Crimson ReLive im Test: AMDs Treiber wird schneller, chillt und streamt 2/5

Wolfgang Andermahr 352 Kommentare

ReLive geht in Konkurrenz zu GeForce Experience

Für AMD das Highlight des Crimson ReLive ist das namensgebende Feature „ReLive“, mit dem der Hersteller in Konkurrenz zu Nvidias GeForce Experience beziehungsweise dessen Shadow Play gehen wird. Auch mit ReLive können Spieler Screenshots in Spielen erstellen oder Videos aufnehmen und diese auf Plattformen wie YouTube oder Twitch.tv teilen – auf Wunsch auch live. ReLive ersetzt das alte, extern entwickelte Tool Raptr, mit dem AMD jedoch in mehrerer Hinsicht nicht zufrieden gewesen ist. ReLive ist eine komplette Eigenentwicklung.

ReLive muss optional installiert werden

Wer ReLive nicht nutzen möchte, muss es gar nicht erst installieren. In Radeon Settings gibt es dann zwar trotzdem den ReLive-Reiter, doch der ist dann nur mit dem Hinweis versehen, dass das Feature nicht installiert ist. Wer sich nachträglich umentscheidet, kann ReLive in diesem Menüpunkt separat installieren und muss nicht die komplette Treiberinstallation wiederholen. ReLive benötigt für den vollen Funktionsumfang keinerlei Registrierung. Allerdings sind bei Bedarf Konten bei den entsprechenden Videodiensten wie YouTube oder Twitch notwendig.

Wie Chill ist auch ReLive standardmäßig abgeschaltet. Wer die Funktion aktiviert, erhält mehrere Reiter und Einstellungsmöglichkeiten. Im globalen Reiter lassen sich unter anderem Speicherort und diverse Hotkeys konfigurieren. Die drei anderen Reiter sind dann deutlich interessanter und hinter diesen verstecken sich auch die eigentlichen Möglichkeiten.

Auflösung, Framerate, Codec und Bitrate können konfiguriert werden

Unter „Aufzeichnen“ findet der Spieler alle benötigten Optionen, um die Qualität von Videoaufnahmen festzulegen. Darunter befinden sich ein allgemeines Qualitätsprofil, die genutzte Auflösung (bis hinauf zu Ultra HD), die Bitrate (von 1 Mbps bis zu 50 Mbps), die Framerate (30 FPS oder 60 FPS), der Codec (H.264 oder H.265) sowie die Audio-Bitrate (32 Kbit/s bis 320 Kbit/s). Hinter dem Punkt „Sofortige Wiedergabe“ versteckt sich die Möglichkeit, ohne Tastendruck immer die letzten 15 Sekunden bis 20 Minuten vom Spiel aufzunehmen und auf Tastendruck zu speichern. Auch der Windows-Desktop lässt sich aufzeichnen.

Im Reiter „Streaming“ ist dann der Name Programm. Neben Twitch lässt sich ReLive auch direkt mit YouTube verbinden. Alternativ lässt sich auch ein benutzerdefinierter Stream nutzen. Es lassen sich vier vorgefertigte Qualitäts-Presets einstellen. Alternativ kann separat die Auflösung von 360p hinauf zu 1.440p eingestellt werden. Die Bitrate kann zwischen 1 Mbps und 10 Mbps, die Framerate auf 30 FPS oder 60 FPS und die Audio-Bitraten zwischen 32 Kbit/s und 192 Kbit/s gewählt werden. Optional kann man den Stream zusätzlich lokal auf der Festplatte speichern.

Videos können erweitert werden

Der letzte Reiter „Überlagerung“ ermöglicht es, im Video oder im Stream Systeminformationen einzublenden. Auch lässt sich eine angeschlossene Kamera hinzuschalten. Diese lässt sich in Größe und auch Position anpassen. Genauso lässt sich auch dauerhaft ein Benutzerbild einblenden.

AMD wirbt damit, dass ReLive kaum Auswirkungen auf das eigentliche Spielen habe. Dem Hersteller zufolge soll die Framerate je nach Spiel zwischen nur drei und vier Prozent geringer ausfallen.

Je nach GPU stehen andere Auflösungen und Frameraten zur Verfügung

Sämtliche Video-Features in ReLive werden mit Hilfe der VCE-Hardware-Einheit in der GPU beschleunigt. Damit kann nicht jede GPU mit jeder Auflösung, jedem Codec oder jeder Framerate umgehen. So sind nur die Polaris-GPUs dazu in der Lage, den H.265-Codec zu nutzen. Andersherum kann dagegen nur Fiji in 2.560 × 1.440 noch mit 60 FPS aufnehmen.

Update: Anders als bis jetzt berichtet, können ebenso Radeon-Karten mit der Tonga- und mit der Hawaii-GPU ReLive benutzen. Welche Auflösungen und Frameraten die GPUs unterstützen, ist bis jetzt aber noch nicht gänzlich geklärt.

