Fachkräftemangel (Gesellschaftsthema)

Wertschöpfung findet auch durch Dienstleistungen statt, auch wenn diese "nur" ein immaterielles Gut sind. Dienstleistungen fließen ja auch in die Berechnung des BIP ein, nicht nur physische/materielle Güter.

Ob ich persönlich diesem Gut einen Wert beimesse, ist dann wieder eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.
 
Um zurück zum Thema zu kommen!

Eine Bäckerei hat das Azubi Gehalt verdoppelt und bekommt auf ein mal wieder Bewerber für Lehrstellen als Bäcker & Bäckereifachverkäufer. (Youtube - Beirtrag vom BR)
Manchmal scheint es doch ganz einfach zu sein, den Fachkräftemangel zu lösen ...

Vor diversen Seiten hier im Thread hatte ich schon mal das Thema angesprochen, warum Bankkaufmann-Azubis deutlich mehr Ausbildungsvergütung bekommen als Handwerks-Azubis, obwohl die Handwerks-Azubis deutlich früher ein Mehrwert für das Unternehmen stiften, als ein Bankkaufmann-Azubi.
Die Lösung des Bäckermeisters aus dem Beitrag ist ja sehr nahe liegend und absolut offensichtlich, mir stellt sich nur die Frage, warum hier das Handwerk nicht mal insgesamt bei den Vergütungen in die Offensive geht.
 
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_killy_ schrieb:
mir stellt sich nur die Frage, warum hier das Handwerk nicht mal insgesamt bei den Vergütungen in die Offensive geht.
Weil sie das auf die Kunden umlegen müssen und nicht jeder Betrieb ist in einer Gegend ansässig, in der die Kunden es einfach so hinnehmen.
 
Sehe ich etwas anders. Wir hatten einen Heizungsbaubetrieb bis mein Vater starb und das ist zwar schon gute 20 Jahre her, aber damals war es schon so, dass dir ein guter Azubi spätestens ab dem 2. Lehrjahr mehr einbringt als er dich kostet unzwar deutlich mehr und das nicht nur im Heizungsbau.

Es wäre also schon möglich die Vergütungen anzuheben, ohne die Kosten auf den Kunden umzuwälzen. Immerhin ist vieles seitdem deutlich teurer geworden. Wenn ich Stand heute einen Azubi mit 500 - 600 € bezahle, reicht das kaum für die Kosten um zur Ausbildungsstelle zu kommen, geschweige denn das der sich überhaupt irgendwas mal in den 3 Jahren kaufen kann. Das motiviert dann natürlich auch nicht Geld zu verdienen. Hier verbrennt man in meinen Augen schon sehr früh die Mitarbeiter der Zukunft und wundert sich dann, wenn die nach der Ausbildung Tschüss sagen.

Auch hat sich die Verhältnismäßigkeit geändert. Der Chef eines kleinen Handwerkbetriebes ist früher vielleicht mit einem Neuwagen rumgefahren aber bestimmt nicht mit einem M oder AMG oder sowas in die Richtung bei nicht mal 5 Angestellten. Von der Kategorie hab ich allein bei mir im Ort mehrere Betriebe und ich wohne im Nirgendwo. Hat nichts damit zu tun, dass ich denen den Erfolg nicht gönne, aber es ist eine Form der Ausbeutung, die man auch mit Sicherheit umgehen könnte, indem man gerechte Löhne bezahlt und ich glaube auch nicht, dass man das alles auf die Kunden umwälzen muss.

Ich habe noch vor 4 Jahren in einem großen Logistiklager als Schichtführer gearbeitet und wir hatten reihenweise Handwerker in dem Lager, die lieber da für 1800 - 2000 Netto gearbeitet haben, als im Handwerk weil sie hier mehr verdient haben.
 
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Ja, Bäcker ist ein super Beispiel. Da fahren alte Säcke jeden Morgen mit dem Daimler von der Villa ins Büro von wo aus sie ihre hunderte Millionen teure Produktionsstrasse und ihre 20 Verkaufsstellen organisieren und kommen aus dem Gejammer, dass es nicht mehr lohne, nicht mehr raus.

Bei uns im Dorf hat ein junger Kerl den Betrieb der Eltern samt der damit verbundenen Verantwortung übernommen. Die Kundschaft steht bis zur Straße raus, die Angestellten machen einen zufriedenen Eindruck, die Qualität ist top und die Preise liegen sogar klar unter denen der Hinter-den-Kassen-Theken-Industrieware-Aufback-Heimer von Rewe, Edeka & Co.
 
