Wolfenstein 2 im Benchmark: Das Vulkan-API-Spiel mit Vega-Feature 2/3

Wolfgang Andermahr 325 Kommentare

Das Testsystem und die Grafik-Einstellungen

Die Grafikkarten-Benchmarks sind auf einem Intel Core i7-8700K durchgeführt worden, der mit insgesamt 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer Geschwindigkeit von DDR4-2.666 (16-16-16-38, Dual Rank) im Dual-Channel-Modus bestückt ist. Windows 10 mitsamt Fall Creators Update ist das Betriebssystem der Wahl. Als Treiber ist der Crimson ReLive 17.10.2 beziehungsweise der GeForce 388.00 installiert. Beide Treiber sind für Wolfenstein 2: The New Colossus optimiert.

Da Wolfenstein 2: The New Colossus eine gute Performance bietet, sind in 1.920 × 1.080 sowie 2.560 × 1.440 sämtliche Grafikdetails aktiviert. Für 3.840 × 2.160 wird auf das Ultra-Preset zurückgeschaltet. Die GPU-Culling ist – wie vom Spiel empfohlen – auf AMD-Grafikkarten aktiviert und auf Nvidia-Beschleunigern deaktiviert. Die Deferred-Rendering-Option ist wie vom Spiel vorgegeben durchweg abgeschaltet.

Auflösung Grafik-Details
1.920 × 1.080 Maximale Details (Mein-Leben-Preset), TSSAA
2.560 × 1.440 Maximale Details (Mein-Leben-Preset), TSSAA
3.840 × 2.160 Ultra-Preset, TSSAA

HBCC ist bei Radeon RX Vega in den Standardeinstellungen, wie von AMD weiterhin vorgesehen, deaktiviert. In separaten Testreihen wurde das erweiterte Speicher-Management dann wiederum manuell aktiviert.

Benchmarks in zwei Testszenen

Für diesen Testbericht nutzt ComputerBase zwei verschiedene Testszenen. Geplant war das am Anfang nicht, aber die Ergebnisse im ersten Szenario und der Quervergleich mit einem anderen haben es notwendig gemacht.

Die erste Testszene entspricht einem anspruchsvollen Szenario, wie es im Spiel immer wieder vorkommt. Es handelt sich um eine Sequenz inner- und außerhalb eines Gebäudes in Kombination mit diversen Partikeleffekten. Die zweite Szene ist hingegen ein Worst-Case-Szenario. In den ersten anderthalb Stunden hat es nur die eine Sequenz dieser Art gegeben. Sie ist beim Spielen in der Kennenlernphase mit Radeon RX Vega 64 allerdings sofort aufgefallen, weil die FPS deutlich niedriger lagen. Das Szenario im Freien bietet eine große Weitsicht, diverse Gebäuden und vor allem viel Schutt.

Testsequenz 1: AMD vor Nvidia

In der anspruchsvollen Testsequenz liegen die Grafikkarten von AMD unabhängig der Auflösung klar vor den Konkurrenzmodellen von Nvidia. So liefert die Radeon RX Vega 64 (Test) sechs bis dreizehn Prozent mehr Bilder in der Sekunde als die GeForce GTX 1080, die Frametimes sind zehn bis achtzehn Prozent besser. Die Radeon RX 580 schlägt sich gar noch besser und hängt die GeForce GTX 1060 noch deutlicher ab. Zwei bis 29 Prozent mehr FPS liefert die Grafikkarte, die Frametimes liegen fast auf dem Niveau der GeForce GTX 1070. Und die ältere Radeon R9 390 hat die GeForce GTX 970 unter Kontrolle, wobei der Grafikkarte von Nvidia hier auch stark der limitierte Speicher zu schaffen macht.

Testsequenz 2: Nvidia vor AMD

In der zweiten Sequenz, die von ComputerBase zu Anfang als die Szene ausgewählt worden war, dreht sich die Rangliste dann komplett um. Auf einmal hat Nvidia die Konkurrenz klar im Griff. Wie aus dem nichts ist die GeForce GTX 1080 14 bis 23 Prozent schneller bei den FPS, die Frametimes sind um neun bis 24 Prozent besser bei Nvidia. Auch in der Mittelklasse wird aus dem großen Rückstand in der zweiten Testsequenz ein Vorsprung. Die GeForce GTX 1060 weist sechs bis 19 Prozent mehr FPS als die Radeon RX 580 auf – und bis zu 23 Prozent bessere Frametimes. Selbst die GeForce GTX 970, deren Speicher zu knapp ist, kann auf einmal mit der Radeon R9 390 in 1.920 × 1.080 mithalten.