Auflösung
Framerate
1.920 × 1.080
30 FPS
1.920 × 1.080
60 FPS
2.560 × 1.440
30 FPS
2.560 × 1.440
60 FPS
3.840 × 2.160
30 FPS
3.840 × 2.160
60 FPS
H.264 (AAC)
Polaris 10/11 Ja Ja Ja Nein Nein Nein
Fiji Ja Ja Ja Ja Ja Nein
Tonga
und Hawaii
Ja ? ? Nein Nein Nein
H.265 (HEVC)
Polaris 10/11 Ja Ja Ja Nein Nein Nein
Fiji Nein Nein Nein Nein Nein Nein
Tonga
und Hawaii
Nein Nein Nein Nein Nein Nein

ReLive und ShadowPlay im Vergleich

ReLive ist im Treiber übersichtlich gehalten und funktioniert gut und einfach. Auch ohne Erfahrung richtet jedermann innerhalb von wenigen Minuten einen eigenen Livestream ein. Die Aufzeichnung von Videos und Screenshots geht genauso einfach von der Hand. Das On-Screen-Menü ist zwar etwas groß geraten, bietet jedoch alle wichtigen Funktionen.

ReLive ist übersichtlicher, Nvidia hat eine bessere Unterstützung

Im Vergleich mit ShadowPlay hat ReLive den Vorteil der deutlich besseren Menüstruktur, denn die Oberfläche von GeForce Experience ist unübersichtlich. Dafür liegt Nvidia bei den unterstützten Grafikkarten, den Auflösungen und den Frameraten deutlich vorne. Jede Pascal- sowie Maxwell-GPU der zweiten Generation kann zum Beispiel Ultra-HD-Videos aufnehmen.

ReLive gegen ShadowPlay im Test

Am wichtigsten ist schlussendlich aber, inwiefern sich die Videos qualitativ unterscheiden. ComputerBase hat es bei gleichen Einstellungen im Spiel Deus Ex: Mankind Divided getestet. Die Testszene zeigt eine Menge Objekte, die im Nebel liegen, und damit ein ziemliches Worst-Case-Szenario für Kompressionsartefakte. Und es lässt sich ziemlich schnell sagen, dass weder die eine noch die andere Lösung qualitativ überlegen ist. Sowohl die AMD- als auch die Nvidia-GPU verarbeiten die Videoaufnahmen sehr ähnlich. Es gibt zwar Unterschiede, doch im Endeffekt keinen Gewinner. Je nach Szene hat mal der eine und mal der andere Hersteller die Nase vorne.

Bei den Bitraten gilt bei beiden: viel hilft viel. 15 Mbps rauschen in Bewegung extrem und erzeugt so keine gute Bildqualität. 30 Mbps lassen die schwerwiegendsten Artefakte verschwinden, haben davon abgesehen aber immer noch mit einer Menge Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein weiteres Stück besser sehen dann 50 Mbps aus, die langsam anfangen klarer zu werden. Noch einmal einen kleinen Schritt vorwärts gehen 50 Mbps mit HEVC (H.265), statt H.264.

Qualitativ gleich gut, aber nicht so hübsch wie auf der CPU

Der Nebel der Testsequenz bereitet sowohl ReLive als auch ShadowPlay große Schwierigkeiten, die Videos wirken in Gänze matt. Ein vom HDMI-Kabel abgegriffenes Elgato-Video lässt das Milchige verschwinden und zeigt, dass sowohl AMDs als auch Nvidias Videoeinheiten auf den GPUs zwar extrem schnell und effizient sind, aber qualitativ nicht an eine reine Software-Lösung herankommen. In anderen Spielen beziehungsweise Testszenen ist der Unterschied zwar kleiner, verschwindet aber nie.

Beim Streamen bleibt ShadowPlay vorerst besser

Mit Nvidias GeForce Experience lässt es sich schnell und einfach auf YouTube oder Twitch streamen. Diesbezüglich schließt AMD mit ReLive nun auf. Beide Varianten sind bei gleicher Bitrate qualitativ gleich gut unterwegs.

Da AMD derzeit jedoch nur 10 Mbps erlaubt, Nvidia währenddessen aber 18 Mbps, ist die Streaming-Qualität mit GeForce auf Wunsch besser. Allerdings benötigt es dafür auch einen sehr schnellen Upload, den in Deutschland nur die wenigsten haben.

Der Leistungseinbruch ist gering

Sowohl ReLive als auch ShadowPlay kosten auf einer Radeon RX 480 beziehungsweise auf einer GeForce GTX 1060 kaum Performance. Die Grafikkarte von AMD verliert durch das Aufnehmen eines Videos in Deus Ex: Mankind Divided gerade einmal drei Prozent an Geschwindigkeit. Bei Nvidia beträgt der Verlust kaum höhere vier Prozent. Das ist mess-, aber nicht spürbar. Und nicht nur die Frameraten, auch die Frametimes bleiben einwandfrei.

AMD ReLive – Deus Ex: Manind Divided
    • GTX 1060 – ShadowPlay aus
      67,6
    • RX 480 – ReLive aus
      65,7
    • GTX 1060 – ShadowPlay ein
      65,0
    • RX 480 – ReLive ein
      63,6

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