Mercedes-Benz: Neue A-Klasse mit MBUX-Infotainment und Nvidia-SoC

Nicolas La Rocco 207 Kommentare
Mercedes-Benz: Neue A-Klasse mit MBUX-Infotainment und Nvidia-SoC
Bild: Daimler

Mercedes-Benz hat in Amsterdam eine neue Generation der A-Klasse vorgestellt. Das neue Modell W177 ist mit dem vor vier Wochen zur CES vorgestellten neuen Infotainmentsystem Mercedes-Benz User Experience (MBUX) ausgestattet. Außerdem gibt es eine Reihe neuer Fahrassistenzsysteme aus der S- und E-Klasse.

Noch diesen Monat soll die Bestellfreigabe für die neue A-Klasse von Mercedes-Benz erfolgen, mit der Auslieferung ist ab April zu rechnen. Offizielle Preisangaben liegen noch nicht vor, allerdings wird bei der Autozeitschrift Auto Motor und Sport von einem Startpreis im Bereich von 25.000 Euro für den neuen Fünftürer ausgegangen.

MBUX macht in der A-Klasse alles neu

Aus der Perspektive eines IT-Magazins ist das neue Infotainmentsystem Mercedes-Benz User Experience (MBUX) das Highlight der neuen A-Klasse. Erstmals setzt Mercedes-Benz vollständig auf die Bedienung per Touch. Eingaben werden entweder über ein Touch-Display auf der Mittelkonsole, eine Touch-Fläche auf dem Mitteltunnel oder die in das Lenkrad integrierten Touch-Controller entgegen genommen.

Mercedes-Benz setzt bei MBUX auf einen vollständig neuen Menüaufbau aus einer horizontalen und vertikalen Achse im Hauptmenü, der durch Wischgesten und das Halten von Menüpunkten manipuliert werden kann. Sobald ein Menüpunkt auf der ersten Ebene gewählt wird, schickt MBUX den Nutzer einen Layer tiefer in das System. Mercedes-Benz spricht von einem dreidimensionalen Aufbau, der auch eine Z-Achse besitzt. Grafische Overlays visualisieren, auf welcher Ebene sich der Nutzer befindet. Animationen und dargestellte Inhalte werden in Echtzeit gerendert und basieren nicht länger auf Vektorgrafiken.

Die neue Sprachsteuerung setzt nicht länger auf feste Vorgaben und kann auch anhand kurzer Ansagen wie „Mir ist kalt“ erkennen, dass die Temperatur erhöht werden soll. Über den Sprachbefehl „Hey Mercedes“ wird die neue Linguatronic aktiviert. Einzigartig soll die Lernfähigkeit sein: Mercedes-Benz will künstliche Intelligenz nutzen, um dem Nutzer auf Basis seiner Gewohnheiten individuelle Vorschläge zu machen.

Nvidia liefert zwei Hardware-Plattformen für MBUX

Die Hardware hinter MBUX liefert Nvidia mit zwei verschiedenen SoC-Lösungen, die je nach gewählter Ausbaustufe des Infotainmentsystems zum Einsatz kommen. In der serienmäßigen Basisversion sind zwei 7 Zoll große Displays, das Multifunktions-Sportlenkrad mit Touch-Controllern links und rechts, eine USB-Typ-C-Schnittstelle und Bluetooth verbaut. Bei der erweiterten Basisversion kommen mehr Optionen für die Personalisierung, Vorhersage-Funktionen und Themenwelten sowie der WiFi-Hotspot hinzu. Auf Wunsch lassen sich darüber hinaus 10,25 Zoll große Displays (1.920 × 720 Pixel) für das Kombiinstrument und den Media-Bildschirm in der Mitte ordern.

