HP Omen Obelisk im Test: Der Gaming-PC für DIY-Spieler vom OEM

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Volker Rißka et al. 151 Kommentare

Testergebnisse

ComputerBase hat den Omen Obelisk sowohl in Anwendungen als auch in Spielen getestet. Genutzt wurde der Rechner mit einem vollständig aktualisierten Windows 10 Version 1803 („April 2018 Update“), als Grafikkartentreiber war der GeForce 417.01 installiert.

Ein DIY-PC im direkten Vergleich

Verglichen wurde das System mit einem echten „Selbstbau-PC“ aus dem Einzelhandel, repräsentiert von einem Rechner mit Z390-Platine von Asus, zwei 8-GB-RAM-Modulen für Dual-Channel und einem potenten Kühler. CPU und Grafikkarte wurden hingegen auf dem Omen Obelisk übernommen. Alle Auto-OC-Funktionen der Platine von Asus waren deaktiviert. Windows 10 und Treiber waren auf demselben Stand.

Komponente HP Omen Obelisk Vergleichs-System
CPU Core i7-8700
Kühler HP OEM Noctua NH-12
Mainboard HP H370 Asus ROG Z390 Maximus XI
RAM 1 × 16 GB DDR4-2666 2 × 8 GB DDR4-2666
GPU HP GeForce RTX 2080

Leistung in Anwendungen

Im Durchschnitt elf Prozent trennen den HP Omen Obelisk in der getesteten Version in den Anwendungs-Benchmarks vom Vergleichs-PC. Das hat drei Gründe: Die CPU-Temperatur, die CPU-Konfiguration und Single-Channel-Speicher, wobei die Konfiguration der CPU den größten Effekt zeigt.

Wie beispielsweise im zuletzt getesteten OEM-PC Medion P62020 (Test) ist es der CPU auch im Omen Obelisk unter Last nur für kurze Zeit gestattet, mehr als 65 Watt elektrische Leistung aufzunehmen. Damit fällt der Takt nach ca. 20 bis 25 Sekunden deutlich, während das Mainboard von Asus aus dem Handel die TDP ignoriert und der CPU immer so viel Verbrauch gewährt, wie sie zur Nutzung des maximalen Turbos benötigt. Unter Mehr-Kern-Last in Handbrake liegt der Takt des Core i7-8700 im HP Omen Obelisk daher schnell bei nur noch 2,4 bis 2,5 GHz statt 4,3 GHz. Mehr Informationen zu diesem Thema liefert der Artikel CPU-Leistungsaufnahme: Was „TDP“ bei AMD und Intel aktuell bedeutet.

Doch noch bevor das Powerlimit greift, kommt dem Prozessor im Obelisk ein anderes Limit in die Quere: das der Temperatur. Bei POV-Ray wird der Prozessor beispielsweise binnen 10 Sekunden zu heiß und senkt den Takt leicht, ehe nach rund 20 bis 25 Sekunden dann das strenge Powerlimit von 65 Watt greift. In Summe ergeben sich in Handbrake und POV-Ray 20 Prozent Rückstand auf das Vergleichssystem. Der Cinebench R15 läuft hingegen zu schnell durch, sodass die Auswirkungen der Drosselung im Ergebnis weniger sichtbar sind.

Dass die CPU nach Sekunden zu heiß wird, ist beim erneuten Blick auf den Kühler keine große Überraschung. Das verwendete Modell entspricht einer 5-Euro-Variante aus dem Einzelhandel, ist sehr flach und nur aus Aluminium hergestellt. Der Kühler kann bis zum Einsetzen des Lüfters also nicht genug Verlustleistung „puffern“ und muss obendrein im Anschluss vergleichsweise laut operieren, wie sich bei der Lautstärkemessung noch zeigen wird.

Leistung in Spielen

In Spielen liegt der Omen Obelisk mit im Durchschnitt 14 Prozent sogar noch etwas weiter zurück, die wesentlichen Ursachen sind aber andere. Der Unterschied in Assassin's Creed ist beispielsweise fast vollständig auf den Single-Channel-Speicher zurückzuführen. Mit zwei statt einem Modul steigen die FPS auch im Omen Obelisk auf 88 Bilder pro Sekunde an und stehen dem ComputerBase-PC mit 93 FPS dann schon sehr nahe.

Die anderen beiden Titel sehen das System von HP nicht ganz so weit zurück, aber das Fazit lautet trotzdem: Ein Gaming-Rechner sollte immer mit zwei Speicherriegeln ausgestattet sein – zwei statt vier Steckplätze auf dem Mainboard zu verlöten, würde ein Aufrüsten dann immer noch ermöglichen, ohne ein Modul opfern zu müssen.

Ein Teil des Rückstandes lässt sich auch über die Grafikkarte erklären, die im PC von HP im Schnitt über alle drei Titel rund 80 MHz niedriger taktet, weil das Temperatur-Limit erreicht wird, während sie im Vergleichssystem mit offenem Aufbau mit 81 °C am Powerlimit knapp darunter agiert.

Leistung und Einschätzung der Laufwerke

Die zwei Laufwerke im System liefern die Leistung, für die sie auch ausgelegt sind. Die 256 GByte fassende SSD von Toshiba wird vom PCIe-x2-Interface im Lesemodus limitiert (der Steckplatz beherrscht PCIe x4), die weiteren Transferraten entsprechen günstigen M.2-SSDs und sind für ein Gaming-System ausreichend. Die Kapazität ist für einen Spielerechner allerdings knapp bemessen. Angesichts des sehr geringen Aufpreises hätte dem System eine 512-GByte-SSD besser gestanden.

