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Retro-Security mit GBA-Hashcat: Game Boy Advance wird zum Passwortknacker

Philipp Ernicke
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Retro-Security mit GBA-Hashcat: Game Boy Advance wird zum Passwortknacker
Bild: solst-ice/GitHub

Ein Security-Entwickler hat einen vereinfachten Passwortknacker für den Game Boy Advance gebaut. Das Projekt mit dem Namen GBA-Hashcat prüft eine Liste mit einer Million Kennwörtern gegen einen fest hinterlegten SHA-256-Hash – technisch funktioniert es, praktisch ist der Handheld aber viel zu langsam.

727 Hashes pro Sekunde

Der Entwickler mit dem Pseudonym solstICE bezeichnet GBA-Hashcat selbst nur mit Anführungszeichen als „Portierung“ von Hashcat. Mit dem bekannten Werkzeug zur Passwortwiederherstellung teilt das Projekt zwar die grundsätzliche Idee, der Funktionsumfang ist jedoch wesentlich kleiner: Das Programm berechnet für jeden Eintrag einer Wortliste einen SHA-256-Hash und vergleicht das Ergebnis mit einem zuvor im Programm hinterlegten Zielwert.

Auf einem originalen Game Boy Advance erreicht das Programm nach Angaben des Entwicklers 727 Berechnungen pro Sekunde. Damit wäre ein moderner, GPU-beschleunigter Rechner etwa 30 Millionen Mal schneller. Was aktuelle Hardware in einer Sekunde erledigt, würde auf Nintendos Handheld demnach ungefähr ein Jahr dauern.

Der Game Boy Advance kam 2001 auf den Markt und setzt auf einen ARM7TDMI-Prozessor mit 16,78 MHz. Hinzu kommen lediglich 288 KB Arbeitsspeicher und 96 KB Videospeicher. Dass darauf überhaupt ein lauffähiger Passwortprüfer arbeitet, ist daher eher als technische Spielerei und Demonstration zu verstehen denn als ernsthaftes Werkzeug.

Eine Million mögliche Passwörter

Für die Versuche verwendet GBA-Hashcat die rund 8 MB große Wortliste Ignis-1M. Sie enthält eine Million häufig verwendete oder aus bekannten Datensätzen zusammengetragene Kennwörter. Eine solche Wörterbuchattacke probiert nicht sämtliche denkbaren Zeichenkombinationen aus, sondern arbeitet eine vorbereitete Liste wahrscheinlicher Passwörter ab.

Das Projekt läuft auf Basis der in C++ geschriebenen Butano-Engine, die eigentlich für Spiele und Anwendungen auf dem Game Boy Advance gedacht ist. Die Benutzeroberfläche zeigt unter anderem den Fortschritt, die Zahl der geprüften Einträge und das aktuell getestete Passwort an. Der Quellcode sowie eine fertige GBA-Datei stehen auf GitHub bereit.

Ein Blick auf das Benutzerinterface von GBA-Hashcat.
Ein Blick auf das Benutzerinterface von GBA-Hashcat. (Bild: solst-ice/GitHub)

Kein Ersatz für modernes Hashcat

Trotz des Namens ist GBA-Hashcat kein vollständiger Ersatz für Hashcat. Das Original unterstützt zahlreiche Angriffsmethoden, mehr als 300 optimierte Hash-Verfahren sowie CPUs und GPUs. Die GBA-Umsetzung beschränkt sich dagegen auf SHA-256, eine feste Wortliste und einen hart kodierten Ziel-Hash.

Für einen realen Angriff ist der Handheld damit kaum brauchbar. Das Projekt zeigt aber anschaulich, wie ein Passwortangriff grundsätzlich funktioniert: Für jeden Kandidaten wird derselbe Hash berechnet, den ein System zum Speichern eines Passworts verwenden würde. Stimmen beide Werte überein, ist der passende Klartext gefunden. Das Projekt zeigt zugleich, warum schwache Passwörter problematisch sind: Je leistungsfähiger die eingesetzte Hardware, desto schneller lassen sich häufig verwendete oder kurze Kennwörter ausprobieren.

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