5G-Ausbau: 1&1 will als vierter Mobilfunk-Netzbetreiber einsteigen

Andreas Frischholz 75 Kommentare
5G-Ausbau: 1&1 will als vierter Mobilfunk-Netzbetreiber einsteigen
Bild: United Internet

1&1 will zum vierten Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland aufsteigen. Der Mutterkonzern United Internet hat heute offiziell verkündet, bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen mitzubieten. Dieser Schritt hatte sich in den letzten Wochen bereits angedeutet.

Mit einem Einstieg in den 5G-Markt kokettierte Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, schon seit geraumer Zeit. Nun folgte die Entscheidung vom Vorstand und Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft 1&1 Drillisch, die die Pläne final absegneten. Dommermuth erklärte dazu laut der Mitteilung: „Wir haben in den vergangenen Monaten für mehr Wettbewerb und die daraus entstehenden Impulse für einen schnellen 5G-Ausbau in Deutschland geworben.

Deutschland soll 5G-Leitmarkt werden

Nun wolle man „als vierter Netzbetreiber im Mobilfunkmarkt dazu beizutragen, dass es Deutschland gelingt, 5G-Leitmarkt zu werden“. Wie viele andere betont United Internet die Rolle des 5G-Ausbaus für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Die neue Mobilfunkgeneration sei die Basis für ein „neues wirtschaftliches Ökosystem“.

Vom 5G-Einstieg will 1&1 aber auch selbst profitieren. Beim eigenen Mobilfunkangebot nutzt der Anbieter derzeit noch fremde Netze als Reseller. Die dadurch entstehenden Kosten sollen durch den Aufbau eines eigenen Netzes schrittweise gesenkt werden, sodass Spielräume für Investitionen entstehen. So will das Unternehmen dann Angebote für die Kunden entwickeln, die etwa auch das Internet of Things (IoT) umfassen. IoT-Technologien profitieren von 5G, weil sich mit den neuen Mobilfunk-Anlagen deutlich mehr Geräte verbinden lassen.

Für den 5G-Einstieg sieht sich United Internet zudem gut gerüstet. Einer der Gründe ist die Tochtergesellschaft 1&1 Versatel, die bereits über ein 45.000 Kilometer umfassendes Glasfasernetz verfügt.

1&1 profitiert von erleichterten Auflagen

Beim 5G-Ausbau würde 1&1 als Neueinsteiger von niedrigeren Auflagen profitieren. So müssen die etablierten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica bis Ende 2022 je Bundesland 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. 1&1 muss indes nur 25 Prozent der Haushalte je Bundesland bis Ende 2023 und 50 Prozent bis Ende 2025 mit 100 Mbit/s versorgen.

Angesetzt sind die Frequenzversteigerungen für das Frühjahr dieses Jahres. Allerdings stehen auch noch die Klagen gegen die Vergaberegeln im Raum. Die stammen sowohl von den etablierten Netzbetreibern als auch weiteren Unternehmen wie 1&1. Als Gründe werden etwa Investitionshemmnisse und „rechtliche Unklarheiten“ genannt, die unter anderem das national Roaming betreffen.

Nicht bei Auktion mitbieten wird indes Freenet. Wie Golem unter Berufung auf das Handelsblatt berichtet, sind dem Unternehmen die Kosten zu hoch. Für den Aufbau eines neuen Mobilfunknetzes wären demnach mindestens 10 Milliarden Euro fällig. Damit wäre das Risiko zumindest für Freenet zu hoch.