Sard Verbinnen & Co: Intel heuert Krisenmanager für Spectre/Meltdown an

Volker Rißka 116 Kommentare
Sard Verbinnen & Co: Intel heuert Krisenmanager für Spectre/Meltdown an

Die Sicherheitslücken Meltdown und Spectre und der daraus resultierenden Fallout haben Intel fest im Griff. Doch allein sieht sich Intel offensichtlich nicht mehr Herr der Lage werden. Berichte besagen, dass der Chipriese dafür jetzt eine der renommiertesten Firmen mit dem Krisenmanagement betraut hat: Sard Verbinnen & Co.

Intel wird der Lage nicht Herr

Nicht nur der Kleinkrieg mit Linux-Chefentwickler Linus Torwalds stößt das Unternehmen immer tiefer in negative Schlagzeilen, sondern auch die eigene Handhabung der Probleme. So gibt es beispielsweise auch weiterhin keine klare Aussage dazu, welche Prozessor-Generationen letztendlich von Intel mit neuem Microcode versorgt werden.

In den vergangenen Tagen musste Intel darüber hinaus eingestehen, dass zuvor veröffentlichte Patches für Broadwell- und Haswell-Systeme doch möglichst nicht mehr genutzt werden sollen, weil diese zu Problemen führen könnten. Dies wirft die Planung für die weiteren Fixes zurück, im Beta-Status werden derzeit neue Updates via neuem Microcode an Partner ausgerollt. Wann die finalen Fixes allerdings zur Verfügung stehen, sagt Intel ebenfalls noch nicht.

Parallel behauptet Intel nach wie vor, dass keines der Probleme – nicht einmal Meltdown – ein Fehler in ihren CPUs sei.

Krisenmanager mit Krisenerfahrung

Die PR-Beratung Sard Verbinnen & Co hat sich nicht nur auf die Betreuung von Firmenübernahmen (Mergers And Acquisitions) spezialisiert, darunter zuletzt Softbanks 100-Milliarden-Vision-Fund, Googles Übernahme von Teilen von HTC, und ist an den Patentstreitigkeiten zwischen Nikon und ASML tätig. Sie beraten Unternehmen auch dann strategisch, wenn Ruf, Geschäft oder Börsenwert durch „spezielle Vorfälle“ negativ beeinflusst werden. Zuletzt haben die Berater den Airbagskandal beim Hersteller Takata mit dem größten US-Produktrückruf der Automobilindustrie aller Zeiten begleitet. Dieses Know-How soll Intel nun helfen, mit der vermutlich größten Krise der IT-Industrie fertig zu werden, für die die Firma nach knapp drei Wochen in der Tat quasi das Aushängeschild geworden ist. Intel hat das Engagement bisher nicht offiziell bestätigt.

Intel verschiebt Produktneuvorstellungen

Intern haben die Probleme der letzten Wochen bei Intel bereits für die Verschiebungen neuer Produkte gesorgt. Neue CPUs und Mainboards jetzt ohne die passenden Patches zu veröffentlichen, würde vermutlich nur noch Öl ins Feuer gießen, weshalb die anstehenden Starts erst einmal ausgesetzt sind. Davon ist neben den neuen NUCs mit Gemini Lake und Kaby Lake-G vermutlich auch Coffee Lake betroffen, deren zweite Welle an CPUs und auch Mainboards bereits in den Startlöchern steht. Zur CES 2018 gab es diese bereits hinter verschlossenen Türen zu sehen, ob der bekannte Termin von Ende Q1 respektive April gehalten werden kann, bleibt nun jedoch fraglich.