High-End-CPUs im Test: Intel Skylake-X Refresh vs. AMD Threadripper

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Volker Rißka 271 Kommentare

Testsysteme und Benchmarks

Alle CPUs wurden gemäß ihrer offiziellen Spezifikationen getestet. Bei Intels Coffee-Lake-(Refresh-)Prozessoren sowie Skylake-X (Refresh) kam DDR4-2666, bei AMDs Ryzen-Prozessoren DDR4-2666 (Ryzen 1000) respektive DDR4-2933 (Ryzen 2000 inklusive Threadripper 2000) zum Einsatz. Die Timings betrugen immer CL15-15-15-35-1T. Die jeweiligen Turbo-Modi der Prozessoren arbeiten wie von Intel vorgesehen, entsprechende Auto-OC-Features im BIOS sind nicht aktiviert. Dies bedeutet beispielsweise, dass der All-Core-Turbo für den Core i7-9800X bei 4,1 GHz liegt und nicht dem Single-Core-Turbo entspricht – dies ist die gängigste Auto-OC-Form.

Intel Core i7-9800X im All-Core-Turbo
Intel Core i7-9800X im All-Core-Turbo

Für die klassischen Anwendungstests wurde weiterhin die GeForce GTX 1080Ti Strix OC von Asus genutzt, was auch den Teil der Messungen zur Leistungsaufnahme einschließt. So wird die vollständige Vergleichbarkeit zu allen bisher getesteten CPUs gewährleistet.

Wie zuletzt bei AMD Ryzen Threadripper 2000 kommen teilweise aktualisierte Anwendungen zum Einsatz, weshalb alle Prozessoren im direkten Vergleich damit neu gemessen wurden. Auf die Einstellungen für Spiele inklusive aktuellerer Grafiklösung wird im separaten Abschnitt eingegangen.

Tests in Anwendungen: Die Core-Familie vs. AMD Ryzen

Alle High-End-Prozessoren haben jeweils ihre Stärken und Schwächen. Intels Prozessoren takten nach wie vor sehr hoch, im Vergleich zum Vorgänger wird dies aber nur bei Last auf mehreren Kernen sichtbar. Denn der maximale Single-Core-Turbo bleibt identisch – so folglich auch das Ergebnis in den Tests.

Den AMD-Prozessoren liegt hingegen fast alles, was das Thema Rendering auch nur streift. Nicht nur halten sie so die Cinebench-Krone, auch multiple Projekte in Blender und Co. schließt Threadripper mit 32 Kernen und 64 Threads am schnellsten ab. Intels Skylake-X (Refresh) haben mit maximal 18 Kernen in diesem Bereich weiterhin keine Chance.

Doch auch Problemstellen gibt es. VeraCrypt mag auch auch mit aktueller Version 1.23 keine Threadripper mit 32 Kernen, auch andere Anwendungen lassen AMD-Prozessoren mit weniger Kernen besser dastehen als das Flaggschiff. Auch deshalb wird auf ein Gesamtrating verzichtet, da die Ausreißer das Gesamtbild verzerren.

Unterm Strich ist der Skylake-X Refresh ein minimales Update, durch das die Plattform X299 noch ein weiteres Jahr am Leben gehalten wird. Insgesamt legen die Prozessoren aufgrund des zusätzlichen Takts , wenn Last auf mehreren Kernen anliegt, um rund vier Prozent an Leistung zu. Den größten Sprung macht der Core i9-9980XE gegenüber dem Vorgänger 7980XE in POV-ray mit elf Prozent mehr Leistung – 400 MHz zusätzlich für jeden der 18 Kerne zeigen Wirkung. Doch es gibt auch die andere Seite.

Der Core i7-9800X ist überflüssig

War im vergangenen Jahr der Sechs-Kern-Prozessor Core i7-7800X aus der Familie Skylake-X quasi überflüssig, ist es in diesem Jahr der Acht-Kern-Prozessor Core i7-9800X. Schon die Einordnung beim Namen deutet an, dass der auf dem Papier preisgleiche Core i9-9900K in fast allen Fällen das schnellere Produkt ist – 4,1 GHz Takt für alle Kerne treffen auf 4,7 GHz für alle Kerne. Der 9900K sitzt zudem noch auf deutlich günstigeren Mainboards. Der 9800X bietet zwar ein Quad-Channel-Speicherinterface und mehr PCI-Lanes direkt von der CPU, doch in vielen Fällen kann davon kaum Gebrauch gemacht werden.

Test in Spielen

Spieletests bei CPUs dieser Art, die primär für Anwendungsaufgaben ausgelegt sind, bleiben ein zweischneidiges Schwert. Doch die kleineren Skylake-X Refresh sollen den Spagat zwischen Arbeit und Gaming schaffen, Threadripper hatte zuletzt gezeigt, dass Spiele durchaus funktionieren können, und AMD bewirbt ihn deshalb auch für Kunden, die „arbeiten am Tag und zocken bei Nacht“. Und damit hat der Hersteller nicht unrecht, die Modelle schlagen sich gut – sind für die besten Vertreter aber keine Konkurrenz.

Die Spiele-Benchmarks nutzen die Asus GeForce RTX 2080 Ti Strix OC mit dem Grafiktreiber GeForce 416.34 und schärferen Speicher-Timings von CL14-14-34-1T. Parallel wurden im Zuge der zuletzt notwendigen Fehleranalyse auch alle Spiele-Benchmarks neu aufgesetzt und alle Werte neu ermittelt.

Spiele und Einstellungen für Benchmarks in Full HD
Titel Detailstufe Benchmark-Typ
Assassin's Creed: Origins Extreme High Savegame
Kingdom Come Deliverance Ultra hoch Savegame
Far Cry 5 Ultra Savegame
Total War Warhammer Ultra Kampagne
Project Cars 2 Ultra Freies Rennen (Spa)
Wolfenstein 2 Mein Leben! Savegame
Destiny 2 Höchste Savegame
Overwatch Ultra Mehrspieler-Match auf Dorado
Ghost Recon Wildlands Hoch Kampagne (Savegame)
Star Wars Battlefront 2 Ultra Kampagne (Savegame)

Die Entwicklung des letzten Jahres hat aber nicht nur AMD geholfen, wie bereits der Test zu allen Threadripper 2000 festgestellt hat. Auch Intels Skylake-X und damit auch Skylake-SP kommen nun besser mit Spielen zurecht als noch zum Start. So rangieren am Ende fast alle Modelle auf Basis der Server-Architektur Skylake-SP, zu denen auch der Skylake-X Refresh gehört, in einem Rahmen von nur rund fünf Prozent Unterschied. Denn oberhalb von acht Kernen profitieren nur noch die wenigsten Titel, zudem muss die Taktfrequenz stimmen.

Gegen den Intel Core i9-9900K hat keiner der Skylake-X in Spielen eine Chance. Die Cache-Hierarchie mit Fokus auf Anwendungen und dazu ein deutlich geringerer Takt von 600 MHz und mehr bei Last auf allen Kernen sorgt für einen deutlichen Rückstand. Am Ende spielen die Skylake-X Refresh in einer Liga mit vielen AMD-Prozessoren, weshalb sie jedoch keinesfalls schlecht, sondern alle mehr als ausreichend für jedes aktuelle Spiel sind.

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