Loupedeck im Test: Editorpult für Lightroom sucht passenden Fotografen

Jan Lehmann 13 Kommentare
Loupedeck im Test: Editorpult für Lightroom sucht passenden Fotografen
Bild: Loupedeck

tl;dr: Shortkeys dienen der Arbeitserleichterung. Bei Programmen mit einer Vielzahl an Befehlen und Parametern kann deren Nutzung aber schwer fallen. Das Loupedeck nimmt sich dieses Problems für Adobe Lightroom an. Für jeden Fotografen ist die Shortkey-Tastatur jedoch nichts. Sie bedarf Eingewöhnung und muss zum Workflow passen.

Loupedeck im Detail

Der Grundgedanke des mittels Indiegogo-Crowdfunding finanzierten Loupedeck ist ein optimierter Workflow speziell für Adobe Lightroom. Zwar kann dies auch mittels Tastatur und Maus realisiert werden, doch soll das Loupedeck den Arbeitsablauf erleichtern und beschleunigen.

Nur für Lightroom 6 und Classic CC

Das Loupedeck unterstützt sowohl Mac- als auch Windows-Computer. Bei den unterstützten Lightroom-Versionen wird jedoch lediglich auf die jüngsten Ableger Lightroom 6 und Classic CC gesetzt. Lightroom 6 ist dabei die letzte Standalone-Version des Rohdatenkonverters, dessen Support Dezember 2017 endete. Classic CC ist der direkte Nachfolger, greift jedoch auf ein Abomodell zurück. Loupedeck setzt Windows 7 oder höher beziehungsweise Mac OS ab Version 10.10 voraus.

Aufbau und Funktionsweise

Der Steuerkonsole stehen insgesamt 33 Tasten und 20 Drehregler zur Verfügung, die sich in die Bereiche Auswahl, Farbmanagment, Belichtungseinstellungen, personalisierte Funktionen und Basics gliedern.

Loupedeck – Funktionsbereiche
Loupedeck – Funktionsbereiche

Obschon die Tastenbeschriftungen lediglich in Englisch gehalten sind, können auch Nutzer mit nur wenig Lightroom-Erfahrung damit umgehen.

Der Auswahlbereich dient vorrangig der Steuerung durch die Lightroom-Bildbibliothek. Mit den Wertungstasten können einzelnen Bildern Sternbewertungen oder Farbmarkierungen verliehen werden. Neben den Bearbeitungsschritten in den Bereichen „Farbe“ und „Belichtung“ bietet das Loupedeck elf frei konfigurierbare Zusatztasten, die mittels Funktionstaste (Fn) doppelt belegt werden können. Die Tasten C1 bis C3 können dabei mit direkten Funktionen versehen werden. Die Tasten P1 bis P8 dienen der Anwendung von Benutzervorgaben (Presets und Filter).

Loupedeck: Tasten und Funktionen im Überblick
Taste Funktion Besonderheit
Bereich – Auswahl
Copy kopiert Entwicklungseinstellungen des aktuellen Fotos
Paste fügt kopierte Entwicklungseinstellungen in das aktuelle Foto ein
Pick wählt das aktuelle Foto aus
Stern / Col Wechsel zwischen Bewertungs- und Farbmarkierung
Stern 1 – 5 verleiht Bewertung 1 – 5 oder Farbmarkierung Rot, Gelb, Grün, Blau, Violett
Pfeiltasten Navigation in der Bibliothek
Bereich – Farbmanagment
Clr / BW Konvertierung in Schwarz / Weiß
Hue Farbton in Verbindung mit den 8 Farbreglern
Sat Sättigung in Verbindung mit den 8 Farbreglern
Lum Luminanz in Verbindung mit den 8 Farbreglern
Farbregler 1 – 8 Regelung zu Rot, Orangem Gelb, Grün, Aquamarin, Blau, Lila, Magenta
White Balance Farbtemperatur / Weißabgleich
Tint Farbtonung / Weißabgleich
Vibrance Dynamik
Saturation Sättigung
Bereich – Belichtungseinstellung
Contrast Kontrast
Clarity Klarheit
Shadows Tiefen
Highlights Lichter
Exposure Belichtung
Black Schwarz
White Weiß
Bereich – Basics
Brush Korrekturpinselwerkzeug Einstellungen im Pinselmenü können auch über das Loupedeck gewählt werden
Undo / Redo Letzten Befehl / Einstellung rückgängig machen oder wiederholen
Full Screen Vollbildansicht
Zoom zoomt mit eingestelltem Zoomfaktor
Rotate / Crop Begradigungs- und Beschnittwerkzeug
Export öffnet das Exportmenü
Before / After stellt bearbeitetes Bild dem Ausgangsbild gegenüber
Bereich – personalisierte Funktionen
C1 individueller Drehregler Werkseinstellung: Vignette
C2 – C3 individuelle Knöpfe Werkseinstellung: öffnet Webbrowser, Wechsel zwischen Bibliothek und Editorbereich
P1 – P8 Preset-Knöpfe Werkseinstellung: verschiedene Hersteller-Presets
Fn aktiviert Doppelfunktionen

Alltagserfahrungen

Das Loupedeck wurde im Testzeitraum über mehrere Wochen hinweg mit verschiedenen Bildern aus den Kategorien Hochzeit-, Landschaft-, Party- und Produktfotografie in Lightroom 6 verwendet. Folgende wesentliche Erkenntnisse wurden in diesem Zeitraum gewonnen.

