Mining mit Grafikkarten: Ethereum schürfen im Selbstversuch 2/3

Johannes Kneussel et al. 478 Kommentare

Lohnt sich Mining für Privatpersonen?

Mit welcher Leistung gemessen in Mega-Hashes pro Sekunde (MH/s) bei welchem Stromverbrauch Besitzer ausgewählter Grafikkarten rechnen können, ist geklärt. Die Frage, die bleibt, ist: Lohnt es sich, einzusteigen? Das soll in diesem Abschnitt hauptsächlich auf Basis der Abwägung von finanziellen Kosten und Erträgen für die Währung Ether bewertet werden. Aber es gibt auch weitere Faktoren, die es zu bedenken gilt.

Die Kosten

Ein wichtiger Faktor für die eigene Berechnung, ob sich Mining lohnt, ist natürlich der Strompreis. In Deutschland liegt er recht hoch und wird zukünftig aller Voraussicht nach weiter steigen. Der Preis für eine Kilowattstunde beläuft sich aktuell auf knapp 30 Cent. In der Regel kennen Verbraucher ihren Strompreis und wissen, wie lange er auf diesem Niveau mindestens bleibt. Der Verbrauch des Rechners wird zur Berechnung der Kosten durch 1.000 geteilt, um Kilowattstunden zu erhalten, und mit dem Strompreis pro Kilowattstunde sowie der geplanten Laufzeit in Stunden multipliziert.

Ohne Taktanpassungen zieht das System mit drei Mal Polaris 640 Watt
Ohne Taktanpassungen zieht das System mit drei Mal Polaris 640 Watt

Es gibt weitere Kosten neben den Stromkosten

Würde man als Kosten für ein Fahrzeug lediglich eine Pauschale pro gefahrenem Kilometer berechnen, müsste man wohl von einer Milchmädchenrechnung sprechen. Natürlich stehen außerdem die Kosten für eine Neuanschaffung an. Teile des Autos verschleißen, und nach einer gewissen Zeit muss es gewartet werden.

Ähnlich ist es auch bei PC-Hardware. Zwar gibt es hier – von Lüftern und HDDs einmal abgesehen – weniger sich bewegende Teile, aber eine andauernde Vollauslastung führt schneller zum Defekt als der Leerlauf. Und möchte man sich eine Grafikkarte speziell zum Mining kaufen, sind deren Kosten zu 100 Prozent für diesen Zweck anzusetzen und müssen sich erst einmal rentieren.

Die Erträge

Bitcoin und Ethereum unterliegen starken Kursschwankungen. Die vom Markt initiierte Nachfrage, die Entwicklung der Netzwerke in Sachen Rechenleistung und Schwierigkeit der Berechnung, aber auch Spekulanten sorgen dafür, dass der tatsächliche Wert einer Kryptowährungseinheit für einen bestimmten Zeitraum wie bei einer regulären Währung nur schlecht vorhersagbar ist.

Schaut man sich den Wert eines Ether-Tokens im Zeitverlauf an, fällt auf, dass der Wert der Währung seit März 2017 stark angestiegen ist: von etwas über 10 auf teilweise fast 400 US-Dollar. Dies mag Begehrlichkeiten wecken, auch in Deutschland Ethereum zu minen. Man sollte allerdings bedenken, dass die Währung auch genauso schnell wieder an Wert verlieren kann. In der Woche, in der ComputerBase sich mit dem Thema intensiv beschäftigt hat, fiel der Kurs kurzfristig auf bis zu 250 US-Dollar, um dann wieder zu steigen; zur Veröffentlichung lag er bei knapp 290 US-Dollar.

Der Wert von Ethereum lässt sich nur schlecht vorhersagen.
Der Wert von Ethereum lässt sich nur schlecht vorhersagen. (Bild: Coinmarketcap)

Beispielrechnungen zur Profitabilität des Ether-Minings ohne Kenntnis des Kurses von morgen sind nicht sinnvoll. Die nachfolgende Erörterung erfolgt deshalb auf Basis der aktuellen Marktsituation.

