Claude Code aus den Pro-Tarif entfernt: Anthropic testet Reaktion bei kleiner Zahl von Entwicklern

Michael Schäfer
23 Kommentare
Claude Code aus den Pro-Tarif entfernt: Anthropic testet Reaktion bei kleiner Zahl von Entwicklern
Bild: Anthropic

Anthropic hat unter Abonnenten für Verunsicherung gesorgt, nachdem der Programmier-Assistent Claude Code kurzzeitig aus dem Pro-Tarif entfernt wurde. Laut Unternehmen handelte es sich dabei um einen Test bei einem kleinen Teil der Nutzer. Dieser sollte anscheinend die Akzeptanz für Veränderungen in der Abo-Gestaltung testen.

Dies geht aus einem Beitrag des als KI-Skeptiker beschriebenen Ed Zitron auf Wehre's Your Ed At hervor. Demnach soll Anthropic am gestrigen Nachmittag auf mehreren Preisseiten den Zugriff auf Claude Code für den Pro-Tarif entfernt haben, obwohl dieser zuvor noch in der Funktionsübersicht aufgeführt war. Auch in der Vergleichsansicht der verschiedenen Abonnements fehlte die Funktion im entsprechenden Tarif.

In der Übersicht wurde Claude Code bei einigen Abo-Interessierten nicht mehr aufgeführt
In der Übersicht wurde Claude Code bei einigen Abo-Interessierten nicht mehr aufgeführt (Bild: Wehre's Your Ed At)

Test mit einer begrenzten Anzahl von Neu-Abonnenten

Die Änderung sorgte erwartungsgemäß für Unruhe unter Entwicklern, die befürchteten, dass Anthropic den Funktionsumfang des Pro-Abonnements dauerhaft reduzieren könnte. In der Folge hätte ein Wechsel in einen deutlich teureren Tarif notwendig werden können, dessen Kosten sich auf etwa das Sechsfache belaufen und somit spürbar höher ausfallen würden.

Gleiches galt für die Vergleichsübersicht
Gleiches galt für die Vergleichsübersicht (Bild: Wehre's Your Ed At)

Die Reaktionen fielen offenbar so deutlich aus, dass sich Anthropic kurze Zeit später zu einer Stellungnahme veranlasst sah. In einem Beitrag auf dem sozialen Netzwerk X erklärte Amol Avasare, Leiter für Wachstum, dass es sich um einen begrenzten Test bei neuen Pro-Abonnenten handle. „Bestehende Pro- und Max-Abonnenten sind davon nicht betroffen“, stellte Avasare klar. Unklar blieb jedoch, nach welchen Kriterien die betroffenen rund zwei Prozent der Nutzer ausgewählt wurden oder ob der Test auf bestimmte Regionen beschränkt war.

Nutzerverhalten hat sich massiv verändert

In weiteren Beiträgen führte Avasare aus, dass sich die Nutzung der Abonnements seit Einführung des Max-Tarifs vor rund einem Jahr deutlich verändert habe. Damals sei Claude Code noch nicht Bestandteil dieses Tarifs gewesen, ebenso wenig wie sogenannte Cowork-Agenten, die über längere Zeiträume hinweg Aufgaben ausführen können. Mit der Integration dieser Funktionen sei die Intensität der Nutzung pro Abonnement erheblich gestiegen. Anthropic habe versucht, dieser Entwicklung mit Anpassungen wie wöchentlichen Nutzungslimits oder strengeren Beschränkungen zu Spitzenzeiten zu begegnen, dennoch habe sich das Nutzungsverhalten weiter dynamisch entwickelt, sodass die bestehenden Tarifstrukturen nicht mehr optimal darauf ausgelegt seien. „Deshalb prüfen wir verschiedene Optionen, um den Nutzern weiterhin ein großartiges Erlebnis zu bieten. Wir wissen noch nicht genau, wie diese aussehen werden – genau das testen wir gerade und holen uns dazu Feedback“, erklärte Avasare abschließend.

Erkennbare Entwicklung

Dass viele Anbieter von KI-Diensten zunehmend an Kapazitätsgrenzen stoßen und gleichzeitig neue Einnahmequellen erschließen müssen, gilt als branchenweit bekannte Entwicklung. Anthropic hatte bereits Anfang des Monats begonnen, Agenten von Drittanbietern wie OpenClaw zu blockieren, da die verfügbaren Rechenressourcen hierfür nicht ausreichten. Die jüngsten Ereignisse verstärken daher die Annahme, dass das Unternehmen sein Preismodell künftig anpassen könnte, was für Nutzer entweder höhere Kosten oder Einschränkungen beim Funktionsumfang bedeuten würde.