Gaming-Headsets im Test: Für 100 Euro nicht ohne Kompromisse 2/2

Michael Schäfer 288 Kommentare

Klang

Alle Vertreter im Testfeld setzen auf Treiber in einer Größe von 50 Millimeter, lediglich Logitech entschied sich für die 40er-Variante.

Das Void Pro RGB, das G633 sowie das Rog Strix Fusion 300 decken dabei den von Hi-Fi-Kopfhörern bekannten Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz ab. Lediglich das GSP 350 von Sennheiser und das Razer Kraken 7.1 v2 schlagen mit 15 Hz bis 26 kHz beziehungsweise 12 Hz bis 28 kHz aus der Art. Auch der Schalldruck überzeugt mit 107 dB bis 123 dB, Asus bildet hier mit 98 dB das Schlusslicht. Dennoch sollten die geringeren Werte nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Schallgeber eine sehr hohe Lautstärke bieten und die Headsets beim angenehmen Hören immer noch weit vom maximalen Bereich entfernt sind.

Generell bieten alle getesteten Headsets einen vernünftigen Klang, können jedoch mit reinen Kopfhörerlösungen im gleichen Preissegment nicht annähernd mithalten. Deutlich wird dies vor allem beim GSP 350 von Sennheiser, bei dem der Hersteller durch eigene Kopfhörerserien einen direkten Vergleich bietet. Und selbst verglichen mit einem mittlerweile über 20 Jahre alten Sennheiser HD 560 MK II landet das Testfeld weit abgeschlagen.

Begrenzte Klangmöglichkeiten

Somit dürfen von den getesteten Sets keine Klangwunder erwartet werden. Generell hatten die Hersteller vor allem die Basswiedergabe im Auge, die in vielen Spielen in der Tat auch sehr wichtig ist. So klingen das Razer und das Corsair von Natur aus recht dumpf, das G633 neigt schnell zu Verzerrungen. Das Asus klingt hingegen ohne zusätzliche Klangeinstellungen flach.

Dies hat zum Ergebnis, dass die Testkandidaten oftmals recht dumpf und basslastig klingen, ohne einen wirklich guten und tiefen Bass aufbieten zu können. Wer bei Spielen also auf eine bassreiche und grummelnde Untermalung setzt, wird enttäuscht. Das G633 von Logitech läuft sogar schnell Gefahr zu übersteuern.

Logitech G633
Logitech G633
Logitech G633
Logitech G633
Viele Bedienelemente beim Logitech G633
Viele Bedienelemente beim Logitech G633
Logitech G633 mit eingeklappen Mikrofon
Logitech G633 mit eingeklappen Mikrofon

Bis auf Asus hält jedes getestete Headset Möglichkeiten zur Klangeinstellung per Software bereit: Razer, Corsair und Logitech in Form eines Equalizers, letzterer zudem noch mit separaten Bass- und Höhenreglern, welche aber nicht zusammen mit dem Equalizer verwendet werden können. Sennheiser bietet dagegen lediglich vier vorgefertigte Klangeinstellungen, von denen nur „ESPORT“ überzeugen kann. In dieser Einstellung werden die Bässe stark zurückgefahren, um im Wettkampf Stimmen besser erkennen zu können.

Surround-Funktion

Darüber hinaus bieten alle Headsets eine Raumklangfunktion, Logitech, Sennheiser und Corsair nutzen eine von Dolby lizenzierte Lösung. In der dazugehörigen Software ermöglichen wiederum nur Logitech und Razer eine eigene Kalibrierung der einzelnen virtuellen Kanäle, bei den anderen Systemen muss man mit den vom Hersteller vorgenommenen Einstellungen vorliebnehmen.

Obwohl alle Hersteller mit dieser Funktion werben, kann diese dennoch nur als Gimmick verstanden werden – denn in dieser Hinsicht zu überzeugen weiß keiner der Testkandidaten. So ist im Spiel eine räumliche Ortung (einmal von links und rechts abgesehen) nur schwer und mit einiger Erfahrung möglich. Geschehnisse, welche sich hinter dem Nutzer abspielen sollen, werden oft lediglich mit etwas Hall versehen sowie leiser und dumpfer dargestellt. Da klingen selbst 30 Jahre alte Kunstkopf-Aufnahmen räumlicher.

