Die Themen des Jahres: CPU-Sicherheitslücken, AMD Ryzen 2000 und Nvidia Turing

Jan-Frederik Timm 65 Kommentare
Die Themen des Jahres: CPU-Sicherheitslücken, AMD Ryzen 2000 und Nvidia Turing

tl;dr: Auch das Jahr 2018 prägten die CPUs, wenn auch nicht nur positiv. Denn neben Ryzen 2000 bleiben insbesondere die vielen CPU-Sicherheitslücken vom Typ Meltdown, Spectre und Co. im Gedächtnis zurück. Bei den GPUs blieb es hingegen lange Zeit ruhig, bis Nvidia Turing noch einmal für viele Diskussionen sorgte.

Die Themen des Jahres 2018

Wie das Jahr 2017 stand auch das Jahr 2018 im Zeichen der CPU. Das lag zum einen erneut an AMD Ryzen, zum anderen aber auch an den gleich im Januar publik gewordenen CPU-Sicherheitslücken.

Für Entspannung bei den Preisen für Spieler-Grafikkarten sorgte hingegen das Ende des Mining-Booms. Bei den Smartphones hielt die Kerbe im Display („Notch“) industrieweit Einzug und Preise von über 1.000 Euro waren keine absolute Ausnahme mehr. Kein Thema des Jahres waren hingegen die von Nvidia und Partnern zur CES 2018 angekündigten Big Format Gaming Displays (BFGD), die es entgegen erster Ankündigungen nicht bis zur Marktreife geschafft haben.

Nachfolgend präsentiert die Redaktion die Tests, Berichte und News, die im letzten Jahr auf das größte Interesse unserer Leser gestoßen sind.

Die Artikel-Themen des Jahres

Das Erbe war groß, aber auch der Test der 2. Generation von AMD Ryzen für den Desktop hat es auf den ersten Platz der Top 10 der am häufigsten gelesenen Artikel des Jahres geschafft. War es vor einem Jahr noch die Neugier an der Unbekannte „AMD Ryzen 1000“, waren dessen positives Abschneiden und Intels für viele Anwender enttäuschende Antwort in diesem Jahr die Basis. Die Frage „Was ist da noch drin für David im Kampf gegen Goliath?“ trieb sicherlich viele Leser in den Test. Antwort: eine ganze Menge.

Vier Ryzen 2000 auf zwei X470-Mainboards von Asus und MSI im Test
Vier Ryzen 2000 auf zwei X470-Mainboards von Asus und MSI im Test

Schon zwei Monate zuvor hatte auch AMDs erste APU auf Basis von Zen und Vega für Desktop-PCs extrem viel Interesse auf sich gezogen, nur der erste Test der ersten Turing-Grafikkarten von Nvidia für Spieler, GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti, schob sich zwischen die beiden Tests zu CPUs von AMD. Im Jahr 2017 blieb der einzigen wesentlichen Neuvorstellung, AMD Radeon RX Vega, nur der 6. Platz. Bis auf Nvidia Turing und die Neuauflage von AMD Polaris im Herbst war das Jahr in Bezug auf Grafikkarten ein sehr ruhiges.

  1. AMD Ryzen 2000 im Test: Ryzen 5 2600 in Spielen schneller als Ryzen 7 1800X
  2. GeForce RTX 2080 & 2080 Ti im Test: Heute mehr Leistung und viel Zukunft
  3. AMD Ryzen 3 2200G & 5 2400G im Test: Desktop-APUs mit starker GPU
  4. Core i9-9900K & i7-9700K im Test: Sehr schnell. Sehr durstig. Extrem teuer.
  5. Pascal, Polaris und Vega im Test: Mit neuen Benchmarks und Treibern in das Jahr 2018
  6. GeForce RTX 2070 im Test: Nvidias kleine Turing-GPU im Duell mit Pascal und Vega
  7. SSD 970 Evo/Pro im Test: Samsung baut den Vorsprung weiter aus
  8. Shadow of the Tomb Raider im Test: DirectX 12 wirkt, aber schnell muss die GPU trotzdem sein
  9. Ryzen Threadripper 2000 im Test: 32 Kerne sind verrückt, 16 sehr gut nutzbar
  10. Battlefield V: DirectX 11 ist ohne DXR der Zünder der Wahl

