GeForce RTX 2080 & 2080 Ti im Test: Heute mehr Leistung und viel Zukunft 8/8

Wolfgang Andermahr 1.840 Kommentare

Fazit

Um GeForce RTX mit Turing zu beurteilen, ist es sinnvoll, die im Test gewonnenen Erkenntnisse in vier Kategorien einzuordnen: In das Abschneiden in aktuellen und zukünftigen „herkömmlichen“ Spielen und Anwendungen. Die Umsetzung der neuen Generation Founders Edition. Das Abschneiden in Bezug auf die von Nvidia mit Turing eingeführten neuen Möglichkeiten wie Echtzeit-Raytracing und KI-gestütztes Anti-Aliasing (DLSS). Und den Preis.

Beide GeForce RTX setzen sich an die Spitze

Im von ComputerBase für diesen Test mit aktuellen Treibern und Spielen aufgesetzten Testparcours mit Spielen ohne RTX- oder DLSS-Funktion setzt sich die GeForce RTX 2080 Ti mit einer guten Portion Abstand an die Spitze und die GeForce RTX 2080 platziert sich dahinter. Mit im Schnitt 40 Prozent Vorsprung auf die GeForce GTX 1080 als Founders Edition überholt die GeForce RTX 2080 Founders Edition die GeForce GTX 1080 Ti um sechs Prozent und die GeForce RTX 2080 Ti setzt noch einmal rund 30 Prozent oben drauf; der Leistungsgewinn Ti zu Ti liegt damit bei 35 Prozent. Das ist ein ordentlicher Sprung, der das, was Pascal vor zwei Jahren geschafft hat, zwar nicht wiederholt; hier lag die GeForce GTX 1080 Founders Edition sogar 30 Prozent vor der GeForce GTX 980 Ti im Referenzdesign. Pascal war aber auch eine echte Ausnahmeerscheinung. Konkurrenz von AMD für Turing gibt es nicht mehr im Ansatz.

Leistungsvergleich (Founders Edition)
Paarung 2.160p 1.440p 1.080p
RTX 2080 vs. GTX 1080 +40 % +39 % +31 %
RTX 2080 vs. GTX 1080 Ti +6 % +8 % +5 %
RTX 2080 Ti vs. GTX 1080 +78 % +71 % +51 %
RTX 2080 Ti vs. GTX 1080 Ti +35 % +32 % +21 %
RTX 2080 vs. RX Vega 64 +37 % +37 % +32 %
RTX 2080 Ti vs. RX Vega 64 +74 % +68 % +52 %

Dass Turing nicht einfach Pascal in schneller ist, sondern Architektur und Speicher deutlich angepasst wurden, zeigt sich beim Vergleich der Zugewinne in einzelnen Spielen – je nach Titel gibt es hier deutliche Abweichungen nach oben und nach unten. Einen großen Einfluss dürften dabei die neuen Integer-Einheiten haben. Diese Anpassung hat offenkundig großes Potential, sollten in Zukunft mehr Spiele darauf ausgelegt werden. Handfester Kritikpunkt in dieser Kategorie ist damit höchstens der Speicher, der mit 8 respektive 11 GB unverändert bleibt.

Ohne die Leistungsaufnahme ansteigen zu lassen, kann Turing das gezeigte Leistungsniveau im Vergleich zu Pascal nicht erreichen. Bei der GeForce RTX 2080 Ti ist der Aufschlag mit neun Prozent allerdings sehr gering, die Effizienz gemessen in FPS pro Watt steigt deutlich und liegt doppelt so hoch wie die der Radeon RX Vega 64. Die GeForce RTX 2080 genehmigt sich unter Last hingegen im Schnitt 30 Prozent mehr als der vergleichbare Vorgänger. Auch hier steigt die Effizienz, allerdings weniger deutlich. Die von Nvidia auch offiziell angehobene TDP hatte das bereits in Aussicht gestellt.

Die Founders Edition macht Partnern das Leben schwer

Weil Nvidia die neue Founders Edition deutlich besser als die Vorgängerversionen umgesetzt hat, sind beide Grafikkarten trotz Mehrverbrauch unter Last trotzdem leiser als die Vorgänger – und das obwohl Nvidia sie nicht mehr in das Temperature Target laufen lässt. Ein Problem gibt es aktuell noch unter Windows, denn hier sind Verbrauch und auch Lautstärke noch zu hoch. Laut Nvidia handelt es sich um ein Treiber-Problem, das noch behoben werden soll.

GeForce RTX 2080 und 2080 Ti als Founders Edition
GeForce RTX 2080 und 2080 Ti als Founders Edition

Schon jetzt steht allerdings fest: Partnerkarten werden es bei dieser Generation damit richtig schwer haben, denn bei der Leistung scheint es ohne Temperatur-Bremse bei der Referenz wenig Spielraum zu geben. Was bleibt, sind das immer noch vorhandene aber deutlich kleinere Potential bei der Lautstärke und die Optik – inklusive RGB-LED-Beleuchtung, die Nvidia nicht bietet.

