Audacity 4.0: Audio-Editor mit neuer Ober­fläche und neuem Projekt­for­mat

Michael Schäfer
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Audacity 4.0: Audio-Editor mit neuer Ober­fläche und neuem Projekt­for­mat
Bild: Muse Group

Das Team hinter Audacity hat den Audio-Editor einer umfassenden Generalüberholung unterzogen und dabei nur wenige Bereiche ausgelassen. Neben einer vollständig neu entwickelten Oberfläche wurden der Workflow verbessert, ein neues Projektformat eingeführt und erstmals eine offizielle ASIO-Unterstützung für Windows integriert.

Komplett neue, auf Qt basierende Benutzeroberfläche

Für die vollständig neu entwickelte Benutzeroberfläche setzt Audacity in der neuen Version durchgehend auf Qt, womit zugleich eine native Unterstützung hochauflösender Displays Einzug hält. Deutlich flexibler fällt darüber hinaus der Arbeitsbereich aus: Werkzeugleisten und Bedienfelder lassen sich verschieben, andocken, frei positionieren sowie bei Bedarf ein- und ausblenden. Individuelle Anordnungen können wiederum als Arbeitsbereiche gespeichert werden, mit Modern, Classic und Music bringt Audacity bereits drei entsprechende Arbeitsumgebungen mit. Hinzu kommen helle, dunkle und kontrastreiche Designs sowie konfigurierbare Akzent- und Spurfarben und unterschiedliche Darstellungsformen für Clips. Ein neuer Startbildschirm präsentiert zudem zuletzt verwendete Projekte einschließlich Vorschaubildern.

Neues Projektformat wird eingeführt

Zu den zentralen Neuerungen von Audacity gehört das neue Projektformat .aup4. Projekte aus Audacity 3 im bisherigen Format .aup3 können weiterhin geöffnet und beim nächsten Speichern in das neue Format konvertiert werden, wobei die ursprüngliche Datei unverändert erhalten bleibt. Der umgekehrte Weg ist allerdings ausgeschlossen, ein einmal konvertiertes Projekt lässt sich anschließend nicht wieder im Format .aup3 speichern. Ebenso können noch ältere .aup-Projekte weiterhin importiert werden. In den neuen Projektdateien legt Audacity unter anderem Vorschaubilder sowie zusätzliche Informationen zu Clips und deren Darstellung ab.

Verbesserte Hardware-Unterstützung und ASIO für Windows

Auch bei der Unterstützung unterschiedlicher Audio-Hardware haben die Entwickler angesetzt. Die Audio-Einrichtung berücksichtigt fortan die Standardgeräte des Betriebssystems, bietet aktualisierbare Gerätelisten und erlaubt eine benutzerdefinierte Zuordnung der Kanäle. Änderungen an Audio-Geräten, die über das Betriebssystem erfolgen, kann Audacity damit automatisch übernehmen. Eine weitere wesentliche Neuerung betrifft Windows, wo Audacity erstmals offiziell ASIO für die Wiedergabe und Aufnahme unterstützt. ASIO (Audio Stream Input/Output) ist ein von der deutschen Firma Steinberg entwickeltes Protokoll für Audio-Gerätetreiber, das in der digitalen Musikproduktion und beim professionellen Audio-Streaming als Schnittstelle zwischen der Software – beispielsweise einer DAW wie Cubase oder Ableton – und dem Audio-Interface dient. Zu den wesentlichen Vorteilen zählen unter anderem extrem niedrige Latenzen von lediglich wenigen Millisekunden.

Audacity 4.0 verfügt über eine neue Oberfläche und zahlreiche neue Funktionen
Audacity 4.0 verfügt über eine neue Oberfläche und zahlreiche neue Funktionen (Bild: Muse Group)

Verbesserte Bearbeitung von Audio-Clips und neue Werkzeuge

Grundlegend überarbeitet wurde außerdem die Bearbeitung von Audio-Clips, für die Audacity fortan auf ein neues Modell setzt. Clips können direkt über ihren Kopf ausgewählt werden, während sich mit gedrückter Umschalttaste mehrere Clips gleichzeitig markieren lassen. Sobald mehrere Clips ausgewählt sind, werden Verschieben, Zuschneiden und zeitliches Strecken gemeinsam auf sämtliche markierten Clips angewendet. Darüber hinaus können Clips gruppiert werden, sodass sie beim Verschieben, Kopieren, Einfügen oder Duplizieren zusammenbleiben. Zugleich lassen sich Clips mit Audacity 4 flexibler zwischen Mono- und Stereospuren verschieben.

Ergänzend ziehen mit dem Update zahlreiche neue Werkzeuge und Funktionen ein, die den Umgang mit Audio-Dateien vereinfachen sollen. Audacity verfügt nun über ein eigenes Werkzeug zum Teilen von Clips und stellt darüber hinaus Befehle zum Teilen, zum Ausschneiden oder Löschen beim Teilen, zum Aufteilen an stillen Stellen sowie zum Verschieben eines geteilten Bereichs auf eine neue Spur bereit. Mehr Flexibilität verspricht auch das Einfügen von Inhalten: Bei Bedarf erstellt Audacity selbstständig eine neue Spur, passt kompatible Kanalanordnungen an und übernimmt Audio-Dateien aus der Zwischenablage des Betriebssystems. Ergänzt beziehungsweise erweitert wurden außerdem Ausrichtungshilfen, das Einrasten an Sample-Grenzen und projektspezifische Einstellungen für das Einrasten.