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@xexex

Bisher sehe ich da keine Zurückhaltung bei den Handwerker. Die günstigste Handwerkerstunde war bisher 40 EUR gewesen, sonst eher im Schnitt 60 EUR oder mehr - je nach Gewerk, was wir hier immer mal wieder gebraucht haben für unser Haus.

Und "Region" ist auch nicht immer eine Ausrede. Mal als Beispiel. Unsere Handwerker für die Fenster-Wartung fahren vom Havellandkreis (vor Berlin) nach Hamburg um hier entsprechend vor Ort zu arbeiten. Ist zwar fies für die Handwerker - wir zahlen hier aber den vor Ort Preis und nicht etwa den "Ost-Tarif".

@jgobond

Ob jeder Bäcker jetzt mal ein Benz und ne Villa hat, sei mal dahingestellt. Aber zumindest das Azubi Gehalt auf Niveau von Bankazubis sollte man sich leisten können. Für die Azubis ist es eine Verdopplung der Vergütung - für den Bäckermeister nur ein kleiner Anstieg der Kosten die er insgesamt hat.
Und oh wunder, wenn man Leute hat die Brötchen und Brot backen und dann auch noch Leute hat die die Sachen dann verkaufen, macht man Umsatz.
 
nebulein schrieb:
Es wäre also schon möglich die Vergütungen anzuheben, ohne die Kosten auf den Kunden umzuwälzen.
Kosten müssen immer auf die Kunden "abgewälzt" werden, denn dieser bezahlt diese nun mal. Wo soll das Geld sonst herkommen? Lohnkürzungen bei den Mitarbeitern?

Natürlich macht es einen Unterschied ob wir hier von einem großen Betrieb mit vielen Mitarbeitern reden oder einem Handwerker mit einem Azubi, im verlinkten Video mag es halt keine so hohen Auswirkungen haben, aber das Geld fehlt am Ende des Monats trotzdem.

_killy_ schrieb:
Die günstigste Handwerkerstunde war bisher 40 EUR gewesen, sonst eher im Schnitt 60 EUR oder mehr - je nach Gewerk, was wir hier immer mal wieder gebraucht haben für unser Haus.
Was immer noch viel zu niedrig ist, in der IT würden wird unter 100€/h kaum noch irgendwas machen, hier liegt eben auch das größte Problem in dieser Branche. Erkläre mir mal bitte wie man mit 50€ die Stunde Löhne von 20-30€ die Stunde finanzieren soll.

_killy_ schrieb:
Und "Region" ist auch nicht immer eine Ausrede.
Region ist aber meist die "Ausrede", denn bei 100€ die Stunde im Osten, hole ich mir halt Handwerker aus Polen und der Bäcker in der Münchener Innenstadt kriegt seine Brötchen mit Sicherheit auch zum dreifachen Preis los, wie der irgendwo auf dem Dorf.
 
xexex schrieb:
Kosten müssen immer auf die Kunden "abgewälzt" werden, denn dieser bezahlt diese nun mal. Wo soll das Geld sonst herkommen? Lohnkürzungen bei den Mitarbeitern?
Umsatz erhöhen, günstiger einkaufen, generell die betriebliche Effizienz steigern?

Man hat schon einige Stellhebel. Desweiteren hat man natürlich wie schon erwähnt die Möglichkeit weniger Gewinn zu machen bzw. Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen.
 
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Bennomatico schrieb:
Umsatz erhöhen, günstiger einkaufen, generell die betriebliche Effizienz steigern?
Ich steigere die "Effizienz" indem ich Azubis das doppelte Gehalt zahle? Mir ist schon klar an welchen Stellschrauben man in einem Unternehmen drehen kann, aber letztendlich ist eine Gehaltverdoppelung eine Gehaltverdoppelung. Wenn man noch so viel an seiner Firma optimieren kann, dann liegen die Probleme ganz woanders.
 
Du fragtest, wie man Lohnsteigerungen nicht auf den Kunden umlegt. Die Antwort hast du bekommen. Du hast nicht gefragt, wie der Inhaber seinen Gewinn maximiert.

Insbesondere sollte nicht so schwer zu verstehen sein, dass die (langfristige) Zahl der Mitarbeiter mit dem Umsatz korreliert.
 
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Bennomatico schrieb:
Du fragtest, wie man Lohnsteigerungen nicht auf den Kunden umlegt.
Interessant!

