MWC-Fazit: 5G ist überall, nur noch nicht im deutschen Netz

Nicolas La Rocco 193 Kommentare
MWC-Fazit: 5G ist überall, nur noch nicht im deutschen Netz

Der Mobile World Congress 2019 ist zu Ende und ComputerBase verlässt mit einem Eindruck die Messe, dass 5G tatsächlich angekommen ist – zumindest in den Geräten. Smartphones, Hotspots und Router mit 5G-Unterstützung gab es in Barcelona zu sehen. Von der Deutschen Telekom gab es aber nur vage Ansagen zum deutschen 5G-Start.

5G is here“ steht auf Infotafeln, Werbebannern und T-Shirts der Firma Qualcomm. Zutreffend ist das allerdings nicht nur auf die Kommunikationsspezialisten und Chip-Entwickler aus San Diego, sondern auch auf Huawei und Samsung. 5G-Geräte en masse gab es diese Woche zum alljährlichen Treffen im Mobilfunkmekka Barcelona zu sehen. Ein paar Beispiele gefällig? Samsung Galaxy S10 5G, Huawei Mate X, LG V50, Xiaomi Mi Mix 3 5G, ZTE Axon 10 Pro 5G sowie Prototypen von OnePlus und Oppo. Auch mobile 5G-Hotspots und 5G-Router für Zuhause waren in Barcelona ausgestellt.

Das Thema 5G ist somit im wahrsten Sinne des Wortes greifbar, und die Smartphones sind weder dicker noch sehen sie anderweitig schlechter als ihre Vorgänger mit LTE-Unterstützung aus. Im Falle des Huawei Mate X zählen sie sogar bereits zur Generation Falt-Smartphone. Einen zumindest vergleichbaren Energiebedarf wie ihre LTE-Vorgänger sollen sie ebenfalls haben, wie Qualcomm in Gesprächen versicherte.

Alle Ampeln für den 5G-Start scheinen somit auf Grün zu stehen – bis auf eine. Das deutsche Netz hängt noch irgendwo in einer undefinierten Gelbphase, denn geforscht wird an dem neuen Mobilfunkstandard ja bereits, nur den Startschuss wollte man in Deutschland zum MWC noch nicht geben. Unterdessen hat genau das zum Beispiel der südkoreanische Mobilfunkbetreiber LG Uplus gemacht und zum MWC auf den symbolischen roten Knopf gedrückt, der 10.000 5G-Basisstationen das Funken im 5G-Netz erlaubt. Ein neues Samsung Galaxy S10 5G jetzt kaufen und direkt im 5G-Netz nutzen? Kein Problem.

Die Deutsche Telekom ist keineswegs untätig, wie mehrere europäische 5G-Testfelder zeigen, sie steht aber auf Gas und Bremse zugleich. In Barcelona hat sie verkündet, dass 5G 2019 Realität werde. Als ComputerBase in der Frage-und-Antwort-Runde im Anschluss der Pressekonferenz von dem Unternehmen wissen wollte, wann die Vermarktung von 5G für Endverbraucher starten wird und ob der verkündete Zeitplan angesichts des Eilantrags gegen die Auktionsbedingungen der Frequenzversteigerung eingehalten werden könne, wiegelte Philipp Schindera, Leiter der Unternehmenskommunikation, ab und sagte, dass ja erst einmal die Frequenzen zur Verfügung stehen müssten. Das könnten sie bei vorhandenem Willen ab Mitte März aber.

Claudia Nemat zur 5G-Ankündigung in Barcelona
Claudia Nemat zur 5G-Ankündigung in Barcelona

Die Deutsche Telekom spielt in diesem Punkt jedoch unfair, da sie zum einen aufs Gas tritt und zur größten Mobilfunkmesse großspurig verkündet, 5G noch dieses Jahr anbieten zu wollen, zum anderen gleichzeitig zu Hause aber vor dem Verwaltungsgericht Köln einen Eilantrag zum Stopp der 5G-Auktion gestellt hat, weil ihr die Bedingungen der Versteigerung nicht zusagen. Wie zugegebenermaßen auch Telefónica und Vodafone argumentiert die Telekom mit Unverhältnismäßigkeit und Rechtsunsicherheiten. Im Kern will sich die Branche aber eigentlich nur vor Verpflichtungen zum Ausbau des neuen Netzes drücken. So bleibt abzuwarten, ob 5G 2019 für Endverbraucher tatsächlich noch Realität wird.

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