Kein Ende des Streits: Nexperias China-Tochter will eigene Wafer belichten
Beim Chiphersteller Nexperia und seinem chinesischen Tochterunternehmen geht der Streit weiter. Die wollen nun selbst Wafer belichten und dass sogar auf 300 mm statt 200 mm. So einfach, wie das auf dem Papier aber erst einmal klingen mag, ist es freilich aber nicht. Es zeigt jedoch, wie verhärtet die Fronten weiter sind.
Seit Oktober 2025 liegt Nexperia mit seinen Tochterunternehmen in China im Streit. Nach der de facto Kontrollübernahme der niederländischen Regierung legte China einen Exportbann auf. Es folgte politisches Gerangel, danach sah es kurzzeitig aus, als könnte eine Lösung des Konflikts in Erscheinung treten. Seit dem Wochenende ist das ganze jedoch wieder in die andere Richtung gekippt.
Fertigt nun Wingtech Nexperias Chips?
Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, will Nexperia China nun nicht mehr 200-mm-Wafer aus Europa beziehen, sondern diese selbst fertigen, und dass sogar in 300-mm-Größe. Das wird in Europa von Nexperia gar nicht angeboten, bietet theoretisch eine viel größere Menge an Chips pro Wafer. Allerdings ist die Skalierung nach oben von vielen anderen Faktoren abhängig, insbesondere der Wirtschaftlichkeit, die eine Aufrüstung von 8 Zoll auf 12 Zoll nicht immer tragbar werden lässt, vor allem bei sehr günstigen in 150 oder 180 nm gefertigten Chips.
Bei Nexperia China sieht die Thematik jedoch anders aus. Wenngleich es nicht bestätigt ist, dürften Wingtech-Anlagen, genauer gesagt die der Shanghai Dingtai Jiangxin Technology Co., Ltd, oder „WingSkySemi“ für die Produktion in Frage kommen, die schon zuvor mit Nexperia zusammengearbeitet haben. Ein gewisses Know-How ist hier deshalb vorhanden.
Kurze Geschichtsstunde hierzu: Nexperia gehörte einmal zu NXP, wurde 2017 für 2,75 Milliarden US-Dollar durch ein chinesisches Konsortium gekauft, 2019 verkaufte dieses wiederum alle Anteile an Wingtech, das nun de facto Eigentümer von Nexperia ist. Wingtech wiederum gilt seit Jahren als Reizthema: Seit 2024 steht der Konzern auf der US-Entity-Liste chinesischer Unternehmen, die dem chinesischen Staat und Militär helfen sollen an Technologie zu gelangen, behaupten die USA. Mitte 2025 wurden die Verschärfungen weiter angezogen, auch Subunternehmen von Wingtech, zu denen Nexperia zählt, sollten direkt und stärker betroffen sein.
Streit eskalierte zuletzt, Eigenständigkeit angestrebt
Zuvor war der Streit in eine neue Phase übergangen. Nexperia China behauptete in der vergangenen Woche, dass sie aus IT-Systemen ausgeschlossen wurden und so vielfältige Prozesse beeinträchtigt waren.
🇨🇳🇳🇱NEXPERIA CHINA: NEXPERIA BV IMPLEMENTED MASS DISABLING OF OFFICE ACCOUNTS FOR ALL EMPLOYEES IN CHINA - STATEMENT (https://t.co/srFDp8FVV2) pic.twitter.com/9AKQKEDsn3
— CN Wire (@Sino_Market) March 6, 2026
Ende Februar hieß es aus den Niederlanden, Nexperia würde eine Herauslösung von Mutterkonzern Wingtech anstreben, was dieser jedoch direkt abgelehnt hat, schrieb De Telegraaf