Sennheiser GSP 350
Sennheiser GSP 350
Sennheiser GSP 350 mit eingeklappen Mikrofon
Sennheiser GSP 350 mit eingeklappen Mikrofon
Das Mikrofon des Sennheiser GSP 350 kann nicht überzeugen
Das Mikrofon des Sennheiser GSP 350 kann nicht überzeugen
Lautstärkeregler beim Sennheiser GSP 350
Lautstärkeregler beim Sennheiser GSP 350
Audio-Prozessor beim Sennheiser GSP 350
Audio-Prozessor beim Sennheiser GSP 350

Mikrofon

Neben dem Klang der Kopfhörer muss bei einem Headset auch die Aufnahmequalität des Mikrofons überzeugen. Und da einige Vertreter im Testfeld über eine Funktion zur Reduzierung der Umgebungsgeräusche verfügen, wurde nicht nur die reine Klangqualität („Clean‟) des Mikrofons getestet, sondern über Ventilator und Tastatur Nebengeräusche eingestreut („Noise‟), die es herauszufiltern galt. Für die Headsets, welche über eine einstellbare Filterung verfügen, wurde diese mit 50 Prozent und 100 Prozent (oder einer adäquaten Einstellung) getestet („Noise Cancelling‟). Die Aufnahmen wurden nicht nachbearbeitet, sondern für einen besseren Vergleich lediglich auf einen einheitlichen Lautstärkepegel normalisiert.

Durchwachsenes Ergebnis

Negativ fällt zunächst das Rog Strix Fusion 300 von Asus auf, welches Geräusche des Anschlusskabels mit aufnimmt. Der Pegel des Mikrofons ist im Vergleich zur Konkurrenz sehr gut, am Ende kommt die Klangqualität jedoch nicht über das Niveau einer Telefonverbindung hinaus. Über eine Funktion zur Unterdrückung der Umgebungsgeräusche verfügt das Headset nicht.

Asus Rog Strix Fusion 300

Asus Rog Strix Fusion 300 Clean
Asus Rog Strix Fusion 300 Noise

Nicht viel besser macht es Sennheiser, auch wenn der Name in Bezug auf die Herstellung von Mikrofonen aus dem professionellen Bereich etwas anderes erhoffen lässt. Hier sorgt die Qualität ebenfalls nur für ein Quaken. Hinzu kommt der schlechte Eingangspegel, welcher für eine hohe Reglereinstellung und somit für ein höheres Grundrauschen sorgt. Die Filterfunktion ermöglicht die getrennte Aktivierung für die Rauschunterdrückung und die Verminderung der Nebengeräusche. Dennoch bleibt die Funktion ohne großen Vorteil, in beiden Stufen sind die Tastaturanschläge fast wie im Original zu hören. Das Rauschen wird zwar hörbar unterdrückt, dafür macht sich ein leichtes „Pumpen‟ breit.

Sennheiser GSP 350

Sennheiser GSP 350 Clean
Sennheiser GSP 350 Noise
Sennheiser GSP 350 Noise Cancelling 50
Sennheiser GSP 350 Noise Cancelling 100

Die beste Sprachqualität bieten die verbliebenen Teilnehmer im Test, wobei das Void Pro RGB von Corsair zwar klar, aber auch etwas dünn klingt. Kraftvoller zeigen sich dagegen Razer und Logitech, auch wenn deren Mikrofone das eine oder andere Mal zu Verzerrungen neigen. Darüber hinaus neigt das G633 von Logitech zu einem leichten Flanger-Effekt, womit sich dieses wie bei einer Audioübertragung mit geringer Bandbreite anhört. Bei Razer kann die Klangqualität zusätzlich über die separat einstellbare Mikrofonlautstärke sowie Mikrofonempfindlichkeit optimiert werden.

Corsair Void Pro RGB

Corsair Void Pro RGB Clean
Corsair Void Pro RGB Noise
Corsair Void Pro RGB Noise Cancelling 50
Corsair Void Pro RGB Noise Cancelling 100

Logitech G633

Logitech G633 Clean
Logitech G633 Noise
Logitech G633 Noise Cancelling

Die stufenlos einstellbare Reduktion der Nebengeräusche zeigt bei Corsair und Logitech kaum Wirkung. Bei Razer greift sie zwar, sorgt aber gleichzeitig für einen deutlichen Abfall der Klangqualität.

Razer Kraken 7.1 V2

Razer Kraken 7.1 V2 Clean
Razer Kraken 7.1 V2 Noise
Razer Kraken 7.1 V2 Noise Cancelling 50
Razer Kraken 7.1 V2 Noise Cancelling 100

Fazit

Wer ein Headset in der Preisklasse um 100 Euro sucht, muss Abstriche machen und sollte sich über die eigenen Prioritäten klar sein – denn die Eier legende Wollmilchsau gibt es hier nicht.