Das 1 TByte große Datengrab von Seagate im 3,5-Zoll-Format ist erwartungsgemäß deutlich langsamer unterwegs, in Kombination mit einer SSD aber auch heute noch eine gängige und logische Wahl. Der Aufpreis von 1 auf 2 TByte liegt im freien Handel allerdings bei kaum 10 Euro, auch hier hätte dem 2.000-Euro-System mehr Speicher gut gestanden. Über „Optane Memory“ zur Beschleunigung des Massenspeichers verfügt der PC nicht.

Lautstärke und Temperatur

Im Leerlauf ist der HP Omen Obelisk in der getesteten Konfiguration kaum zu hören und reiht sich damit in die Riege der zuletzt von ComputerBase getesteten OEM-PCs ein. Werden CPU und GPU gefordert, ändert sich das Bild allerdings.

Wird die CPU in Prime95 gefordert, steigt die Lautstärke an der linken Seite kurzfristig auf gemessene 41 dB an, bis sie in Folge der Drosselung auf 65 Watt auf 37 db fällt und dort verharrt. Der Rechner bleibt damit allerdings der lauteste im Vergleich.

Auch in Spielen ist das der Fall, wobei es in diesem Fall anzumerken gilt, dass die Grafikkarte vom Typ GeForce RTX 2080 die mit Abstand schnellste im Vergleich ist. An der absolut erreichten Lautstärke ändert das allerdings nichts: Mit gemessenen 47 Dezibel ist der Rechner an der linken Seite schon sehr deutlich wahrnehmbar.

Szenario Links Front Oben Rechts
HP Omen Obelisk, Core i7-8700, GeForce RTX 2080 (radial)
Leerlauf Windows 31 dB < 30 dB 31 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 37 dB 32 dB 35 dB 33 dB
60 Minuten Wolfenstein II 47 dB 39 dB 43 dB 41 dB
Medion P62020, Core i5-8400, (in Wolfenstein: GeForce GTX 1070 (radial))
Leerlauf Windows < 30 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 33 dB 30 dB 33 dB 33 dB
60 Minuten Wolfenstein II 35 dB 33 dB 37 dB 36 dB
Medion Erazer X67015, Core i7-8700, GeForce GTX 1070 (axial)
Leerlauf Windows 32 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 32 dB < 30 dB 31 dB 32 dB
60 Minuten Wolfenstein II 39 dB 36 dB 41 dB 41 dB
Medion Akoya P56000, Ryzen 5 1600, Radeon RX 560D (axial)
Leerlauf Windows 33 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 33 dB 34 dB 31 dB 35 dB
60 Minuten Wolfenstein II 33 dB < 30 dB 32 dB < 30 dB
Alle Messungen orthogonal zur Mitte der Oberfläche, 40 Zentimeter Abstand

Die hohe Lautstärke ist allerdings kein Indikator für eine hohe Kühlleistung, genau das Gegenteil ist der Fall. Der einzige 80-mm-Lüfter führt dem sehr schwachen CPU-Kühler einfach nicht genug Frischluft zu, da hilft auch das Direct-Heat-Exhaust-System der Grafikkarte nichts. Dass der obere vordere Bereich des Towers besonders schlecht belüftet wird, zeigt dabei die SSD, die schon im Leerlauf bei 62 °C operiert und unter Dauerlast in Spielen 70 °C erreicht. Laut Spezifikationen von Toshiba sollen die SSD-Chips der BG3-Serie maximal 80 Grad erlauben.

Szenario CPU GPU SSD HDD
HP Omen Obelisk, Core i7-8700, GeForce RTX 2080 (radial)
Leerlauf Windows 37 °C 33 °C 62 °C 32 °C
60 Minuten Prime95* 77 °C 36 °C 67 °C 33 °C
60 Minuten Wolfenstein II 88 °C 83 °C 70 °C 34 °C
Medion P62020, Core i5-8400, (in Wolfenstein: GeForce GTX 1070 (radial))
Leerlauf Windows 29 °C – °C 22 °C 34 °C
60 Minuten Prime95 76 °C – °C 26 °C 36 °C
60 Minuten Wolfenstein II 44 °C 82 °C 29 °C 35 °C
Medion Erazer X67015, Core i7-8700, GeForce GTX 1070 (axial)
Leerlauf Windows 28 °C 35 °C 31 °C 37 °C
60 Minuten Prime95 74 °C 35 °C 33 °C 38 °C
60 Minuten Wolfenstein II 65 °C 83 °C 47 °C 41 °C
Medion Akoya P56000, Ryzen 5 1600, Radeon RX 560D (axial)
Leerlauf Windows 26 °C 24 °C 33 °C 34 °C
60 Minuten Prime95 69 °C 27 °C 34 °C 35 °C
60 Minuten Wolfenstein II 51 °C 67 °C 48 °C 36 °C

Von einer „strategischen Kühlung“ kann im HP Omen Obelisk damit abschließend definitiv nicht die Rede sein. Der kleine CPU-Kühler ist schon für die verbaute und schnell limitierte 65-Watt-CPU zu schwach. Die Belüftung des Gehäuses mit nur einem 80-mm-Lüfter macht CPU- und GPU-Kühler sowie den passiv gekühlten Komponenten wie der SSD den Betrieb nicht leichter.

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