Wie im Vorjahr folgte Intels Antwort auf AMDs Offensive im Sockel AM4 auf dem Fuße: Der Test zu Core i9-9900K und Core i7-9700K schaffte es in Sachen Zugriffe immerhin noch auf den 4. Platz. Gut kamen auch der Test der neuen 970er SSDs von Samsung und die Technik-Tests zu den Blockbustern Shadow of the Tomb Raider und Battlefield V an.

Die News-Themen des Jahres

Bei den News führte kein Weg an den gleich zu Anfang des Jahres publik gewordenen CPU-Sicherheitslücken mit den eingängigen Typenbezeichnungen Meltdown und Spectre vorbei. Mehr oder weniger zufällig war ComputerBase bereits am 2. Januar auf Diskussionen zum Thema in Linux-Newsgroups aufmerksam geworden, die sich am 3. Januar dann wie ein Lauffeuer über den Globus verbreiteten, bevor die Firmen – allen voran Intel – chaotisch auch offiziell an die Öffentlichkeit gingen. Eigentlich hatten die Beteiligten geplant, erste eine Woche später nach Microsofts Patch Day mit ersten Gegenmaßnahmen darüber zu sprechen. Dass das allerdings kaum mehr als eine Nebelkerze gewesen wäre, wurde über die kommenden Tage klar.

inSpectre meldet: Beide Lücken sind geschlossen
inSpectre meldet: Beide Lücken sind geschlossen

Die Analyse der vielen teils widersprüchlichen Verlautbarungen, deren oberste Priorität oft das Kleinreden der eigenen Betroffenheit war, war zwar eine Herausforderung, doch trotz der allgegenwärtigen Salamitaktik ließ sich die eigentliche Dimension der Problematik schnell erahnen. Und dass die Branche trotz der sechs Monate Vorlaufzeit alles andere als gerüstet für die Veröffentlichung der Sicherheitslücken war, wurde ebenfalls ersichtlich: Erste Patches senkten die Leistung der Rechner in Teildisziplinen zum Teil drastisch, der für CPUs von Intel erforderliche neue Microcode stand noch gar nicht bereit – und als er dann langsam ausgerollt wurde, gab es Probleme und einen Rückruf.

  1. Meltdown & Spectre: Details und Bench­marks zu den Sicherheits­lücken in CPUs
  2. 8-Kern-CPUs: Core i9-9900K & i7-9700K sind offiziell, Kritik an Benchmarks
  3. Windows 10 Build 17763: Oktober 2018 Update pausiert, Insider testen neue Version
  4. Nvidia Turing: Erste GeForce RTX 2080 (Ti) der Partner in Bildern
  5. Google: Das alte Gmail läuft im Oktober aus
  6. AMD Radeon RX 590?: Gerüchte um Polaris 30 in 12 nm verdichten sich
  7. PS4 überholt PS3: Meistverkauftes Spiel auf beiden Generationen identisch
  8. GPU-Inventar: Ohne Mining-Boom sitzen Hersteller auf Grafikkarten
  9. Verbot von AMD: ASRock darf Grafikkarten nicht in Europa verkaufen
  10. Windows 10: Microcode-Updates für Intel Sandy Bridge bis Coffee Lake

Ein Problem oder kein Problem?

