Honor 6X im Test: Dual-Kamera und 16-nm-SoC für 250 Euro

Mahir Kulalic 54 Kommentare
Honor 6X im Test: Dual-Kamera und 16-nm-SoC für 250 Euro

Das Honor 6X soll erneut viel Smartphone für wenig Geld bieten. Für 250 Euro gibt es im neuen Mittelklasse-Modell und Nachfolger des 5X eine Dual-Kamera und ein 16-nm-SoC mit acht Kernen. Doch der Test zeigt, dass der Hersteller an anderer Stelle zu viel gespart hat.

Honor 6X als Nachfolger des 5X

Auf der CES 2017 hat Honor das im Vorfeld nur in China verfügbare 6X auch für internationale Märkte angekündigt. Der Nachfolger des Honor 5X (Test) setzt nicht nur auf modernere Hardware, sondern bringt auch eine Dual-Kamera in günstigere Preisbereiche. Auch mit dem neuen Modell verfolgt Huaweis Marke das Ziel von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Preis und Leistung. Im Test zeigt das Modell eine solide Kamera, eine gute Akkulaufzeit, aber Schwächen beim Display.

Das Design erinnert an den Vorgänger
Das Design erinnert an den Vorgänger

Spezifikationen

Zwar ist das Honor 6X nach wie vor in der Mittelklasse angesiedelt, macht im Vergleich zum Vorgänger 5X aber einige Schritte nach vorne. Dies zeigt sich beispielsweise am verbauten System on a Chip (SoC): Der Kirin 655 wird in 16 nm gefertigt und stammt aus eigener Entwicklung. Das SoC verdrängt an dieser Stelle Qualcomm, die mit dem Snapdragon 616 noch im 5X vertreten waren.

Auch beim Speicher hat der Hersteller Hand angelegt, mindestens 1 GByte mehr RAM und 16 GByte mehr interner Speicher stecken im neuen Smartphone. Das Modell im Test hat 3 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte internen Speicher, die Premiumvariante bietet 4/64 GByte. Im Vergleich zum 5X gibt es zudem einen um über zehn Prozent größeren Akku sowie schnelleres LTE.

Außerdem verfügt das 6X über eine Dual-Kamera, die sich sonst im Portfolio der Huawei-Marke erst in dem teureren Honor 8 (Test) finden lässt. Wenngleich die Anzahl der Kameras nun identisch ist, sind es der Funktionsumfang und die Auflösung des zweiten Sensors aber nicht.

Honor 6X
Honor 5X
Lenovo Moto G4 Plus
Huawei P8 Lite 2017 (Dual-SIM)
Software:
(bei Erscheinen)
Android 6.0 Android 5.1 Android 6.0 Android 7.0
Display: 5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
LTPS
5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
IPS
5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
IPS, Gorilla Glass
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
LTPS
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor
Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
Touch
Fingerabdrucksensor
Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: HiSilicon Kirin 655
4 × Cortex-A53, 2,10 GHz
4 × Cortex-A53, 1,70 GHz
16 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 616
8 × Cortex-A53, 1,50 GHz
28 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 617
8 × Cortex-A53, 1,50 GHz
28 nm, 64-Bit
HiSilicon Kirin 655
4 × Cortex-A53, 2,10 GHz
4 × Cortex-A53, 1,70 GHz
16 nm, 64-Bit
GPU: Mali-T830 MP2 Adreno 405
400 MHz
Adreno 405
550 MHz
Mali-T830 MP2
900 MHz
RAM:
3.072 MB
Variante
4.096 MB
2.048 MB
LPDDR3
2.048 MB
LPDDR3
Variante
4.096 MB
LPDDR3
3.072 MB
LPDDR3
Speicher: 32 / 64 GB (+microSD) 16 GB (+microSD) 16 / 32 / 64 GB (+microSD) 16 GB (+microSD)
Kamera: 12,0 MP, 1080p
LED, AF
13,0 MP, 1080p
Dual-LED, f/2,0, AF
16,0 MP, 1080p
LED, f/2,0, AF
12,0 MP, 1080p
LED, f/2,2, AF
Sekundär-Kamera: 2,0 MP Nein
Frontkamera: 8,0 MP 5,0 MP, 720p
f/2,4, AF
5,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
8,0 MP, 1080p
f/2,0
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: Ja
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Ja
↓300 ↑50 Mbit/s
Ja
↓150 ↑50 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 b/g/n 802.11 b/g/n
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 b/g/n
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 4.1 4.2 LE 4.1
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou A-GPS, GLONASS A-GPS, GLONASS, BeiDou A-GPS, GLONASS
Weitere Standards: Micro-USB 2.0 Micro-USB 2.0, NFC Micro-USB 2.0 Micro-USB 2.0, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM Micro-SIM, Dual-SIM Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 3.340 mAh
fest verbaut
3.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 76,2 × 150,9 × 8,20 mm 76,3 × 151,3 × 8,20 mm 76,2 × 153,0 × 9,80 mm 72,9 × 147,2 × 7,60 mm
Schutzart:
Gewicht: 162 g 158 g 155 g 147 g
Preis: ab 220 € / – / 299 € ab 214 € ab 181 € / 299 € / 344 € ab 199 €