Die Nvidia-SoCs der neuen Hardware-Plattform heißen „Reilly PX“ und „Parker 128“. Die Eckdaten von Reilly PX und Parker 128 stimmen mit dem SoC überein, das auf dem Jetson TX2 für Entwickler verbaut ist. Die Hardware-Plattform des neuen Infotainmentsystems bietet sechs CPU-Kerne, davon zwei Nvidia Denver 2 und vier ARM Cortex-A57. Die Grafikeinheit basiert auf Pascal und bietet 128 CUDA-Kerne bei Reilly PX und 256 CUDA-Kerne bei Parker 128. Mercedes-Benz spricht zudem von 8 GB DDR4-RAM, gemeint ist wohl aber eher LPDDR4. Die Basisvariante mit 2 × 7 Zoll und die mittlere Variante mit 7 und 10,25 Zoll nutzen Reilly PX, erst die Top-Ausstattung mit zwei jeweils 10,25 Zoll großen Displays setzt auf Parker 128.

MBUX soll regelmäßig OTA-Updates für das System selbst und Unterfunktionen wie etwa die natürliche Spracherkennung erhalten. Geplant ist der Support von insgesamt 23 Sprachen, darunter direkt zum Marktstart Deutsch und Englisch für die Vereinigten Staaten. Updates sollen über einen verschlüsselten TLS-Kanal und durch eine digitale Signatur verifiziert von Mercedes-Benz an das Automobil gesendet werden.

Assistenzsysteme aus S- und E-Klasse

Für die neue A-Klasse können Fahrassistenzsysteme bestellt werden, die bisher nur in der S-Klasse (Test) und E-Klasse (Test) verfügbar waren. Verbesserte Kamera- und Radarsysteme sollen das Auto bis zu 500 Meter vorausschauen lassen. Außerdem nutzt die A-Klasse Karten- und Navigationsdaten für Assistenz-Funktionen. Serienmäßig verbaut ist der aktive Brems-Assistent, der Auffahrunfälle mit langsamer vorausfahrenden, anhaltenden und stehenden Fahrzeugen sowie mit querenden Fußgängern und Fahrradfahrern in ihrer Schwere mindern oder ganz vermeiden soll. Vor Müdigkeit und Unaufmerksamkeit soll serienmäßig der Attention Assist warnen.

Auf das Niveau von S- und E-Klasse bringen die A-Klasse optional erhältliche Sonderausstattungen wie der aktive Abstands-Assistent Distronic mit aktivem Lenk-Assistent. Auf Autobahn, Landstraße sowie in der Stadt hält das System zwischen 0 und 210 km/h den korrekten Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und unterstützt den Fahrer beim Lenken. Mit dem aktiven Geschwindigkeitslimit-Assistent als Teilfunktion des Verkehrszeichen-Assistenten übernimmt die Distronic automatisch Geschwindigkeits­beschränkungen. Zusätzlich werden über die Navigation bekannte Limits wie 50 km/h innerorts oder 100 km/h auf Landstraßen berücksichtigt.

Weitere Assistenzsysteme, die sich optional bestellen lassen, sind Staufolgefahren, der Spurwechsel-Assistent, Nothalt-Assistent, Ausweich-Lenk-Assistent, Park-Assistent mit Parktronic, Totwinkel-Assistent sowie Pre Safe und verschiedene Park-Pakete.

Drei Motoren zum Marktstart, keine E-Version

Zum Marktstart werden zunächst drei Motoren mit Frontantrieb zur Auswahl stehen: zwei Benziner und ein Diesel. Auf Wunsch lässt sich das Allradsystem 4MATIC bestellen.

  • A 200 (120 kW/163 PS, 250 Nm); mit 7G-DCT-Doppelkupplungs­getriebe (Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,1 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert 120 g/km) oder Sechsgang-Schaltgetriebe (Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,6 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert 133 g/km)
  • A 250 mit 7G-DCT-Doppelkupplungsgetriebe (165 kW/224 PS), 350 Nm; Kraftstoffverbrauch kombiniert 6,0 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert 141 g/km)
  • A 180 d mit 7G-DCT-Doppelkupplungsgetriebe (85 kW/116 PS), 260 Nm; Kraftstoffverbrauch kombiniert 4,1 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert 108 g/km)