Mining: Preise für Grafikkarten steigen erneut extrem

Wolfgang Andermahr 750 Kommentare
Mining: Preise für Grafikkarten steigen erneut extrem

Innerhalb eines Monats sind die Preise für Grafikkarten erneut stark gestiegen. Egal ob AMD oder Nvidia, vor Weihnachten war es deutlich einfacher eine Grafikkarte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu erwerben. Der Grund dafür ist mal wieder beim Mining zu finden, aber nicht nur.

Händler rechnet mit Knappheit bis Ende März

Ein Händler hatte ComputerBase bereits vor einigen Tagen davon in Kenntnis gesetzt, dass Preise für Grafikkarten im Großhandel um 15 bis 20 Prozent angezogen haben und die Liefersituation bis mindestens Ende März angespannt sein wird.

Wer die Preise von Grafikkarten vom 4. Dezember, als die Grafikkarten-Rangliste Dezember 2017 erstellt wurde, mit den aktuellen vergleicht, sieht, dass der Einzelhandel bereits davon betroffen ist. Eine GeForce GTX 1060 ist in dem Zeitraum um 45 Euro teurer geworden und kostet mittlerweile 301 Euro. Die GeForce GTX 1070 gibt es derzeit erst ab 489 Euro und damit für zusätzliche 69 Euro. Und dabei handelt es sich um eine einzige Basisvariante. Fast alle anderen Partnerkarten gibt es erst ab über 500 Euro.

Preis am 4. Dezember 2017
(lieferbar)
Preis am 15. Januar 2018
(lieferbar)
Preisaufschlag (in Prozent)
AMD Radeon
Radeon RX 560 111 Euro 138 Euro 27 Euro (24 Prozent)
Radeon RX 570 206 Euro 295 Euro 89 Euro (43 Prozent)
Radeon RX 580 249 Euro 379 Euro 130 Euro (52 Prozent)
Radeon RX Vega 56 549 Euro 749 Euro 200 Euro (36 Prozent)
Radeon RX Vega 64 602 Euro 949 Euro 347 Euro (58 Prozent)
Nvidia GeForce
GeForce GTX 1050 Ti 149 Euro 150 Euro 1 Euro (1 Prozent)
GeForce GTX 1060 256 Euro 301 Euro 45 Euro (18 Prozent)
GeForce GTX 1070 420 Euro 489 Euro 69 Euro (16 Prozent)
GeForce GTX 1070 Ti 440 Euro 529 Euro 89 Euro (20 Prozent)
GeForce GTX 1080 503 Euro 559 Euro 56 Euro (11 Prozent)
GeForce GTX 1080 Ti 705 Euro 772 Euro 67 Euro (10 Prozent)

Das sind Preise, die mussten vor kurzem für eine GeForce GTX 1080 bezahlt werden. Für die werden nun 559 Euro fällig, 56 Euro mehr als vor dem Weihnachtsgeschäft. Bei Nvidias Flaggschiff, der GeForce GTX 1080 Ti, sieht es nicht anders aus. 772 Euro sind derzeit mindestens für die Grafikkarte fällig, 67 Euro mehr als zuvor.

Sowohl GeForce als auch Radeon betroffen

Bei Grafikkarten von AMD sieht es noch schlimmer aus. Die Radeon RX 570 ist wieder bei 295 Euro angelangt, der Aufpreis gegenüber Anfang Dezember beträgt mal eben 89 Euro. Die Radeon RX 580 mit einem acht Gigabyte großen Speicher ist aktuell bei 379 Euro angelangt. Mit 130 Euro Preisaufschlag gegenüber Anfang Dezember ist die Grafikkarte damit beinahe so teuer wie eine Radeon RX Vega 56 zum Listenpreis. Der wiederum ist aber auch nur noch Makulatur.

Zwei Modelle der Radeon RX Vega 56 sind derzeit lieferbar. Die günstigere davon kostet 749 Euro. Auch im Dezember war die Liefersituation rund um Vega eine Katastrophe, doch immerhin gab es die Grafikkarte noch ab 549 Euro. Vom Flaggschiff, der Radeon RX Vega 64, sind ebenso zwei Modelle lieferbar. 949 Euro müssen mindestens bezahlt werden – 347 Euro mehr als im letzten Jahr.

Mining als Ursache, auch Netzteile betroffen

Die zuletzt stark gestiegenen Kurse für Kryptowährungen wie Ethereum, die auch mit Spieler-GPUs berechnet werden können, sind eine wesentliche Ursache für die jüngste Entwicklung – der enorme Aufpreis für die Radeon RX 580 ist ein sicherer Indikator. Dazu passt auch, dass der Handel parallel zur Anpassung bei den Grafikkarten davon berichtet, dass die Verfügbarkeit von Netzteilen mit 1.000 Watt und mehr ebenfalls erneut miserabel ausfällt. Im Einzelhandel gibt es zwar noch Lagerware, vom Großhändler ist sie aber kaum noch zu bekommen.

Bei der Radeon RX Vega 56 und der Radeon RX Vega 64 ist das Hauptproblem hingegen weiterhin nicht Mining, sondern dass AMD zu wenige Vega-10-GPUs an Partner liefert. Nach dem Produktionsstopp der Referenz-Karten gibt es deshalb kaum Modelle im Handel zu kaufen. Vor einigen Tagen hat der Hersteller jedoch abermals angekündigt, dass sich die Situation verbessern soll.

Und bei Nvidia sollte nicht vergessen werden, dass Pascal quasi ein Auslaufprodukt ist, die nächste Generation Ampere wird nicht mehr all zu lange auf sich warten lassen. Auch wenn es vermutlich keine Produktvorstellung vor dem zweiten Quartal geben wird, ist davon auszugehen, dass die Produktion von Pascal-GPUs bereits zurückgefahren wenn nicht gar eingestellt wurde. Und wenn der tatsächliche Bedarf dann plötzlich den geplanten deutlich übersteigt, gilt das automatisch auch für den Preis.

In den USA ist die Situation bereits viel schlimmer

Andere Länder sind von der aktuellen Entwicklung sogar noch stärker betroffen als Deutschland. Wer bei Newegg in den USA nachschlägt, erblickt Preise auf einem noch viel höheren Niveau. Dort gibt es die GeForce GTX 1070 lieferbar erst ab 940 US-Dollar, vor Steuern wohlgemerkt. Für eine Radeon RX 580 mit acht Gigabyte Speicher werden 640 US-Dollar verlangt und Radeon RX Vega 56 sowie Radeon RX Vega 64 sind gar nicht lieferbar. Ein Systemintegrator zeigte sich gegenüber ComputerBase aber wenig optimistisch: „Das wird uns in abgeschwächter Form auch erwarten, ich gehe von 2 bis 4 Wochen aus.