Analyse der wechselhaften Ergebnisse

Derart schwankende Rangfolgen unterschiedlicher Grafikkarten innerhalb eines Spiels? Spontan ist der Redaktion kein Titel eingefallen, bei dem dieses Verhalten in den letzten Jahren bereits einmal zu beobachten gewesen ist. Hätte die Redaktion das Abschneiden der Grafikkarten in der ersten Sequenz nicht noch einmal überprüft, oder gleich eine andere genommen, die Unterschiede in der Schlussfolgerung könnten nicht unterschiedlicher ausfallen.

AMD hat im Worst-Case-Szenario ein Problem

Es ist normal, dass AMD- und Nvidia-Grafikkarte von Szene zu Szene unterschiedlich abschneiden, aber ein derart deutlicher Führungswechsel ist kurios. Ob es dem Treiber oder dem Spiel zuzuschreiben ist, konnte bisher nicht geklärt werden. AMD wurden die Details zur Szene allerdings bereits mitgeteilt. Denn wer die Ergebnisse der beiden Sequenzen vergleicht, der sieht, dass alle Grafikkarten mit GPU dieses Herstellers deutlicher verlieren. Ob Vega, Polaris, Hawaii oder Fiji ist dabei egal. Ein Problem mit dem Treiber liegt zumindest nahe.

FPS der beiden Testsequenzen im Vergleich (Full HD)
Grafikkarte Leistung Sequenz 1 Leistung Sequenz 2
GeForce GTX 1080 Ti 100 Prozent 99 Prozent
AMD Radeon RX Vega 64 100 Prozent 71 Prozent
Nvidia GeForce GTX 1080 100 Prozent 96 Prozent
AMD Radeon RX Vega 56 100 Prozent 69 Prozent
Nvidia GeForce GTX 1070 100 Prozent 96 Prozent
AMD Radeon RX 580 100 Prozent 66 Prozent
Nvidia GeForce GTX 1060 100 Prozent 95 Prozent
AMD Radeon R9 390 100 Prozent 62 Prozent
AMD Radeon R9 Fury X 100 Prozent 65 Prozent
Leistung Sequenz 2 je Modell normiert auf 100 Prozent

Die Schwankungen sind enorm und bisher nicht zu erklären, aus zweierlei Gründen aber keine Katastrophe für Spieler: Ersten überwiegen zumindest in den ersten 90 Minuten des Spiels die Szenarien, in denen Nvidia gut und AMD sogar überdurchschnittlich gut abschneidet. Und zweitens liegt die Leistung grundsätzlich auf einem hohen Niveau.

Rapid Packed Math ist auf Vega immer aktiv

Unabhängig von diesen Messergebnissen ist aus technischer Sicht die Unterstützung von Rapid Packed Math auf Radeon RX Vega der interessanteste Teil von Wolfenstein 2: The New Colossus. Leider lässt sich das Feature aber nicht an- und abschalten, sodass sich der tatsächliche Nutzen der theoretisch doppelt so schnell berechneten FP16- anstatt FP32-Shader nur abschätzen lässt.

Näherungsweise gelingt das, wenn man die Abstände der Radeon RX 580 zur Radeon RX Vega 64 mit denen in anderen Spielen vergleicht. Dabei bleibt jedoch das Problem bestehen, dass auch unabhängig von RPM die Architektur der beiden Grafikkarten verschieden ist. Es ist also nicht mehr als vage Annäherung.

Wie viel das Feature bringt, bleibt offen

In der anspruchsvollen ersten Testszene lässt sich auf dieser Basis kein Vorteil durch Rapid Packed Math erkennen. Das AMD-Flaggschiff ist maximal 56 Prozent schneller als die ältere Polaris-Grafikkarte und das entspricht genau dem Abstand, den die Grafikkarten durchschnittlich in anderen Spielen voneinander in 2.560 × 1.440 haben. Auch bei den Frametimes gibt es keinen Ausreißer. Es ist natürlich denkbar, dass die Vega-Architektur in Wolfenstein geringere Vorteile als in anderen Spielen bringt und der normale Abstand erst durch RPM wiederhergestellt wird. Aber das ist eher unwahrscheinlich.

In der zweiten Testszene ist der Abstand zwischen den zwei Grafikkarten generell größer und beträgt maximal 69 Prozent bei der Framerate und gar 84 Prozent bei den Frametimes. Hat RPM hier eine dämpfende Wirkung auf Vega? Auch das bleibt nur Spekulation.

Auf der nächsten Seite: Die Radeon RX Vega 64 mit HBCC