AMD Ryzen Threadripper im Test: 1950X und 1920X im Duell mit Core X 4/8

Volker Rißka et al. 757 Kommentare

Spiele-Benchmarks in 720p, 1.080p und 2.160p

Die Spiele-Benchmarks setzen auf den zuletzt bereits für Intel Core i9-7900X und i7-7800X (Test) sowie AMD Ryzen 3 (Test) gesetzten Parcours. Als Mainboard für Threadripper kam das Asus ROG X399 Zenith Extreme (BIOS: 0304) zum Einsatz. Als Grafikkarte war die Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix OC (Test) verbaut. Sämtliche Komponenten liefen mit den offiziell vorgesehenen Frequenzen und Einstellungen.

So wurde Ryzen Threadripper in Spielen getestet

ComputerBase hat beide Threadripper-CPUs ohne den Kompatiblitätsmodus getestet, der neben dem Wechsel von UMA auf NUMA beim Speichermanagement die Hälfte der Kerne deaktiviert. Die Auswirkungen aus dem Wechsel von UMA auf NUMA wurden hingegen analysiert. Spiele, die mit allen aktiven Kernen den Dienst verweigerten, gab es im Parcours nur eins: F1 2016 wollte nur auf dem 1920X, nicht aber auf dem 1950X starten. Dieses Spiele wurde als einziges auf dem 1950X im Kompatibilitätsmodus getestet.

Auf Leistungsprobleme, die nur auf „zu viele“ Kerne oder Threads zurückzuführen sein können, wird im Text separat eingegangen. In der Regel ist der von AMD versprochene Leistungszugewinn aus dem Betrieb im Kompatiblitätsmodus allerdings einzig auf den Unterschied im Speichermanagement zurück zu führen. Deshalb wurde darauf auch der Fokus gelegt.

Acht Spiele, drei Auflösungen und jeweils zwei Messwerte pro Prozessor

Als Spiele wurden Battlefield 1 im Multiplayer-Modus, Dawn of War III, F1 2016, Ghost Recon: Wildlands, Prey, Project Cars, Rise of the Tomb Raider sowie Total War: Warhammer genutzt. Alle wurden auf einem mit allen Updates versehenen Windows 10 ausgeführt.

Sämtliche Prozessoren und Speicher wurden in den Auflösungen 1.280 × 720, 1.920 × 1.080 sowie 3.840 × 2.160 bei maximaler Detailstufe unter DirectX 11 getestet. Damit wurden drei verschiedene Lastszenarien (CPU-lastig, ausgeglichen, GPU-lastig) sowie realitätsferne und realitätsnahe Einstellungen getestet. Die Ergebnisse werden als Durchschnitts-FPS sowie als in FPS umgerechnete 99,0th Percentile Frametimes angegeben.

FPS in der Analyse

Die Botschaft ist klar: Wer in Spielen im Durchschnitt die maximale Leistung aus Ryzen Threadripper ziehen will, der sollte Threadripper vom UMA- in den NUMA-Modus versetzen. Sei es gezielt, oder durch den Wechsel in den Legacy Compatibility Mode, der neben der Halbierung der Kerne denselben Zweck bewirkt.

Beide getesteten Prozessoren legen im CPU-Limit dann um ein bis drei Prozent zu und liegen mit Ryzen 7 1800X (1950X) respektive Ryzen 5 1600X (1920X) in etwa gleich auf. Gravierend ist der Unterschied also nicht. Ein Vorteil aus dem höheren Takt bei Last auf maximal vier Kernen ist im Durchschnitt wiederum nicht zu erkennen. Es gibt allerdings auch Spiele, in denen ist das der Fall, wie der Blick auf die einzelnen Titel im weiteren Verlauf zeigt.

Mit einer durchschnittlichen Spieleleistung auf Ryzen-Niveau ordnet sich Ryzen Threadripper damit hinter den schnellsten Kaby-Lake-, Skylake-X- und Broadwell-E-CPUs ein – je höher die Auflösung, desto kleiner der Abstand.

Frametimes in der Analyse

Bei den Frametimes rückt die gesamte AMD-Riege im Vergleich zu den Durchschnitts-FPS etwas näher an die Konkurrenz aus dem Hause Intel heran. Während der Core i9-7900X bei den FPS noch 13 Prozent schneller als der Ryzen Threadripper 1950X ist, sind es bei den Frametimes geringere neun Prozent. Die Threadripper-CPUs untereinander schneiden gleich ab, während alle gegenüber dem Ryzen 7 1800X bei den Frametimes minimal zulegen.

Die Spiele im Detail

Auch wenn die Ratings den Anschein erwecken, dass die Threadripper-CPUs quasi gleich schnell in Spielen wie der Ryzen 7 1800X sind und es zudem kaum einen Unterschied zwischen dem Distributed- und dem Local-Modus gibt, zeigen die Benchmarks, dass es doch größere Unterschiede geben kann.

So laufen beide CPUs in Dawn of War 3 sowie Total War: Warhammer deutlich langsamer als der Ryzen 7 1800X, was technisch eigentlich nicht sein kann. Hier verschluckt sich das Spiel eindeutig an zu vielen Threads. Und wenn es ganz schlimm kommt, kann es sein, dass auf Threadripper ein Spiel gar nicht erst starten will. Dies kann geschehen, wenn die Engine nicht für derart viele CPU-Kerne und Threads gedacht ist. F1 2016 startet auf dem Ryzen Threadripper 1950X gar nicht, auf dem Ryzen Threadripper 1920X läuft das Rennspiel dagegen einwandfrei. Offenbar liegt die Grenze für die Engine irgendwo zwischen 24 und 32 Threads. Die bekannte Problemlösung ist in dem Fall, im BIOS einzelne Kerne oder SMT abzuschalten. Einfacher geht es per Software: AMDs Tool Ryzen Master bietet einen Kompatibilitätsschalter, der die Anzahl der genutzten Kerne halbiert. Oder alternativ können in diesem auch nur vier Kerne abgeschaltet werden. In diesem Modus wurde auf der großen CPU auch F1 2016 getestet.

Genauso gibt es aber auch Spiele, die auf einem nicht in den Kompatibilitätsmodus geschalteten Threadripper schneller als auf dem Ryzen 7 1800X laufen. Battlefield 1 liefert auf dem Ryzen Threadripper 1950X mit NUMA-Speichereinstellung zum Beispiel fünf Prozent mehr Bilder in der Sekunde sowie fünf Prozent bessere Frametimes als der Ryzen 7 1800X. In Ghost Recon: Wildlands ist die neue CPU vier beziehungsweise sechs Prozent schneller. Und in Project Cars sind es sechs beziehungsweise drei Prozent.

Fazit: Auf den NUMA-Modus sollten Spieler bei Ryzen Threadripper also in der Regel zurück greifen, weil Latenzen in der Regel deutlich wichtiger als Bandbreite sind. Ob darüber hinaus der Griff zum Kompatibilitätsmodus und den damit halbierten Kernen weiter hilft, gilt es im Zweifel im Einzelfall herauszufinden. Startet ein Spiel gar nicht, ist es wiederum der erste Schritt.

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