Beyerdynamic Aventho: On-Ear-Hörer wird mit Hörtest auf den Träger abgestimmt

Jan Lehmann et al. 20 Kommentare
Beyerdynamic Aventho: On-Ear-Hörer wird mit Hörtest auf den Träger abgestimmt
Bild: Beyerdynamic

Beyerdynamic setzt nach den Neuauflagen DT 1770 und DT 1990 zur IFA 2017 erneut auf die Tesla-Technologie und präsentiert mit dem Aventho einen kabellosen On-Ear-Hörer, der sich mittels Hörtest auf die Besonderheiten der Hörakustik seines Trägers anpasst.

„Die Brille für deine Ohren“

Jeder Mensch nimmt Geräusche und Töne anders wahr. Dies beginnt bereits beim hörbaren Frequenzbereich, den Menschen unterschiedlich wahrnehmen. Und mit dem Alter nimmt das Hörvermögen auch ohne schädliche Umwelteinflüsse ab. Zur Erstellung eines individuellen Hörprofils arbeitet Beyerdynamic mit den in Berlin beheimateten Mimi Hearing Technologies zusammen. Das Unternehmen hat einen Hörtest in Form einer App entwickelt, der Hördaten analysiert und dem Nutzer unter anderem personalisierte Musikvorschläge ausgibt. Derweil hat Mimi rund eine Million Menschen vermessen und die Daten zusammen mit Akustikern und der Klinik für Audiometrie und Phoniatrie der Berliner Charité ausgewertet.

Die Zusammenarbeit vertieft dieses Vorgehen nochmals. Die gesammelten Akustikdaten werden ausgewertet und in einem personalisierten Hörprofil des Trägers auf dem Beyerdynamic Aventho gespeichert. Sie besteht aus einer rein aus dem Alter abgeleiteten Komponente und auf Wunsch zusätzlich aus dem Ergebnis eines Hörtests mit drei Minuten Dauer pro Ohr. Die Speicherung auf dem Headset hat zum Vorteil, dass die Daten immer aktiv sind, auch wenn der Zuspieler nicht über die App verfügt.

Beyerdynamic erläutert, dass bei der Anpassung des Signals manche Informationen hervorgehoben werden können, um das Gehirn zu unterstützen, zwischen unterschiedlichen Klangelementen zu unterscheiden und jene zu verarbeiten. Dies soll indes nicht über die frequenzselektive Lautstärkenanpassung eines Equalizer erfolgen, wie Beyerdynamic in einem Interview ausdrücklich betont.

Beachtlicher Effekt beim Probehören

Allein die Angabe des Alters (in diesem Fall 35 Jahre) brachte beim Probehören auf der IFA 2017 einen beachtlichen Klangunterschied zutage. Die Musik wurde als deutlich voller wahrgenommen und wirkte auch lauter, obwohl sie es effektiv nicht ist. Anwender können nicht nur wählen, ob die Funktion aktiv oder inaktiv ist, sondern auch auf ihre Intensität Einfluss nehmen.

Tesla und aptX HD

Der Beyerdynamic Aventho ist ohraufliegend und greift auf ein geschlossenes Gehäuse zurück. Der Frequenzbereich liegt bei 10 bis 40.000 Hertz. Durch einen speziellen Aufbau erzeugen die Tesla-Treiber, im Gegensatz zu herkömmlichen Hörern, ein stärkeres Magnetfeld. Zudem kann die schallerzeugende Schwingspule filigraner gearbeitet werden, was insbesondere dem Detailreichtum zu Gute kommen soll.

Zur Übertragung unterstützt der Aventho die Codecs aptX HD, aptX, Apples AAC und SBC. Gerade der aptX-HD-Codec soll eine nahezu verlustfreie Übertragungsqualität gewährleisten.

Codec noch immer nicht weit verbreitet

Zwar ist der aptX-HD-Codec bereits im Januar 2016 von Qualcomm verabschiedet worden, doch unterstützen ihn selbst nach anderthalb Jahren bislang nur wenige Smartphones. Zu den schon länger unterstützten LG G5, G6 und V20 gesellen sich nunmehr noch die Smartphones Sharp SH-03J, Sharp SHV39, OnePlus 5, 3 und 3T.

Neben einer Laufzeit von 20 Stunden kann der Hörer auch via Klinke betrieben werden und lässt sich dank eines verbauten Mikrofons auch als Headset nutzen. Über Touch-Tasten an der rechten Gehäuseseite können verschiedene Befehle wie lauter, leiser oder Anruf annehmen ausgeführt werden. Der Beyerdynamic Aventho soll ab Oktober 2017 in den Farben Braun und Schwarz zum Preis von rund 450 Euro erhältlich sein.