Broadcom: US-Präsident Trump blockiert Qualcomm-Übernahme

Volker Rißka 79 Kommentare
Broadcom: US-Präsident Trump blockiert Qualcomm-Übernahme
Bild: whitehouse.gov

US-Präsident Trump hat der (feindlichen) Übernahme von Qualcomm durch Broadcom einen Riegel vorgeschoben, da laut Trump die nationale Sicherheit auf dem Spiel stehe. Welche Beweggründe Trump zu der präsidialen Anordnung haben kommen lassen, wird nicht genauer erklärt, die Übernahmegespräche sind aber damit direkt beendet.

There is credible evidence that leads me to believe that Broadcom Limited [..] through exercising control of Qualcomm Incorporated [..] might take action that threatens to impair the national security of the United States.

Die Anordnung aus dem Weißen Haus zieht einen Schlussstrich unter die Anstrengungen von Broadcom, Qualcomm zu übernehmen. Die Akquisition war Broadcom zuletzt rund 120 Milliarden US-Dollar wert, was von Qualcomm aber stets als zu niedrig bewertet wurde. Denn die Anordnung untersagt gleichzeitig alle anderen Formen von Übernahmeanstrengungen oder auch Fusionen, Verkäufe von Teilbereichen oder andere Geschäfte in dieser Richtung. Gleichzeitig werden 15 Namen aufgeführt, die Broadcom für das Zustandekommen der feindlichen Übernahme in den Vorstand von Qualcomm wählen lassen wollte – dies ist ebenfalls unterbunden.

Broadcoms neuer Firmensitz und ein angeblicher Intel-Deal

Broadcom hatte zuletzt noch versucht, seinen Firmensitz aus Singapur offiziell in die USA zu verlegen, bereits im April 2018 hätte dies amtlich werden können, schließlich hat Broadcom bereits US-Außenstellen. Doch die Untersuchungen der US-Regierung waren da bereits angelaufen, das Thema nationale Sicherheit auf dem Schirm aufgetaucht. Entsprechend enttäuscht erklärte sich Broadcom gegenüber der präsidialen Anordnung, und machte wiederholt deutlich, keine Gefahr für die nationale Sicherheit zu sein. Broadcom überlege nun, Veto gegen Trumps Entscheidung einzulegen.

Gleichzeitig brachten die Übernahmegespräche in den finalen Tagen absurde Gerüchte an die Oberfläche, etwa dass Intel Broadcom übernehmen könnte. Angeführt wurde dabei das Argument, dass ansonsten ein zu großer IT-Riese entstehen würde – ein Intel-Broadcom-Deal hätte einen noch viel größeren Konzern hervorgebracht, mindestens 170 Milliarden US-Dollar schwer wäre dieser laut Analystenschätzungen gewesen. Intel verneinte dies aber sofort, der Chiphersteller verdaut noch die letzten Übernahmen von Altera und Mobileye mit jeweils 15 Milliarden US-Dollar und arbeitet an deren Integration.

An der Börse gaben die Kurse von Qualcomm und Broadcom nach Bekanntwerden der Anordnung kurz vor Börsenschluss nur leicht nach, beide wurden mit rund 3,5 respektive 3 Prozent im Minus geführt.

Update 14.03.2018 12:43 Uhr

Broadcom hat sich laut offizieller Mitteilung gegen ein Veto von Trumps Blockade entschieden und das Angebot der Übernahme von Qualcomm zurückgezogen sowie die Pläne der Übernahme beendet. Die für den Vorstand von Qualcomm 15 nominierten Broadcom-Kandidaten, die für die feindliche Übernahme eingesetzt werden sollten, werden somit auch nicht länger zu Qualcomms diesjähriger Hauptversammlung entsendet. An der Verlegung des Firmensitzes von Singapur in die USA will Broadcom aber weiterhin festhalten. Das legt nahe, dass Broadcom weiterhin Absichten hat, einen größeren IT-Konzern aus den USA zu übernehmen.