Dem Vorgänger ähnlich

Optisch zeigt sich das Smartphone zurückhaltend und unaufgeregt, Formsprache und Materialwahl erinnern an den Vorgänger. Auffällig ist auf den ersten Blick nur die zweite Kamera. Die Rückseite besteht aus Aluminium und wird am oberen und unteren Ende von Kunststoff unterbrochen, um den Empfang zu gewährleisten. Die Ränder sind abgerundet und gehen sauber in die Glasfront über, die an allen Rändern ebenfalls leicht gewölbt ist. Hierdurch wirkt das Smartphone noch einen Tick schlanker.

Durch die sanften Rundungen liegt das Smartphone zudem sehr gut in der Hand, auch wenn das glatte Aluminium nicht ganz rutschfest ist. Die Verarbeitung des 6X überzeugt durch minimale und gleichmäßige Spaltmaße und sauber ausgearbeitete Öffnungen. Alles sitzt fest an seinem Platz und das Gehäuse ist verwindungssteif und knarzt auch bei leichtem Druck nicht. Der Farbton der Kunststoffkappen entspricht nicht dem des Aluminiums und bricht ein wenig mit dem Design.

Gute Verarbeitung, unaufgeregtes Design

Die Kamera steht leicht ab, sodass das Smartphone auf flachen Untergründen kippelt, besonders auffällig ist dies aber nur am Rand. Unter der Kamera platziert Honor wie beim 5X einen kreisrunden Fingerabdrucksensor, die Knöpfe sind alle auf der rechten Seite untergebracht. Der Druckpunkt ist etwas hart und benötigt eine kurze Eingewöhnung. Gegenüber den Knöpfen ist der Schacht für SIM- und/oder Speicherkarte, der bündig mit dem Rahmen abschließt.

Wie auch beim 5X vor rund einem Jahr fällt das Fazit zur Verarbeitung ähnlich aus: Das 6X ist nicht so luxuriös wie ein Mate 9 oder P9, leistet sich aber in Anbetracht des deutlich erschwinglicheren Preises keine Schwächen.

Blasses Full-HD-Display

Analog zum Vorgänger misst auch das Display des 6X 5,5 Zoll in der Diagonalen und löst mit 1.080 × 1.920 Pixeln auf. Damit kommt das Smartphone auf eine Bildpunktdichte von 401 ppi, die im Alltag für eine scharfe Darstellung sorgt und auch der Preisklasse absolut angemessen ist.

Wenig überzeugend sind aber die Messwerte und die Farbdarstellung des Bildschirms: Die maximale Helligkeit ist mit 493 cd/m² angenehm hell, der Kontrast mit 986:1 aufgrund des hohen Schwarzwertes aber schwach. Zudem wirkt auch die Farbdarstellung vergleichsweise blass. Die Blickwinkel sind nicht ganz stabil, Inhalte verblassen bei seitlicher Betrachtung. Mit einem Weißpunkt von ca. 7.500 Kelvin wirkt die Darstellung zudem kühl.

Insgesamt erscheint das Display eher wie eine Sparmaßnahme, was aber insbesondere im Vergleich zu anderen Honor-Modellen wie dem Vorgänger 5X und dem 50 Euro günstigeren 5C verwundert. Beide Modelle können in den Messungen vorbeiziehen.

Modernes SoC für die Mittelklasse

Der Kirin 655 im 6X erinnert an den 650 aus dem kleineren Honor 5C (Test), bietet im Direktvergleich aber vor allen Dingen 100 Megahertz mehr Takt. Insgesamt stehen acht Cortex-A53-Kerne in zwei Vierer-Clustern zur Verfügung. Das Performance-Cluster taktet mit maximal 2,1 GHz, das stromsparende Pendant mit maximal 1,7 GHz. In der getesteten Version stehen dem SoC zusätzlich 3 GByte RAM und 32 GByte Nutzerspeicher zur Verfügung. Zu einem späteren Zeitpunkt kommt zudem auch eine Variante mit 4 GByte RAM sowie 64 GByte Speicher für 299 Euro auf den Markt. Als GPU kommt eine ARM Mali-T8360 MP2 zum Einsatz.

