Im Test vor 15 Jahren: Kühler für den Pentium 4 auf Heizelement Marke Eigenbau

Robert McHardy 73 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Kühler für den Pentium 4 auf Heizelement Marke Eigenbau

tl;dr: Einen Kompromiss aus Kühlleistung und Lautstärke bei CPU-Kühlern zu finden, war vor 15 Jahren kein einfaches Unterfangen. ComputerBase untersuchte 15 Prozessorkühler für den Pentium 4. Das Besondere: Die Testplattform bestand aus einem zwischen 1 und 300 Watt frei einstellbaren Heizelement.

Von Aerocool bis Zalman

Im Test traten insgesamt 15 Kühler in verschiedenen Formen und Größen gegeneinander an. Der Aerocool Extreme war sowohl für den Athlon XP als auch für den Pentium 4 geeignet. Auf der 5,7 mm starken Kupferbodenplatte befanden sich aufgelötete Kühlfinnen, die von einem 80-mm-Lüfter mit blauer Beleuchtung gekühlt wurden. Bei der Verarbeitung zeigten sich Schwächen wie die nicht ganz plane Auflagefläche des Kühlers. Eine bessere Verarbeitungsqualität wies der AVC Z7 auf, der nur auf Intels Sockel 478 passte. Auf dem Kupferkühlkörper fand ein 70-mm-Lüfter Platz.

Zwei Exoten unter den Testkandidaten waren der Cooler Master Aero 4 Lite und der Aero P4, die beide über einen Radiallüfter verfügten. Die Unterschiede zwischen den beiden Modellen lagen im Detail wie der Dicke der Grundplatte mit 15 gegenüber 11 mm. Zudem war der Lüfter des Aero 4 Lite im Gegensatz zu dem des Aero P4 regelbar.

Auf einen Kühlkörper aus Aluminium setzte der Cooljag JVC 661 A. Der beigelegte 70-mm-Lüfter war per Tachosignal regelbar. Auffällig waren die deutlich sichtbaren halbrunden Rillen auf der Bodenplatte des Kühlers. In gleich doppelter Hinsicht ein weiterer Exot war der Heatlane Zen. Mit einem ausladenden Kühlkörper war er darauf ausgelegt, einen Pentium 4 passiv zu kühlen. Zudem erreichte er den Kunden als Bausatz: Die 25 Einzelteile mussten vor der Inbetriebnahme erst zusammengebaut werden.

Drei Boxed-Kühler mit im Vergleich

Als Vertreter der Boxed-Kühler von Intel befanden sich drei Modelle im Testfeld. Zum einen ein alter Aluminium-Boxed-Kühler eines Pentium 4 2,4 GHz, ein neueres Aluminium-Modell eines Pentium 4 2,66 GHz sowie ein Boxed-Kühler eines Pentium 4 3,2 GHz mit Kupferkern. Die Unterschiede der Aluminium-Modelle beschränkten sich auf feinere Kühlrippen, eine 2,5 mm dickere Grundplatte sowie einen 10 mm kleineren Lüfter bei dem neueren Modell. Durch den Kupferkern des dritten Boxed-Kühlers versprach sich Intel, die Wärme schneller von der CPU abführen zu können.

Mit guter Verarbeitung, einem Kupferkühlkörper sowie einem 80-mm-Lüfter konnte der Noiseblocker BadBoy S4 aufwarten. Über ein mitgeliefertes Potentiometer konnte der Lüfter stufenlos geregelt werden. Im Gegensatz zum Kühler von Cooler Master wurde aber keine Slotblende mitgeliefert, an der das Potentiometer angebracht werden konnte. Nobel ging es bei OCZ zu: Der Eliminator 2 P4 Golden kam, wie der Name bereits verriet, in Gold gehalten daher. Der eigentliche Kühlkörper war aus Kupfer gefertigt und wurde von einem 70-mm-Lüfter von YS-Tech gekühlt.

Thermalright war im Test mit gleich zwei Kühlern vertreten. Obwohl der SLK 947 U ohne Lüfter ausgeliefert wurde, war er nicht für den passiven Betrieb gedacht. Vielmehr hatten Kunden die Möglichkeit, den Kühler mit Lüftern verschiedener Größen (bis zu 92 mm) auszustatten. Sowohl die Grundplatte als auch die Kühlfinnen waren aus Kupfer gefertigt. Beim SP 94 mussten Kunden ebenfalls einen Lüfter separat erwerben. Die Besonderheit dieses Kühlers waren die drei Heatpipes, die für eine schnellere Abfuhr der Wärme sorgen sollten.

