iPhone X im Test: Sieh mich an, wenn du was willst

Frank Hüber et al. 315 Kommentare
iPhone X im Test: Sieh mich an, wenn du was willst

tl;dr: Das Apple iPhone X überzeugt im Test – das hervorragende OLED-True-Tone-Display, das schnelle SoC und Face ID sind besser als bei der Konkurrenz. Dennoch ist Face ID kein Ersatz für Touch ID. Als Zusatz hätte es dem iPhone X besser gestanden.

Unterschiede iPhone X und iPhone 8

Zehn Jahre nach dem ersten iPhone soll bei Apple das iPhone X (Ten) für eine Revolution sorgen und den Weg ebnen für mindestens zehn weitere Jahre iPhone. Vieles, an das sich iPhone-Nutzer über die letzte Dekade gewöhnt haben, macht das iPhone X anders. Sei es der Wegfall des Home-Buttons, von Touch ID oder verinnerlichten Gesten unter iOS. Das iPhone X nimmt viel Bekanntes und bringt viel Neues, das im Apple-Smartphone Premiere feiert, etwa Face ID, das OLED-Display und das Design.

Genau diese Punkte sind es auch, die das iPhone X am stärksten vom iPhone 8 unterscheiden – und der Preis, denn das iPhone X kostet mit gleicher Speicherausstattung 350 Euro mehr als ein iPhone 8 und 240 Euro mehr als ein iPhone 8 Plus (Test).

Doch auch wenn sich das iPhone X aufgrund des die Vorderseite füllenden Displays optisch deutlich vom iPhone 8 (Plus) unterscheidet, eint beide Modelle auf technischer Seite viel. Bei Größe und Gewicht genau zwischen dem iPhone 8 und iPhone 8 Plus angesiedelt, entspricht die Technik rund um A11-Bionic-SoC und Hauptplatine dem iPhone 8 Plus. Dank der Glasrückseite und der verbauten Spule ist auch kabelloses Laden nach Qi-Standard für das iPhone X kein Problem. Wie das iPhone 8 Plus verfügt auch das iPhone X über 3 GByte RAM und zwei 12-Megapixel-Kameras. Beim iPhone X ist die Sekundärkamera mit f/2.4 im Vergleich zu f/2.8 des iPhone 8 Plus aber lichtstärker und zudem bietet diese nun wie auch die Hauptkamera einen optischen Bildstabilisator.

Der Akku des iPhone X ist mit 2.716 mAh (10,35 Wh) minimal größer als beim iPhone 8 Plus (2.691 mAh, 10,28 Wh) und deutlich größer als beim iPhone 8 (1.821 mAh, 6,96 Wh). An die 2.915 mAh (11,10 Wh) des iPhone 6 Plus und die 2.900 mAh (11,10 Wh) des iPhone 7 Plus kommt jedoch keines der neuen Modelle heran.

Apple iPhone X (256 GB) Apple iPhone 8 Plus (256 GB) Apple iPhone 8 (256 GB)
Software:
(bei Erscheinen)
iOS 11
Display: 5,80 Zoll
1.125 × 2.436, 463 ppi
OLED, HDR
5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
IPS
4,70 Zoll
750 × 1.334, 326 ppi
IPS
Bedienung: Touch, 3D Touch, Gesichtsscanner Touch, 3D Touch, Fingerabdrucksensor
SoC: Apple A11 Bionic
2 × Monsoon
4 × Mistral
10 nm, 64-Bit
GPU: Apple Tri-Core
RAM: 3.072 MB
LPDDR4
2.048 MB
LPDDR4
Speicher: 256 GB
Kamera: 12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF 12,0 MP, f/2,8, AF Nein
Frontkamera: 7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Weitere Standards: Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 2.716 mAh (10,35 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
2.691 mAh (10,28 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
1.821 mAh (6,96 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 70,9 × 143,6 × 7,70 mm 78,1 × 158,4 × 7,50 mm 67,3 × 138,4 × 7,30 mm
Schutzart: IP67
Gewicht: 174 g 202 g 148 g
Preis: ab 1.309 € ab 925 € ab 870 €

Auch wenn die Größe des iPhone X recht nah an einem iPhone 8 und iPhone 7 liegt, merkt man im Vergleich zu einem iPhone 7 sofort einen Unterschied bei Dicke und Gewicht. Dass das iPhone X mit 7,70 mm etwas dicker als das 7,10 mm dicke iPhone 7 ist, fällt dabei buchstäblich weniger ins Gewicht als der Unterschied zwischen 174 Gramm zu 138 Gramm des iPhone 7, das wiederum 10 Gramm leichter als das iPhone 8 ist, dessen Glasrückseite das Gewicht erhöhte.

Abmessungen iPhone X, iPhone 8, iPhone 7, iPhone 6s, iPhone 6 im Vergleich
Höhe Breite Tiefe Gewicht
iPhone X 143,6 mm 70,9 mm 7,7 mm 174 g
iPhone 8 Plus 158,4 mm 78,1 mm 7,5 mm 202 g
iPhone 8 138,4 mm 67,3 mm 7,3 mm 148 g
iPhone 7 Plus 158,2 mm 77,9 mm 7,3 mm 188 g
iPhone 7 138,3 mm 67,1 mm 7,1 mm 138 g
iPhone 6s Plus 158,2 mm 77,9 mm 7,3 mm 192 g
iPhone 6s 138,3 mm 67,1 mm 7,1 mm 143 g
iPhone 6 Plus 158,1 mm 77,8 mm 7,1 mm 172 g
iPhone 6 138,1 mm 67,0 mm 6,9 mm 129 g

Was man dem iPhone X im Vergleich zum iPhone 8 (Plus) jedoch nicht mehr vorwerfen kann, ist ein altbackenes Design. Mit dem neuen OLED-Display fällt das sogenannte Display-zu-Gehäuse-Verhältnis des iPhone X sehr gut aus, auch wenn gerade rechts und links des Displays weiterhin nicht von „rahmenlos“ gesprochen werden kann.

OLED-True-Tone-Display

Im iPhone X verbaut Apple erstmals ein OLED-Display in einem Smartphone. Zuvor hatte Apple die organischen Leuchtdioden in der Apple Watch und in der Touch Bar des MacBook Pro verbaut. Apple nutzt im iPhone X ein 5,8 Zoll großes OLED-Display mit einer Auflösung von 2.436 × 1.125 Bildpunkten (458 ppi). Das iPhone 8 Plus bietet hingegen 1.920 × 1.080 Pixel auf 5,5 Zoll (401 ppi), das iPhone 8 auf 4,7 Zoll 1.334 × 750 Pixel (326 ppi). Die Ecken des iPhone-X-Displays sind abgerundet und folgen der Linienführung des Gehäuses. Wie beim iPhone 8 (Plus) handelt es sich um ein True-Tone-Display, dessen Darstellung hinsichtlich Weißpunkt und Farben in Abhängigkeit zum Umgebungslicht justiert wird. Auch die Unterstützung des erweiterten Farbraums Display P3 beherrscht das neue Smartphone. Exklusiv dem iPhone X vorbehalten ist der HDR-Support für die Standards Dolby Vision und HDR10.

Wer Fertiger des OLED ist, hat Apple vor kurzem offiziell in einer Interview mit der Seite Mashable bekannt gegeben: Samsung. Dessen Displaysparte scheint der einzige Lieferant zu sein, der in der von Apple geforderten Qualität fertigen kann. Um diese Abhängigkeit aufzulösen, soll Apple aktuell Milliarden in eine Displayfabrik von LG investieren.

Apple selbst spricht dem Display eine maximalen typische Helligkeit von 625 cd/m² zu. Das typische Kontrast­verhältnis benennt Apple mit 1.000.000:1, was allerdings der OLED-Technik geschuldet ist, da Bildbereiche, die Schwarz darstellen, tatsächlich ausgeschaltet sind, so dass die Helligkeit bei 0 cd/m² liegt, was die Berechnung eines Kontrastverhältnisses unmöglich macht.

Schwarz ist schwarz und Weiß ist hell

In den Messungen können diese Werte wieder einmal bestätigt werden. Im Mittel ist das Display bei der Darstellung von weiß und deaktiviertem True Tone 629 cd/m² hell, wobei im unteren Bereich 655 cd/m² erreicht werden, oben jedoch 611 cd/m². Bei der Darstellung von Schwarz zeigt das Colorimeter wie erwartet 0 cd/m² an. Die minimale Helligkeit bei der Darstellung von Weiß liegt bei 1,9 cd/m². Die Farbtemperatur ohne True Tone liegt bei 7.000 Kelvin. Bei Bürolicht und aktiviertem True Tone werden im Durchschnitt maximal 537 cd/m² bei einer Farbtemperatur von 5.330 Kelvin erreicht.

