Valve Steam Direct: Greenlight-Nachfolger ersetzt Kuratierung durch Gebühr

Max Doll 57 Kommentare
Valve Steam Direct: Greenlight-Nachfolger ersetzt Kuratierung durch Gebühr
Bild: Valve

Valve wird das oft kritisierte Greenlight-Programm noch im Frühjahr durch Steam Direct ersetzen. Das Unternehmen will damit eine Barriere zwischen Kunden und Entwicklern entfernen und wird den Shop dazu völlig öffnen: Veröffentlichen darf mit Direct jeder Entwickler, der eine Gebühr bezahlt.

Auch Steam Direct richtet sich an Indie-Entwickler

Eingeführt wurde Greenlight, um Indie-Entwicklern die Möglichkeit zu geben, ihre Spiele selbst und ohne Publisher zu veröffentlichen. Der Gedanke war einfach: Entwickler konnten ihr Projekt der Steam-Community gegen eine Gebühr von zuletzt 100 US-Dollar präsentieren. Fanden sich genug Nutzer, die für eine Veröffentlichung gestimmt haben, wurde das Spiel in das Angebot des Shops aufgenommen. Der Flut an Spielen und der Flut an schlechten Spielen bis hin zu einfachen „Asset Flips“, Titeln, die Standard-Bauelemente und Szenarien von Spiele-Engines als eigene Leistung verkaufen, konnte das jedoch nicht Einhalt gebieten. Entwickler beklagten sich zudem über die Gefahr, mit einem Projekt in der Masse völlig unterzugehen.

Kuratierung gibt es nicht mehr

Die Lösung für dieses Problem heißt für Valve Steam Direct. Das gegenüber ausgesuchten Publikationen in größerem Detail vorgestellte Programm bedeutet nichts anderes als die fast ersatzlose Abschaffung von Greenlight. Das solle die derzeitige Barriere zwischen Entwicklern und Kunden einerseits und die Unsicherheit über eine Veröffentlichung und ihren Zeitpunkt andererseits eliminieren, berichtet unter anderem Eurogamer. Das Anbieten von Spielen soll künftig mit Direct wesentlich berechenbarer werden.

Qualität ist künftig subjektiv

Für Valve hat das System zudem den Vorteil, dass die Notwendigkeit zum Kuratieren von Inhalten, das aufgrund der gigantischen Flut neuer Titel kaum mehr möglich ist, entfällt. Die Gefahr einer noch größeren Anzahl qualitativ, sowohl inhaltlich als auch technisch schlechter Spiele sieht das Unternehmen nicht: Qualität sei subjektiv, gut und schlecht als allgemein gültige Bewertung quasi nicht möglich. Als Beispiel nannte Valve das Genre der Visual Novels, das nur für eine eingeschränkte Anzahl Menschen Relevanz besitze. Direct soll auch hier dafür sorgen, dass Kunden auch die Spiele in großer Auswahl zur Verfügung stehen, die sie suchen und mögen.

Once set up, developers will pay a recoupable application fee for each new title they wish to distribute, which is intended to decrease the noise in the submission pipeline.

Valve

Eine Gebühr als Schutz vor Schrott

Künftig können Indie-Entwickler sich einfach bei Steam für Direct registrieren, der Prozess soll der Einrichtung eines Bankkontos ähneln. Anschließend wird für jede einzelne Veröffentlichung eine eigene Gebühr verlangt, die allerdings mit den 30 Prozent Anteil des Verkaufspreises, den Valve als Prämie einbehält, verrechnet werden kann, schreibt das Unternehmen im Steam-Blog.

Wie hoch die Gebühr ausfallen wird, hat Valve noch nicht festgelegt; im Gespräch sind Summen zwischen 100 und 5.000 US-Dollar. Der verlangte Betrag soll einerseits für klamme Indie-Entwickler bezahlbar bleiben, andererseits aber das Anbieten schnell zusammengesteckter Ramschware sowie von Witz- oder Trollprogrammen unattraktiv gestalten.

Das Angebot an Spielen dürfte weiter wachsen

Eine Kuratierung wird es darüber hinaus nicht mehr geben. Damit wird absehbar, dass das Angebot von Spielen im Store noch stärker wachsen wird – alleine im vergangenen Jahr wurden 38 Prozent aller insgesamt auf Steam geführten Titel veröffentlicht. Für Entwickler verschiebt sich das Problem also zuvorderst: Statt auf Greenlight gesehen zu werden geht es künftig darum, wie etwa im Play Store von Google in der Masse unzähliger Anwendungen gesehen zu werden.