werden.
Das ist auch eine schwierige Geschichte, die Polizei rufen kann jeder, dass sollte klar sein und ist im aktuellen Fall ja wohl auch geschehen.
Hier aber tätlich einzugreifen ist schon wieder etwas anderes. Wenn ansonsten keiner mitmacht freuen sich die Täter über ein zweites Opfer, denn wer einen erschlägt, der macht auch vor dem zweiten nicht halt. Das Problem ist dabei ja meistens noch, dass die entsprechenden Heranwachsenden meistens körperlich zumindest dem Durchschnitt überlegen (auf entsprechende Situationen hin trainierend), skrupellos vorgehend und vor allem gewalterfahren sind.
Jetzt nehmen wir mal 15 Menschen, entsprechend der Zahl in den Medien genannter Passanten, aus der Masse der Bevölkerung, die Hälfte Frauen (auch wenn das nix heißen muss), im ÖPNV nochmal die Hälfte Rentner, übliche Anzahl Kinder, einige müssen schnell den Anschluss bekommen und sind sofort weg, bleiben vielleicht noch zwei die in Frage kommen einzuschreiten, einer setzt sich sofort ab. Und jetzt stelle ich mir vor wie ich als letzter übrig bleibe. Das eigentliche Opfer ist sofort bewusslos, vielleicht längst getötet. Die Täter vielleicht auch noch bewaffnet, ohne das ich es weiß. Verdammt hohes Risiko!
Rettungswagen rufen, die Täter suchen dann wahrschneinlich schon das Weite, 1. Hilfe.
Das man mich dann noch wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen möchte käme mir gar nicht in den Sinn.
Was mich persönlich total gestört hat war, dass in den geschätzten fünf Nachrichtensendungen in denen das gestern Abend thematisiert wurde, jedes mal davon die Rede war, dass man "
in Zukunft ähnliche Taten durch den Ausbau der flächendeckenden Videoüberwachung im öffentlichen Raum verhindern möchte".
Aha? Und wie bitte soll das funktionieren? Sollen diejenigen die nicht davor zurückschrecken einen Menschen vor den Augen vor einem Dutzend Passanten auf brutale Weise zu töten durch Kamerapräsenz abgeschreckt werden? Das hilft höchstens bei der Fahndung und die Medien freuen sich über die Videoaufnahmen. Sinnloser Aktionismus, beschrieben in Aussagen wie die der oberen sind aber meiner Meinung nach eine absolute Respeklosigkeit gegenüber den bisherigen Opfern und insbersondere auch zukünftigen.
Edit: ähnliches gilt für Herrn Seehofer. Wenn man keine Ahnung hat einfach mal... . Diese Form der Gewalt würde ich da ganz stark differenziert sehen, auch wenn ich prinzipiell gegen die Darstellung unangebrachter Gewalt in Spielen bin. Mit seinem Killerspielverbot das Problem angehen zu wollen finde ich völlig verantwortungslos.
Eine erhöhte Polizeipräsenz mag hingegen schon richtig sein um schnelleres Eingreifen zu ermöglichen oder überhaupt erst eine ausreichende Anzahl an Polizeikräften stellen zu können.
Wer in dem Zusammenhang das Video in Nachrichten oder bei Youtube gesehen hat, auf dem vor einer Discothek ein Mitglied des privaten Sicherheitsdienstes erschossen wird und die 2 beobachtenden Beamten einem Mob von 50 Leuten hilflos gegenüberstehen wird das wahrscheinlich ähnlich sehen. Weitere Einsatzkräfte waren an dem Abend zuerst nicht verfügbar.
Scheinbar bin ich einfach zur falschen Zeit geboren...