Die Verarbeitung ist ein Pluspunkt

An der Verarbeitung gibt es bei keinem Vertreter im Testfeld etwas zu bemängeln, hier haben alle Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht. Die Headsets sind robust und wirken wie aus einem Guss gefertigt.

Klanglich bleiben die Testkandidaten jedoch deutlich hinter normalen HiFi-Kopfhörern identischer Preisklassen zurück. Das Asus Rog Strix Fusion 300 klingt ohne manuelle Eingriffe reichlich flach, das Logitech G633 neigt schnell zu Verzerrungen. Vereint sind alle Teilnehmer darin, dass die Hersteller die Basswiedergabe in den Vordergrund rücken, ohne dafür eine technische Grundlage zu schaffen – so klingen alle getesteten Headsets ohne zusätzliche Einstellungen dumpf.

5 günstige Headsets im Test

Raumklang nicht der Rede wert

Die Surround-Funktion sollte bei allen Teilnehmern eher als Marketing denn als wirklicher Gewinn angesehen werden. Gerade bei Shootern, bei denen eine genaue akustische Ortung oftmals von Vorteil ist, wird deutlich, dass hier die Werbung nicht das hält, was sie verspricht – egal ob mit oder ohne Dolby. Über den Hallanteil sowie die Lautstärke lässt sich allenfalls vermuten, aus welcher Richtung der Ton kommt.

Deutliche Unterschiede bei den Mikrofonen

Bei der Klangqualität der Mikrofone haben Razer, Logitech und Corsair die Nase vorn. Asus und Sennheiser enttäuschen dagegen mit Telefonqualität, was vor allem bei Sennheiser für Unverständnis sorgt.

Drück mich!

Die Bedienung der Headsets ohne die jeweilige Software gestaltet sich bei einigen Modellen ebenfalls schwierig: Beim Kraken 7.1 V2 hat Razer überhaupt nicht daran gedacht, wenigstens die grundlegenden Funktionen von außen bedienbar zu machen. Asus, Corsair und Sennheiser bieten zumindest den einen oder anderen Taster beziehungsweise Regler. Hier schlägt die Stunde des G633 von Logitech, der als der stille Gewinner des Tests gehandelt werden kann: Wichtige Funktionen hat der Hersteller in haptische Bedienelemente zur schnellen Bedienung in das Headset gepackt. Außerdem können drei weitere Tasten mit wählbaren Funktionen belegt werden.

Asus Rog Strix Fusion 300
Produktgruppe Headsets, 22.06.2018
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
  • Klinkenanschluss
  • Stoff- und Lederpolster
  • Nicht überzeugende Surround-Funktion
  • Keine Filterfunktion für Nebengeräusche
  • Keine Software für zusätzliche Einstellungen
  • Kabelgeräusche über Mikrofon
Corsair Void Pro RGB
Produktgruppe Headsets, 22.06.2018
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • Gute Verarbeitung
  • Frei ausrichtbares Mikrofon
  • Nicht überzeugende Surround-Funktion
  • Filterfunktion für Umgebungsgeräusche ohne Wirkung
  • Feste Verkabelung
Logitech G633
Produktgruppe Headsets, 22.06.2018
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • Gute Verarbeitung
  • Viele Tasten direkt am Gerät
  • Frei belegbare Tasten
  • Klinkenanschluss
  • Neigt zu leichten Verzerrungen
  • Nicht überzeugende Surround-Funktion
  • Filterfunktion für Umgebungsgeräusche ohne Wirkung
Razer Kraken 7.1 V12
Produktgruppe Headsets, 22.06.2018
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • Gute Verarbeitung
  • Ausfahrbares und frei positionierbares Mikrofon
  • Keine Bedienelemente am Hörer
  • Nicht überzeugende Surround-Funktion
  • Filterfunktion für Umgebungsgeräusche ohne Wirkung
  • Registrierungszwang für Software-Nutzung
  • Feste Verkabelung
Sennheiser GSP 350
Produktgruppe Headsets, 22.06.2018
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
  • Gute Verarbeitung
  • Klinkenanschluss
  • Nicht überzeugende Surround-Funktion
  • Filterfunktion für Umgebungsgeräusche ohne Wirkung
  • Klinkenkabel nicht im Paket enthalten

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