Du bist also der Meinung, wenn ich doppelte Gehälter zahle und als "Ausgleich" irgendwo was optimiere, ich die Kosten für das Gehalt dann nicht auf den Kunden umwälze? Korrekt ist in diesem Falle, ich muss die Preise nicht erhöhen, die Kosten wälze ich immer auf den Kunden um, dieser ist schließlich mein Geldgeber.

Dann werden die Azubis halt gut bezahlt und dafür billige Rohware eingekauft und längst fällige Modernisierung aufgeschoben. Egal wie du es drehst und wendest, der Kunde zahlt dafür. Den wichtigsten Punkt lässt du außer acht, in vielen Unternehmen werden Azubis eingestellt um überhaupt noch die Kosten decken zu können, da ist nicht mehr viel mit "optimieren".
 
@xerex

Du sagst, dass die Handwerker die höheren Lohnkosten nicht 1:1 auf die Kunden umlegen können. Bist du selbst Unternehmer und hast dieses Problem?

Ich sehe keine Zurückhaltung, bei neueren Handwerkerangeboten die ich mir eingeholt habe, dass hier auch höhere Stundensätze gefordert werden. Weiterhin sind die Handwerksbetriebe aktuell ja in einer sehr sehr komfortablen Lage, dass es zu wenig Betriebe gibt - sprich Kunden sehr sehr lange auf eine Dienstleistung warten müssen. In einem solchen Umfeld kann man auch höhere Preise durchsetzen und auch die Mitarbeiter besser bezahlen.
Als Kunde bin ich ja nicht mehr in der Situation, dass ich zwischen x Angeboten beliebig wechseln kann, sondern eher froh, wenn ich überhaupt 2 Betriebe finde die mir ein Angebot stellen und nicht gleich aufgrund des geringen Auftrags direkt absagen.

Die Verdopplung der Vergütung bezog sich alleinig auf die Azubi-Gehälter. Dass sollte jeder Betrieb sich leisten können. Dass man nicht das Gehalt eines festen Mitarbeiters verdoppeln kann, ist klar - aber zumindest die Inflationsanpassung sollte drin sein.

Die Inflation kommt ja daher, dass Unternehmen Monat für Monat ihre Preise erhöhen ... es also ein langfristiger Effekt ist. Es ist ja leider kein kurzfristiges Momentum gewesen, kurz nach Kriegsausbruch wo die Preise nach oben geschossen sind und sich dann wieder normalisiert haben. Sondern wir haben Monat für Monat eine Inflation von über oder knapp unter 8%.
 
_killy_ schrieb:
Du sagst, dass die Handwerker die höheren Lohnkosten nicht 1:1 auf die Kunden umlegen können. Bist du selbst Unternehmer und hast dieses Problem?
Ich sage, dass dies nicht immer möglich ist!

Höhere Preise gehen immer einher mit möglichen Verlust von Kunden. Statt beim teuren Bäcker, kaufen die Kunden dann halt bei dem billigen Backshop und statt einen teuren deutschen Handwerker, lassen die Kunden sich Leute aus dem Ausland kommen.

Sowas kann man eben nicht übers Knie brechen und nur weil ein Betrieb gute Erfahrungen mit der Verdopplung von Azubigehältern gemacht hast, ist es nicht im Ansatz auf andere Betriebe übertragbar. Ich denke wir sind uns da einig, wenn wir "einfach" die Löhne in unseren Handwerksbetrieben verdoppeln könnten, gäbe es auch kein Facharbeitermangel mehr, nur umsetzbar ist das nicht.
Ergänzung ()

_killy_ schrieb:
aber zumindest die Inflationsanpassung sollte drin sein.
Das bin ich absolut bei dir, das sollte allerdings zumindest in Betrieben die Tarifgehalt zahlen, automatisch der Fall sein. Das macht aber die Jobs nicht wirklich attraktiver, mal Hand aufs Herz, wer will heutzutage einfach so Bäcker werden?

Unser Problem ist eigentlich ganz einfach, die Jobs müssen attraktiver werden und da gibt es nicht allzu viele Stellschrauben. Ich kenne durchaus Bäcker aus Leidenschaft, ich kenne auch Dönerläden deren Besitzer mit Herz dabei sind, leider sind das immer häufiger Ausnahmen. Es fängt doch schon schlichtweg damit an, dass solche Werte heutzutage nicht mehr vom Elternhaus vermittelt werden. Früher waren es Berufe mit Zukunft, solide Arbeit, während heute es immer häufiger als Beispiel herangezogen wird, um den Kindern zu zeigen was auch ihnen wird wenn sie nicht studieren gehen.