An weiteren Stellen soll Audacity 4 die Bedienung ebenfalls vereinfachen. Die bislang voneinander getrennten Modi für Auswahl-, Hüllkurven-, Zeichen- und Multiwerkzeug entfallen vollständig, stattdessen stehen deren Funktionen fortan kontextabhängig zur Verfügung. Lautstärkehüllkurven werden dabei im Modus für die Clip-Verstärkung eingeblendet, während einzelne Samples bei einer ausreichend starken Vergrößerung der Wellenform direkt bearbeitet werden können. Für Parameter von Spuren und Effekten kommen zudem einheitliche Drehregler zum Einsatz, die sowohl eine Feineinstellung als auch das Zurücksetzen per Doppelklick ermöglichen.

Auch andere Bereiche erstrahlen im neuen Glanz

Mit Sync-Lock streichen die Entwickler zudem eine Funktion, die mehrere Tonspuren zeitlich synchron zueinander hält, wenn Änderungen an einer einzelnen Spur vorgenommen werden. An ihre Stelle tritt ein differenzierteres Verhalten beim Löschen, Ausschneiden und Einfügen: Audacity unterscheidet bei diesen Funktionen nun ausdrücklich zwischen Varianten, die an der bearbeiteten Stelle eine Lücke zurücklassen, und solchen, die nachfolgendes Material verschieben und auf diese Weise dessen zeitliche Position gegenüber anderen Inhalten erhalten.

Umfassende Änderungen betreffen ebenso die Aufnahme und Wiedergabe. Der Abspielknopf bleibt für eine höhere Benutzerfreundlichkeit während der Navigation sichtbar und lässt sich darüber hinaus an andere Positionen ziehen. Auch ein Sprung zu einer anderen Stelle ist während der laufenden Wiedergabe möglich, ohne diese zuvor stoppen zu müssen. Aufnahmen können mit der neuen Version wiederum an einer beliebigen Stelle der Zeitleiste beginnen, woraufhin Audacity dort einen neuen Clip erzeugt. Ebenfalls überarbeitet und verbessert wurden die Schleifengrenzen sowie das Zusammenspiel von Wiedergabe, Auswahl und Schleifen.

Nicht ausgespart haben die Entwickler Spuren, Pegelanzeigen und Effekte. Die Spuranzeigen stellen nun live die Wiedergabe- und Aufnahmepegel dar. Gleichzeitig wurde die Verwaltung der Voreinstellungen für integrierte, destruktive und Echtzeiteffekte vereinheitlicht. Integrierte Effekte, Generatoren und Analysewerkzeuge wurden darüber hinaus eigens für die neue Qt-Oberfläche umgesetzt. Bei Plugins unterstützt die neue Audacity-Version VST3 und Nyquist sowie unter Linux LV2 und unter macOS Audio Units. Verfügt ein Plugin über keine eigene Benutzeroberfläche, kann Audacity passende Bedienelemente selbst erzeugen. Eine Überarbeitung hat außerdem die Spektrogrammdarstellung erfahren, die klarere Hilfslinien und Skalen sowie ein schnelleres Rendering bieten soll.

Einige Funktionen des Vorgängers stehen noch aus

So umfangreich die Änderungen mit dem großen Versionssprung auch ausfallen, konnten die Entwickler noch nicht sämtliche Bereiche angehen. Audacity 4 erreicht deshalb zunächst nicht den vollständigen Funktionsumfang des Vorgängers. Nach Angaben der Entwickler fehlen zum Start Zeitspuren, Noten- beziehungsweise MIDI-Spuren, der Mixer, der Makro-Manager einschließlich Scripting-Pipe, die Unterstützung für VAMP- und LADSPA-Plugins sowie die Wiedergabe mit veränderter Geschwindigkeit. Das Team arbeite daran, diese Funktionen mit späteren Versionen wieder hinzuzufügen. Darüber hinaus fehlen Audacity 4.0 noch einige Export- und Rendering-Funktionen sowie bestimmte Analysewerkzeuge und Effekte.

Die neue Version und die damit einhergehende Neuausrichtung wollen die Entwickler darüber hinaus mit einem neuen Logo unterstreichen.

Einen vollständigen Überblick über sämtliche Neuerungen und Änderungen liefern die ausführlichen Release Notes.

Ab sofort verfügbar

Audacity 4.0 steht ab sofort über die Projektseite auf Github zum Download bereit. Alternativ kann der Audio-Editor auch wie gewohnt bequem über den am Ende dieser Meldung angebrachten Link bequem aus dem Download-Bereich von ComputerBase bezogen werden.

Downloads

  • Audacity Download

    4,6 Sterne

    Audacity ist ein freier Audio-Editor und Audio-Rekorder für Windows, Linux und macOS.

    • Version 4.0.0 Deutsch
    • Version 3.7.9 Deutsch
    • Version 2.3.3 Deutsch
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