Offener Brief an Microsoft: „Hört auf, den Standard-Browser zu stehlen.“

Jan-Frederik Timm 227 Kommentare
Offener Brief an Microsoft: „Hört auf, den Standard-Browser zu stehlen.“
Bild: Vivaldi

Die Macher hinter dem von Opera-Mitarbeitern auf Basis von Google Chromium entwickelten Browser Vivaldi fordern Microsoft in einem offenen Brief dazu auf, die weiterhin anhaltende Bevorzugung des Browsers Edge in Windows 10 einzustellen. „Hört auf, den Standard-Browser zu stehlen“, lautet der zentrale Vorwurf.

Bekanntes Problem in verschärfter Form

Die Kritik ist nicht neu, die Mozilla Foundation hatte schon Tage nach der Veröffentlichung von Windows 10 im Juli 2015 harsche Kritik an Microsofts Geschäftsgebaren geübt. Damals war allerdings lediglich der angepasste Prozess, über den Anwender den Standard-Browser in Windows 10 festlegen können, die Grundlage für die Beschwerde. In Windows 10 ist es alternativen Browsern nicht mehr gestattet, beim Start über einen Dialog direkt als Standard-Browser ausgewählt zu werden, stattdessen werden Anwender in die Einstellungen des Betriebssystems weitergeleitet und müssen dort eine Auswahl treffen.

Anderthalb Jahre später hat sich allerdings eine weitere Hürde für alternative Anbieter herausgestellt: Mit jedem größeren Update setzt Microsoft die vom Anwender vorgenommene Wahl zurück, so dass Edge erneut als Standard-Browser ausgewählt ist. Für einen relativ neuen Browser in der Nische, wie es Vivaldi noch ist, ist das ein besonders großes Problem. Anwender setzen diese Variante nicht schon seit Jahren ein und könnten den Testeinsatz über den Schritt zurück auf Edge nicht wieder aufnehmen.

Das Problem ist größer, als es scheint

Ein Blick auf die weltweite Verbreitung von Edge lässt das Problem zuerst klein erscheinen, aber das täuscht. Edge kommt zwar erst auf fünf Prozent der von NetMarketShare erfassten Systeme zum Einsatz, das muss allerdings in Relation zur Verbreitung von Windows 10 gestellt werden, und die liegt weltweit erst bei 19 Prozent. Weil Edge nur für Windows 10 zu Verfügung steht, beträgt dessen Marktanteil auf dieser Plattform also bereits über 25 Prozent. Der alte Internet Explorer kommt Systemübergreifend nur auf 20 Prozent Marktanteil.

Je informierter der Anwender, desto kleiner der Einfluss der von Microsoft installierten Maßnahmen: Auf ComputerBase nutzen zwar 40 Prozent der Leser Windows 10, aber nur neun Prozent den Internet Explorer oder Edge. Vivaldi streicht hingegen explizit die Wirkung der Hürden auf weniger informierte Anwender heraus.