Der letzte Kühler mit exotischer Bauweise war der Zalman CNPS 7000 Al-Cu. Der Aufbau des Kühlers war dabei noch ungewöhnlicher als die der Radialkühler: 49 Aluminium- und 19 Kupferbleche wurden in der Mitte zusammengepresst und -geschraubt und nach außen hin aufgefächert. Zentral innerhalb dieser Konstruktion saß ein 92 mm großer Lüfter, der über eine beigelegte Lüftersteuerung geregelt werden konnte. Gänzlich zum heutigen RGB-Trend passte der Global Win CAK 5-88 TL, der über einen Vollkupferkühlkörper mit mehrfarbigem 80-mm-Lüfter verfügte.

Mit 130 Watt offenbarten sich Unterschiede

Für die Tests wurde eine Konstruktion aus einem zwischen 1,2 und 300,0 Watt einstellbaren Heizelement, einer plangefrästen Kupferplatte und einem thermoelektrischen Temperaturfühler verwendet. Die Wärmeleistung wurde auf 130 Watt eingestellt, um einen hitzköpfigen Pentium 4 zu simulieren.

Equipment montiert
Equipment montiert

Mit dem Standardlüfter gelang es dem Zalman-Kühler, die niedrigste Temperatur zu erreichen. Die beiden Thermalright-Kühler ohne beigelegten Lüfter wurden mit verschiedenen Modellen getestet und konnten dabei – je nach Konfiguration – die Spitze des Testfeldes übernehmen. Weit abgeschlagen waren die Aluminium-Boxed-Kühler von Intel, während das Modell mit Kupferkern eine vergleichbare Leistung wie die Drittanbieter-Kühler erreichte.

Beim Einsatz des gleichen Lüfters – der konstruktionsbedingt nicht auf jeden Kühler passte – auf allen Kühlern blieb dieser Eindruck weiterhin bestehen. Die Thermalright-Kühler lagen an der Spitze des Testfeldes, während der Zalman CNPS 7000 Al-Cu aufgrund seines Aufbaus Probleme mit dem Lüfter hatte. Stattdessen übernahm der Noiseblocker BadBoy den dritten Platz. Bei einer reduzierten Wärmeleistung von 35 Watt konnte der passive Betrieb mit dem Heatlane Zen getestet werden, der gegenüber den nicht auf passiven Betrieb ausgelegten Kühlern eine deutlich niedrigere Temperatur erreichte. Dass die Kühlleistung nicht für einen hochgetakteten Pentium 4 unter Volllast ausreichte, war allerdings offensichtlich.

Eine Frage des Preises

Die drei besten Kühler stammten von Thermalright und Zalman. Während die beiden Thermalright-Kühler 51 respektive 64 Euro zuzüglich eines Lüfters kosteten, war der Zalman CNPS 7000 Al-Cu bereits für 30 Euro erhältlich. Wer sich mit dessen Lautstärke-Pegel, der sich in der Mitte des Testfeldes befand, anfreunden konnte, für den war der CNPS 700 Al-Cu trotz des ungewöhnlichen Aufbaus eine Empfehlung.

Preise
Angaben in Euro
    • Heatlane Zen
      75
    • Thermalright SP 94
      64
    • Thermalright SLK 947 U
      51
    • Noiseblocker BadBoy
      50
    • OCZ Eliminator 2
      50
    • Coolermaster Aero P4
      36
    • Global Win CAK 5-88 TL
      36
    • Aerocool Extreme
      35
    • Zalman CNPS 7000 Al-Cu
      30
    • Coolermaster Aero 4 lite
      28
    • AVC Z7
      20
    • Cooljag JVC 661
      17

Der Einsatz eines Heizelementes mit einer im Vergleich zum Heatspreader des Pentium 4 vergleichbaren Kupferplatte war vor 15 Jahren ein Versuch der Redaktion, Verlustleistungen über ein breiteres Spektrum einfacher abbilden zu können. Durchgesetzt hat sich dieses Verfahren aber nicht, zu groß war dann am Ende doch der Unterschied zur echten Plattform.

Riesige Kühler für AMDs Ryzen Threadripper mit 32 Kernen

15 Jahre später testet ComputerBase immer noch CPU-Kühler. Zuletzt Luftkühler für AMDs Ryzen Threadripper 2990WX. Der bietet heutzutage nicht mehr einen Kern bei maximal 2,66 GHz, sondern 32 Kerne bei über 4 GHz Takt. Die TDP liegt mit 250 zu 89 Watt (Pentium 4 2,66 GHz) drei Mal so hoch.

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In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf: