PC zusammenstellen: Von den Komponenten zum (Gaming-)Rechner

Thomas Böhm 116 Kommentare
PC zusammenstellen: Von den Komponenten zum (Gaming-)Rechner

tl;dr: Einen PC selbst zusammenstellen? Früher war das gang und gäbe, heute ist es immer seltener der Fall. ComputerBase erklärt am Beispiel eines High-End-PCs für Spieler, was es vor und während dem Zusammenbau zu beachten gilt und wo es im Fall der Fälle Hilfe gibt. Ein Patentrezept gibt es dabei nicht, jeder PC ist anders.

Einsatzzweck, Budget und Hardware-Auswahl

Der erste Schritt auf dem Weg zum selbst zusammengestellten PC heißt Planung. Doch noch vor dem „Wie baue ich zusammen?“ steht das „Was baue ich zusammen?“ an. In Anbetracht unterschiedlichster Einsatzszenarien und einem unüberschaubar wirkenden Angebot an top-aktueller oder älterer, neuer oder gebrauchter Hardware in x Preisklassen ist das für viele Anwender schon die erste Hürde. Aber nur wer nicht fragt, scheitert daran. Und Rechner im Eigenbau haben gegenüber OEM-PCs von der Stange viele Vorteile.

Wichtig ist in jedem Fall: Ein maximales Budget sollte von Anfang an gesetzt sein. Denn auch bei Hardware gilt, dass es für etwas mehr Geld immer noch etwas mehr Gegenwert gibt, sei es Leistung, Optik oder Marke. Der erträumte 1.000-Euro-PC muss gedanklich dann schnell einem 1.500-Euro PC weichen, die erste Zielsetzung verliert ihren Reiz, das Konto ist um ungeplante 500 Euro ärmer.

Deinen letzten Desktop-PC hast du
  • Selbst zusammengestellt und zusammengebaut
    95 %
  • Von der Stange gekauft
    1 %
  • Selbst zusammengestellt und zusammenbauen lassen
    3 %

Office-, Multimedia- oder Gaming-PC?

Soll der PC als Schreibmaschine im Büro, als Multimedia-Rechner zur Wiedergabe von Ultra-HD-Blu-ray im Heimkino oder als Gaming-PC dienen? Sind aktuelle AAA-Titel geplant und in welcher Auflösung wird gespielt? Darf der PC lauter, oder muss er leiser, soll die Optik klassisch schlicht, oder eher ausgefallen sein? Wer einen neuen Rechner plant, hat mit Sicherheit bereits eine Vorstellung und ist eher auf der Suche nach den Komponenten, die das große Ganze ergeben.

Zu was welche Hardware im Detail im Stande ist, darüber klären zum Beispiel die vielen Produkt-Tests auf ComputerBase auf. Für ausgewählte Produktkategorien gibt es darüber hinaus kontinuierlich redaktionell gepflegte Übersichts-Artikel.

Eine große Frage bleibt dann allerdings noch offen: Welche Hardware ergibt eine ausgewogene Konfiguration? Der regelmäßige ComputerBase-Leser hat auch hierauf schnell eine Antwort und die Community hilft weniger versierten Interessenten schnell. Weil die Fragen aber immer und immer wieder auftauchen, gibt es seit Jahren – neben weiteren – zwei prominente Anlaufstellen im Forum: Ratgeber zu aktuell besonders empfehlenswerten Zusammenstellungen für Gaming- und Office-PCs zu verschiedenen Preispunkten.

Die Artikel bieten sogar noch mehr als das und liefern mit Alternativvorschlägen zu den Empfehlungen sowie weiterführenden Informationen zum Einkauf und einer Anleitung für den Zusammenbau einen soliden Grundstock für jeden, der sich an den Zusammenbau eines Rechners macht.

CPU bedingt Sockel bedingt RAM bedingt...

Bei der Konfiguration des Nikolaus-Gewinnspiel-PCs stand der Einsatzzweck von Anfang an fest: Ein High-End-Gaming-PC sollte es sein, der teure aber noch rational vertretbare Hardware nutzt und mit einer Custom-Wasserkühlung gekühlt wird. Als es konkret um die Hardware ging, galt die erste Frage der CPU, die je nach Hersteller und Modell über den Sockel eine engere Auswahl für das Mainboard definiert.

Das Ziel: Ein High-End-Gaming-PC mit Custom-Wasserkühlung
Das Ziel: Ein High-End-Gaming-PC mit Custom-Wasserkühlung

Mit der Rückkehr von AMD ins Leistungssegment bei Desktop-Prozessoren war diese Wahl zum Glück nicht mehr so einfach, wie sie es noch in den letzten Jahren war. Den erst vor kurzem von Intel veröffentlichten Coffee-Lake-Prozessoren mit hoch taktenden Sechskern-CPUs stehen die Ryzen-Achtkerner von AMD gegenüber. Die HEDT-Plattformen rund um Core X und Ryzen Threadripper fielen hingegen raus, weil sie zwar noch mehr Leistung in Anwendungen versprechen, in Spielen aktuell aber eher von Nachteil sind – und dabei deutlich mehr kosten.

Ende 2017 kommt die CPU von AMD

Im ComputerBase-PC kommt ein AMD Ryzen 7 1800X (Test) zum Einsatz, der die aktuelle Leistungsspitze der Mainstream-Plattform AM4 darstellt. Somit stand fest, dass das Mainboard den Prozessorsockel AM4 benötigt. Die nächste Entscheidung betraf den Chipsatz, der vom Einsteiger A320 über die Mittelklasse B350 bis zum teuren X370 reicht (X370, B350 und A320 im Vergleich). Zwar wird bei AMD im Gegensatz zu den aktuellen Intel-Plattformen für die Option, die Leistung des Prozessors durch nachträgliches Übertakten zu erhöhen, nicht zwingend das Flaggschiff X370 vorausgesetzt – doch üblicherweise warten die entsprechenden Mainboards mit stabilerer Spannungsversorgung und vielen Stellschrauben im UEFI auf. Die Wahl fiel daher auf ein Modell dieser Klasse und konkret auf das Gigabyte Aorus AX370 Gaming K7, das mit einer sehr ausgefallenen RGB-Beleuchtung glänzen kann.

Bei der Mainboard-Entscheidung sollte zudem bereits bedacht werden, wie groß der PC werden soll und wie viele Erweiterungskarten eingeplant sind. Das Gigabyte-Board ist im Standard-ATX-Layout gehalten und eignet sich somit problemlos für übliche Midi-Tower. Bei E-ATX wird die Auswahl schnell kleiner.

Eine weitere Festlegung durch das Mainboard betrifft den Arbeitsspeicher: Hier wird wie bei allen aktuellen Plattformen nach DDR4-Modulen verlangt. Eingesetzt werden am Ende insgesamt stolze 32 GB, verteilt auf vier Module mit je 8 GB. Der RAM von Corsair bietet jedoch nicht nur einen hohen Takt von 3.000 MHz, sondern ist mit RGB-LEDs ausgestattet, um sich zudem in Gehäusen mit Sichtfenster ins rechte Licht zu rücken. Mainboard und RAM können dabei synchron betrieben werden.

Massenspeicher, Grafikkarte und Stromversorgung

Zu einem modernen und leistungsstarken PC gehört selbstverständlich eine SSD als Massenspeicher. Hier haben Käufer die Wahl zwischen den günstigeren SSDs mit SATA-Anbindung und schnellen PCIe-SSDs, welche meist im kleinen M.2-Format gehalten sind. Samsung stellt für das ComputerBase-System die SSD 960 Pro (Test) mit 1 TB Speicherkapazität zur Verfügung. Mit dieser SSD führt der Hersteller die SSD-Rangliste unangefochten an. Damit eine solche SSD ihr Leistungspotenzial auch entfalten kann, muss auf eine Anbindung mit vier PCIe-Lanes der dritten Generation geachtet werden, welche das eingesetzte Mainboard von Gigabyte bietet.

EVGA ist beim Wakü-Umbau sehr kulant

Grafikkarte und Netzteil stammen aus der Hand von EVGA. Mit der GeForce GTX 1080 Ti kommt die aktuell schnellste Gaming-GPU im System zum Einsatz, wie die GPU-Rangliste zeigt. Obwohl die EVGA GTX 1080 Ti SC Black Edition Gaming über einen potenten Luftkühler verfügt, kommt sie im ComputerBase-PC vor allem aufgrund einer darunter verborgenen Eigenschaft zum Einsatz: Die GPU befindet sich auf der Titan-X-Pascal-Referenzplatine von Nvidia, weshalb für die geplante Wasserkühlung nicht nach Sondermodellen gesucht werden muss, sondern ein gängiger Kühlblock genutzt werden kann. Darüber hinaus weiß EVGA den Umbau auf eine Wasserkühlung selbst bei Eintritt eines Garantiefalls außergewöhnlich kulant zu regeln.

Das nach 80Plus Gold zertifizierte Supernova G3 von EVGA konnte im Test überzeugen und bietet zwei für ein Vorzeige-System sehr praktische Eigenschaften: Es verfügt über einen vollmodularen Kabelbaum und bleibt trotz seiner hohen Leistungsfähigkeit mit einer Länge von 150 mm sehr kompakt. Ersteres ist praktisch, weil die Standard-Kabel des Netzteils durch optisch ansprechende Kabel mit Einzelader-Sleeve ausgetauscht werden sollen und letzteres hilft, weil beim Einbau einer Wasserkühlung schnell der Platz ausgehen kann. Die Netzteil-Kaufberatung gibt zwar an, dass für das ComputerBase-System ein Netzteil mit einer Nennleistung von 500 Watt bereits ausreicht, doch EVGA wollte an dieser Stelle nicht knausern und hat der Redaktion das große 750-Watt-Modell zukommen lassen.

Gehäuse und Modding

Beim Gehäuse-Kauf gilt es zu beachten, dass die geplante Hardware ausreichend Platz findet. Vor allem auf die Länge der Grafikkarte und die Höhe des CPU-Kühlers kommt es an, wobei letzterer dank Wasserkühlung unproblematisch ist. Problematisch ist, dass nicht alle Hersteller die benötigten Angaben liefern, hier helfen Gehäuse-Tests, Angaben im Preisvergleich oder Erfahrungswerte anderer Käufer im Forum Gehäuse und Modding.

Weitere Attribute wie die Anzahl möglicher Festplatten und SSDs, Staubfilter und nicht zuletzt die Optik sollten bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Immerhin ist das Gehäuse der Teil des Rechners, den der Nutzer am meisten vor Augen hat.

Zwar fehlt das Phanteks Enthoo Evolv ATX noch im Gehäuse-Testarchiv, doch für das ComputerBase-System hat es sich dennoch qualifiziert. Mit seinem schlichten Design und der Metall-Hartglas-Kombination muss es nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, erlaubt jedoch bei passender Beleuchtung auch das Gegenteil. Dazu kommt genug Platz, um eine interne Wasserkühlung mit vernünftigen Dimensionen zu verstauen, ohne dass das Gehäuse gleich zu einem Big-Tower ausartet.

Mit passendem Zubehör wird das System von CableMod versorgt: Ein ganzer Kabelsatz mit Einzelader-Sleeve ersetzt die Standardkabel des Supernova G3. Mit Kabelkämmen können die Stromverbindungen ordentlich gehalten werden, um das aufgeräumte Erscheinungsbild nicht zu trüben. Wer will, kann so eine Modifikation auch selbst vornehmen. Der Zeitaufwand ist allerdings enorm.

Damit das System durch das getönte Glasfenster des Enthoo Evolv auch bewundert werden kann, kommen LED-Streifen zum Einsatz, die sich per Software vom Mainboard mit verschiedenen Lichteffekten belegen lassen.

Bevor es an den Zusammenbau der Hardware geht, folgt hier noch einmal die tabellarische Auflistung aller verwendeten Komponenten:

Komponente Bezeichnung
Prozessor AMD Ryzen R7 1800X
Mainboard Gigabyte Aorus AX370 Gaming K7
Arbeitsspeicher Corsair Vengeance RGB DDR4-3000 4x8GB
Grafikkarte EVGA GTX1080Ti SC Black Edition Gaming
Netzteil EVGA Supernova G3 750 Watt
Massenspeicher Samsung SSD 960 Pro 1 TB
Gehäuse Phanteks Enthoo Evolv ATX Tempered Glass
Kabelsleeves CableMod E-Series ModMesh Kabel-Kit „Carbon“
Beleuchtung CableMod magnetische RGB-LED-Streifen

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