Globalfoundries Fab 3E: VIS will Chip-Fabrik in Singapur für 236 Millionen USD

Michael Günsch 11 Kommentare
Globalfoundries Fab 3E: VIS will Chip-Fabrik in Singapur für 236 Millionen USD
Bild: Google Maps

Bevorstehender Fabrikwechsel bei den Auftragsfertigern: Vanguard International Semiconductor (VIS) will zum Jahresende das Halbleiterwerk Fab 3E von Globalfoundries übernehmen. Die Anlage in Singapur produziert pro Monat rund 35.000 Wafer. Ein Kaufpreis von 236 Millionen US-Dollar wurde vereinbart.

Der Deal umfasst nicht nur die Gebäude und Anlagen, sondern auch technisches Know-How: Geistiges Eigentum (IP) bezüglich der MEMS-Technik von Globalfoundries soll ebenso an VIS übertragen werden. MEMS ist die Abkürzung für Microelectromechanical systems, die im Deutschen als miniaturisierte Geräte oder Mikrosystem bezeichnet werden. Bei Globalfoundries werden MEMS mit Strukturbreiten von 180 nm bis 40 nm im CMOS-Verfahren auf 200-mm-Wafern hergestellt, wie das Unternehmen beschreibt.

Den bisherigen Mitarbeitern sollen im Zuge der Transaktion Angebote zur weiteren Beschäftigung unterbreitet werden. Und auch der bisherige Kundenstamm der Fab 3E soll weiterhin bedient werden.

VIS braucht mehr Kapazitäten

Nach eigenen Angaben sind die Herstellungskapazitäten von VIS seit 2018 „voll ausgelastet“. VIS besitzt bereits drei 200-mm-Wafer-Fabriken mit einem Ausstoß von rund 200.000 Wafern pro Monat oder 2,4 Millionen Wafern pro Jahr. Mit dem Kauf der Fab 3E könnten „über 400.000 Wafer pro Jahr“ hinzu kommen, so das Unternehmen.

Globalfoundries strauchelt

Bei Globalfoundries läuft es hingegen seit Jahren nicht mehr so rund. Dies hatte der CEO Thomas Caulfield letzten Mai sogar offen eingestanden und eine schwierige Zukunft für die Foundry prognostiziert. Gegenüber den großen Konkurrenten TSMC und Samsung liegt der Auftragsfertiger beim Fortschritt der Herstellungsprozesse zurück. Auf Personalkürzungen folgte das Eingeständnis, dass Globalfoundries kein 7-nm-Verfahren anbieten wird. Folglich lässt auch AMD seine CPUs und GPUs künftig bei der Konkurrenz fertigen. Erst vor wenigen Monaten folgte die Meldung, dass auch IBM in Zukunft auf TSMC statt Globalfoundries setzen wird. Globalfoundries' neuer Vertrag mit AMD über die Abnahme von Wafern hat mit 2021 zudem eine kurze Laufzeit.

Globalfoundries war im Jahr 2009 aus dem Verkauf von AMD-Fabriken entstanden. Mit den Übernahmen von Chartered Semiconductor (2010) und von IBM Microelectronics (2014) wuchs das Unternehmen zum zweitgrößten Auftragsfertiger für Halbleiter-Chips der Welt. Der mittlerweile alleinige Anteilseigner von Globalfoundries ist die Advanced Technology Investment Company (ATIC) des Emirates von Abu Dhabi.