Reddit-CEO: Verbot von Hassrede sei „unmöglich durchsetzbar“

Fabian Vecellio del Monego 392 Kommentare
Reddit-CEO: Verbot von Hassrede sei „unmöglich durchsetzbar“
Bild: Web Summit | CC BY 2.0

In einem privaten Chat, der an diesem Wochenende veröffentlicht wurde, äußert sich Reddits CEO Steve Huffman äußerst kritisch zur Umsetzung etwaiger Verhaltensregeln, um „Hate Speech“, zu deren Kategorie Volksverhetzung, Rassismus oder generelle Polemik gehören können, einzudämmen.

Begriff der „Hassrede“ sei schwer zu definieren

So sickerten Screenshots einer vorerst privaten Konversation zwischen Huffman und Reddit-Nutzer Zachary Swanson durch, in der Swanson den Reddit-CEO bat, seine permissive Haltung bezüglich Hassrede zu überdenken. Dieser erwiderte, dass es auf der Plattform bereits Regeln hinsichtlich gewalthaltiger Inhalte gebe und gegen Kommentare, die offensichtlich Gewalt fördern, verherrlichen oder fordern auch aktiv vorgegangen werde. Dem fügte er hinzu, dass der Begriff „Hate Speech“ schwer zu definieren und die Umsetzung eines vollständigen Verbots ein „nahezu unmöglicher Präzedenzfall“ und „unmöglich durchsetzbar“ sei.

Die eigens aufgenommenen Screenshots veröffentlichte Swanson später in diversen Subreddits, unter anderem in r/stopadvertising, mit dem Kommentar, Huffman weigere sich, gegen Hassrede vorzugehen. Eine Reaktion der Seite folgte prompt: Eine E-Mail der Website informierte den Nutzer, er sei ironischerweise auf Grund von Belästigung für eine Woche aus dem Forum suspendiert.

Konversation zwischen Reddit-CEO Steve Huffman („spez“) und Nutzer Zachary Swanson („whatllmyusernamebe“)
Konversation zwischen Reddit-CEO Steve Huffman („spez“) und Nutzer Zachary Swanson („whatllmyusernamebe“) (Bild: Huffington Post)

Huffman in der Vergangenheit bereits häufiger in der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass Huffman wegen seiner überaus liberalen Politik in die Kritik gerät. Zuletzt bediente er im April eine Kontroverse, indem er sagte, dass Reddit klar „Verhalten“ von „Überzeugung“ trenne, Hassrede letzterem zuzuordnen und deshalb nicht zu ahnden sei. Konkret ging es um das dem US-Präsidenten Donald Trump gewidmete Subreddit r/The_Donald, welches für regelmäßige diffamierend oder gar rassistisch ausartende Debatten bekannt war.

Später versuchte der CEO klarzustellen, dass er der Meinung sei, Rassismus sei auf Reddit nicht willkommen, aber man ihn, anstatt Verbote auszusprechen, lieber frei diskutieren dürfen solle:

The best defense against racism and other repugnant views both on Reddit and in the world, is instead of trying to control what people can and cannot say through rules, is to repudiate these views in a free conversation.

Problematik ist allgegenwärtig

Das Thema betrifft selbstredend nicht nur Reddit; sämtliche soziale Medien sehen sich einer Flut polemischer, diffamierender oder gar akut gesetzeswidriger Inhalte ausgesetzt. Auch die Politik wurde darauf mittlerweile aufmerksam: So erhielten Websites zuletzt im Oktober 2017 mit dem deutschen Netzwerkdurchsetzungsgesetz strengere Auflagen. Die grundsätzliche Problematik bleibt jedoch vorerst, dass bisweilen nur Menschen in der Lage sind, potentiell illegale Hassrede oder Fake News zuverlässig zu erkennen. Daher arbeitet beispielsweise Facebook an einer KI, die ein für diese Aufgabe ausreichendes Sprachverständnis an den Tag legt.

Kritiker behaupten zunehmend, Reddit ignoriere diese Entwicklungen weitgehend und stehle sich aus der Verantwortung. Die Vergangenheit zeigt, dass die Website durchaus darauf reagieren kann: Im Jahr 2015 schloss das Forum nach gestiegenem öffentlichen Druck einige offensichtlich rassistische Subreddits, darunter beispielsweise solche mit homophober Orientierung.