Früher hat ein Handwerker eine ganze Familie ernährt, heute sind es leider meist unterbezahlte Berufe die auch noch oft mit schwerer Arbeit verbunden sind. Vom Prinzip kann man sagen, dass sich das "Problem" irgendwann von ganz alleine löst, je weniger Handwerker es gibt, desto teurer werden sie und irgendwann wird es vermutlich wieder eine zumindest finanziell lohnenswerte Sache.
 
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@xexex

Also Handwerker aus dem Ausland geht doch aber wirklich nur, wenn du jetzt in einer Grenzregion wohnst. Und der Kundenverlust wird dennoch durch die höheren Preise kompensiert. Beim Bäcker kann man noch "relativ" leicht Substitute finden - zu anderen Handwerkerleistungen geht dies nicht so einfach.
Die Zeiten des ruinösen Preiswettbewerbs im Handwerk sind definitiv vorbei!

Den schlechten Ruf des Handwerks hat sich das Handwerk aber über die Jahrzehnte auch komplett selbst erarbeiten. Keine vernünftigen Arbeitszeiten, miese Arbeitsbedingungen, "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" etc. Das ging für die Babyboomer Jahre ganz gut, aber danach hätte man die Personalführung anpassen müssen. Da aber meist die Personalführung direkt auch durch den Meister vorgenommen wurde, hat dieser den Zahn der Zeit eher nicht mitbekommen und einfach so getan, als würde er für jede Stelle 100 Bewerbungen erhalten und irgendwann kam nicht mal 1 Bewerbung.
 
_killy_ schrieb:
Also Handwerker aus dem Ausland geht doch aber wirklich nur, wenn du jetzt in einer Grenzregion wohnst.
Völliger Humbug! Wenn dir der Wasserhahn leckt sicherlich, aber Fenster im Haus einbauen oder Elektroinstallation erneuern? Freund von mir saniert gerade ein Mehrfamilienhaus, Handwerker aus Rumänien, wieso auch nicht, die EU macht genau das möglich.

Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, haben wir die Büroräumlichkeiten renovieren lassen (Köln), Trockenbauwände gesetzt, Toiletten umgebaut usw. Auftrag ging einer polnischen Firma, der Chef konnte ein paar Sätze deutsch, hat völlig gereicht. Im Gegensatz zu deutschen Handwerkern, wurde von einem kleinen Team alles gemacht. Trockenbau, Teppiche erneuert, Elektroinstallation, Fliesen, Sanitär usw. Eine Firma dafür in Deutschland zu finden wäre schon schwer, über Bezahlung reden wir besser nicht.

_killy_ schrieb:
Den schlechten Ruf des Handwerks hat sich das Handwerk aber über die Jahrzehnte auch komplett selbst erarbeiten. Keine vernünftigen Arbeitszeiten, miese Arbeitsbedingungen,
Kann man vielleicht so sehen, aber Oleg und Zbyschek hat damit kein Problem. Sie bleiben dann auch ein paar Tage länger oder arbeiten bis in die Nacht, dafür kriegen sie Geld.

Ich bin seit 25 Jahren in der IT tätig und hatte früher Installationen teilweise über das Wochenende durchgeknallt, komplett neue Server+Rechner, Installation, Softwareeinrichtung. Um 16 Uhr am Freitag ging es los, und 8 Uhr am Montag musste der Kunde arbeiten, dazwischen 6-8 Stunden schlaf. Wieso? Weil es Spaß gemacht hat und gutes Geld brachte.

Zu sowas sind sich Leute aber häufig zu fein, "arbeiten" will heutzutage keiner mehr egal in welcher Branche und bei den Löhnen die oft gezahlt werden erst recht nicht. So schafft sich Deutschland langsam selbst ab.
 
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Hallo

_killy_ schrieb:
Also Handwerker aus dem Ausland geht doch aber wirklich nur, wenn du jetzt in einer Grenzregion wohnst.
Nein, wie kommst du darauf ?
Wenn der Auftrag groß genug ist werden die Anfahrtskosten durch die niedrigeren Stundenlöhne kompensiert.
Bei einem großen Auftrag schlafen die ausländischen Arbeiter in einem Hotel oder einer anderen Unterkunft.
Öffentliche Auftraggeber müssen ab einem bestimmten Schwellenwert sogar EU weit ausschreiben.

