Roccat Vulcan 120 Aimo im Test: Titan-Taster sind keine Kopie von Cherry MX

Max Doll 63 Kommentare
Roccat Vulcan 120 Aimo im Test: Titan-Taster sind keine Kopie von Cherry MX

tl;dr: Für eine gute Tastatur braucht es in der Regel eine gute Idee. Bei Roccats Vulcan Aimo steckt diese Idee hauptsächlich in den Tastern, die sich inspirieren lassen, ohne in Niederungen der Nachahmung zu verfallen. In anderen Bereichen hätte es hingegen auch noch eine gute Idee mehr sein dürfen.

Licht und eigene Taster

Auf der Feature-Liste der Vulcan 120 Aimo stehen Drehregler, Zusatztasten, RGB-LEDs und zahlreiche Software-Stellschrauben. In der Summe sind das im Jahr 2018 fast schon Selbstverständlichkeiten für eine Tastatur, die sich 160 Euro auf ihr Preisschild schreibt. Das gleiche Urteil gilt zunächst auch für die Vulcan 100, die auf die Handballenauflage verzichtet, sowie die Vulcan 80, die nur einfarbig blau leuchtet und den Drehregler zugunsten von mechanischen Zusatztasten opfert.

Alleinstellungsmerkmale schafft Roccat, indem erstmals eigene Taster offeriert werden. Die taktil abgestimmten Titan-Switches kommen in allen drei Varianten der Vulcan zum Einsatz und werden im Falle der beiden teureren Tastaturen mit einer „intelligenten“ Beleuchtung kombiniert. Das Aimo-Lichtsystem synchronisiert die Wiedergabe von Effekten nicht nur über verschiedene Roccat-Produkte hinweg, sondern soll sie auch selbstständig abhängig von Eingaben anpassen können.

Roccat Vulcan 120 Aimo
Corsair Strafe RGB
Größe (L × B × H): 46,2 × 16,0 (23,5) × 3,2 (4,1) cm
Handballenauflage
44,8 × 17,0 (21,8) × 3,8 (4,7) cm
Handballenauflage
Layout: 105 ISO (erweitert) 105 ISO
Gewicht: 1.112 g 1.272 g
Kabel: 1,80 m, USB 2.0 2,00 m, 2 × USB 2.0
Hub-Funktion: 1 × USB 2.0
Key-Rollover: N-KRO
Schalter: Roccat Titan Cherry MX Red / Brown / Silent (Red)
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
flache Tasten
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Zusatztasten: 1 × Medien
2 × Extra
Scrollrad (Helligkeit, Lautstärke)
2 × Extra
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus, Programmverknüpfungen, Makroaufnahme Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 512 kB, 4 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig (inkl. Sekundärbelegung) programmierbar
vollständig programmierbar
Preis: ab 160 € ab 155 € / ab 136 € / ab 149 €

Titan-Taster im Blick

Konzeptionell erinnern Roccats Vulcan-Taster an Cherrys MX Brown, stellen sich aber trotz technischer Ähnlichkeiten, die auch Aufbau und Gehäuse umfassen, nicht direkt in die lange Reihe von Nachbauten. Das Label „Kopie“ vermeidet Roccat durch eine eigenständige Abstimmung.

Mit deutlichem Druckpunkt

Die Titan sind zwar braun kodiert und taktil abgestimmt, lassen den Druckpunkt aber deutlich stärker und ausgeprägter spüren als der Cherry MX in gleicher Farbe. Dabei behalten sie die weiche Rückmeldung brauner Taster, zum spitz akzentuierten Klickpunkt eines MX Blue bleibt dennoch ein deutlicher Unterschied. Interessant ist hier, dass der Druckpunkt der Titan-Taster bei stabilisierten Tastern wie z. B. der Leer- und Enter-Taste stark abgeschwächt wird oder gar ganz verschwindet.

Auch in den weiteren Rahmendaten entwickelt der Taster ein eigenes Profil. Der Signalpunkt wird etwas, aber durchaus wahrnehmbar früher erreicht, der Hub auf 3,6 Millimeter begrenzt. Diese gegenwärtig in Mode gekommene Reduzierung des Anschlagsweges lässt die Taster an den Fingerspitzen flacher wirken. Dies wird von den meisten Anwendern als angenehm empfunden, weil es beispielsweise ein Gefühl von Geschwindigkeit vermittelt.

Roccat Titan
Cherry MX Brown
Charakteristik: taktil
Hubweg: 3,6 mm 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 1,8 mm 2,0 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g
Lebensdauer (Anschläge): ? 50 Mio.

In der Theorie schneller

Dieser subjektive Eindruck kann wie in ähnlichen Fällen nicht in objektiv bestimmbare Vorteile übersetzt werden. Dazu sind die Änderungen und Ersparnisse zu gering. Dies gilt uneingeschränkt auch für die Firmware der Titan. Eine von fünf auf vier Millisekunden reduzierte Entprellzeit verspricht zwar einen Zeitgewinn von 20 Prozent, die gesparte Millisekunde ist in Anbetracht der Verarbeitungs- und Transferkette von der Eingabe bis zur Reaktion auf dem Bildschirm jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Roccat Vulkan 120 AIMO

Teil des Titan-Designs ist auch der Versuch, mechanische Taster flacher werden zu lassen. Ein wenig Höhe spart der verringerte Hub ein, weit mehr der Einsatz kürzerer Tastenkappen. Aus dem verwendeten Design ergibt sich auch der Eindruck größerer Abstände zwischen den Tasten: Der hier sichtbare Freiraum wird bei normalen Kappen durch ihre Trapezform (sie haben eine größere Grund- als Oberfläche) verdeckt. Trotz der Fassung können durch die Kreuzaufnahme aber auch andere Kappen eingesetzt werden.

Leiser als der Normaltaster

Das geringere Volumen der Konstruktion lässt die Taster leiser als üblich agieren. Reduziert wird der Gewinn der Lautstärke durch die offene Kulisse, die es dem Schall erlaubt, sich ungehindert auszubreiten. Darüber hinaus bleibt das Klangbild eher hell und damit wahrnehmbar; dieser Eindruck wird durch gelegentliches helles Federpingen verstärkt. Es entsteht dann, wenn die Taster mit etwas Wucht den Anschlag erreichen, und ist bei der Enter-Taste regelmäßiger hörbar. Im (subjektiven) Mittel bleiben die Taster in dieser Form im Bereich Lautstärke nur im Durchschnitt stecken.

Die Ausleuchtung schwimmt ebenfalls im unauffälligen Mittelfeld. Weil die Funktionsweise der Taster von Cherrys MX-Modellen abgeleitet wird, muss auch die LED oberhalb oder unterhalb des Gehäuses montiert werden. Der Einsatz von transparentem Kunststoff hilft zwar, dennoch wird der zur LED entgegengesetzte Bereich der Tastenkappe schwächer angestrahlt. Helligkeitsverläufe sind daher dann zu sehen, wenn hier Beschriftungen platziert werden. Dies ist bei nur wenigen Tasten der Fall.

Auf der nächsten Seite: Nachsitzen für das Design