Wie so viele Themen des Jahres wurde dabei auch dieses bipolar diskutiert. Das eine Lager sah die Lücken als irrelevant für den privaten Einsatz an und lehnte Updates mit Nachteilen für die Leistung ab, das andere war deutlich kritischer eingestellt – auch in Bezug auf das Tempo, mit denen Intel, OEMs und Microsoft gegen die Lücken vorgingen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Unzählige weitere Sicherheitslücken haben über die letzten Monate ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden und es ist davon auszugehen, dass weitere folgen werden. Auch sie fußen in der Regel auf Anfälligkeiten in der Sprungvorhersage oder aber der parallelen Ausführung von Threads auf einem CPU-Kern und stellen damit wesentliche technische Lösungen der letzten 25 Jahre in Frage.

Nicht nur diskutieren, sondern auch in Kaufentscheidungen einfließen lassen werden die Thematik die immer einflussreicheren Betreiber der Cloud- und AI-Server-Farmen, deren Kunden durch die Lücken realen Gefahren ausgesetzt sind.

Intels PR-Gau mit 8 Kernen

Für (spielende) Privatanwender hatte Intel im vergangenen Jahr aber noch einen PR-Gau zu bieten: Die autorisierten – und völlig unerwartet vor Fall des Presseembargos – veröffentlichten Spiele-Benchmarks zum ersten 8-Kern-Prozessor für den Sockel LGA 1151, den Core i9-9900K. Die von einem externen Dienstleister erstellten Testergebnisse, die Intel klar vor AMD sahen, erweckten den Anschein, unabhängig und extrem akkurat durchgeführt worden zu sein. Sie waren es aber nicht, denn AMDs Spieler-CPU-Flaggschiff Ryzen 7 2700X wurde mit praxisfernen Einstellungen getestet, die Leistung kosteten.

Intel zog sich zu Anfang mit der Aussage, die Ergebnisse lägen auf dem erwarteten Niveau (was sie auf Basis der Einstellungen ja auch waren), aus der Affaire, versprach aber Nachbesserung. Doch auch als der externe Dienstleister dann neue Benchmarks präsentierte, die Intel schwächer, aber immer noch vor AMD sahen, zeigte sich Intel nicht einsichtig. Im Gegenteil: Indem Intel erklärt, die Tests würden „weiterhin zeigen, dass der Core i9-9900K der beste Gaming-Prozessor ist“. So degradierte der Konzern die Testeinstellungen zu einer quasi belanglosen Randbemerkung und zeigt sich gegenüber Kritikern trotzig.

Dabei deutet alles darauf hin, dass Intel genau wusste, wie irreführend der (deutlich günstigere) Konkurrent zum Core i9-9900K ursprünglich getestet wurde. Eine Randbemerkung waren die Testbedingungen für Intel vor Veröffentlichungen der ersten Resultate also mit Sicherheit nicht.

Gerüchte um Turing und Polaris

Weitere News in den Top 10 des Jahres drehten sich wiederum abermals um Nvidia Turing, das Ende des Mining-Booms und damit fallende GPU-Preise und AMDs zweite Neuauflage der Polaris-Architektur für Grafikkarten unterhalb von 300 Euro. Aber auch ASRocks Schritt auf den Markt für Grafikkarten und Microcode-Updates für Intel-CPUs per Windows-10-Update stießen auf großes Interesse der Leser. Gmail und Playstation trieb hingegen Google die Leser in die Arme – in beiden Fällen derart stark, dass beide Meldungen es in die Top 10 des Jahres geschafft haben.

GeForce RTX 2080 und 2080 Ti als Founders Edition
GeForce RTX 2080 und 2080 Ti als Founders Edition

Und eure Themen des Jahres?

Gab es abseits der angesprochenen Themen weitere, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind und zum von ComputerBase abgesteckten Themenspektrum passen? Wir freuen uns über zahlreiche Wortmeldungen in den Kommentaren zu diesem Bericht.

Gleichzeitig verabschieden wir uns für dieses Jahr, wünschen einen guten Rutsch und sehen uns im Januar 2019 mit neuen spannenden Themen genau so redaktionell unabhängig wie eh und je wieder. Gleich in der zweiten Kalenderwoche wird die CES 2019 in Las Vegas mit Sicherheit für zahlreiche Neuigkeiten sorgen.

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