Grüße Tomi
 
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_killy_ schrieb:
Die Lösung des Bäckermeisters aus dem Beitrag ist ja sehr nahe liegend und absolut offensichtlich, mir stellt sich nur die Frage, warum hier das Handwerk nicht mal insgesamt bei den Vergütungen in die Offensive geht.
Man kann das natürlich nicht 1:1 auf alle Handwerksbetriebe übertragen, aber auch ich sehe eine drastische Erhöhung der Azubigehälter im Handwerk als durchaus einen gangbaren Weg.

Hierbei wird ja sogar immernoch unter dem Mindestlohn gezahlt, es ist absolut nicht erklärbar warum ein Handwerksazubi beispielsweise im 3 Lehrjahr weniger als die Hälfte verdienen soll wie ein ungelernter Hilfsarbeiter zum Mindestlohn. Okay, es ist erklärbar, eine günstigere Fachkraft gibt es nicht unter legalen Umständen und darauf hat man sich halt viele Jahrzehnte ausgeruht.

Ich weiss auch nicht wie andere hier darauf kommen das dadurch automatisch die Preise steigen, es herrscht Mangel an Arbeitskräften, nicht an Arbeit. Wenn ich durch eine Arbeitsstelle z.B. am Ende 4000€ wertschöpfenden Gewinn mache, muss ich nicht die Preise erhöhen wenn der Azubi statt 800€ nun 1600€ Bruttolohn erhält, es ist teurer wenn ich auf den Umsatz und die damit verbundene Wertschöpfung verzichte.
 
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Hasenfutter schrieb:
Analog auch früher in Rente gehen dürfen - wäre dann ein Anreiz für Jüngere,
Also noch weit vor 63? Ohne allgemein die Rentenhöhe aus Österreich in D einzuführen bringt das nichts. Derzeit hätte jeder Handwerker viel mehr davon, einen höheren Lohn zu bekommen und selbst zusätzlich für seine Rente vorsorgt. Dann kann er/sie/es auch schon mit 50 aufhören zu arbeiten.

Hasenfutter schrieb:
selber nicht groß irgend was ....aber Alles große Maulhelden
Falls sie damit Geld verdienen, dann schaffen sie es wohl, mit ihrem Content genügend Leute anzulocken. Aber es ist auch in anderen Branchen üblich, sich nur über die Erzeuger aufzuregen und die Konsumenten dabei zu ignorieren.
 
Würde man davon ausgehen, dass sich eine Volkswirtschaft nur einen gewissen Prozentsatz an Ruheständlern leisten kann, dann müsste man die Anzahl an Ruhestandspositionen begrenzen.

Wenn z. B. die Grenze bei 20 Millionen Ruheständlern liegen würde und die 20 Millionen Plätze bereits besetzt wären, dann muss der Anwärter eben noch etwas warten (länger arbeiten) bis durch Ausscheiden eines Ruheständlers ein Platz frei wird.
 
Es geht nicht darum, was sich die Volkswirschaft leisten kann oder will, sondern was solche Vorschläge für den einzelnen bedeuten würden, wenn das Rentensystme auf dem heutigen Stand bleiben würde. Hier wurde nur ein früherer Renteneintritt (vermutlich ohne Abschläge) gefordert und nicht auch noch mehr Geld für die in dieser verkürzten Zeit erhaltenen Rentenpunkte.

Wenn der Handwerker (Sanitär) derzeit als Geselle selbst im oberen Bereich nur 44.410 € verdient, ein Meister auch nur auf 53.600 € kommt und man derzeit für 43.142€/Jahr einen Rentenpunkt bekommt, dann sind das für einen lebenslangen Gesellen 1,03 RP/Jahr und für einen Meister 1,24 RP/Jahr.

Das ergibt nach 40 Jahren (nach 45 Jahre darf er heute schon frühzeitig ohne Abzüge in Rente) 41,2 RP btw. 49,6 RP, und damit eine abschlagsfreie Rente von 1549€ brutto/1240€ netto bzw. 1896€ brutto/1460€ netto.

Alles bezogen auf heutige Kaufkraft und damit unter der Anahme, dass sich Löhne und Renten immer mit der Kaufkraft steigern.

Wo dabei der Anreiz für junge Leute sein sollte, heute eine Lehre im Handwerk zu beginnen, weil sie dann mit diesen Beträgen z.B. schon mit 60 anstatt mit 65 in Rente gehen dürfen, wüsste ich nicht.

Da macht es als Anreiz viel mehr Sinn, den Leuten genügend Geld zu geben, damit sie nicht nur die Rentenabschläge bei früherer Rente finanzieren können, sondern auch noch zusätzlich die Rentenlücke schließen können.
 
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