Schnelle Speicherkarten: SD-Karten setzen ab Sommer wie SSDs auf PCIe (NVMe)

Jan-Frederik Timm 37 Kommentare
Schnelle Speicherkarten: SD-Karten setzen ab Sommer wie SSDs auf PCIe (NVMe)

Um noch schneller zu werden, setzen SD- und microSD-Karten wie QXD in Zukunft auf PCI Express. SanDisk zeigt zum MWC 2018 bereits eine Studie, die fast 900 MB/s erreicht. Die SD Association freut das nicht, denn der Standard soll erst im Sommer fertig sein. Mit UHS-III sind bisher 624 MB/s lesend das Maximum – in der Theorie.

Finaler Standard diesen Sommer

Ob es die Computex Anfang Juni, der MWC Shanghai Ende Juni oder der Flash Memory Summit Anfang August werde, darauf wollte sich Kazunori Nakano, der bei der SD Association für die Kommunikation verantwortlich ist, im Gespräch zwar noch nicht festlegen. Später soll es aber in keinem Fall werden.

PCIe über die zweite Reihe Kontakte

Bei SD-Karten soll das neue Interface über die bei UHS-II eingeführte und für UHS-III weiter genutzte zweite Kontaktreihe umgesetzt werden. Die erste bleibt erhalten, sodass diese Medien UHS-I also weiterhin bieten, was sie mit quasi allen verfügbaren Endgeräten mit SD-Kartenslot zusammenarbeiten lässt.

Die erste Spezifikation wird PCI Express mit einer Lane nach Standard 3.0 beinhalten. Die theoretische maximale Bandbreite liegt also bei knapp 10 Gbit/s. Der finale SD-Karten-Standard soll darauf aufbauend maximale Leseraten von „irgendwo zwischen 8 und 10 Gbit/s“ spezifizieren, so Nakano. Ob es vorgeschriebene minimale Lese- oder Schreibraten geben wird, um PCIe-SD-Karten in jedem Fall schnellere UHS-SD-Karten zu machen, steht noch nicht fest.

Größte Herausforderung bei der Umsetzung der neuen SD-Karten sind die Leistungsaufnahme und die Temperatur, die den bisher verfolgten Industriestandard von maximal 85 Grad Celsius nicht übertreffen soll. Im microSD-Format ist das neben der Miniaturisierung der Technik eine noch größere Herausforderung. Deren Standard wird aller Voraussicht nach aber auch erst später fertig.

Erste Produkte frühestens 2019

UHS-III wurde vor einem Jahr zum MWC 2017 präsentiert. Bis heute gibt es keine Speicherkarten, die diese Geschwindigkeit ausnutzen. Bei SD-Karten mit PCIe Express soll es nicht anders laufen. Bisher sind nämlich nur die Anbieter der Speicherkarten, nicht aber die Hersteller der Komponenten oder der kompatiblen Endgeräte an den Diskussionen zum Standard beteiligt. Dessen Verabschiedung ist wirklich erst ein erster Schritt. Das steht im Kontrast zur Standardisierung von WLAN, bei der es Gang und Gäbe ist, dass die Industrie bereits weit vor der Finalisierung der Spezifikationen erste Produkte bietet.

Abwärtskompatible Antwort auf QXD 2.0

Die SD Association steht unter Zugzwang, denn mittlerweile setzen immer mehr professionelle Endgeräte auf den Standard XQD. Die schnellsten liefern auf Basis von XQD 1.0 maximal 440 MB/s und damit mehr als die schnellsten verfügbaren SD-Karten mit UHS-II; und QXD 2.0 auf Basis von PCIe Express 3.0 mit bis zu 1 GB/s ist bereits seit Juni 2012 verabschiedet, wenn auch bisher nicht zur Marktreife entwickelt worden. QXD-Karten sind als CompactFlash-Nachfolger größer als SD-Karten.

CFexpress wird hingegen noch schneller sein. Diese Speichermedien setzen wie die nächsten SD-Karten auf PCIe Express 3.0 mit NVMe und sollen im größeren Gehäuse bis zu 8 Lanes ermöglichen – im QXD-Formfaktor. Die Leistungskrone bei den Specs wird SD im Sommer also nicht übernehmen, der große Vorteil ist der kleinere Formfaktor, der sogar abwärtskompatibel bleibt.