6/6 Patriot Ignite SSD im Test : 960 Gigabyte in Benchmarks schneller als in der Praxis

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Fazit

Benchmarks top – Praxis flop. Überspitzt formuliert lässt sich die in vielen Messungen ermittelte Leistung der Patriot Ignite mit 960 GB so zusammenfassen. Die versprochenen hohen Transferraten werden in Benchmarks durchaus erzielt. Im praktischen Einsatz findet sich das Patriot-Laufwerk jedoch oft auf den hinteren Plätzen wieder. Die Leistungsaufnahme ist zum Teil sehr hoch und auch im Leerlauf keine Auszeichnung für ein ideales Notebook-Modell.

Patriot Ignite SSD 960 GB im Test
Patriot Ignite SSD 960 GB im Test

Ohne Zusatzfunktionen wie Verschlüsselung und DeviceSleep und ohne Zubehör schwinden angesichts des Preises von rund 340 Euro die Argumente für die 960-GB-SSD von Patriot. Gleichwertige und schnellere, besser ausgestattete SSDs mit einem Terabyte Speicherplatz gibt es bereits zu Preisen von 300 Euro oder darunter. Die Crucial BX100 ist mit aktuell 270 Euro der Tipp für Sparfüchse. Für 30 Euro mehr ist die Samsung 850 Evo mit 5 Jahren Garantie und Hardware-Verschlüsselung zu haben. Beide schnitten in der Praxis besser ab als die Patriot Ignite.

Patriot Memory Ignite SSD (960 GB)
Produktgruppe Solid State Drives, 05.01.2016
  • Hohe Leistung in Benchmarks
  • Viel Speicherplatz
  • 4K-Rekordwerte nur bei Komprimierung
  • In der Praxis langsam
  • Insgesamt hohe Leistungsaufnahme

Update 05.01.2016 12:49 Uhr  Forum »

Probleme mit Patriots SSD-Toolbox verhinderten, dass die Ignite SSD gleich mit der aktuellen Firmware getestet werden konnte. Nachdem die Probleme behoben wurden, hat die Redaktion die Ignite SSD erneut getestet. Ändert sich mit der neuen Firmware SAFM01.7 auch die Leistung?

Leistungsrating Firmware
Angaben in Prozent
    • Patriot Ignite 960 GB (SAFM01.3)
      100
    • Patriot Ignite 960 GB (SAFM01.7)
      96

Die Antwort lautet weitgehend nein, jedoch mit einer Ausnahme: Im Storage-Test des PCMark 8 schneidet die Patriot Ignite 960 GB mit der neuen Firmware deutlich schlechter ab. Die Durchsatzrate ist mit nur noch 133 MB/s gut 40 Prozent langsamer. Die Ursache ist unklar, jedoch war das Ergebnis reproduzierbar.

Unmittelbar nach dem Test fielen auch Ergebnisse mit dem AS SSD Benchmark deutlich niedriger aus. Erst nach manueller Ausführung des TRIM-Befehls und einer gewissen Leerlaufzeit erreichte die SSD wieder die Ausgangsleistung.

128 GB statt 960 GB nach falscher Ausführung des Firmware-Updates
128 GB statt 960 GB nach falscher Ausführung des Firmware-Updates

Zum Firmware-Upgrade mit dem SSD-Tool von Patriot sind noch einige Worte zu verlieren. Zwar klappte es mit der aktuellen Version problemlos, jedoch ist dabei der Hinweis „power cycle the drive“ zwingend zu beachten!

Wird wie bei vielen Tools üblich lediglich ein einfacher Neustart nach dem Herunterladen und Aufspielen der Firmware durchgeführt, führte dies bei der Patriot Ignite dazu, dass sich die 960-GB-SSD in ein Modell mit 128 GB „verwandelte“. Ein Screenshot zeigt die reduzierte Nutzkapazität. Das Firmware-Upgrade war somit fehlerhaft. Dies ist nur ein Hinweis, dass die Anweisungen des Tools strikt zu befolgen sind und keinerlei Kritik.

Firmware-Upgrade erfolgreich
Firmware-Upgrade erfolgreich

Ein erneuter Versuch, bei dem das System vor dem Neustart zunächst heruntergefahren wurde, lieferte das gewünschte Ergebnis. Beim Herunterfahren wird die Stromzufuhr von der SSD gekappt, womit die Power-Cycle-Methode Wirkung zeigt.

Die Oberfläche der SATA-Toolbox von Patriot wirkt im Vergleich zu anderen Tools zunächst spartanisch, doch werden mit Firmware-Upgrade, TRIM, Secure Erase und S.M.A.R.T.-Anzeige die wichtigsten Funktionen zur Verfügung gestellt. Unschön ist der Umstand, dass augenscheinlich keine Prüfung der Firmware-Version erfolgt. Beim Klick auf „Firmware Upgrade“ geschieht dieses unmittelbar, auch wenn die SSD bereits die aktuelle Firmware besitzt. Im Versuch wurde die gleiche Firmware dreimal hintereinander aufgespielt, ohne dass eine Meldung des Tools dies verhinderte.

Patriot SATA Toolbox

Eine weiterer Fehler der amüsanten Art ließ sich nicht reproduzieren: Einmalig zeigte die Toolbox die Kapazität der 960-GB-SSD mit 2.199 GB an – zur Enttäuschung des Anwenders entspricht dies nicht der Realität.

Auch wenn die schwerwiegenden Probleme mit dem SSD-Tool von Patriot behoben wurden, hinterlässt die Software keinen ausgereiften Eindruck. Vor dem Hintergrund, dass die Leistung mit der neuen Firmware eher schlechter als besser ausfällt, sollten Anwender einen Bogen um das Tool machen.

Nachtrag vom 6. Januar 2016: Nach Rücksprache mit dem Hersteller hat Patriot Memory Verbesserungen der Toolbox in Aussicht gestellt. Zudem arbeite man an einem Tool, um die von einem zuvor fehlerhaften Firmware-Upgrade außer Gefecht gesetzten SSDs wieder nutzbar zu machen.

Eine Erklärung für die schlechtere Leistung im PCMark 8 mit der neuen Firmware hatte der Hersteller nicht. Ein angesprochenes Secure Erase zur Wiederherstellung der SSD-Leistung war vor dem Nachtest durchgeführt worden.

Die Veränderungen gegenüber der Firmware 1.3 werden wie folgt benannt:

  • improve wear leveling efficiency
  • modify secure erase flow
  • update smart function - PHY error count
  • added new nand support (different brand and rev)
Auslesefehler: 2,2 TB hat die Ignite 960 GB eigentlich nicht
Auslesefehler: 2,2 TB hat die Ignite 960 GB eigentlich nicht

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