Der Gewinn

Das Beispiel zieht das getestete System mit Radeon RX 580 heran, das im auf 900 MHz untertakteten Betrieb mit 23,5 MH/s rechnet und 187 Watt verbraucht. Rechnet das System 24 Stunden am Tag, benötigt der Rechner in einem Monat mit 31 Tagen dafür 139 Kilowattstunden Energie (31 Tage * 24 Stunden/Tag * 0,187 Kilowatt = 139 kWh). Bei einem Strompreis von durchschnittlich knapp 30 Cent pro Kilowattstunde sind 41,70 Euro variable Stromkosten pro Monat die Folge (139 kWh * 30 Cent/kWh). Nicht inbegriffen sind etwaige Anschaffungskosten bzw. die Kosten für die Nutzung/Alterung der Hardware selbst. Dass der Rechner auch sonst genutzt worden wäre, wurde ebenfalls nicht gegengerechnet.

Erträge lassen sich mit Rechnern schätzen

Wie hoch der mit dem System aktuell beim Mining im Pool erzielbare Ertrag ausfallen könnte, lässt sich in Beispielrechnern wie CryptoCompare oder CryptoWizard) abschätzen und den Stromkosten gegenüberstellen. Die Rechner rechnen mit US-Dollar, als Strompreis wurden deshalb 0,34 USD angesetzt. Die Rechner ziehen die aktuelle Leistung der Ethereum-Netzwerke und deren aktuelles Abschneiden beim Minen als Basis für die Berechnung heran.

Resultat: Mit dem genutzten System sollten sich aktuell pro Tag 1,53 US-Dollar oder 1,34 Euro Gewinn erwirtschaften lassen, wenn lediglich die variablen Kosten (Stromverbrauch) herangezogen werden. Das wären, sofern sich der Kurs nicht ändert, 40 Euro im Monat oder 483 Euro im Jahr.

Nicht berücksichtigt werden von den Rechnern, dass Mining-Pools in der Regel ein Prozent des generierten Umsatzes einbehalten. Dazu kommen weitere Gebühren für den Umtausch in Euro und den Transfer auf das eigene Konto.

Wesentlich genauer lässt sich der erwartete Gewinn nicht berechnen, da sich zahlreiche Variablen wie die Dauer zur Erstellung eines neuen Blocks und insbesondere der Wert von Ethereum schnell ändern können. Insgesamt kann man also sagen: Mining mit Ethereum lohnt sich aktuell auch in Deutschland, kurzfristig zu Reichtum kommen Anwender mit wenig GPU-Leistung oder hohen Investitionen in Hardware aber nicht.

Weitere Nachteile

Welcher Idiot hat am Wochenende mein Testsystem laufen lassen?“ Neben den mehr oder weniger einfach quantifizierbaren finanziellen Kosten bringt der Dauerbetrieb unter Volllast auch andere „Kosten“ mit sich. Dazu gehören die potenziell höhere Laustärke des Rechners sowie die Ursache dafür: die von dem System abgegebene Wärme.

Welcher Idiot hat am Wochenende mein Testsystem laufen lassen?

Als die Redaktion ein Wochenende dazu genutzt hat, um die für die Auszahlung erforderlichen 0,2 Ether in kurzer Zeit zu schürfen, wurden vier Systeme über drei Tage dauerhaft betrieben. Ein Rechner mit zwei GeForce GTX 1080 Ti (die maximale Leistung war das einzige Ziel) sowie ein System mit Radeon RX 580 liefen bei geschlossener Tür im Büro von einem Kollegen, der in der Woche zuvor auf Reisen und deshalb unwissend war. Die Fenster waren, weil Unwetter für Berlin vorausgesagt wurden, geschlossen. Resultat: Trotz Außentemperaturen von um die 20 °C betrug die Temperatur im Büro am darauffolgenden Montagmorgen knapp über 30 °C – der typische trockene Geruch warmer Elektronik inklusive.

Rechner mit drei Mal Polaris: Laut, leistungshungrig aber mit fast 70 MH/s sehr schnell
Rechner mit drei Mal Polaris: Laut, leistungshungrig aber mit fast 70 MH/s sehr schnell

Der Zusammenbau eines Rechners, der drei GPUs mit nur einer CPU kombinieren sollte, war darüber hinaus durch zahlreiche Rückschläge gekennzeichnet, die wiederholt auch auf viel zu hohe Temperaturen einzelner GPUs im zu engen Verbund zurückzuführen gewesen sind.

Die Moralfrage: 24/7 Rechner an für diesen Zweck?

Der moralische Aspekt soll an dieser Stelle wiederum nicht erörtert werden. Die Entscheidung, den Rechner 24/7 für ein Mining-Netzwerk laufen oder nicht laufen zu lassen, um Profit zu machen oder dieselbe Rechenleistung einem Forschungsprojekt kostenlos zur Verfügung zu stellen, muss jeder Anwender selber treffen.

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