Eine zusätzliche Steigerung der Helligkeit im Automatik-Modus bei direkter Sonneneinstrahlung weist das OLED-Display von Apple anders als einige Konkurrenten nicht auf. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung auf die Sensoren und automatisch geregelter Helligkeit bleibt der maximale Helligkeitswert unverändert.

Bezüglich der Blickwinkel muss man sich auch und trotz OLED beim iPhone X keine Sorgen machen. Sowohl die Farbtreue als auch die Helligkeit ist aus jedem Blickwinkel sehr gut. Am Display des iPhone X gibt es somit – wieder einmal – nicht zu kritisieren.

Einbrennen des UI, grüner Streifen und Kälteprobleme

Apple selbst warnt in Bezug auf das OLED-Display vor dem Einbrennen von UI-Elementen, sollte der Bildschirm über längere Zeit dieselben Inhalte mit maximaler Helligkeit darstellen. Eine Reduzierung der maximalen Helligkeit oder andere Maßnahmen, wie sie etwa Google beim Pixel 2 XL vorgenommen hat, hat Apple allerdings bislang nicht bekannt gegeben.

Vermeiden Sie es, über längere Zeit Standbilder bei maximaler Helligkeit anzuzeigen. Falls Sie über eine App verfügen, die dafür sorgt, dass das Display auch dann eingeschaltet bleibt, wenn Sie Ihr iPhone X nicht aktiv nutzen, können Sie die Helligkeit über das Kontrollzentrum vorübergehend reduzieren.

Zuletzt sind darüber hinaus Meldungen zu einem grünen Streifen am Rand des Displays aufgekommen, der bei einigen Käufern plötzlich auftritt und nicht wieder verschwindet. Auch von Problemen bezüglich der Reaktionsgeschwindigkeit des Displays beim schnellen Wechsel in sehr kalte Umgebungen wurde berichtet. Beide Probleme traten bei ComputerBase im Testzeitraum bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt nicht auf. Das Kälteproblem hat Apple nach eigenen Angaben mit iOS 11.1.2 zudem behoben, ohne auf die Hintergründe und Ursachen des Problems einzugehen.

Ohne Anpassung ein iPhone 8

Nicht jede Anwendung kann schon fehlerfrei mit dem neuen Display und dem neuen Seitenverhältnis von 19,5:9 umgehen, andere sind bereits vollständig umgestellt oder lassen wie etwa YouTube bei der Betrachtung von Videos dem Benutzer die Wahl, ob er das gesamte Display mit Bildinhalt füllen oder das Video oben und unten sowie an der Aussparung beschneiden möchte. Dabei lassen sich jedoch nicht alle Videos auf YouTube auf den gesamten Bildschirm vergrößern, bei einigen Videos wird trotz passender Geste immer das 16:9-Seitenverhältnis beibehalten. Der Bildinhalt, der an den Rändern durch das Zoomen in das Video verloren geht, ist jedoch nicht zu unterschätzen, darüber hinaus überdeckt die Aussparung für die Sensoren, die Notch (zu Deutsch Kerbe oder Aussparung), am Rand des Videos zusätzlich einen Teil des Bildes.

iPhone X und iPhone 7 in 16:9
iPhone X und iPhone 7 in 16:9
iPhone X mit Zoom und iPhone 7 in 16:9
iPhone X mit Zoom und iPhone 7 in 16:9
Apple iPhone X – Nicht angepasste Apps in 16:9
Apple iPhone X – Nicht angepasste Apps in 16:9

Unterstützt eine Anwendung das neue Seitenverhältnis nicht und wird sie in 16:9 angezeigt, erinnert das iPhone X unweigerlich an ein iPhone 8 oder Vorläufer. Oben und unten prangert wieder ein dicker schwarzer Balken – Dank OLED tief schwarz –, es fehlt nur der Home Button. In dieser Ansicht zeigt sich im direkten Vergleich mit einem iPhone 7 jedoch, dass das Display des iPhone X auch bei der Anzeige von Inhalten in 16:9 größer geworden ist.

Da Apple die Statusanzeigen für die Funkverbindungen und den Akku rechts und links der Notch platziert hat, ist der Platz für diese sehr eingeschränkt. Eine Akkuanzeige in Prozent gibt es auf dem iPhone X direkt in der Menüleiste somit nicht mehr. Für diese muss erst das Kontrollzentrum aus der rechten oberen Ecke nach unten gewischt werden, die weiterhin eine Prozentangabe für den Akkuladestand beinhaltet.

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