Neue Funktionen sind noch Zukunftsmusik

Wäre GeForce RTX in Sachen Funktionen und Preis nur eine neue Generation Pascal, das Fazit wäre an dieser Stelle klar: Den rekordverdächtigen Leistungssprung von der 900er zur 1000er Serie erhalten Spieler zwar nicht, aber 40 respektive 35 Prozent mehr FPS in Ultra HD bei gestiegener Effizienz sind immer noch ein großer Sprung. Turing ist aber nicht Pascal in schneller – nicht bei der Technik und nicht beim Preis.

Mit RT-Cores und Tensor-Cores beinhaltet Turing Funktionseinheiten, die es auf Grafikkarten für Spieler bisher nicht gegeben hat. Entsprechend riesig und komplex und auch teuer ist die GPU. Nvidia hat zweifelsohne technisch viel gewagt und einen noch vor drei Monaten nicht denkbaren Umbruch angestoßen: Möglich werden Echtzeit-Raytracing inklusive KI-Denoising und Kantenglättung mit Cloud- und KI-Unterstützung (DLSS). Beides rechtfertigt für Nvidia die preisliche Positionierung der neuen GeForce RTX über den alten GeForce GTX.

GeForce RTX 2080 (Ti) als Founders Edition und Custom Designs
GeForce RTX 2080 (Ti) als Founders Edition und Custom Designs

Das Problem: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Testberichtes konnte auch Nvidia kein einziges Spiel zur Verfügung stellen, das bereits auf Echtzeit-Raytracing oder DLSS setzt. Und die bisher präsentierten Videos und ausgewählten Tech-Demos lassen noch keine Beurteilung dieser für Turing wesentlichen Aspekte zu. Bei Raytracing liegt das weniger an den potentiellen Vorteilen als an der Frage nach der Leistungsfähigkeit, beim noch weniger praktisch bereits in Erscheinung getretenen DLSS an beiden Aspekten.

In beiden Fällen scheint das Potential zwar groß, wie groß es allerdings ist und ob bereits Turing es nutzen können wird, darüber kann zum aktuellen Zeitpunkt noch überhaupt keine Aussage getroffen werden. Der von Nvidia für die neuen Funktionen erhobene Aufpreis ist damit vorerst nur an ein Versprechen von deutlichen Vorteilen in der Zukunft geknüpft. Immerhin sind mittlerweile elf Spiele mit Raytracing und 25 Spiele mit DLSS angekündigt.

GeForce RTX mit Preisaufschlag

Weil das von Nvidia angeführte Argument noch nicht beurteilt werden kann, sind die für GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti aufgerufenen Preise damit definitiv ein Thema. Denn mit 849 Euro für die GeForce RTX 2080 und 1.249 Euro für die GeForce RTX 2080 Ti liegen beide Modelle, die von AMD auf absehbare Zeit überhaupt keine Konkurrenz zu fürchten haben, über den Vorgängern (GeForce GTX 1080: 789 Euro, GeForce GTX 1080 Ti: 819 Euro, jeweils UVP zum Marktstart). Beim kleineren Modell sind es zwar nur 60 Euro, in Anbetracht der aktuellen Marktpreise für die 1000er-Serie (knapp 500 Euro für die GeForce GTX 1080, knapp 700 für die GeForce GTX 1080 Ti) und des 8 GB großen Speichers benötigt aber auch dieses Modell die neuen Funktionen als rationales Kaufargument. Andernfalls ist der Aufpreis für das mehr an Leistung in herkömmlichen Spielen immer noch deutlich (RTX 2080) respektive viel zu groß (RTX 2080 Ti).

Die neuen Funktionen in Spielen sind optisch überzeugend und in Bezug auf die Leistung gut umgesetzt, könnten an der Einschätzung von Turing also viel ändern. Doch hier müssen Nvidia und die Spielehersteller erst noch liefern. In Anbetracht der vielen bereits erfolgten Ankündigungen wird Turing auf GeForce RTX damit auch über die kommenden Monate ein definitiv viel diskutiertes Thema bleiben. Denn keine Frage, das Potential für die Zukunft ist groß. Wie Turing es nutzen können wird, ist heute noch offen.

ComputerBase hat die Informationen für diesen Artikel sowohl auf einer Veranstaltung zur Gamescom (Kosten für Anreise und Unterkunft hat ComputerBase getragen) als auch über die vergangenen zwei Wochen von Nvidia unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme auf die Berichterstattung oder die Verpflichtung, über die neuen Produkte positiv zu berichten, bestand nicht. Die beiden Founders Edition und die Grafikkarte von Zotac sowie die Treiber wurden in der vergangenen Woche zur Verfügung gestellt, Custom Designs von MSI und Asus folgten diese Woche.

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