Verarbeitung

Verarbeitung und Materialwahl des Loupedeck stehen in keinem Verhältnis zum ausgerufenen Preis von rund 200 Euro. Lässt das Mischpult beim ersten Betrachten ein Aluminiumgehäuse vermuten, wird man bei näherer Betrachtung enttäuscht: Das Loupedeck besteht komplett aus Kunststoff, der äußerst staubanfällig ist. Auch die Stabilität ist nur als ausreichend zu beschreiben. Wird etwa auf die Oberfläche in der Mitte gedrückt, so biegt sich das komplette Chassis durch. Des Weiteren wirkt das USB-Kabel für den Preis etwas zu einfach und dünn.

Die Drehregler haben eine äußerst feine Rasterung, die sowohl schnelle als auch feine Einstellungen zulässt. Die Tasten fallen für eine leichte und schnelle Bedienung relativ groß aus. Der Tastendruck wird sehr gut wahrgenommen, jedoch nur, wenn der Nutzer die entsprechende Taste nahezu genau in der Mitte drückt. Ein Drücken der Tasten an ihrem Randbereich wird gar nicht registriert.

Handhabung

Die Bildbearbeitung mit dem Loupedeck braucht anfangs sehr viel Eingewöhnungszeit. Kann der ambitionierte Lightroom-Nutzer die Bearbeitungsreihenfolge bereits im Schlaf durchschalten, muss die Anordnung der Loupedeck-Tasten und -Regler erst verinnerlicht werden.

Ist dies geschehen, lässt sich mit dem Loupedeck tatsächlich schneller und genauer arbeiten als mit dem herkömmlichen Workflow aus Maus und Tastatur. Insbesondere die Belichtungs- und Farbeinstellungen können genauer gewählt respektive sich besser an den optimalen Wert herangetastet werden. Ohne Mischpult muss der Nutzer einen Wert eintragen oder sich in 1er- oder 10er-Schritten vorkämpfen. Die Regler erlauben hier eine wesentlich bessere Feinjustage beim Bearbeiten. Sehr schön ist auch, dass ein Klick auf einen Drehregler den entsprechenden Bearbeitungswert zurücksetzt. Ebenfalls sehr hilfreich sind die Preset-Tasten, auf denen der Nutzer eigene Voreinstellungen ablegen kann oder mit denen die mitgelieferten Presets angewandt werden können.

Tastatur und Maus sind dennoch vonnöten

Dennoch kann auf die herkömmlichen Eingabegeräte nicht komplett verzichtet werden. Die Freistellung von Bildern erfolgt weiterhin mit der Maus und einem Auswahlfeld, das gezogen werden muss. Der große Drehregler auf der rechten Seite dient per Klick lediglich dem Öffnen des Freistellungswerkzeugs und in seiner Grundfunktion dem Begradigen von Bildern.

Auch für andere Optionen, beispielsweise dem Markieren sämtlicher Bilder (Strg / CMD + A), bedarf es der Tastatur. Gleiches gilt für Bearbeitungspunkte, die über die Grundoptionen hinausgehen. Punkte wie Objektivkorrekturen, Rauschen oder Schärfe werden nicht oder nur teilweise vom Loupedeck unterstützt und benötigen im Regelfall eine Maus und Tastatur.

Fazit

Das Loupedeck ist potentiell ein hilfreiches Editormischpult für den ambitionierten Lightroom-Nutzer. Die damit mögliche Arbeitsweise muss aber zum Nutzer passen. Ankreiden lassen muss sich das Loupedeck hingegen seine Umsetzung: Zwar ist es das erste Projekt, das zudem einer Crowdfunding-Kampagne entsprang, doch werfen ein instabiles Chassis und schlechte Druckpunkte der Tasten ein schlechtes Bild auf das ansonsten sehr gute Mischpult.

Mit einer relativ langen Eingewöhnungsphase kommt das Loupedeck nur denjenigen zugute, die permanent damit arbeiten. Für die gelegentliche Bildentwicklung ist es daher eher weniger geeignet. Gleiches trifft auf nahezu jeden Punkt des Loupedecks zu. Der Benutzer sollte vollumfänglich mit den gegebenen Parametern und Zusatztasten arbeiten. Wird hingegen beispielsweise nur mit wenigen Parametern gearbeitet, so wäre das Loupedeck sprichwörtlich wie Perlen vor die Säue.

Dessen ungeachtet verrichtet das Produkt einen sehr guten Dienst. Die Feinjustage mittels Regler ist sehr überzeugend und erlaubt ein feinfühliges Herantasten an den optimalen Wert des jeweiligen Parameters. Zusätzliche Tasten wie etwa die Vorher-nachher-Ansicht erleichtern das Arbeiten, ohne dass erst im Menü geklickt werden muss.

Den eigenen Workflow zu erkennen, ist schwierig

Wie sich in den Testwochen zeigte, ist aber gerade der Aspekt, sich seinen eigenen Workflow vor Augen zu führen, äußerst schwierig. Ohne das Loupedeck arbeitete der mit dem Test betraute Redakteur sehr nach Bauchgefühl. Das Loupedeck lehrt indes den gewissenhafteren Umgang mit den Parametern, was zwar gut ist, doch auch oft dazu führt, dass die Verwendung aller Regler angestrebt wird. Schnell überwirft man sich und weicht von den eigenen Gegebenheiten hinsichtlich des Workflows ab.

Ganz stark zeigt sich dies bei den Presets- und Bewertungstasten, da ansonsten nur im Bereich Partyfotografie mit drei eigenen Presets gearbeitet und von den Bewertungsskalen vollends Abstand genommen wurde. Ohne Frage ist diese Beobachtung jedoch auch in hohem Maße auf einen gewissen „Erforschungstrieb“ mit dem neuen Gadget zurückzuführen.

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