AMD Radeon RX Vega im Test: Mit neuen Treibern und Spielen gegen Fiji 2/2

Wolfgang Andermahr 612 Kommentare

Im Benchmark-Duell: Vega vs. Fiji

In 1.920 × 1.080 kann sich die Vega-Architektur im Durchschnitt um zehn Prozent von dem direkten Fiji-Vorgänger absetzen. Der Wert gilt bei den durchschnittlichen Bildern pro Sekunde, bei den Frametimes sind es etwas höhere 13 Prozent.

In 3.840 × 2.160 wird der Unterschied geringer. In der höheren Auflösung steigen die FPS durch die bessere Architektur noch um sieben Prozent an, die Frametimes um zehn Prozent.

Vega ist gleich schnell wie Polaris

Damit fällt das Ergebnis für Vega immer noch ernüchternd aus. Eine zweite Analogie macht das deutlich: Vega ist, zumindest im Durchschnitt, genauso schnell wie Polaris. Denn bereits Polaris konnte sich bei gleicher Rohleistung um sieben Prozent von Tonga – Architektur identisch zu Fiji – absetzen. Von einem Reifungsprozess ist bei Vega also auch nach knapp einem Jahr nichts zu sehen. Bei hoher GPU-Last gibt es im Schnitt über alle Titel also keinen generellen Performance-Vorteil der Architektur gegenüber Polaris.

In den einzelnen Spielen zeigen sich teils große Unterschiede. So gibt es Spiele, in denen Vega bei hoher GPU-Last Probleme hat. In Dawn of War 3 zeigt sich dieselbe Performance im Vergleich zu Fiji, dasselbe gilt für Doom, Kingdom Come: Deliverance, Overwatch, Prey und Shadow Warrior 2. In Gears of War 4 ist die alte Fiji-GPU gar fünf Prozent schneller.

Die gute Nachricht: Es gibt auch Spiele, in denen Vega deutlich schneller arbeitet als Fiji. In Assassin's Creed Origins – wo Fiji aber einfach nur langsam ist – ist Vega um 27 beziehungsweise satte 80 Prozent schneller. Es existieren zudem Titel, in denen Fiji einwandfrei läuft und Vega dennoch gut zulegen kann. In Deus Ex: Mankind Divided steigt die Framerate um 15 Prozent, die Frametimes um 13 Prozent. Und in Titanfall 2 sind es 11 sowie 14 Prozent.

Rapid Packed Math zeigt keine (großen) Vorteile

Sonderfälle sind Far Cry 5 sowie Wolfenstein 2, da beide Spiele mit „Rapid Packed Math“ ein Feature unterstützen, das exklusiv auf Vega verfügbar ist und die Performance verbessern soll. Allerdings merkt man davon in beiden Titeln wenig bis gar nichts. In Far Cry 5 ist Vega 11 Prozent schneller als Fiji, in Wolfenstein 2 sind es immerhin 12 beziehungsweise 15 Prozent. Spektakulär ist das aber bei Weitem nicht.

Im Benchmark-Duell: 64 CUs vs. 56 CUs

Durch die zusätzlichen acht Compute-Units kann die Vega-10-GPU in 1.920 × 1.080 bei den FPS um fünf Prozent zulegen. Die Frametimes fallen um vier Prozent besser aus. Wenn man bedenkt, dass es 14 Prozent mehr Ausführungseinheiten gibt, ist dies ein schlechter Wert. Vega 10 kann die zusätzlichen ALUs also im Schnitt nicht auslasten. Darüber hinaus hat es offenbar gegenüber dem Fiji-Vorgänger keinerlei Verbesserungen gegeben. Dieser konnte durch 64 anstatt 56 CUs ebenso um fünf beziehungsweise vier Prozent zulegen.

Bei höherer GPU-Last in 3.840 × 2.160 bleibt das Bild quasi gleich. Die neue GPU profitiert mit sechs Prozent minimal mehr bei den FPS als in Full HD. Dasselbe gilt für die Frametimes, die um fünf Prozent besser werden. Fiji erreicht in dem Fall mit jeweils sechs Prozent Steigerung ein quasi gleich gutes beziehungsweise schlechtes Ergebnis.

Auch wenn Vega nicht besser von den 64 anstatt 56 CUs profitieren kann, stellt sich noch die Frage, warum der Abstand zwischen Vega und Fiji, unabhängig von der Anzahl der Compute-Units, in Full HD größer als in Ultra HD ausfällt. Es ist davon auszugehen, dass AMD durchaus an einer besseren Auslastung der Einheiten auf Vega gearbeitet hat. Allerdings beginnt der kritische Bereich der schlechten Auslastung vermutlich schon bei weniger als 56 CUs.

Die einzelnen Spiele zeigen, dass in manchen Titeln die Einheitenskalierung besser funktioniert. So kann F1 2017 zumindest um neun Prozent auf Vega zulegen. In Kingdom Come: Deliverance sind es gar 12 Prozent und damit nahe an den optimalen 14 Prozent. Allerdings gibt es genauso Spiele, in denen Vega kaum bis überhaupt nicht auf die zusätzlichen Shader-Einheiten reagiert. So wird Destiny 2 zum Beispiel nur um drei Prozent schneller, dasselbe gilt für Deus Ex: Mankind Divided und Far Cry 5 sowie Ghost Recon Wildlands. In Shadow Warrior 2 ist der Nutzen mit zwei Prozent noch geringer. In Assassin's Creed Origins, The Witcher 3 sowie Titanfall 2 sind es gar nur noch ein Prozent.

Fazit

Bei gleichem Takt ist AMDs Vega-Architektur genauso schnell wie Polaris. Das zeigte sich bereits zur Markteinführung von Radeon RX Vega 64 und Radeon RX Vega 56 (Test) im August 2017 und ist immer noch gültig – trotz neuer Treiber und für Vega optimierter Spiele mit „Rapid Packed Math“. Und das ist keine gute Nachricht. Aus den diversen Verbesserungen gegenüber Polaris kann Vega auch nach fast einem Jahr einfach keinen Vorteil ziehen. Der einzige Grund, warum die neuen Grafikkarten schneller als die alte High-End-GPU Fiji arbeiten, ist der höhere Takt.

Und obwohl es zunächst den Eindruck erweckte, hat sich auch bei der Einheitenskalierung mit Vega gegenüber dem High-End-Vorgänger Fiji nichts getan. Beide GPUs profitieren von den maximalen 4.096 Shader-Einheiten gegenüber den 3.584 ALUs der kleineren Version gleich viel, nämlich gerade mal um 5 bis 6 Prozent, wobei es 14 Prozent sein könnten. In dieser Disziplin ist Nvidia weit voraus. Nicht grundlos wird für die nächste GPU-Generation Navi vermutet, dass das Thema Skalierung von AMD angegangen wird.

Besserung ist nicht in Sicht

Vega nähert sich dem ersten Geburtstag, generell besser geworden ist die GPU-Architektur aber nicht. In einigen Spielen gab es zwar Fortschritte, in anderen tun sich die Grafikkarten aber immer noch schwer. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich das in Zukunft noch ändern wird. Damit bleibt die These im Raum, dass Vega einfach nicht das geworden ist, was AMD eigentlich geplant hatte, und den dafür verantwortlichen Problemen auch mit neuen Treibern nicht beizukommen ist. Im Gegensatz zu vergangenen Architekturen von AMD ist es auch um den Reifeprozess von Vega damit nicht gut bestellt.

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