Das letzte Einhorn: Intel Itanium verabschiedet sich für immer

Volker Rißka 52 Kommentare
Das letzte Einhorn: Intel Itanium verabschiedet sich für immer

Nun ist es so weit: Intel Itanium verabschiedet sich endgültig von der Bühne. Viele werden sagen: Zeit wird es. Die 2017 als letzte Lösung vorgestellten Modelle Kittson, die nur noch ein Minimal-Refresh des Vorgängers Poulson waren, werden eingestellt. Damit endet eine wenig rühmliche Ära bei Intel.

Bereits vor zwei Jahren schloss die ComputerBase-Meldung zur Vorstellung des Kittson mit den Worten „Die Ära des Itanium ist zu Ende“. Genau das tritt am heutigen Tag ein, denn Intel hat darüber informiert, dass das Programm zur Einstellung offiziell angelaufen ist. Noch ein Jahr werden Bestellungen für die Itanium entgegen genommen, die dann noch bis Ende Juli 2021 gefertigt werden. Einige wird Intel noch ins Lager packen, denn Support gibt es beispielsweise über Hewlett Packard Enterprise (HPE) bis 2025.

Itanium stand in erster Linie für Verzögerung

Die ganze Itanium-Familie war ihr Leben lang geprägt von unsagbar langen Verzögerungen und Änderungen oft in letzter Minute, die wieder zu Verzögerungen führten, was weitere Verzögerungen für zukünftige Modelle nach sich zog. Poulson war beispielsweise ursprünglich für 2009 angepeilt, kam dann aber erst Ende 2012 auf den Markt.

Die letzte Generation Kittson war nur noch ein Alibi-Produkt. Der Itanium 9700 war komplett wie sein Vorgänger Poulson aufgebaut und enttäuschte in vielen Bereichen, da es überhaupt keine Neuerungen gab. Auf Basis der schon Mitte 2017 betagten 32-nm-Fertigung hatte Intel mit 3,1 Milliarden Transistoren weiterhin nur einen Acht-Kern-Prozessor mit maximal 32 MByte L3-Cache und Taktraten bis zu 2,66 GHz im Programm. Das einzig positive: Der nun zehn Jahre alte Unterbau der Itanium-Plattform mit dem Sockel LGA1248 konnte nach wie vor weiter genutzt werden.

Itanium-Prozessoren Kittson und Poulson im Vergleich
Modell Kerne / Threads Takt L3-Cache TDP
Itanium 9520 4 / 8 1,73 GHz 20 MB 130 W
Itanium 9720 4 / 8 1,73 GHz 20 MB 130 W
Itanium 9540 8 / 16 2,13 GHz 24 MB 170 W
Itanium 9740 8 / 16 2,13 GHz 24 MB 170 W
Itanium 9550 4 / 8 2,40 GHz 32 MB 170 W
Itanium 9750 4 / 8 2,53 GHz 32 MB 170 W
Itanium 9560 8 / 16 2,53 GHz 32 MB 170 W
Itanium 9760 8 / 16 2,66 GHz 32 MB 170 W

Den Sargnagel für Itanium hatte Intel aber schon 2013 gesetzt. Nachdem einmal geplant war, Itanium und Xeon auf einem Sockel zu vereinen, und Intel dies selbst sogar offiziell kommuniziert hat, ruderte der Hersteller später zurück. Parallel dazu sprangen fast alle großen Kunden inklusive Oracle im Jahr 2011 und Microsoft schon im Jahre 2010 ab, das Ende der Plattform war damit nahezu schon besiegelt. Nur HPE verblieb fortan als letzter großer Kunde; zu wenig für eine komplette Prozessorfamilie mit Plattform, dem Scalable Memory Buffer und allem was dazu gehört. Doch damit ist nun Schluss, Itanium ist Geschichte.