Während das 5X noch gelegentlich zu Rucklern neigte, läuft der Nachfolger geschmeidig und flüssig durch den Alltag. Zwar stellt das Smartphone erwartungsgemäß keine Benchmark-Rekorde auf, doch für einen flüssigen Alltagsbetrieb mit gängigen Apps und auch für Spiele in niedrigeren Einstellungen genügt die Leistung. Apps und Webseiten öffnen sich nach kurzen Ladezeiten, lange Denkpausen legt das 6X nicht ein. Wirklich auffällig werden die Unterschiede erst im Direktvergleich mit einem schnelleren Smartphone.

In synthetischen Messungen zeigt sich ein zu erwartendes Bild, denn das 6X kann vor allem unter Einbezug aller acht Kerne die höchsten Werte erzielen. Die Single-Core-Leistung der Cortex-A53-Kerne ist überschaubar und auf dem Niveau der vergleichbar ausgestatteten Konkurrenz wie beispielsweise dem Moto G4 Plus (Test).

Altes Android, alte Oberfläche

Ausgeliefert wird das Honor 6X wie vom Hersteller gewohnt mit Android und der eigenen Oberfläche EMUI. Anders als beim Mate 9 (Test) oder Huawei P8 Lite 2017 sind beide Versionen aber bereits mit dem Marktstart veraltet. Installiert sind Android 6.0.1 Marshmallow und die EMUI 4.1, die aktuelle Version der eigenen Oberfläche ist Version 5. Mit Oktober 2016 ist auch der Sicherheits-Patch veraltet. Eine Aktualisierung auf Android 7.0 inklusive neuer EMUI hat Honor anfangs für das zweite Quartal angekündigt, mittlerweile ist von März die Rede.

Homescreen und Benachrichtigungen
Homescreen und Benachrichtigungen

Wie von anderen Modellen von Huawei und Honor bekannt, zeigt sich die Oberfläche bunt und funktionell erweitert. Die Optik lässt sich über Themen anpassen, auch die Knopfreihe kann verändert und um eine Taste für die Benachrichtigungen ergänzt werden. Anders als bei der neuen EMUI 5 fehlt der Oberfläche aber der optionale App-Drawer, sodass sich alle Apps auf dem 6X derzeit auf den Startbildschirmen und in Ordnern verteilen. Ein weiterer Unterschied zur neuen Version ist die noch vorhandene Trennung zwischen Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen auf zwei Seiten, die an ältere Versionen von Xiaomis MIUI erinnert.

Erneut liefert Huawei einige Apps und Spiele mit, die Speicherplatz kosten. Ab Werk stehen dem Nutzer rund 22,5 der 32 GByte Speicher zur Verfügung. Immerhin können die mitgelieferten Drittanbieter-Apps vom Anwender deinstalliert werden. Davon abgesehen ist die Anzahl an Apps überschaubar und oftmals, mit fragwürdig hilfreichen Ausnahmen wie einem Spiegel, auch sinnvoll. Die Google-Tastatur ersetzt Honor standardmäßig durch Swype.

Fingerabdrucksensor
Fingerabdrucksensor

Wie beim Vorgänger befindet sich auf der Rückseite ein Fingerabdrucksensor. Wie bei den anderen Modellen aus dem Hause Huawei und Honor kann dieser nicht nur zum Entsperren des Smartphones, sondern auch für Gestensteuerung genutzt werden. Per Wischgeste können somit die Benachrichtigungen oder Fotos durchgeblättert werden, auch die Annahme von Telefonaten oder das Beenden eines Weckers ist durch Auflegen des Fingers möglich. Die Erkennung der Finger funktioniert zuverlässig und schnell, wenngleich nicht mit dem Tempo von Honor 8 oder Huawei Mate 9.

Alles in allem erweitert die EMUI das 6X um einige sinnvolle Funktionen, vor allem der Fingerabdrucksensor ist vielfältig einsetzbar und zuverlässig. Zudem steht mit der EMUI 5 eine nochmals verbesserte und übersichtlichere Oberfläche an, die aber noch auf sich warten lässt. Erst dann wird auch das veraltete Android auf die neue Version 7.0 Nougat gehievt.

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